Verspundung an Corneliusstr. mit Problemen

Crush Piler erzwingt mehr Kronenrückschnitt

Alles hat seine Vor- und Nachteile

Crush Piler am Corneliusufer

Crush Piler am Corneliusufer

Der vom japanischen Gerätehersteller GIKEN entwickelte Crush Piler, der eine integrierte Bohrschnecke hat, um auch in die härtesten Böden dringen und anschließend die Stahlspundbohle einbringen zu können −, dieses innovative Gerät ist bei überhängenden Baumkronen selbst dann ungeeignet, wenn sie im Vorfeld prophylaktisch schon beträchtlich zurückgeschnitten worden sind. Sein Bedarf an Baufreiheit bzw. Lichtraum ist durch den Kran, der die Spundbohlen zureicht, weit größer als z. B. beim Silent Piler (ebenfalls von GIKEN, aber ohne Bohrhilfe), den die Firma Mette Wasserbau am Tempelhofer und Schöneberger Ufer − und besonders im Hinblick auf den Baumschutz! − in stilbildender Kooperation mit dem Baumsachverständigen und einer Baumpflegefirma so erfolgreich einsetzen konnte. [Siehe auch das Update im Rest des Beitrags!] Den Rest des Beitrags lesen »

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Verteidigung unserer Linden!

Der Modellfall

Bei den 2007 geretteten und dann wegen angeblicher Umsturzgefahr an mönströse Betonklötzer, die sog. Brockelmänner, angedockten Linden am Tempelhofer Ufer soll’s demnächst zur Sache gehen. Sie stehen im Bauabschnitt 6, wo die Fa. Mette Wasserbau im letzten Winter nur die Startbohlen eingebracht hat und ab 2. November die Verspundung vollenden soll. Doch wie mensch schon mit bloßem Auge erkennt und sowohl Laser-Messungen des WSA als auch wesentlich aussagekräftigere manuelle der Baumpflegefirma GvL in Zusammenarbeit mit Dr. Barsig [siehe hier] gezeigt haben, würde nicht nur das Einpressen/-rammen zwölf Meter langer Spundbohlen und vor allem ihr Einschwenken mit einem 22 Meter hohem Kran, sondern auch ihre Halbierung wegen der auch dann noch nötigen Arbeitshöhe von acht Metern erhebliche Kroneneingriffe erfordern, die nicht nur den Habitus dieses landschaftsprägenden Ensembles empfindlich beeinträchtigen müssten, sondern − da Silberlinden weit weniger schnittverträglich sind als bspw. Weiden − angesichts zahlreich nötiger Starkastschnitte die Gefahr des Einwanderns von Fäule bis ins Stammholz mit sich bringen und in absehbarer Zeit zum Verlust der Bäume führen, für deren Erhalt schon einiges Engagement und auch finanzielle Mittel aufgewendet worden sind, mögen die letzten nun sachlich gerechtfertigt gewesen sein oder doch eher der öffentlichen Diskreditierung des ersten gedient haben.

Standard-Verfahren werden dem „bestmöglichen Schutz jedes einzelnen Baums“ nicht gerecht!

Jedenfalls zeigten die Messungen und die entsprechenden Farbmarkierungen der potentiellen Schnittstellen an den Starkästen [siehe das Barsig-Gutachten], dass eine Drittelung der Bohlen mit einer Arbeitshöhe von allenfalls sechs Metern unter der Maßgabe des bestmöglichen Baumschutzes noch vertretbar wäre. Während eine Drittelung zunächst für technisch machbar, dann wieder nicht und zuletzt wieder doch bezeichnet wurde [siehe z. B.  hier und hier], heißt es nun erneut, es gehe aus statischen Gründen wegen der zu geringen Einbindungstiefe der 4m-Teile keinesfalls, da diese dann die schwere selbstschreitende Presse nicht tragen könnten. Dass dies ja auch gar nicht nötig sei, sondern erst das nächste Teilstück aufgeständert, verschweißt und anschließend das Ganze tiefer eingepresst und daraufhin mit dem dritten Teilstück der ganze Vorgang nochmals wiederholt werde, bevor sich die die Presse „draufsetzt“, wurde wegen des aufwendigen Gerätewechsels zwischen Presse und Ramme als zu aufwendig verworfen. Amtsleiter Scholz aber hatte seinerzeit erklärt, auch eine Drittelung von Spundbohlen sei durchaus schon gemacht worden und wegen der Stärke der Profile (AZ 25), damit sie nach der Kleimeier-Variante auch für eine dauerhafte Lösung taugten, gebe es auch keine statischen Probleme… Vor allem aber sprach der Chef von einer „Filigranbauweise“, während es jetzt offenbar wieder in Richtung Standard- und 08/15-Methoden gehen soll.

Besser noch ein Jahr Korsettierung als Verkrüppelung für immer!

Deshalb schlagen die BürgervertreterInnen nun vor, entweder auf die seinerzeit von Amtsleiter Scholz gleichfalls als machbar bezeichnete Option einer Verschwenkung der Spundwandtrasse um ca. einen Meter in Richtung Fahrrinne zurückzukommen, denn dies würde längere Bohlen ermöglichen und gleichzeitig die Astschnitte auf ein Minimum reduzieren. Die neuerliche Munitionssondierung würde allenfalls einige Tage beanspruchen, also keine große Zeitverzögerung bedeuten. − Sollte diese Alternative wegen der Verengung der Fahrrinne jedoch am Widerstand der Reeder scheitern, plädieren wir für einen Baustopp an dieser Stelle unter Beibehaltung der angeblich notwendigen landseitigen Sicherung, also der Brockelmänner, bis innovative technische Geräte herangeführt (z. B. Gikens Gyro Piler, der mit vier Metern Arbeitshöhe auskommt) und innovative, flexible Arbeitskonzepte entwickelt wurden, die überhängende Baumkronen, die es bekanntlich noch in sehr großer Zahl und mit noch weit geringerer Schnittverträglichkeit (z. B. Rosskastanien) entlang des Kanals gibt, bis zu einer gewissen Mindesthöhe schont.

Abschnitt 6 hat Pilotcharakter

Mithin muss in dieser Perspektive der Umgang mit den vier Linden Modellfall und Pilotprojekt sein, denn der Kronenüberhang, der weite Strecken der Kanalufer säumt, ist ja nicht nur wegen des ästhetischen Reizes des Landschaftsbilds und weil er essentieller Teil des Denkmals ist, in hohem Maße erhaltenswert, sondern auch wegen seiner eminenten ökologischen Funktion, und zwar nicht nur als Lebensraum für Vögel und Kronenfauna, sondern für die Temperatur des Kanalwassers, insofern sie durch die Verschattung während sommerlicher Hitzeperioden erheblich niedriger gehalten wird, dadurch den Sauerstoffmangel begrenzt, der durch die Zersetzung von über die Mischwasserkanalisation eingeschwemmten organischen Materials immer wieder verursacht wird − mit dem beklagenswerten Fischsterben im Gefolge, zu dem es andernfalls noch in weit höherem Maße käme.

Ein Ortstermin bei den Linden wurde anberaumt, doch da er aus unserer Sicht keine entscheidend neuen Erkenntnisse bringen wird, haben wir übers Mediationsteam dem WSA und den anderen Forumsmitgliedern vorsorglich eine entsprechende Stellungnahme zugehen lassen gemäß unserem Credo, die Sanierungstechnik an den Uferbaumbestand anzupassen und nicht umgekehrt.

Teststrecke für GIKEN beschlossen

Crush Piler kommt im Winter ans Paul-Lincke-Ufer

Spunden in unmittelbarer Gebäudenähe

Verspundung in unmittelbarer Gebäude-Nähe (Aalborg, Dänemark) © GIKEN Europe

Am Montag (13.7.) hat die in der 17. Mediationsforumssitzung (6.7.) ad hoc geschaffene Arbeitsgruppe „Teststrecke Crush Piler“ einen ca. 75 Meter langen Abschnitt am Paul-Lincke-Ufer zwischen Thielen- und Hobrechtbrücke ausgewählt und festgelegt, um die innovativen Einbring-Methoden der Firma GIKEN Europe, die u.a. geringere Lärm- und Schadstoff-Emissionen, weniger Erschütterungen und eine kürzere Bauzeit versprechen, am Landwehrkanal einem Praxistest zu unterziehen. Heute (15.7.) soll die Strecke vor Ort markiert werden.

Auch andere technisch avancierte Systeme haben die Japaner, wie berichtet, in petto, was dieses Unternehmen nicht nur für die BürgervertreterInnen sehr interessant erscheinen lässt, nämlich ein Arbeiten unter geringen Arbeitshöhen (Gyro Piler), was unter den vielen landschaftsprägenden Baumkronen entlang des Kanals zum Zuge kommen könnte, sowie ein Arbeiten auf sehr beengtem Raum (GRB), d. h. die Firma kann auf unterschiedliche Rahmenbedingungen flexibel reagieren. − In der nächsten Wintersaison sollen dann verschiedene Einbringmöglichkeiten unter überhängenden Baumkronen getestet werden.

Enervierendes Gezerre um Beschlussvorlage

Auf der genannten Forumssitzung hatte das WSA die im „Arbeitskreis Sanierung“ noch einmütig verabschiedete Beschlussvorlage zur Erprobung dieser innovativen Verfahren an Maybach- und Corneliusufer durch die Forderung „Machbarkeitsstudie zur Baulogistik“ unterlaufen. Ein unabhängiges Ingenieurbüro, nämlich die Firma Emch + Berger, sollte vorab prüfen, ob GIKENs Equipment überhaupt durch den Kanal passe. Da solche Untersuchungen in aller Regel dem Auftragnehmer obliegen und er bei einem negativen Resultat am übernommenen Auftrag eben scheitert (mit allen Folgen für professionelle Reputation und Image), wurde diese WSA-Auflage ziemlich einhellig als überflüssig und von einigen schlicht als „Verhinderungsstudie“ bezeichnet.

Die Argumentation des WSA gipfelte schließlich darin, dass man im Interesse der Befreiung der Bäume von den Betonklötzen sicherstellen müsse, dass der Abschnitt 1 (Corneliusufer) − wo die Firma Mette, wie erinnerlich, auf unerwartet festen Untergrund „biss“ und auch Rammen der Spundbohlen nicht weiterhalf −, auf jeden Fall noch im kommenden Winter wasserseitig gesichert wird, was ein Scheitern des Tests vereiteln müsste. − Ferner wurden wettbewerbs- und vergaberechtliche Argumente ins Feld geführt.

Der Kompromiss

Von hier...

Teststrecke am Paul-Lincke-Ufer von hier...

Der angenommene Kompromissvorschlag der BürgervertreterInnen ging nun dahin, das kritische Corneliusufer wieder für den Wettbewerb freizugeben und stattdessen eine gesonderte Teststrecke für das GIKEN-Verfahren auszusuchen und zu beschließen. Das ist am vergangenen Montag erfolgt. Gleichwohl muss auch an Cornelius- und Maybachufer (Riedel-Anleger Kottbusser Brücke) für die bevorstehenden Ausschreibungen ein Verfahren für die Einbringung der Spundwände festgelegt werden. Die KMR und anschließenden zusätzlichen Bodensondierungen beginnen heute (15.7.), die Dalben sind bereits entfernt, aber die bislang verfügbaren Kennwerte deuteten ja schon darauf hin, dass hier die Bodenfestigkeit geringer ist und deswegen als Einbringverfahren normales Pressen ausgeschrieben werden kann. (Ein zweites Gespräch mit den beteiligten Behörden − WSA, SenGUV, LDA − und der „betroffenen“ Reederei Riedel Anfang August, dem nun auch die BürgervertreterInnen beiwohnen dürfen, kommt im Hinblick auf die auf zeitgleich terminierte Auftragsvergabe höchstwahrscheinlich zu spät.)

Ausschreibungen für Cornelius- und Maybachufer

Zunächst hatte das WSA, wie berichtet, am Corneliusufer das eher umständliche und zeitaufwendige verrohrte Bohren mit Bodenaustausch usw. als einzige Option gesehen und Mette mit Erarbeitung eines entsprechenden Konzepts beauftragt. Erweiterte bodenkundliche Untersuchungen dort, aber auch am Tempelhofer Ufer haben inzwischen die ab sechs bis acht Metern Tiefe durchweg harten Mergel-Schichten bestätigt. Aufgrund der veränderten Randbedingungen / Einbringmethode sollen die Arbeiten zur wasserseitigen Sicherung der Ufermauer jedoch nur am Corneliusufer neu ausgeschrieben werden*. Und hier will das WSA zunächst weiter prüfen, ob und wie die bereits teilweise eingepressten Bohlen weiterzuverwenden sind und insbesondere, ob das Pressen mit integrierter Bohrhilfe (= Crush Piling) in die Leistungsbeschreibung aufgenommen werden kann. − Am Tempelhofer Ufer (Abschnitte 4 und 6 = jener mit den vier geretteten Linden) bleibt es indessen beim bisherigen Auftragnehmer, also Mette Wasserbau. − Nach wie vor wäre für uns interessant zu erfahren, ob GIKEN nicht auch hier baumfreundlichere Lösungen anzubieten hat.

Warum gerade dieser Abschnitt?

...bis da

...bis dort.

Dass die ausgewählte Crush-Piler-Teststrecke, für die als Parameter u.a. eine starke Schädigung der Regelbauweise und hohe Bodenfestigkeit erfüllt sein mussten, in einem Abschnitt mit dichter Wohnbebauung, intensiver Freizeitnutzung (Boule-Platz) und nahe der KITA Pauli liegt, spricht nur auf den ersten Blick gegen sie, denn das Verfahren soll sich ja gerade unter solch typischen innerstädtischen Gegebenheiten bewähren. − Allerdings kommt es nun darauf an, diesen der BürgerInnen-Beteiligung zu verdankenden Testlauf durch Befragung der Betroffenen (also der AnwohnerInnen) gut vorzubereiten und zu begleiten.

Durchführungs- und Qualitätskontrolle unbedingt extern vergeben!

Die erwähnte Ingenieur-Firma Emch + Berger soll nun unterm Stichwort „Baustellenlogistik“ für die Bausaison im Winter die Arbeiten an den fünf verschiedenen Bauabschnitten koordinieren. Abgesehen davon ist jedoch eminent wichtig, dass Prüfung, Auswertung und Evaluierung des Crush-Piler-Tests von einem unabhängigen Ingenieurbüro vorgenommen wird und für einen sauberen Vergleich nicht zuletzt auch Zeit- und Kostenaufwand der bislang bewältigten ca. hundert Meter Spundwand dokumentiert und herangezogen werden, auf dass Vergleichbares verglichen und die Übertragbarkeit gewährleisten werde.

Unterschiedliche Baubevollmächtigte des WSA an den diversen Bauabschnitten sind jedenfalls kontraproduktiv. Durchführungskontrolle und anschließende Evaluierung sollten in einer Hand liegen, auch und gerade wenn es um die Ermittlung jener Ergebnisse geht, die wir innerhalb der Mediation für die Auswertung des Tests im Hinblick auf unseren Kriterien-Katalog benötigen! Weiterhin haben wir uns ausbedungen, dass dieser Abschnitt in der nächsten Wintersaison endgültig fertiggestellt wird.


* siehe auch den 16. WSA-Newsletter vom 10.7., wo sich übrigens der Fehlerteufel eingeschlichen hat, indem im Zusammenhang mit der weiteren Prüfung, wie mit den bereits eingepressten, aber nicht auf Endtiefe gebrachten Spundbohlen verfahren werden soll, nur von einer „temporären“ Lösung gesprochen wird, obwohl das Forum sie hier als Teil einer endgültigen beschlossen hat! − Der Fehler soll im nächsten NL berichtigt werden.

<a title=“Aalburg, Denmark“ href=“https://baumschutz.files.wordpress.com/2009/06/aalburg_gr.jpg&#8220; target=“_blank“><img class=“size-full wp-image-5160″ title=“Spunden in unmittelbarer Gebäudenähe“ src=“https://baumschutz.files.wordpress.com/2009/06/aalburg.jpg&#8220; alt=“Spunden in unmittelbarer Gebäudenähe“ width=“250″ height=“180″ /></a>

Verspundung in unmittelbarer Gebäude-Nähe (Aalborg, Dänemark) © GIKEN Europe

Innovativen Verfahren eine Trasse!

Gute Nachrichten für die Kanalsanierung

Nachdem neue technische Errungenschaften wie bspw. das Einpressen von Stahlspundwänden mit integriertem Vor- bzw. Lockerungsbohren insbesondere nach den Erfahrungen am Corneliusufer nicht nur die BürgervertreterInnen fasziniert hatte, war der Niederlassungsleiter der Firma GIKEN Europe in Deutschland, Dr. Naji Al-Arja, in der achten Sitzung des Arbeitskreises Sanierung Gelegenheit gegeben worden, noch den zweiten Teil seiner Präsentation der durchaus revolutionären Verfahren des japanischen Unternehmens vorzustellen.

Spunden während lfd. Bahnbetrieb

Verspundung während laufendem Betrieb (Bahnstrecke Gotha–Leinefelde) © GIKEN

Ökologie und Umweltverträglichkeit kommen laut Eigenwerbung bei GIKEN an erster Stelle, wobei es vor allem um die Minimierung von Lärm, Abgasen und Gelände-Erschütterung geht, doch auch die Bauzeit wird durch Verfahren, die mehrere Arbeitsschritte integrieren, natürlich erheblich verkürzt, ja bei Anwendung des sog. GRB-Non-Staging-System bestünde sogar die Möglichkeit, den Schiffsverkehr aufrecht zu erhalten: Da Hebekran und Antriebsaggregat auf der bereits eingepressten Spundwand fahren und nur die Bohlen auf einer schmalen Schute herangeführt werden müssten, böte das System noch genügend Raum für die Ausflugsdampfer − und der Rundfahrt womöglich eine weitere Attraktion. Wenn wir uns vor Augen halten, dass die Deutsche Bahn mit den höchsten Sicherheitsstandards die Verspundung eines abrutschgefährdeten Bahndamms bei Langensalza [mit Crush Piler, siehe Foto] während des laufenden Zugverkehrs genehmigt hat, können die vom WSA vorgebrachten Sicherheitsbedenken, die so oder so eine Vollsperrung fordern, nicht recht überzeugen.

Erprobung von Pressverfahren bei der Elbdeich-Sanierung

Heute nun berichteten Mitarbeiter der Ingenieurgemeinschaft WTU GmbH, die im Auftrag des Landesumweltamts Brandenburg im Elbe-Elster-Gebiet nahe Mühlberg die Sanierung der dortigen Deiche überwacht, von Proberammungen und Spundwandarbeiten mit verschiedenen Verfahren, nämlich Vibrieren, Rammen, Pressen und Pressen mit Einbringhilfe, wobei das Crush-Pile-System der Fa. GIKEN mit deren eigenem Personal zum Einsatz kam. Die Firma habe einen sehr guten Eindruck gemacht, aber dies erstrebten bei Probearbeiten natürlich alle Bewerber. − Deshalb hatte Al-Arja im Vorfeld verständlicherweise großes Interesse an diesem Vortrag über die Auswertung der verschiedenen Techniken bekundet, war auch vom WSA via Mediatoren eingeladen, dann aber vom Amt direkt wieder ausgeladen worden, da der Auftraggeber LUA Brandenburg sich auf den Standpunkt gestellt haben soll, dass dann aus wettbewerbsrechtlichen Gründen alle Hersteller von Baumaschinen hätten eingeladen werden müssen…

Einsatz des Doppel-Z-Crush-Pilers bei Bad Langensalza

Einsatz des Doppel-Z-Crush-Pilers bei Bad Langensalza © GIKEN Europe

Die Bodenverhältnisse im genannten Gebiet sind mit jenen am LWK durchaus vergleichbar, d. h. im sandigen Untergrund finden sich ab einer gewissen Tiefe schwer durchdringbare Mergel-Geschiebe oder gar Steinblöcke, die das Rammen oder gar Pressen unmöglich machen. Da jedoch GIKENs integriertes Pressbohren, also das Crush Piling, teurer sei und auch langsamer vonstatten gehe als das Einrütteln der Stahlbohlen, plädierten die WTU-Ingenieure unter den dortigen Gegebenheiten fürs Einvibrieren und -pressen.

Wegen des Schädigungsgrads unseres Bauwerks, der Nähe von Wohnbebauung, Brücken, U-Bahnschächten etc. scheidet am LWK das Vibrierverfahren jedoch aus. Was hingegen den Zeitfaktor betrifft, der beim Crush Piling vergleichsweise am höchsten lag, so ist daran zu erinnern, dass Al-Arja auch das Einbringen von Doppel-Z-Bohlen als inzwischen technisch gelöst darstellte, wodurch sich die Arbeitsgeschwindigkeit erheblich beschleunigen dürfte.

BAW hat keine Bedenken gegenüber Crush-Piling-Test am LWK

Frank Liebetruth von der Bundesanstalt für Wasserbau überraschte mit der Auskunft, auch die Bodenkundler seiner Behörde hielten das Crush-Pile-System, bei dem der Bohrkopf dem in den Boden dringenden und mit fensterartigen Öffnungen versehenen Gehäuse ca. 30 cm vorläuft, mit der DIN EN 1536* verträglich, die bei instabilen Böden unverrohrtes Bohren verbietet. Da nämlich gerade die „Fenster“ die Druckbilanz innerhalb und außerhalb der Röhre ausgleichen, sei ein unkontrollierter Bodenentzug in der Umgebung des Bohrkopfs mit Gefahr eines hydraulischen Grundbruchs unwahrscheinlich. Und wie schon die TeilnehmerInnen des AK Sanierung sprechen sich nun auch die BAW-Leute für Teststrecken am Kanal aus, um besagtes System zu erproben.

Beschlussempfehlung fürs Forum!

Spunden in unmittelbarer Gebäudenähe

Verspundung in unmittelbarer Gebäude-Nähe (Aalborg, Dänemark) © GIKEN Europe

Wir schlagen hierfür einerseits den abgerutschten Riedel-Anleger am Maybachufer vor, da hier, sollte es doch zum befürchteten Grundbruch kommen, ja nicht mehr viel abrutschen kann und die Nähe von Wohnbebauung, U-Bahnschacht und Brücke gerade anspruchsvolle Randbedingungen für einen Machbarkeitsnachweis darstellen; nicht zuletzt macht es die Flexibilität des Verfahrens eher unwahrscheinlich, dass bei auftretenden Schwierigkeiten alles auf Halt gedreht werden muss, um ein halbes Jahr liegen zu bleiben, und wird insofern auch vom Betreiber des Anlegers befürwortet.

Und zum anderen schlagen wir eben das Corneliusufer vor, wo Pressen und Rammen, wie erinnerlich, abgebrochen werden mussten, als sich der Boden unerwartet fest erwies. Da auch die hohen Kosten des Crush Piling gegen das System ins Feld geführt werden, sollte das WSA einmal den bisherigen Verlauf der Bewältigung jener ersten 370 Meter mit den gesicherten Bäumen (ganze 20 [Korrektur: nur 10 von insges. 40] Brockelmannsche Würfel konnten entfernt werden!) inklusive der bisherigen Kosten transparent und nachvollziehbar auflisten, damit uns die Möglichkeit einer Hochrechnung auf die verbleibenden ca. zehneinhalb Kanalkilometer gegeben ist, wenn weiter nach den althergebrachten Standards verfahren werden soll. − Die Vorbehaltlichkeiten einer entsprechenden Beschlussempfehlung des AK Sanierung ans Mediationsforum sind damit jedenfalls weitestgehend ausgeräumt!

Der Crush Piler, so betonten die WTU-Ingenieure, bestehe aus einem voluminösen Gerätepark und benötige eine immense Arbeitshöhe von über 20 Metern. Mithin kann er dort, wo es überhängende Baumkronen gibt, nicht zur Anwendung kommen. All diese Stellen aber, so versicherte Al-Arja im zweiten Teil seiner Präsentation, seien mit einem ganz neuartigen System, dem sog. Gyro Piler lösbar [vgl. griech. gyros – Kreisel], der am Rand mit „Zähnen“ versehene Rohre in die Erde treibt, in unmittelbarer Nachbarschaft von Gebäuden sogar durch Beton dringen kann und dabei eine Arbeitshöhe von nur 4,50 (!) Meter beansprucht. Die Rohre werden gestückelt, im Wasser verschweißt und die Zwischenräume mit einem Winkel-Eisen verschlossen.

WSA-Wetten

Was nun den Zeitplan bzgl. Maybachufer angeht, so beharren die WSA-MitarbeiterInnen darauf, dass es dort wie geplant am 2. November losgehe, obwohl erst dieser Tage mit Bodensondierungen begonnen worden ist, ja sind sogar bereit, eine Kiste Sekt darauf zu wetten, so dass sich die Vermutung aufdrängt, es werde da noch was in der Hinterhand gehalten. Was freilich den planmäßigen Abschluss der Arbeiten am 31. März 2010 angeht, möchten die Betreffenden aber doch lieber nicht wetten…


* „Durch die EN 1536 wurden auch die Anforderungen für den Einsatz des unverrohrten Bohrens mit einer durchgehenden Bohrschnecke (Schneckenbohrpfählen) verschärft. Von nun an müssen bei instabilen Bodenschichten mit einer höheren Mächtigkeit als die des Pfahldurchmessers die Machbarkeit des Verfahrens durch örtliche Erfahrung oder Probepfähle nachgewiesen werden.“ [siehe hier]