Der Flaschenhals ist freigemacht

BürgerInnenvorschläge überwiegend ignoriert

Bericht von einem Ortstermin

Die Rodungsarbeiten im sog. Flaschenhals südlich der Yorckstraße, um auch diesen Teil einer einst einzigartigen Bahnbrachenlandschaft barrierefrei nicht nur für Gehbehinderte und SenorInnen, sondern auch für den Fernradverkehr nach Leipzig zu erschließen, wurden noch außerhalb der Vegetations- und Brutperiode zu Ende gebracht. Im unbelaubten Zustand erscheinen Vorwald und Wäldchen jetzt sehr licht. Allein über sechzig Bäume , die der Baumschutzverordnung unterlagen, wurden entnommen.

Aufbruch

Aufbruch von unter der Monumentenbrücke | zum Vergrößern bitte jeweils anklicken!

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SenatsvertreterInnen können erst wieder 2012

Umweltausschuss versuchte, sich mit Gleisdreieck-Wäldchen zu befassen

Nunmehr bereits zum dritten Mal haben VertreterInnen von SenStadt den Friedrichshain-Kreuzberger Bezirksverordneten, die sie in den Fachausschuss für Umwelt, Verkehr und Wohnen am vergangenen Dienstag (19.1.) eingeladen hatten, um Näheres über die umstrittene Umsetzung des Loidl-Entwurfs auf dem Gelände des ehemaligen Anhalter Güterbahnhofs und darüber hinaus zu erfahren, einen Korb geben müssen: Man sei derzeit von der berlinweiten Umsetzung diverser Förderprogramme (u.a.  im Kulturbereich) derart in Beschlag genommen, dass es aus personellen Gründen nicht möglich sei, vor 2012 einer solchen Einladung ins ehemalige Kreuzberger Rathaus Folge zu leisten – mithin erst dann, wenn der Park am Gleisdreieck schon ein Jahr lang der Öffentlichkeit übergeben worden sein dürfte. − Auch die ebenfalls eingeladenen Vertreter der senatseigenen Grün Berlin GmbH und des Atelier Loidl waren daraufhin erwartungsgemäß ebenfalls nicht erschienen.

Nichtachtung der BVV

Lichtung im Wäldchen

Lichtung im Wäldchen

Wenn so mit den Mitgliedern eines Kommunalparlaments verfahren wird, in deren Zuständigkeitsbereich Maßnahmen der Landesregierung, wie z. B. die Rodung und Planierung artenreicher Stadtnatur zur Erstellung eines „nutzbaren“ Parks von gesamtstädtischer Bedeutung, sowie die nun − in einer weiteren eigenmächtigen, ohne Beteiligung von offiziellen oder „nur“ delegierten BürgervertreterInnen vorgenommenen Modifizierung des ursprünglichen Loidl-Entwurfs − auch noch geplante dreifache Durchwegung des noch einzig übrigen, doch ökologisch wertvollsten Teils der ehemals einzigartigen Brachlandschaft, des sog. Wäldchens, auf erbitterten Protest engagierter BürgerInnen gestoßen sind und weiterhin stoßen, andererseits aber die Xhainer BVV das Bezirksamt schon im vergangenen Frühjahr ersucht hat, sich bei der Obersten Naturschutzbehörde für die Unterschutzstellung genau dieses Wäldchens als Geschützten Landschaftsbestandteil (GLB) und für die einstweilige Sicherstellung eines Veränderungsverbots bis zur Klärung der Möglichkeit einer Unterschutzstellung einzusetzen −, ja dann brauchen sich die BürgerInnen eigentlich nicht zu wundern, wenn ihre Proteste ignoriert und stattdessen lieber vollendete Tatsachen geschaffen werden.

Erneute Darlegung der Schutzwürdigkeit überflüssig

Zäunchen im Wäldchen

Dackelschutz im Wäldchen

Baustadträtin Kalepky brachte dem Umweltausschuss einen weiteren Zwischenbericht zum Betreiben des Unterschutzstellungsverfahrens zur Kenntnis, denn: „Nur die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung kann, soweit es aus deren Sicht erforderlich ist, bis zur Unterschutzstellung Veränderungsverbote/ einstweilige Sicherstellung aussprechen“, doch der Unteren Naturschutzbehörde, also dem Xhainer Fachbereich Naturschutz und Grünflächen obliege es, „mit Hilfe von bereits vorhandenen Gutachten und eigenen Vor-Ort-Begehungen die naturschutz-fachlichen Aspekte, die die Notwendigkeit der Unterschutzstellung untermauern,“ − erneut zu untermauern. Dabei ist auch nach Ansicht der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz (BLN) die Datenlage vollkommen ausreichend. − Womöglich erhoffen sich auch die Verantwortlichen, dass sich infolge des von Grün Berlin mitten in der letzten Brutperiode vorgenommenen, mit dem BA ebenfalls nicht abgesprochenen Abriss des seinerzeit in seinem Auftrag errichteten mannshohen Schutzzauns ums Wäldchen (der schließlich nach Monaten durch eine 60 cm hohe Miniatur ersetzt wurde), die Schutzwürdigkeit schon etwas relativiert hat.

Zerschneidung konterkariert Biotopverbund

In Kürze, so Jutta Kalepky, finde jedenfalls eine Unterredung zwischen VertreterInnen des BA und Grün Berlin statt, weshalb denn auch am Rande der Ausschusssitzung die als Gäste anwesenden Mitglieder der AG Gleisdreieck der Baustadträtin noch einmal ihre entschiedene Ablehnung der „Erschließung“ des Wäldchens durch drei Wege deutlich machten, die ganz unabhängig von Breite und Art der Versiegelung durch den dadurch initiierten hohen Nutzungsdruck u.a. negative Auswirkungen auf die vorhandene Avifauna (nicht nur für Bodenbrüter wie Zilpzalp, sondern auch Heckenbrüter von Zaunkönig bis Gelbspötter und Greifvögeln wie dem Mäusebussard, der hier seinen Horst hat) unvermeidliche Konsequenz sei. − Die Baustatadträtin sicherte indessen zu, in entsprechender Weise zu argumentieren bzw. ihre Mitarbeiterin zu instruieren, mochte sich jedoch die Forderung eines Fäll-Moratioriuns, wie sehr die BürgervertreterInnen auch darauf insistierten, offenbar nicht zu eigen zu machen.

abgetrennte Ecke

Mit schwerem Gerät bereits abgetrennter Südwest-Zipfel

Fußball, ökologischer Ausgleich und ein Kiezfest

1 : 0 für die Gartenfreunde

Der Runde Tisch zur Lösung des Konflikts interkultureller Fußball vs. interkulturelle Kleingärten auf dem geschundenen Gleisdreieck-Gelände hat unter Vorsitz von Franz Schulz und in konstruktiver Atmosphäre, wie ein Vertreter der AG Gleisdreieck berichtet, am Mittwoch (9.9.) zum 2. Mal getagt, und eigentlich ist das Match bereits entschieden: Allmählich dämmert auch den Beteiligten von Senat, Bezirk und Sport, dass es auf der Westseite des Areals einfach keinen Platz für wettkampfgerechtes Spiel gibt, auch wenn er weiter nach Norden verschoben würde. Die vergebenen Prüfaufträge dürften schwerlich zu einem anderen Resultat führen.

Wald

Natur-Wäldchen im Flaschenhals

Da ein Fußballplatz (noch) nicht als ökologische Ausgleichsfläche gilt, soll u.a. auch geprüft werden, ob für diese Ersatz auf dem Gelände des so genannten Flaschenhalses südlich der Yorkbrücken gäbe. Überflüssig zu bemerken, dass es den dort natürlich gibt, gemahnt doch gerade dieser verbliebene Rest [hier einige Impressionen] einer in ihrem Artenreichtum noch vor kurzem wohl einzigartigen innerstädtischen Stadtbrache, was auf dem Gebiet des ehemaligen Anhalter Güterbahnhofs unter der Regie von Grün Berlin und dem Sieger-Atelier Loidl in einem wahrlich barbarischen Akt vernichtet worden ist [siehe z.B. hier und hier] − in Verhöhnung des erklärten BürgerInnenwillens, dem nun auf Biegen und Brechen eine „multifunktionale Parkanlage“ aufgezwungen wird. − Wann und an wen wird der Prüfauftrag ergehen, ob es sich denn bei asphaltieren Radwegen, kehrmaschinentauglichen Promenaden und artenarmem Einheitsrasen noch um eine „ökologische Ausgleichsfläche“ handelt?

Höchste Gefahr für den „Flaschenhals“

Überwuchertes Gleis

Überwuchertes Gleis

Doch unbeschadet jener oben genannten Prüfung droht sich der Feldzug wider unsere Stadtnatur auch im „Flaschenhals“ fortzusetzen, indem Loidl bereits mit Vorentwürfen zu dessen „Gestaltung“ betraut worden ist. − Auf dem östlichen Gleisdreieck mussten die BürgervertreterInnen bekanntlich jede „Vegetationsinsel“, ja einzelne Bäume gegen diese rechtwinkligen Reißbrett-Planer verteidigen, und nichts deutet daraufhin, dass es im Flaschenhals in Kürze anders laufen wird: also nicht Kettensägen und Planierraupen zunächst das Feld bereinigen, damit anschließend ein DIN-Park mit multiplen Freizeitangeboten aufgeführt werde.

Einladung zum Hornstraßenfest diesen Samstag!

AGG-Plakat

Plakat der AG Gleisdreieck

Wer sich über all das und vieles mehr persönlich informieren will, sei (natürlich nicht nur deswegen!) ganz herzlich zum morgigen Hornstraßenfest

Samstag, 12. September, ab 15 Uhr

eingeladen. (Wer um diese Zeit an der Bürgerrechts-Demo „Freiheit statt Angst“ teilnehmen möchte: das Hornstraßenfest dauert offiziell bis 22:30 Uhr!) Nicht nur die AG Gleisdreieck, der Möckernkiez e.V., die Kiezzeitschrift Kreuzberger Horn, Initiativen wie die BISSoder die Parteien, sondern auch Grün Berlin wird mit einem Stand vertreten sein, um über die Erfolge der Parkgestaltung wie der BürgerInnenbeteiligung zu berichten.

Meet us there!

Und auch die Bäume am Landwehrkanal werden an ihrem Stand über jenen des nun ins dritte Jahr gehenden Mediationsverfahrens berichten, aktualisierte Infos verteilen, sehr gerne Fragen zu Details der im Herbst anlaufenden 2. Bauphase entlang des Kanals mit ihren bis zu acht einzelnen „Maßnahme-Paketen“ beantworten, vor allem aber ihre Forderung eines stadtökologischen Modellprojekts Landwehrkanal-Sanierung erläutern und über die Vielzahl zukunftsweisender Maßnahmen, die es beinhalten könnte, wenn − ja, wenn sich die Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung und Umwelt endlich zu ihrer Zuständigkeit in ihren ureigensten Bereichen: der nachhaltigen Stadt- und Verkehrsplanung, der ökologischen Aufwertung sowohl im Interesse wassernaher Erholung und Naturerfahrung als auch im Interesse von Biotop- und Artenschutz zu Wasser und zu Lande bekennt!