Bürgerprotest gegen Entwurfsplanung

Gastbeitrag

Neu- und Umgestaltung Kleiner Tiergarten Moabit

Auch Vertreter des Landesdenkmalamts erhebt Einwände

Die Berliner Woche berichtet von der Informationsveranstaltung zu den Umgestaltungsplänen des östlichen Teils des Kleinen Tiergartens am 24. Juli in der Heilandkirche und der Protestaktion der Bürgerinitiative Kleiner Tiergarten / Ottopark (BI KTO) gleich zum Auftakt.

Vor dem Podium wurde zu Beginn der Veranstaltung ein Spruchband “Rettet die Bäume, Sträucher und Hecken im Kleinen Tiergarten“ entrollt, und durchs Mikrofon gab es einen kurzen Redebeitrag, der die Kritik an der Entwurfsplanung wie z.B. den nach wie vor beabsichtigten über hundert Baumfällungen, der geplanten Hecken- und Bodendeckervernichtung usw. bündelte.

Kleiner Tiergarten Ost

Kleiner Tiergarten Ost

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Baldachin der Puschkinallee wird gekappt

Vollzug der lange geplanten Sanierung zur Unzeit

Nach der Rodung des Unterwuchses und der Fällung von ca. dreihundert Bäumen (Ahorne, Robinien, aber auch Eichen) entlang der Treptower Puschkinallee während des vergangenen Winters, was ganze vegetationsfreie Abschnitte hinterließ, geht es nun seit einer Woche den sechshundert denkmalgeschützten, größtenteils über 130jährigen Platanen an die Krone. Etliche BürgerInnen haben uns augeregt angerufen, um uns zu alarmieren, doch wir konnten immer nur entgegnen, dass die Maßnahme lange geplant und auch angekündigt worden ist.

Puschkinallee ohne Baldachin

Puschkinallee ohne Baldachin (Zur Diashow bitte anklicken!)

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Kahlschlag als Bürgerwille?

Amputation einer grünen Lunge verhindern!

Vom Ortstermin im Ottopark

Ottopark-Begehung 07.04.11

Ottopark-Begehung am 7. April

Nasskalte Böen drohten am Donnerstagnachmittag den Frühling schon wieder wegzublasen, als sich im Ottopark in Moabit ca. drei Dutzend Menschen zur Ortsbegehung einfanden, um sich von Mitarbeitern des Landschaftsarchitekturbüros Latz + Partner die Umgestaltung und Aufwertung der Grünanlage zwischen der verkehrsreichen Turmstraße und Alt-Moabit erläutern zu lassen. Vor allem dass es (zunächst) um die Fällung eines Drittels der ca. 750 Bäume des kleinen Parks gehen sollte, hatte schon vergangenen Winter für einige Furore gesorgt, für Kritik bei Grünamtsmitarbeitern von Mitte und auch die BaL aufgeschreckt. Den Rest des Beitrags lesen »

Einladung zur Begehung des südlichen ELK

BI Bäume für Kreuzberg

Freitag, 11.3., 15 Uhr, Aktionsfläche Wassertorplatz

Architekt Baller erläutert seine Vision

Architekt Baller erläutert seine Vision

Schon anlässlich der Auftaktveranstaltung zur Planung einer Qualifizierung des südlichen Abschnitts des Luisenstädtischen Grünzugs (→ Ehem. Luisenstädtischer Kanal = ELK) am 8. Februar wurde klar, dass ohne einen Ortstermin die unterschiedlichen Vorstellungen von gradlinig-baumgesäumter Promenade mit Sichtachse von Kirchturm- zu Kirchturmspitze gegenüber jenen von geschwungenen Räumen, Vegetationsnischen und mäandernden Pfaden nur immer wieder als abstrakte Positionen unvermittelt aufeinander prallen würden. [Das beschlossene Protokoll siehe hier.] Den Rest des Beitrags lesen »

Konflikt linear vs. geschwungen ungelöst?

BI Bäume für Kreuzberg

Aufforderung zur Partizipation!

Workshop zur Aufwertung des Luistenstädtischen Grünzugs:

17. Februar, 18 Uhr, Statthaus Böcklerpark

Auftakt südl. ELK 02

Auftakt BürgerInnenbeteiligung südl. ELK

Kommenden Donnerstag wird es den ersten Workshop zur ökologischen und gartendenkmalpflegerischen Aufwertung des südlichsten Abschnitts des ELK geben  (ELK = Ehemaliger Luisenstädtischer Kanal). In der Auftaktveranstaltung am 8.2., woran sich trotz Verteilung von mindestens fünfzig Prozent der (einsprachig deutschen) 2500 Flyer an deutsch-türkische AnwohnerInnen leider niemand aus dieser großen Bevölkerungsgruppe beteiligte, wurden zunächst die verschiedenen Interessen- und Themenschwerpunkte gesammelt. − Ein von BI-Vertretern angemahntes, möglichst zeitnah zu erstellendes Protokoll ist bereits verteilt worden und kann formal wie inhaltlich durchaus als vorbildlich gelten.

[Update, 14.02.11: Sorry! Erst beim zweiten Lesen fiel uns auf,  dass im Protokoll auf S. 3 unter LEITBILD – GRUNDSÄTZE als Grundlage eine frühere als die geltende, also die falsche Beschlusslage der BVV zitiert wird.
Es handelt sich vermutlich um die Drucksache 1008/III −; die aktuell gültige Fassung trägt aber die Nummer DRS 1008-1/III und wurde am 25.11.2009 von der BVV beschlossen.
Dies verwundert umso mehr, weil die BI im Vorfeld mehrfach gerade auf die geänderten Passagen aufmerksam gemacht hat; und btreffende Drucksache ist im Einladungsposting vom 5. Februar auch richtig verlinkt.
Wir erwarten, dass die mit der Organisation der BürgerInnenbeteiligung beauftragte Fa. Stattbau (bzw. das praktischerweise gleich mit der Protokollerstellung befasste Planungsbüro STEINBRECHER u. PARTNER Ingenieurgesellschaft mbH) den richtigen Beschluss bzw. die entsprechenden Passagen umgehend an die TeilnehmerInnen der Veranstaltung verschickt. − Update: Stattbau hat das Versehen eingeräumt, den richtigen Beschluss an die TeilnehmerInnen versendet und zugesagt, nach Erörterung am 17.2. auch die korrigierte Protokollfassung zu versenden.] Den Rest des Beitrags lesen »

BürgerInneninitiative Bäume für Kreuzberg

Die Hütchenspieler von Zimkom

Bürgerbeteiligungszirkus am O’platz weitergezogen

Zelt

Bezirksamtszelt mit BI-Stand

Ein weißes Zelt ließ das Bezirksamt, wie angekündigt, am Samstag (20.9.) von 12 bis 17 Uhr auf der Südhälfte des Oranienplatzes aufschlagen, doch der BesucherInnenansturm hielt sich in Grenzen: Einer Blitzumfrage zufolge hatten ganze sechs Prozent [Korrektur vom 22.9.: 0,6 Prozent!] der unmittelbaren AnwohnerInnen eine von den angeblich 5000 verteilten Postwurfsendungen abbekommen, wofür sich Baustadträtin Kalepky nun schon routiniert entschuldigte. Einmal mehr war es hauptsächlich den Mobilisierungsanstrengungen der BI Bäume für Kreuzberg zu danken, dass rund 200 Interessierte in der einen oder anderen Form mittaten. Wir hatten auch über hundert türkischsprachige Handzettel verteilt, während der Bezirk für den der Landessprache noch nicht ausreichend mächtigen Teil seiner Mehrheitsbevölkerung nur ein einziges Schaukasten-Plakat übrig hatte, wodurch sich seine Beteuerungen, auch diese Klientel einbeziehen zu wollen, wieder als bloße Sprechblase erwies. − Auch auf der Website des  BA keinerlei Veranstaltungshinweis; keine Benachrichtigung all jener, die sich in Mailinglisten eingetragen hatten…

Neuauflage des alten Leitbilds

Transparent02

BI-Transpi und Arbeitsinsel B

In Gegenwart des stellvertretenden Landeskonservators von Krosigk wurden endlich jene von der BI vor gut einem halben Jahr eingeforderten denkmalpflegerischen und städtebaulichen Rahmenbedingungen enthüllt, die Politik und Landesdenkmalamt „für alle verbindlich“ vereinbart haben und die, verschiedenen VerwaltungsvertreterInnen zufolge, erst am Vorabend fertig zusammengestellt worden seien, so dass sie weder, wie von der BI gewünscht, amtlicherseits über den E-Mailverteiler geschickt noch auch im Zelt in Kopien vorgelegt werden konnten. „Wir haben hier keinen Kopierer“, bedauerte Frau Schuchardt von Stattbau. Also nahmen sich BI-Mitglieder die Freiheit und das betreffende Dokument von der Pinwand, um es mal eben zu vervielfältigten, sollte den BürgerInnen doch nicht vorenthalten werden, durch welches Raster ihre Ideen, Anregungen und Vorstellungen gefiltert und gesiebt werden sollen.

Doch siehe da: Es handelte sich um die altbekannten Vorgaben, deren planerische Umsetzung auf jener nun schon legendären Bürgerversammlung im Alevitischen Kulturzentrum am 21. April fast einhellig zurückgewiesen wurden, wie z. B. „[…]

  • Erhalt und Stärkung der Linearität des Grünzuges mit den Elementen begleitende Baumreihen, Vorgärten, Kanalmauern und Mittelweg
  • Erhalt bzw. Wiederherstellung der Süd-Nord-Sicht zur Michaeliskirche
  • Erhalt und ggf. Restaurierung der überlieferten pflanzlichen und baulichen Substanz der historischen Anlagen (Planungen von Lenné bzw. Barth/Kloss)
  • Sichtbarmachung des Kanalverlaufs durch Teilfreilegung bzw. Kennzeichnung der Lennéschen Mauern (Sockelmauern/Geländer) […]“

m.a.W. um das nämliche denkmallastige Leitbild, das nur um den Preis der weitgehenden Zerstörung des bestehenden Grünzugs und lebendigen Gartendenkmals umgesetzt werden könnte.

Baustadträtin Kalepky dankt der BI für „intensive Zusammenarbeit“ – die es nie gab

Begrüßung

Baustadträtin Kalepky beansprucht exklusives Rederecht

In ihren knappen Eröffnungsworten erklärte Baustadträtin Kalepky besagte Rahmenbedingungen für die unverhandelbare und unverzichtbare Voraussetzung jedweder Diskussion über Sanierung/Umgestaltung des Grünzugs und zäunte damit zum x-ten Mal das Pferd der BürgerInnenbeteiligung vom Schwanz auf. Leider wurde BI-VertreterInnen auf höchst unverfrorene Weise jedwede Gegenrede verweigert, ihre Vorbehalte gegen diese fragwürdige Inszenierung einer nachgeordneten, rein ornamentalen öffentlichen Partizipation deutlich zu machen, indem ausgerechnet ein Mitglied des Bürgervereins Luisenstadt, der bekanntermaßen die denkmalgerechte Wiederauferstehung der Luisenstadt predigt, kurzerhand das Mikro abschaltete, sobald sich ihm ein BI-Mitglied näherte. Sinnigerweise hatte der Bürgerverein die PA zur Verfügung gestellt und saß an den Reglern. (Später zur Rede gestellt, entschuldigte sich der Betreffende mit Verweis auf die Verabredung, nur Redebeiträge der Stadträtin zu verstärken.)

Bürgermeister Schulz erneuert seine Zusagen!

Auch Franz Schulz, der erst am frühen Nachmittag vorbeischaute, war die Neuauflage der alten Rahmenbedingungen noch gänzlich unbekannt, desgleichen auch die ominöse amtliche „Einladung zum Gespräch“ über die „Wiederbelebung des Gartendenkmals“, woran die BI, wie berichtet, erheblichen Anstoß genommen hatte, insofern es sich bei dieser Betitelung ebenfalls um nichts anderes als die verkappte alte Leitbildvorgabe handelt.

Wir übergaben dem Bezirksbürgermeister rund 1000 Unterschriften von BürgerInnen, die den bestehenden Grünzug erhalten und verbessern, aber keine Rekonstruktion eines Gartendenkmals wollen sowie eine echte BürgerInnenbeteiligung fordern.

Franz Schulz, BürgerInnen unter BI-Transpi

Franz Schulz, BürgerInnen unter BI-Transpi

Unser Bürgermeister hatte seinerzeit − es kann nicht oft genug wiederholt werden − die versäumte ergebnisoffene Leitbilddiskussion − vor allem zwischen Naturschutz auf der einen, Denkmalschutz auf der anderen Seite − nachzuholen versprochen und erkundigte sich nun treuherzig, ob denn diese Rahmenbedingungen innerhalb des Arbeitsgruppenprozesses zur Vorbereitung der öffentlichen Leitbilddebatte diskutiert worden seien. Die BI, die dies gerne schon vor einem halben Jahr getan hätte, aber den verantwortlichen Denkmalschützern nichts hatte entlocken können, musste natürlich verneinen. (Auf unsere Nachfrage hin schob übrigens Gartendenkmalpfleger Lingenauber die Schuld an der späten Nachreichung nun auf die Bezirksverwaltung.)

Gegenüber BI-VertreterInnen bekräftigte Franz Schulz, dass es vor einem Beschluss der BVV über eine neue Bauplanungsunterlage eine öffentliche Leitbilddebatte geben und dass keine Planung gegen den Mehrheitswillen durchgesetzt werde.

Zum „Hütchenspiel“

Insel A

Arbeitsinsel A nahe Waldemarbrücke

Vier überdachte „Arbeitsinseln“ entlang des Grünzugs waren mit so genannten Experten bestückt, Mitarbeitern des vom Bezirk nach „interner Ausschreibung“ beauftragten Mediationsunternehmens Zimkom Unternehmensentwicklung. Auf welchem Fachgebiet diese Herren nun Experten sein mögen, wurde nicht recht deutlich: Wenn von Freiraumplanung und Grünflächenpflege oder gar Förderung von Biodiversität oder Biotopverbund die Rede war, versagte ihnen zunächst regelmäßig der Filzstift; und wenn andererseits z. B. moniert wurde, dass sie die Regeln des „Hütchenspiels“ zu erklären versäumt hätten, reagierten sie so gar nicht professionell; insbesondere der „Moderator“ auf der nördlichsten Insel kurz vor der Waldemarbrücke tat es in einer absolut unakzeptablen, höchst unmoderaten Weise und verlegte sich auf provozierende persönliche Angriffe. Hiergegen sei auch an dieser Stelle noch einmal mit allem Nachdruck protestiert! Zu allem Überfluss agierte dieser „Moderator“ ungeniert als Zensor, wies Positionen wie „Keine Fällungen! Keine Umgestaltung! u.ä.“ als „nicht konstruktiv“, Forderungen wie „Für echte BürgerInnenbeteiligung!“ als „rein politisch“ zurück und konnte erst nach Beschwerden höheren Orts veranlasst werden, auch kritische Meinungen zu notieren. Zugegeben ein Extremfall, war aber auch bei seinen Kollegen das Bestreben, die Beiträge der BürgerInnen schon vorab zu redigieren, überdeutlich. Die im BA-Zelt ausgehängten Benimm-Regeln wurden auf diese Weise fortlaufend verletzt. Bezeichnend auch, dass nur auf einigen „Inseln“ besagte Rahmenbedingungen aushingen. Und dass auch Dr. Schulz eine Weile mit Auslegen dieser Kriterien zubrachte, beweist wohl hinlänglich ihre Erklärungsbedürftigkeit für sog. NormalbürgerInnen.

Insel B

Arbeitsinsel im Abschnitt B

Auf jeder „Arbeitsinsel“ der vier Abschnitte des Grünzugs (A = von Waldemarbrücke bis O’platz, B = von Oranien- bis Reichenberger Str., C = von Reichenberger bis Skalitzer Str und D = von dieser bis zum Urbanhafen) stapelten sich vorbereitete DIN-A3-Blätter mit vier Querspalten, die von einem grünen, gelben, schwarzen und roten Hütchen markiert waren. Grün stand für die Idee oder Anregung des/r BürgerIn, Gelb für deren positive Auswirkungen oder erwünschten Effekte, Schwarz für etwaige Hindernisse oder Widerstände bei der Umsetzung und Rot für das − „Bauchgefühl“; alles aus Perspektive der/s Probantin/en bzw. ihrem/seinem Leib. Die beschrifteten Blätter wurden alsdann an Stellwände gepinnt und konnten von nachfolgenden BürgerInnen mit verschiedenfarbigen Smilies positiv bewertet werden (die Farbe tat merkwürdigerweise nichts zur Sache; ob aber mit einer Umkehrung der Smilies, also deren jetzt herabgezogenen Mundwinkeln eine Kritik der betreffenden Idee angezeigt werden konnte, blieb vielen bis zuletzt unklar; und auf manchen Inseln gab’s überhaupt keine Smilies…).

Insel C

Arbeitsinsel in Abschnitt C mit Moderator, Bürger und Pinwand

Diese eigenwillige Methode der Ideensammlung fanden viele zwar hochkomisch, aber nicht unmittelbar einleuchtend oder gar selbsterklärend. Sie wurde dessen ungeachtet vorab mit keinem Wort erläutert (und, wie erwähnt, mitunter nicht mal während ihrer Anwendung), geschweige denn, in Abstimmung mit den angeblich Beteiligten gewählt. Somit waren Missverständnisse, Fehldeutungen und Frustrationen vorprogrammiert, und bei einem Großteil der BürgerInnen verfestigte sich der Eindruck, mehr oder minder für eine Farce auf der Spielwiese missbraucht zu werden, was nicht wenige veranlasste, sich erst gar nicht zu beteiligen.

Im weiteren Verlauf soll nun eine sog. Redaktionsgruppe aus VertreterInnen des Bezirks, des Senats, des Landesdenkmalamts, der QMs der betroffenen Quartiere, des Bürgervereins Luisenstadt und der BI Bäume für Kreuzberg die Ideensammlung sichten und sortieren, sodann eine Jury sie drei oder vier alternativen Konzepten zuordnen, aus denen ebenso viele Planungsentwürfe gestrickt werden. Diese wiederum sollen im Oktober für zehn Tage im Rathaus Yorkstraße öffentlich aushängen und darauf in öffentlicher Sitzung des Umwelt- und Verkehrausschusses debattiert werden. Ob sie als Rohentwürfe oder schon in Form vorläufiger Bauplanungsunterlagen hernach der BVV zur Beschlussfassung zugeleitet werden, wurde nicht recht klar.

Großer Erfolg für die BI

BI-Stand

Infostand der BI Bäume für Kreuzberg

Wiewohl die BI bei der Konzipierung der ganzen Veranstaltung völlig außen vor blieb und auch in unfairer Manier daran gehindert wurde, ihre Kritik an diesem Vorgehen zu äußern, war der ganze Zirkus besonders für die Positionen der Bäume für Kreuzberg ein beachtlicher Werbeerfolg: Wir pflanzten unseren Infostand unmittelbar vors amtliche Zelt, waren ein regelrechter Publikumsmagnet, führten eine Vielzahl von Gesprächen und sammelten für unsere aktualisierten Forderungen − Gegen jegliche Neugestaltung und für eine anderweitige Verwendung der zur Verfügung stehenden Steuergelder − binnen weniger Stunden erneut 160 Unterschriften.

Allererste Bilanz

Eine kursorische Auswertung der Meinungsbekundung im Rahmen des Hütchenspiels ergab ebenfalls eine überwältigende Mehrheit gegen Baumfällungen, für einen Erhalt des gegenwärtigen Charakters des Grünzugs, für eine verbesserte und fachkundige Pflege und behutsame Ergänzung. Nur eine kleine Minderheit plädiert für eine Reanimierung des Weimarer Denkmals und die Herstellung von Sichtachsen um den Preis von Fällungen.

In diesem Zusammenhang waren übrigens die abenteuerlichsten Argumente auch von für fachkundig geglaubter Seite zu hören, wonach z. B.

  • die Rede von Naturschutz sich angesichts dieses jämmerlichen Bestands und bloßen Wildwuchses schlechterdings verbiete (schützenswert sei einzig und allein Natur in Schutzgebieten…);
  • nicht alles, was grün sei und Blätter habe, deswegen auch schon ökologisch von Wert sei;
  • der Baumbestand großenteils ohnehin überaltert sei, indem offenbar zehn, zwanzig Jahre Lebenserwartung für nichts zählen;
  • der ökologische Wert zumal von Pappeln gegen Null tendiere (eine überkommene Ansicht, deren wissenschaftlich zureichende Widerlegung längst noch nicht durchgedrungen ist);
  • speziell die Pappeln an der Waldemarbrücke vom Oranienplatz aus die Sicht auf die Michaeliskirche verstellen, weshalb sie kein Lebensrecht hätten, mögen sie den Menschen soviel Verbesserung des Mikroklimas, soviel ästhetischen Reiz, Vögeln und Kleinlebewesen soviel Brut-, Nist, Lebens- und Rückzugsraum bieten wie sie wollen (dass sie zum Glück auch die Sicht auf das Heizkraftwerk Mitte verstellen, streiten die augenscheinlich mit dem Tunnelblick geschlagenen Denkmal-Rekonstrukteure allen Ernstes ab…)
Danksagung

Danksagung von Baustadträtin und BI-Mitglied

Während Bürgermeister Franz Schulz betonte, er sehe durchaus denkmalgerechte Sanierungsalternativen ohne jegliche Baumfällungen, konzediert Gartendenkmalpfleger Lingenauber allenfalls der Baller-Gestaltung südlich der Skalitzer Straße Denkmal- und damit Schutzwürdigkeit, auch wenn sie weder Mittelachse noch Symmetrie aufweise. Alles nördlich des Oranienplatzes hingegen habe sich der Gestaltung von Engelbecken und Rosengarten zu fügen, müsse auf deren Niveau abgesenkt werden, und das Festhalten an einer geschwungenen Wegeführung innerhalb einer linearen Achse sei schlechterdings eine Absurdität. Demgegenüber sprachen sich nicht wenige BürgerInnen aus Mitte dafür aus, die ehemals entlang der Waldemarbrücke verlaufende Teilung durch eine je unterschiedliche Gestaltung beider Abschnitte hervortreten zu lassen. Während Vertreter des Bürgervereins oder die gute Frau Schuchardt von Stattbau als Kompromissverschlag nur die östlichen Pappeln ums Trafohäuschen absägen wollen, hat Klaus Lingenauber gegenüber dem gesamten Pappelbestand an der Waldemarbrücke offenkundig eine ausgewachsene Phobie entwickelt und charakterisiert sein beabsichtigtes Vorgehen freimütig selber mit dem Attribut „haarklein“. − Die Fällsaison, so hörten wir gar aus dem Mund der Baustadträtin, sei in diesem Jahr vorverlegt und hoffen noch, dass es nur ein schlechter Scherz war.

Zum Abschluss der Vorstellung gegen 17 Uhr bedankte sich nicht nur die Baustadträtin bei allen Beteiligten, sondern auch ein BI-Mitglied (wieder ohne Mikro) für diese erfolgreiche Bewerbung der Positionen der Bäume für Kreuzberg

Aktuelle Pressemitteilung

Neues vom Luisenstädtischen Grünzug und der BI Bäume für Kreuzberg:

Die Grabung nach Argumenten wird fortgesetzt

Seit Beginn dieser Woche wird an der Ritterstraße gebaggert und nach dem südlichen Treppenausgang, also offenbar nach weiteren Argumenten gegraben, den Mittelweg des Luisenstädtischen Grünzugs wie geplantGrabung01 1,60 Meter tiefer zu legen und damit dem gesamten vorhandenen Baum- und Strauchbestand buchstäblich das Erdreich abzugraben. — Obwohl die Fraktion von Bündnis ’90/Die Grünen in der BVV der BI Bäume für Kreuzberg vollmundig Offenheit und Transparenz versprach, bedurfte es vieler vergeblicher Telefonate und energischer Mails, bis man sich schließlich zu einem lauen Dementi herbeiließ, wonach der Augenschein trüge und keine Fakten geschaffen würden.

BürgerInnenbeteiligung neu organisieren und Leitbild-Diskussion führen!

Dass hingegen schon die Informierung der BürgerInnen über das Vorhaben nicht ausreichte, geschweige denn ihre Beteiligung an den Planungen zur Sanierung des Grünzugs, hatten vorher gegenüber der BI nicht nur Mitglieder der grünen Fraktion, sondern hatte Bürgermeister Schulz auch persönlich eingeräumt: Bei der Kontroverse, die sich insbesondere an der seit den archäologischen Funden Ende 2006 „noch denkmalgerechter“ ausgerichteten Konzeption entzündet hat, handele es sich, wie auch anderswo in der Stadt, um den bekannten Zielkonflikt zwischen Denkmal- und Naturschutz, der weder genügend thematisiert noch auch im Rahmen einer möglichst breiten öffentlichen Leitbild-Diskussion ausgetragen worden sei. Dies nachzuholen, solle die nächste Bürgerversammlung der Auftakt sein.

UmgrabungBaustadträtin Jutta Kalepky, die (hoffentlich zum Thema!) übrigens schon letzten Freitag eine Zusammenkunft mit dem Denkmalschutz hatte, betonte ihrerseits mehrfach, dass für den südlichen Teil des Grünzugs ab Oranienplatz „noch alles offen“ sei, wenngleich es natürlich Planungen gäbe, die aber jetzt, angesichts der aktuellen Entwicklungen, vom Büro TOPOS überarbeitet würden. Zusammen mit neuen Varianten zur Nordpromenade, worin nunmehr versucht werden solle, den vorhandenen Baumbestand weitgehend zu integrieren, würden sie auf besagter Bürgerversammlung, die „zwischen dem 21. und 24. April“ stattfände, vorgestellt, die BürgervertreterInnen jedenfalls auf dem laufenden gehalten.

Kommt zur Großen BürgerInnenversammlung!

Der Bürgerverein Luisenstadt, der sich bekanntlich auf Grund der „diffamierenden Unterstellungen“ verschiedener Gruppierungen aus der Organisation der Bügerbeteiligung wie auch der Durchführung dieser Veranstaltung verabschiedet hat, weiß immerhin schon länger Genaueres über Ort und Zeit dieser wichtigen Versammlung:

Montag, 21. April, 18:30 Uhr
im Alevitischen Kulturzentrum
in der Waldemarstraße 20

In seinem Schaukasten auf dem O-Platz annoncierte er freilich nach wie vor den 9.4., und auf seiner Website wahlweise den 21. und den 24. (aber wir wollen hier nichts unterstellen!), und es bedurfte seitens der Bäume für Kreuzberg einiger Bemühungen, eine Bestätigung zu erhalten: Sie kam schließlich auch nicht vom Amt, sondern vom Grünen-Bezirksverordneten Daniel Wesener. Über das, was die Baustadträtin mit der Denkmalpflege verhandelt hat, ist allerdings auch ihm nichts bekannt.

Vermittlung zwischen Denkmal- und Naturschutz!

Gleichwohl wäre es schon wichtig zu erfahren, ob Frau Kalepky versucht hat, die Spielräume auszuloten, die es seitens des Denkmalamts doch geben muss, denn bereits für eine weniger denkmalrigoristischeTreppe Sanierungsplanung wurden ja die 600.000 Euro aus dem Topf „Städtebaulicher Denkmalschutz“ befürwortet und bewilligt. Erst jene Funde stellten alles wieder in Frage, veranlassten die neue Planung und machen nun eine neuerliche Befürwortung nötig. Es kommt mithin ganz darauf an, wie man jetzt gegenüber den Denkmalschützern argumentiert: ob man sagt, die BürgerInnen favorisieren die „0-Variante“, wollen alles so lassen, wie es ist, und bilden sich überdies ein, die Gelder könnten dann zweckentfremdet für andere Dinge verausgabt werden, wofür es angeblich ungleich dringender wäre —, oder man sagt, in Zeiten von Klimawandel, Artenschwund und gestiegener BürgerInnen-Sensibilität für Naturschutz seien Altbaumbestand und gewachsene Stadtnatur ein öffentliches Gut, das es mit dem öffentlichen Gut Denkmalpflege und -wiederherstellung abzuwägen, wo es Kompromisse zu finden gelte, gerade wenn es um Gartendenkmale geht, ohne eben vorschnell zu sagen, dafür gebräche es den banausichen Laien schlicht am Verständnis.

Sanierung im Geiste Erwin Barths!

Und hier ist übrigens Pfarrer Duntze vom Bürgerverein ganz ähnlicher Meinung wie die Leute aus der BI: dass es nämlich gerade einem immer noch oder wieder zeitgemäßen Gartenarchitekten wie Erwin Barth darum gegangen sei, „Natur in die Stadt zu holen“ und für die Menschen erlebbar zu machen, indem er etwa aus einem nutzlos gewordenen Kanal wie dem Luisenstädtischen, einer hässlichen Narbe in der Landschaft, einen Bezirke übergreifenden Grünzug gestaltet und ihn durch Untergliederung in verschiedene thematische Abschnitte — den Waldpflanzen-, den Wildblumen-, den Immergrüngarten usw. —, zu einem innerstädtischen botanischen Erlebnis- und Lehrpfad werden lässt. — Im Schatten der Wirtschaftskrise jedoch wurden Barths Pläne nur sehr eingeschrumpft umgesetzt; es ist nicht überliefert, wie er ihre Verwirklichung beurteilt hat.

Heutzutage haben wir freilich keinen trockengefallenen Kanal mehr allererst in eine Grünoase zu verwandeln, sondern vielmehr die Gelegenheit, auf dem Gebiet des alten SO 36 einen in den 80er Jahren im Zuge der IBA und unter beachtlicher BürgerInnenbeteiligung bereits konzeptionell gestalteten — als Stichwort möge hier Flusslauf statt Kanal genügen —, wenn auch inzwischen auf Grund mangelnder Pflege unbestritten (etwas) verwahrlosten Grünzug im Barthschen Geist als einen besonderen thematischen Abschnitt in eine Gesamtkonzeption zu integrieren.

Da ist jedenfalls der Denkmalschutz aufgerufen darzulegen, warum ausgerechnet die Rekonstruktion einer Billigausgabe der Barthschen Vision die allein denkmalgerechte heißen darf, ganz davon abgesehen, dass es Erwin Barth mit Sicherheit nicht darum ging, Gartendenkmale zu schaffen, sondern den StädterInnen Natur zu vergegenwärtig. Die

BürgerInnen-Versammlung
am 21. April ab 18:30 Uhr im
Alevitischen Kulturzentrum
in der Waldemarstraße 20/
Ecke Leuschner Damm

bietet dazu hoffentlich Gelegenheit!

Transparent