Brutzeit-Baumpflege in F’hain-Kreuzberg

Gutachterliche Empfehlung gründlich missverstanden

Förmlicher Protest!

Kastanie 24 nach Rückschnitt

Kastanie 24 18 nach unnötigem Rückschnitt

Zum Abschluss der Osterpause, die wir trotz Schafskälte angenehm verbracht zu haben wünschen, müssen wir leider und wieder mit allem Nachdruck (obschon uns dabei des Ochsen Horn einfällt) wegen des Starts der tradierten Xhainer Baumpflege inmitten der Vogelbrutzeit protestieren. [Siehe auch hier oder dort.]

Und zwar geht es diesmal um die per Ausschilderung ab Dienstag letzter Woche (11.4.) angekündigten Schnittmaßnahmen an den Kastanien am Fraenkelufer des Landwehrkanals. (Sehr wahrscheinlich gibt es zahlreiche andere Beispiele, aber wir greifen mal das heraus, da es hier ja ein gemeinsam vereinbartes Beteiligungsregularium gibt. Das Monitoring seiner Einhaltung verlangt den BaL-Aktiven einiges ab und sollte unbedingt auf breitere Basis gestellt werden.)

[Nachtrag: Es stimmmt nicht ganz, dass sich noch kein Hinweis auf die unten angekündigte turnusmäßige WSA-Infoveranstaltung am 9. Mai auf der WSA-B-Website fände: Ganz am Ende des 139. Newsletters wird man fündig, doch die Newsletter muss man suchen wie die Ostereier, und zwar LandwehrkanalArchiv(!) → Newsletter139. Newsletter. − Kritik an diesem demonstrativen Versteckspiel üben (seltsamerweise nur) die Bürgervertreter*innen, und das seit mehreren Jahren und dennoch ohne Erfolg! − Unterm Menüpunkt Veranstaltungen auf der WSA-Berlin-Site, wo „der geneigte Leser“ (Amtsleiter Scholz) noch am ehesten suchen würde, gibt’s leider noch gar nichts. − Inzwischen wurden eine Pressemeldung, die allerdings schon vom 23. März datiert, online gestellt und zwei Seiten aktualisiert.] Den Rest des Beitrags lesen »

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80jährige Linde versehentlich gefällt

Natur- & Artenschutz nachrangig wie Partizpation


Ratibor-Linde18

Silberlinde Nr. 18 in der Kreuzberger Ratiborstraße 14 am 1. Juli 2012

Vorweg: Kahlschlag in Friedrichshainer Promenade

Eine turbulente Woche auch an der Friedrichshain-Kreuzberger Straßenbaumfront liegt hinter uns. Entlang der Bänschpromenade sind inzwischen tatsächlich, wie auf der Fällliste angekündigt, mitten in der Schonzeit 19 Robinien abgesägt worden, da ein Gutachten vorläge, das ihnen sämtlich inwendige Fäule und mangelnde Standsicherheit bescheinigt. Dies wird absurderweise auf die enormen Mengen an Hundefäkalien zurückgeführt, die dort den Boden durchtränken sollen − die Nitratwerte wären exorbitant hoch.

Dass diese von den Robinien selber stammen könnten, die in Symbiose mit sog. Knöllchenbakterien (Rhizobien) den Stickstoff aus der Luft binden und ihren Standort damit „düngen“, steht offenbar nicht im Gutachten und auch nicht, dass ein Fällen von Robinien über Wurzelausschläge ihrer nur mehr als je zuvor aufwachsen lässt. Den Rest des Beitrags lesen »

Kaum ein Baum bleibt unversehrt

Aushöhlung von Natur- und Artenschutzrecht

Aus unserer Serie „Kreuzhainer Frühjahrsschnitt“

Wiener Straße

Wiener Straße entlang des Görlitzer Parks | Zum Vergrößern Fotos bitte anklicken!

Nach einigen Missgriffen noch in der vegetationsfreien Zeit (in Berlin vom 1. September bis zum 28. bzw. 29. Februar), indem z. B., wie berichtet, die stattlichen Platanen am Paul-Lincke-Ufer verschnitten wurden, was dem Mediationsforum „Zukunft Landwehrkanal“ mindestens hätte avisiert werden müssen, hatten wir den anschließenden Zusicherungen vertraut, mit Beginn der diesjährigen Vegetations- und Brutperiode am 1. März werde Natur- und Artenschutzrecht beachtet und nur bei Gefahr im Verzug gehandelt, ansonsten aber bei Bäumen nur Totholz entfernt und allenfalls behutsame Pflegeschnitte vorgenommen.

Wiener Straße 02

Wiener Straße / Görlitzer Park

Allein seit es zu grünen und zu blühen beginnt, rücken − noch emsiger als im vergangenen Frühjahr − sowohl amtseigene Kräfte als auch beauftragte Privatfirmen aus und nehmen sich Straße um Straße vor, um entweder durch rigoroses Aufasten der ihr erstes junges Laub tragenden Bäume den „Lichtraum“ freizuschneiden“, wie es eine behördliche Angestellte nach kurzem Abschalten ihrer Kettensäge ausdrückte, oder um durch Entfernen von armdicken Starkästen die Kronen auszulichten oder per Kappung am Wachsen zu hindern. Den Rest des Beitrags lesen »

Neues von der Kreuzberger Sommerfällsaison

Aktuelle Fällliste gibt’s erst am Donnerstag

[Nachtrag, 29.6.: Anmerkungen zum Görli-Familienfest folgen unten]

BaL + BfK-Stand

BaL + BfK-Stand, leider ohne Kartenmaterial

Anlässlich des leider nur spärlich besuchten Familienfestes im verdorrenden Görlitzer Park am Samstag, 26. Juni, wo auch die BIs BfK und BaL mit einem gemeinsamen Stand vertreten waren, berichteten wir dem anwesenden Bezirksbürgermeister Franz Schulz über die seit Sommeranfang zu beobachtende Serie von Baumfällungen [siehe hier + hier] in Kreuzberg und über die völlig unzureichende Information der interessierten Öffentlichkeit sowie der bürgerschaftlichen Akteure, etwa durch eine lücken- und fehlerbehaftete Online-Fällliste. Auch Dr. Schulz und der gleichfalls zugegene Baumbeauftragte der Grünen-Fraktion in der BVV, Günther Schumacher, hätten gerne gewusst, warum bspw. der Eschenahorn Görlitzer/Skalitzer Straße mit der Begründung Stammfäule gefällt worden sei, obwohl doch die Schnittfläche keinerlei Fäuleanzeichen aufweise.

Stand des Bezirksamts

Stand des Bezirksamts mit Park-Modell

Am Bezirksamts-Tisch vor dem Park-Modell aus der Görli-Ideenwerkstatt stehend, teilte der Fachbereichsleiter Naturschutz und Grünflächen, Hilmar Schädel, zum gefällten Eschenahorn mit, dass die Stammfäule nur im oberen Stammbereich zu beobachten gewesen sei. Nach Abtransport des Schnittguts, das diese Behauptung aus unserer Sicht nicht gestützt hätte, ist jedoch posthum ein Nachweis ebenso schwer zu führen wie im Fall der gekappten Linde 34 in der Reichenberger Straße 36 [s. Fotos u.], wo es die bruchgefährdende Fäule im Kronenbereich gegeben haben soll. Auch hier sind die „Beweismittel“ längst abtransportiert. Feststellen lässt sich nur noch, dass die sichtbaren großen Schnittflächen gleichfalls ohne Befund sind und vor allem, dass nicht nach ZTV Baumpflege auf Zugäste (ableitende Nebenäste) geschnitten wurde, die mindestens dreißig Prozent des Durchmessers des eingekürzten Starkastes haben müssen [siehe auch hier]. Insofern ist neben der Kappung durch die nicht fachgerechte Schnittführung eine weitere nachhaltige Schädigung der Linde entstanden. − Der Grünamtsleiter meinte freilich, Linden kämen mit solchen Schnittmaßnahmen ganz gut zurecht und verwies auf „Kopf-Linden“.

Stände Türk.-dt. Umweltzentrum + Transition Town

Stände von Türk.-dt. Umweltzentrum, NABU-Bezirksgruppe +Transition Town SO36

Auf unseren Hinweis, dass in der gegenwärtigen Brut- und Fällperiode nach Berliner Naturschutzgesetz (§ 29) und Baumschutzverordnung Ausnahmen nur bei eindeutigen Anzeichen der vorhersehbaren Gefährdung der Verkehrssicherheit gemacht werden dürfen, konterte Schädel mit der Bemerkung, dass auch Bauvorhaben eine Fällung während der Brutzeit zulassen, was allerdings stimmt: Baurecht bricht Baumrecht, heißt der eingängige Slogan.

Doch auch dann ist eine fachkundige Untersuchung des betreffenden Baums nach Brut- und Niststätten vorgeschrieben, was bei großer dichtbelaubter Krone und im Fall von Höhlenbrütern, Fledermäusen etc. eine anspruchsvolle Aufgabe ist. Auf der Website des Fachbereichs heißt es auch wörtlich: „Bei notwendigen Fällungen in der Brutsaison wird der Baum zuvor auf Nistvorkommen untersucht und nur in akuten Fällen (‚Gefahr im Verzug‘) gefällt.“

Linde 34 vorher - nachher

Linde 34 in der Reichenberger Str. 36 − vorher und nachher

Wir sind deshalb sehr verwundert zu hören, dass es den Mitarbeitern der jeweiligen Fällfirma überlassen bleibt, diese Sache zu erledigen, sozusagen mit der Kettensäge in der Hand, denn nur sie verfügen ja über den erforderlichen Hubsteiger. − Wir fragen uns natürlich, ob man, ganz abgesehen von der Fachkunde, hier die notwendige Sorgfalt und vor allem Objektivität erwarten kann, oder m.a.W. ob es oft vorkommt, dass eine Baumpflegefirma ihren Fällauftrag wegen Entdeckung eines Vogelnestes nicht ausführt, und des weiteren, ob eine solche Handhabung im Sinne des Naturschutzgesetzes sein kann.

Baumpauschale

Andererseits sieht sich der Fachbereichsleiter auch ausdrücklich nicht beauftragt, beim Umgang mit dem bezirklichen Altbaumbestand eine besondere Sensibilität walten zu lassen, gerade weil die Pflegekosten, die den Bezirken nach Anzahl ihrer Bäume bewilligt werden, nicht mehr, wie früher, nach Baumalter differenziert werden. D.h. für einen Altbaum, der mehr Pflegekosten verursacht als ein junger, gibt es dennoch denselben Pflegesatz.

Für unsere Begriffe nicht nur absurd, sondern eine zu Zeiten von Klimawandel und Nachhaltigkeitsdebatten skandalöse Regelung, denn neben der wegen befürchteter Regressansprüche immer engeren Auslegung der Verkehrssicherungspflicht muss diese „Baumpauschale“ zwangsläufig dazu führen, dass sich die Bezirke lieber früher als später ihrer Altbäume entledigen, von denen unter den herrschenden harten Überlebensbedingungen − Streusalzeintrag; Wassermangel infolge Versiegelung, zu kleine Baumscheiben und ausbleibendes Gießen (mal abgesehen vom Hunde- oder Männerurin); Kontamination des Wurzelraums durch lecke Erdgasleitungen; Anfahrschäden etc.pp. − ist so gut wie kein älterer Straßenbaum mehr gesund. Wir brauchen hier nicht extra auszuführen, dass die Vielzahl seiner ökologischen Dienste, die er uns und den nichtmenschlichen Stadtbewohnern gratis leistet, jedoch mit zunehmendem Alter und Kronenumfang wächst und auch von noch so vielen Neupflanzungen erst nach Jahrzehnten annähernd kompensiert werden kann. Auch der Trend zur Pflanzung pflegeleichterer, kleinkroniger Bäume, die Straßenraum und Wohnquartieren angeblich besser angepasst seien, ist in diesem Zusammenhang sehr kritisch zu sehen.

Weitere Fällungen sollen Donnerstag, 1.7., bekanntgegeben werden

Was nun die leidige Online-Fällliste betrifft, die sich im Hinblick auf Stimmigkeit allen „Aktualisierungen“ der letzten Tage erfolgreich widersetzt hat1, so wurde uns zunächst für heute (Montag), nun aber für spätestens Donnerstag (1. Juli) eine dann aber wirklich aktuelle in Aussicht gestellt. In den nächsten Tagen − denn das interessiert uns prioritär −, sei jedenfalls nicht mit weiteren Fällungen zu rechnen, doch im Hinblick auf die erwarteten Stürme müssten dennoch weitere großkronige Bäume gefällt bzw. gekappt werden, so jedenfalls eine Bezirksamtsmitarbeiterin. Wir können nur hoffen, dazu am Donnerstag Näheres zu erfahren, aber sehr zuversichtlich sind wir da nicht.

Mit dieser ganzen Angelegenheit und der Erschwerung und Demotivierung von BürgerInnen-Beteiligung, ohne die es angesichts chronischer öffentlicher Ressourcenknappheit aber offensichtlich nicht funktioniert, müsste sich dringendst der Umweltausschuss befassen − Mitglieder wurden von uns schon vorletzte Woche informiert −, doch da aktuell keine Sitzung mehr ansteht, ist das vor der Sommerpause ganz ausgeschlossen.

Und der Grünamtsleiter fragte am Samstag denn auch rhetorisch: „Bei 16.000 Straßenbäumen in Kreuzberg: finden Sie da acht2 Fällungen viel?!“

Zum eigentlichen Thema des Familienfests

Präsentation der bisherigen Arbeitsergebnisse zur Gestaltung des Görlitzer Parks und der Sammlung von Ideen der BesucherInnen

Vorab: Das offizielle „Protokoll“ des 3. Arbeitstreffens widmet auf seinen 14 Seiten nur unter „2 Verfahren“ einige wenige Sätze dem aktuellen Treffen am 16.6. Der ganze Rest recycelt das schon bekannte Protokoll des 2. Treffens vom 17.02.10.

Doch was bitte soll jemand, die/der an der Teilnahme verhindert war, davon haben, wenn sie/er dort liest: „Es wurde beraten, was die Präsentation der Ideen auf dem Familienfest auf der Platte am 26.06.2010 bewirken soll. Anschließend wurde zusammengetragen, wie genau die Präsentation erfolgen soll und wer für welchen Teil Verantwortung übernimmt.“?

Ohne Präsentationsmaterial

Pflanzplan zum Görliteich

Pflanzplan zum Feuchtbiotop (zum Vergrößern anklicken)

Obwohl angesichts der Fällerei sehr wenig in Feierlaune, hat sich auch uns während dieses Familienfestes nicht erschlossen, was die Präsentation der Ideen dort bewirken sollte. Die tt-SO36-Leute konnten zwar Paten für ihre geplante Obstbaum-Allee werben, aber bspw. von Kremserfahrten im Rahmen des sog. Esel-Projekts war allenfalls im übertragenen Sinn etwas zu entdecken.  Unser Anliegen, die Gestaltung des nordöstlichen Bereichs um den Teich als ökologisch wertvolles Feuchtbiotop und Naturerlebnisraum, konnte jedoch gar nicht erst präsentiert werden. In dessen Planung sind wir zwar involviert (mehrere Treffen mit Grünamtsmitarbeiterinnen haben stattgefunden, wir haben die Kompromisskonzeption im BVV-Umweltausschuss vorstellen dürfen und anschließend mit der beauftragten Firma Rehwaldt das Pflanzkonzept erörtert [siehe großes Foto]), aber das Kartenmaterial ist in der Obhut des Grünamts verblieben: Entgegen der Verabredung erschien die betreffende Mitarbeiterin zum Fest jedoch nicht, und so konnten wir die bearbeiteten Pläne Interessierten auch nicht zeigen, waren ganz auf verbale Darstellung angewiesen, was bei einer solchen Thematik nicht unbedingt attraktiv oder gar zielführend ist.

Diese Art der BürgerInnen-Beteiligung ist einfach nicht ernst gemeint oder zumindest mal wieder völlig unzureichend organisiert und demotivierend.

Rehwaldt-Treffen zum Pflanzkonzept am 23.6.

Treffen zum Pflanzkonzept vor Ort am 23. Juni


1 Obwohl wir das Grünamt per Mail vom 21.6. darauf hinwiesen, dass die Ahorne in der Oranienstraße 65 und 67 schon am 18.6. und ohne ausreichende Veranlassung gefällt worden sind, werden sie auch in der am 25.6. „aktualisierten“ Liste als erst noch zu fällen geführt und zwar, weil sie absterbend oder schon abgestorben seien. Diese Begründung ist definitiv falsch, was unsere Fotos von Stubben und Schnittgut belegen können.
2 Die immmer noch nicht aktuelle Fällliste wurde von vorher 18 aufgestockt und verzeichnet jetzt deren 33,  soll aber, wie gesagt, noch verlängert werden. Die Zahl acht bezog sich lediglich auf die unangekündigten, worüber uns eine Fällfirma dankenswerterweise informierte…

Fällungen zum Kreuzberger Sommeranfang

Keine Spur von Gefahr im Verzug, keine Information

Oranien 67, Ahorn Nr. 10

Oranien 67, Ahorn Nr. 10

[Update vom 20.6.: Völlig entgangen ist uns die Fällung des Straßenbaums Nr. 10 in unmittelbarer Nähe der unten geschilderten, ebenfalls ein großer Ahorn, der, jedenfalls nach dem Schnittgut und dem Stubben zu urteilen, auch nicht in absehbarer Zeit umgefallen wäre: Warum werden solche Bäume ausgerechnet jetzt in der Vegetations- und Brutperiode gefällt? − Zumindest wurde über die Fällung wie auch über alle anderen nicht informiert, und es ist fraglich, ob es eingehendere Untersuchungen zur Stand- und Verkehrssicherheit und eine zu dieser Jahrzeit zwingend vorgeschriebene faunistische Begutachtung gegeben hat. Stattdessen blieb beim Baum Nr. 18, obschon ein Seilkletterer in der Krone herumturnte und Totholz entfernte, ein bis über den Gehsteig ragender abgestorbener Ast unagetastet.

Reichenberger 36, Linde 34

Fällkandidatin Linde Nr. 34 in der Reichenberger Str. 36

Im Übrigen können wir AnwohnerInnen und Baumfreunde bei den ab Montag anstehenden weiteren Fällungen nur dringend auffordern, sich die btr. Bäume 1) anzusehen, im Bezirksamt F’hain-Kreuzberg (Fachbereich Naturschutz und Grünflächen) unter 90298 8014 (Hr. Frank) oder ~ 8024 (Vorzimmer Fr. Keller) anzurufen und um Aufklärung zu bitten. Es ist absolut fragwürdig, den Sommer mit Baumfällungen zu eröffnen, es sein denn, es drohte bei Verzug unmittelbare Gefahr!]

[Update vom 19.6.: Heute stellt die betreffende Gartenbaufirma in der Dieffenbachstr. 55 Schilder („Baumarbeiten“) auf, weil die dortige Platane Nr. 38 am Montag, 21., oder spätesten Dienstag, 22.6., gefällt werden soll und − weigert sich schon mal vorsorglich, dies zu tun, denn der Baum mache einen sehr gesunden Eindruck, ein Fällgrund sei nicht ersichtlich, und man befürchte Ärger, so ein Mitarbeiter.

Wir finden diese Skrupel im höchsten Maße begrüßens- und anerkennenswert! (Auch bei der Linde Nr. 75 in der Obentrautstr. 35, die gefällt werden soll, ist zwar viel Totholz zu entfernen, doch ihr Stamm weist keinerlei sichtbare Schäden auf; die schöne Linde Nr. 100 in der Urbanstr. 38 weist in 1,50 m Höhe eine ca. 0,35 m breite Wunde mit minimalem Pilzbefall sowie einen Schrägstand parallel zu Straße und Gehsteig auf: ein Fällgrund? Allein Baum Nr. 20 am Paul-Lincke-Ufer 35 ist schon lange absterbend; warum muss man ihn gerade in dieser Jahreszeit fällen?)

Was ist nur mit den für Naturschutz (!) und Grünflächenpflege im Friedrichshain-Kreuzberger Bezirksamt Zuständigen los?! Haben sie inzwischen auch ihren gesetzlichen Auftrag privatisiert?]

Oranienstr. 67 (Nr.16)

Oranienstr. 67 (Nr.16, Acer)

Der hohe dicht belaubte Ahornbaum in der Oranienstr. 67 sei tot gewesen, erklärt der Mitarbeiter der mit der Fällung betrauten Gartenbaufirma am Telefon. So weit wollen die Kollegen vor Ort denn doch nicht gehen und verweisen nur auf Faulstellen im Stamminneren. Dass der Baum gleichwohl noch über weit mehr als die berühmten dreißig Prozent Restwandstärke verfügte und damit höchstwahrscheinlich vollkommen standsicher gewesen ist, andererseits in der derzeitigen Vegetations- und Brutperiode zumal der Baumschutzverordnung unterliegende Bäume ohnehin nur mit Ausnahmegenehmigung oder eben bei Gefahr im Verzug gefällt werden dürfen −, all solche Feinheiten sind dem Vorarbeiter des Fällkommandos unbekannt, er bedankt sich für die Auskünfte, beharrt aber darauf, dass akute Umsturzgefahr bestanden habe. − Anrufe im Bezirksamt unter den verschiedensten Nummern sind freitags ab 12 natürlich vergebliche Müh‘.

Oranienstr. 67 (Nr.16)

Der Stubben

Der Fällauftrag des Grünflächenamts sei Anfang der vorigen Woche erteilt worden −, bei tatsächlicher Gefahr mithin ein rund zehntägiger Verzug, was die Behauptung angeblicher Umsturzgefahr jedenfalls nicht überzeugender macht. Und noch fünf weitere Bäume sollen allein in Kreuzberg nächste Woche fallen1), dazu auch noch zahlreiche Kronenrückschnitte erfolgen − viel zu tun, man komme kaum nach. Und selbstverständlich seien die zu bearbeitenden Bäume vorher fachkundig auf Brut- und Niststätten hin untersucht worden. Die Botschaft hören wir wohl, allein es drängt sich der Verdacht auf, dass hier gegen Naturschutzrecht verstoßen und öffentliches Eigentum beschädigt wird.

Oranienstr. 67 (Nr.16)

Nachbarbaum

Gleich nebenan soll aus den Kronen zweier weiterer Bäume nur Totholz entfernt werden, doch dessen Anteil erscheint dem Vorarbeiter so hoch, dass er am liebsten auch diesen Baum gleich mit fällen will, aber nach Anruf in der Firma bleibt’s glücklicherweise bei der Totholzentnahme. Dabei wird freilich ein Starkast abgesägt, der sehr vital scheint und richtig: die große Schnittfläche weist so gut wie keine Fäule auf, bietet dafür aber nun Baumpilzsporen eine prächtige Angriffsfläche. Auch bei anderen Schnittmaßnahmen will sich die Begründung nicht erschließen.

Nach wie vor keine aktuelle Fällliste online

Oranienstr. 67

Verstümmelter Nachbarbaum

Anlässlich des bündnisgrünen Bezirkekongresses zur BürgerInnen-Beteiligung [siehe ausführlichen Bericht] hatte Baustadträtin Kalepky im Forum 5 „Wege zu mehr Stadtgrün“ eingeräumt, dass im Vergleich zu den elf anderen Berliner Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg im Online-Stellen seiner aktuellen Baumfällliste das Schlusslicht gewesen sei, aber nunmehr vor versammeltem Auditorium erleichtert Vollzug gemeldet. Monatelang hatten BaL-Mitglieder, die sich ehrenamtlich und meist unterstützt von Sachverständigen tatsächlich die Mühe machen, die Fällkandidaten selbst in Augenschein zu nehmen, diese zeitnahe Information durchs Web erfolglos angemahnt. Obwohl sehr überzeugend vorgebracht, erweist sich die Behauptung der Baustadträtin, wenn man den betreffenden Link anklickt, jedoch mal wieder als falsch. Die zur Fällung ausgeschriebenen Bäume finden sich jedenfalls nicht auf der ungewöhnlich kurzen Liste, die nur achtzehn bereits erfolgte Fällungen ausweist, dagegen keine einzige noch ausstehende.

Ohlauer Str. 03

Einer von zehn in der Ohlauer

Und der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg habe immer abgelehnt, MAE-Kräfte zur Grünflächenpflege heranzuziehen, was freilich auch niemand behauptet hatte, jedoch die Klage, dass auf Grund des Personalmangels nicht zuletzt im Grünbereich Outsourcing betrieben werden müsse und dann oft die kostengünstigste Firma den Zuschlag erhalte, stammt von Bürgermeister Schulz höchstpersönlich. Und genau darum geht es: dass die Pflege eines so wertvollen öffentlichen Guts, wie es die Straßenbäume und das Stadtgrün nun mal sind, Billigfirmen mit 400-Euro-Jobbern anvertraut wird, die völlig unbeaufsichtigt zu Werke gehen. Die nicht fachgerechte Pflege aber rechnet sich allenfalls kurzfristig; mittelfristig erhöht sich der Pflegeaufwand infolge Pilz- und Bakterienbefall oder weil es durch radikale Kronenkappung infolge der nun höheren Windlast auf Nachbarbäume prompt bei diesen zu Astbrüchen kommt.

Ausgerechnet der grün regierte Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg zählt mit rund 16.000 Exemplaren berlinweit die wenigsten Straßenbäumen, Tendenz fallend, und so wird es auch bleiben, wenn es mit der Malträtierung des Baumbestands wie allenthalben und erst kürzlich wieder in der Ohlauer zu besichtigen, nicht endlich ein Ende hat.

Oranienstr. 67 (Nr.16)

Überreste eines Silberahorn


1) Obentrautstr. 35, Nr. 75 | Lindenstr./Franz-Klühs-Str., Nr. 70 | Reichenberger Str. 36, Nr. 34 | Paul-Lincke-Ufer 20, Nr. 35 | Dieffenbachstr. 55, Nr. 38 | Urbanstr. 38, Nr. 100  − Wir werden uns diese sommerlichen Fällkandidaten noch einmal anschauen und fordern natürlich auch weitere BaumfreundInnen dazu auf!