…und noch immer nichts gelernt!

BWB-Vorhaben Weserstraße/Reuterkiez

Einige Flyer vier Tage vorher sollen genügen

Sechseinhalb Jahre saßen Vertreter der Berliner Wasserbetriebe (BWB) im Mediationsforum „Zukunft Landwehrkanal“, stellten bisweilen Jahre im Voraus ihre Planungen vor, erörterten Alternativen, kurz: beteiligten die Stakeholder vorbildlich −, doch als es mit einigem zeitlichen Abstand dann um eine Maßnahme am Paul-Lincke-Ufer und in der Lausitzer Str. in Kreuzberg ging, überrollten sie Anwohner*innen und Forum mit der Ansage, dass alle Bäume auf einer Straßenseite gefällt werden müssten.

BWB-Maßnahme AW-Rohraustausch, 30.8.16

BWB-Maßnahme AW-Rohraustausch, 30.8.16

Es gab keine Infoveranstaltung, keine nachvollziehbare Darlegung, warum die gewählte Methode alternativlos sei, und als dann unterm Druck von Öffentlichkeit und Forumsmitglieder Beteiligung nachgeholt wurde, standen am Ende eine ökologisch schonendere Bauweise und, mit einer Ausnahme, auch noch alle Straßenbäume. Auch stellte sich bei dieser Gelegenheit heraus, dass die Mediationsvereinbarung im Hause der Wasserbetriebe nur den wenigsten bekannt war.

Die Weserstraße in Neuköllns Reuterkiez gehört nun nicht mehr zum Einzugsbereich LWK, aber ein Bewusstsein über die unabdingbare Notwendigkeit frühzeitiger Bürgerbeteiligung bei derlei Vorhaben sollte, so die naive Hoffnung, doch in all den Jahren und angesichts der jüngsten Pleite entstanden sein.

Update 10.09.16: Inzwischen wurden drei der ersten vier Kandidatinnen gefällt (siehe Gerd Bettermanns Kommentar) und — sehr kurzfristig zu einem Infotermin am

BWB-Bürgerinformationsveranstaltung
Mo., 12. September, 18.00 – 19:30 Uhr
im
Restaurant SADHU, Weserstr./Pannierstr..

eingeladen. − Siehe auch hier.

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Berlins Wasserbetriebe informieren

Heute, Mi., 19 Uhr, Kreuzberger Regenbogenfabrik!

Monatgmorgen (6.5.) stellten sich AnwohnerInnen und BaL-Mitglieder den Mannen des Baumpflegediensts Biber entgegen, nachdem diese schon nach ornithologischer Freigabe einen jungen Spitzahorn zur Klobürste geschnitten hatten, und erzwangen den Abbruch der Arbeiten. Merkwürdig verquer berichtet die Presse darüber [siehe hier oder hier oder gar hier].

Ahornkronen-Verschnitt

Ahorn-Verschnitt, Lausitzer Str./Paul-Lincke-Ufer

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Obstruktion des Beteiligungsverfahrens

Grün-Massakrierung entlang der Bautzener Straße

Bautzener Rodungen 01

Bautzener Rodungen vom letzten Wnter

Wir können uns noch gut daran erinnern, mit welch großem Unmut die Mehrheit der zum Werkstattgespräch Schöneberger Schleife versammelten BürgerInnen die planerischen Visionen des Büros Thomanek Duquesnoy Boemans (TDB) vom Vegetationsstreifen entlang der Bautzener Straße quittierte. Wo jetzt noch ein artenreicher Bewuchs von Bäumen, Fliederbüschen und Philadelphus ein sommers lange blühendes Biotop bildet − Habitat, Rückzugsraum und Nahrungsquelle für eine Vielzahl von Vögeln, Insekten und Kleinsäugern, und nicht wenigen AnwoherInnen ein wesentliches Stück Lebensqualität ihres Wohnumfelds −, soll nach dem Willen von TDB ein monotoner Kurzrasenstreifen mit kleinkronigen Solitärbäumchen in ebenmäßigem Abstand für Transparenz, soziale Kontrolle, höhere Sicherheit und zu guter Letzt auch noch für weniger Müll sorgen.

Grüne Wand Mai '05

Grüne Wand der Bautzener Straße im Mai 2005

[Update vom 15.10.10: In Ergänzung der Antwort auf einen Kommentar zeigen wir hier einige Fotos von Baumfällungen, -kappungen und unfachgerechter -pflege entlang des Gehölzstreifens der Bautzener Straße im vergangenen Winter…] Diese wildgewachsene „Wand“ (wie sie zumindest den LandschaftsarchitektInnen erscheint), welche die Straße seit ehedem flankiert und, wie auf alten Luftaufnahmen zu erkennen, sogar den Krieg überstand, ist mit einer modernen rechnergenerierten Grünplanung offenbar inkompatibel. Den Rest des Beitrags lesen »

WSA-Leiter rechtfertigt Kappungen und Fällungen

Abstimmung mit BfG, Bundesforsten, Bezirksamt Mitte und Baumsachverständigen

Bäume seien krank, nicht standortgerecht, würden im Frühling aber wieder grün

WSA-Chef Michael Scholz kam am gestrigen Dienstag eigens in die Sitzung der AG Gutachten und Planwerke, die sich mit der Durchführung von UVS und LPB befasste [Bericht folgt], um zu den Vorwürfen der BürgervertreterInnen gegenüber den umfangreichen Kappungs- und Fällmaßnahmen entlang des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals Stellung zu nehmen. Die BürgervertreterInnen hatten mit sich gerungen, diese Sitzung wegen der Vorfälle und weil sie sich einmal mehr auf den Arm genommen fühlten − drinnen wird verhandelt und draußen derweil gefällt − demonstrativ zu boykottieren, doch sie beschränkten sich, weil andererseits die inhaltliche Füllung der vom WSA angebotenen UVS sehr wichtig und auch eine große Chance ist, aufs Überreichen einer Protestnote. (Der spätere Verlauf der Sitzung sollte diese Entscheidung rechtfertigen.) − Amtsleiter Scholz hingegen berichtete, er habe die Arbeiten am späten Rosenmontagnachmittag  zwar stoppen, doch gleich nach in Augenscheinnahme mit dem Leiter des Außenbezirks, Matthias Moneke, am folgenden Tag wiederaufnehmen und zu Ende führen lassen, da sie bereits „zu 99 Prozent abgeschlossen“ gewesen wären. (Die Beschneidung zweier Weiden würde auf die nächste Fällsaison verschoben und nur noch Totholz aus einer Robinie entfernt.)

Alle Schnittmaßnahmen seien vorschriftsmäßig und nach Recht und Gesetz durchgeführt worden, ihre Notwendigkeit durch externe Gutachten belegt, die u.a. sogar vom Baumsachverständigen Dr. Barsig erstellt und auch von Mitarbeitern der Berliner Forsten befürwortet worden seien. Alle entsprechenden Unterlagen würden selbstverständlich zugänglich gemacht. Danach hätten bruchgefährdete Äste der Uferbäume über den Uferwanderweg sowie die Wasserfläche des Kanals geragt und so die Verkehrssicherheit beeinträchtigt; die Bäume seien krank und in verschiedenen Stadien geschädigt gewesen; ihre Beschneidung wirke natürlich jetzt im Winter besonders auf den interessierten Laien sehr grausig, da gäbe es nichts zu beschönigen: aber im Frühjahr wachse doch alles wieder nach und werde grün…

Im Übrigen seien die Pflegemaßnahmen Teil einer in Abstimmung mit der BfG entwickelten dreistufigen Unterhaltungsmaßnahme, die als zweiten Schritt die Neupflanzung standortgerechter Arten und in einem dritten innerhalb der nächsten zehn Jahre die gänzliche Herausnahme der Altbäume vorsehe. − Gerüchte, dass die Kooperation des ABz Spandau mit dem Spandauer Bezirksamt suboptimal sei, wären alt und überholt.

SenStadt-Vertreterin Mangold-Zatti, die erfreulicherweise mal wieder den Weg in eine AG des Mediationsverfahrens gefunden hatte, schaltete sich ein und bestätigte, dass Baumpflegemaßnahmen gerade im Winter doch immer schlimm aussähen und wünschte sich ansonsten, im Zuge der Entwicklungsplanung bzw. Erstellung einer Bauleitplanung des Senats für den Bereich von Heide- bis Perleberger Straße, was Art und Weise der nun angesprochenen Neupflanzungen betreffe, eingebunden zu werden.

NABU: Nicht fachgerechte Baumarbeiten überall in der Stadt

Demgegenüber bestätigte NABU-Vertreterin Kielhorn, dass von den Behörden oft Baumpflegefirmen beauftragt würden, die zwar gewisse fachliche Befähigungsnachweise und Referenzen vorlegen würden, aber in den betreffenden Ausschreibung meist nur deshalb das kostengünstigste Angebot abgeben könnten, weil sie die Arbeit vor Ort von unzureichend geschultem Personal ausführen ließen. Dies sei ein überall in der Stadt zu beobachtender Missstand, und hier käme es darauf an, die Arbeit der Baumpflege-Firmen, wie vorgeschrieben, auch tatsächlich während der Ausführung zu kontrollieren bzw. sie ggf. endlich auch mal in Regress zu nehmen. − Dem stimmte denn auch Frau Mangold-Zatti bei.

Maßnahmen am BSK sollen baumsachverständig evaluiert werden

Dr. Barsig stellte indessen klar, dass er 2009 am BSK nur für die Begutachtung eines Einzelbaums beauftragt gewesen sei und erledigt habe. Dieser Baum hätte sich als vital erwiesen und stünde auch noch. Die Nachbargehölze, Erlen, hätten einen ebensolchen Eindruck gemacht, seien durchaus von standortgerechter Art, doch inzwischen massiv zurückgeschnitten bzw. gefällt worden. Von der BfG sei die Erstellung eines Unterhaltungsplans für den BSK angekündigt, und da sei es doch ratsam, diesen zunächst abzuwarten bzw. mit dem angesprochenen B-Plan zu verzahnen, anstatt jetzt schon mal mit einem umfassenden Gehölzumbau zu beginnen.

Amtsleiter Scholz stellte die Beauftragung Dr. Barsigs zur Validierung der umstrittenen Maßnahme in Aussicht, bevor er die AG-Sitzung verließ.

BaumschützerInnen-Info vom 17.03.08

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben!

Zu den elf Pappeln an der Waldemarbrücke und anderem Wildwuchs

Aus der Frage- und Infostunde, zu der Baustadträtin Jutta Kalepky vergangenen Mittwoch (12.3.) Interessierte ins Rathaus Kreuzberg gebeten hatte, wurden schnell zweieinhalb, denn das Informationsgefälle zwischen Amt und BürgerInnen (und offenbar auch zwischen ihnen und dem sie angeblich vertretenden Bürgerverein Luisenstadt) erwies sich als sehr steil, und die offenen Fragen haben sich eher noch vermehrt.

Waldepappeln15 BürgerInnen hauptsächlich aus der neuen BI Bäume für Kreuzberg, aber auch von anderen Inis saßen den VertreterInnen aus Bezirksamt und Grünenfraktion gegenüber und staunten erst einmal nicht schlecht, als sie hörten, zum Bäumefällen brauche das Amt keine Genehmigung; für artenschutzrechtliche Begutachtung (Suche nach Brut- und Niststätten, die ganzjährig vor jeder Baumfällung erfolgen muss), brauche es keinen Fachmann, und überhaupt seien die Pappeln nicht etwa auf Grund irgendwelcher baumsachverständiger Expertise und dabei entdeckten mangelnden Standsicherheit auf die Fällliste geraten, sondern weil sie der geplanten gartendenkmalgerechten Rekonstruktion des Grünzugs und insbesondere der Anlage eines Spielplatzes im Wege stünden.

Pläne aus verschiedenen Jahren hingen an der Pinnwand: der erste noch von 1986 aus IBA-Zeiten, der einen geschwungenen, bachähnlich mäandernden Verlauf des Grünzugs zeigt — „eben wegen der Bäume“, wie ein an der damaligen Planung beteiligter Anwohner erklärte —, dann einer von 2005, noch vor den berühmten archäologischen Ausgrabungen, der schon reichlich rechtwinklig-preußisch daherkommt, und schließlich das „Strukturkonzept“ des Planungsbüros Topos von 2007 nach den Funden, das im Bereich des ehemaligen Kanals nur noch zwei Bäume übrig lässt. — Die BürgerInnen waren überrascht, dass der Plan, den ihnen der BV vor einigen Monaten als Grundlage der Baumaßnahmen überreichte, gar nicht aktuelle Planungsgrundlage ist, forderten baldmöglichst Informationen über die neue Planung und lehnten es ab, in diesem Stadium und in dieser Runde inhaltliche Detailfragen zu diskutieren.

Viel wichtiger sei zunächst die Klärung,

  • ob sich das Amt der Auffassung anschließe, dass der Bürgerverein Luisenstadt — seinerzeit beauftragt, „in einem Bürgerbeteiligungsverfahren die Wünsche der Anwohner zu ermitteln“ (Zitat Website) und dafür auch bezahlt — diesen Auftrag nicht erfüllt und es damit noch gar keine wirkliche Bürgerbeteiligung gegeben habe;
  • dass mithin die Planung in einem allererst auf den Weg zu bringenden Bürgerbeteiligungsverfahren neu vorzustellen und zumal das „Leitbild“ für den Südteil neu zu diskutieren sei (am besten beginnend mit der am
    9. April geplanten BürgerInnenversammlung
    , die jedenfalls eine große werden müsse und nicht wieder eine im kleinen Kreis, wie es der BV offenbar favorisiere); und last not least
  • ob die Baustadträtin bereit sei, mindestens bis zu diesem 9. April ein Fällmoratorium zu erklären.

Um mit dem letzten Punkt zu beginnen: Jutta Kalepky verweigerte die Verkündung eines solchen Moratoriums bzw.Waldepappeln erklärte sich dazu außerstande, da sie im Hinblick auf die Mittelsicherung erst einmal Rücksprache mit den Geldgebern, also der Städtebaulichen Denkmalpflege, halten müsse (und übrigens für den Baumschutz von dort bereits wenig ermutigende Signale empfangen habe…), und auch amtsintern gebe es einigen (Er-)klärungsbedarf: Schließlich seien hier wie auch auf Seiten des BV bereits viel Zeit, Energie und Engagement investiert worden. Ansonsten bot die Stadträtin eine Art Osterspaziergang an, um sich vor Ort gemeinsam ein Bild darüber zu machen, um welchen Baum möglicherweise herumgebaut werden könne. Ein konkreter Termin wurde noch nicht vereinbart.

Auch zum Eingeständnis, dass der BV nicht die Kreuzberger BürgerInnen repräsentiere, mochte sich die Stadträtin nicht durchringen, obwohl Zaungäste der BV-Veranstaltungen berichteten, dass die wenigen Teilnehmenden immer mehrheitlich aus Mitte und gerade nicht aus Kreuzberg stammen.

Die BI-Mitglieder machten demgegenüber geltend,

  • dass, wenn es um Respekt gehe, dieser auch den Planungen und Umsetzungen gebühre, die unter wirklicher Bürgerbeteiligung in den 80er Jahren erfolgten und sowohl die Bäume wie die Zeitschichten jüngster Vergangenheit berücksichtigten;
  • dass dieser Respekt aber vor allem den Bedürfnissen der AnwohnerInnen geschuldet sei, deren Lebens- und Erlebnisqualität gemindert werde, wenn man große, gesunde Bäume einem rigoristischen Verständnis von denkmalgerechter Rekonstruktion opfere;
  • dass demgegenüber eine baumschonende, naturverträgliche Rekonstruktion sehr wohl denkmalgerecht im Geiste des Reformers Erwin Barth sein könne;
  • dass Pläne auch geändert werden können;
  • dass es gerade in einem von den Grünen regierten Bezirk ein Unding sei, in Zeiten von Klimawandel und Artensterben als „verzichtbar“ deklarierte Bäume zu fällen, vom sog. Wildwuchs, nämlich all den Büschen und Sträuchern, die Vögeln und zahllosen Kleinlebewesen als Nahrungsquelle, Deckung und Habitat dienen, zu schweigen.

Über die Darstellung der wechselseitigen Positionen hinaus bestand die einzige konkrete Aussage, mit der sich die BI-Mitglieder durch Regen und Wind auf den Heimweg machten, also darin, dass die Fällung weiterhin beauftragt ist und jederzeit vollzogen werden kann, mithin der Protest vieler AnwohnerInnen wenig Eindruck gemacht hat und nötigenfalls schlicht ignoriert wird. — Interesse an einer konsensuellen Lösung und an Vertrauensbildung sieht anders aus!

Da sich die Menschen schon einmal entschlossen vor ihre Bäume gestellt haben, wird die Fällung nur unter Polizeischutz möglich sein, und auch ein solcher Einsatz ist bekanntlich nicht billig. Der bloße Hinweis darauf aber wurde bereits als Drohung aufgefasst.