Fischsterben as usual

Die Sanierung des Mischwassersystems darf nicht erst 2020 abgeschlossen werden!

Fischkadaver 02

Fischkadaver am Einsteinufer

Das derzeitige massive Fischsterben im LWK und auch anderen Berliner Gewässern und Kanälen unterstreicht noch einmal die Dringlichkeit, die Kapazitätserweiterung der Mischwasserkanalisation durch Erhöhung der Regenüberlaufschwellen in den Mischwasser-Kanälen ebenso wie konkrete Maßnahmen zur Regenwasserbewirtschaftung schneller als geplant voranzutreiben und nach der Sommerpause tatsächlich darüber eine positive Entscheidung herbeizuführen, dass die jährlich bereitgestellten Mittel von jetzt 3 Mio EUR fürs Berliner Kanalnetz auf 7 Mio. pro Jahr erhöht werden und dies nicht etwa der befürchteten Haushaltssperre geopfert wird.

Fischkadaver 03

erstickt am Einsteinufer

Das 1995 in Dienst gestellte Sauerstoffschiff Rudolf Kloos, einziges seiner Art in Europa und in seinem Aufwand noch ein typisches Kind der 1980er Jahre, ist natürlich besser als nichts, jedoch in keiner Weise „nachhaltig“, wie es die Senatsverwaltung gerne suggeriert und das WSA dann in seine Verlautbarungen übernimmt [vgl. auch hier]. Es kommt bei Starkregenereignissen, in deren Gefolge auch in Stadtspree und allen anderen Berliner Kanälen akuter Sauerstoffmangel entsteht, mit der Belüftung einfach nicht hinterher. Und der Landwehrkanal ist hier ohnehin immer als letzter dran.

Auch habe die Art der Belüftung durchaus auch negative Komponenten, indem sie jeweils das sauerstofflose Schlamm-Milieu auf dem Kanalgrund aufwirbele und mit den sauerstoffreicheren Wasserschichten durchmische, wodurch deren Sauerstoffgehalt zugleich auch gemindert werde, so der Limnologe der Grünen Liga, Alexander Schaël. Auch der Liegeplatz des Schiffs im Urbanhafen just an der Stelle nahe der Steinaufschüttung, wohin sich Fische und Krebstiere bei Sauerstoffmangel retten, sei sehr ungünstig gewählt.

Fischkadaver 01

verendete Weißfische © Barsig

Im Übrigen wird der Einsatz der Rudolf Kloos leider auch immer erst dann beobachtet, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Auch die Reinigung des Wassers von den Kadavern geht nur zögerlich vonstatten. − Die Reederei Stern & Kreis sei laut Reederverbandsvertreter Grondke seit Juni d. J. hierfür nicht mehr beauftragt worden, da ihr ohnehin sehr niedriger Tarif von einem anderen Unternehmen noch unterboten worden sei. Dies scheint der Reinigung des Kanals offenbar nicht gewachsen. Wenn aber Fischkadaver erst zu Boden sinken und dort verwesen, droht die Gefahr von Botulismus, woran dann z. B. die Schwäne sterben können.

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Neueste Meldungen aus dem WSA

Aktuelle Schäden größtenteils repariert!

Das WSA meldet, dass die „aktuellen Schäden“ [im Unterschied zu den permanenten?] an der Uferbefestigung des LWK bis auf jene im Bereich der Dovebrücke nunmehr behoben seien. Nach Ausbesserung des Betonbandes und Verfüllung von auf Kleinnager zurückgeführten Hohlräumen im Bereich der Waterloobrücke − wie berichtet, wasserseitig mit Mörtel bzw. landseitig via Injektionslanzen mit einer Harzsuspension −, erfolgte dasselbe in kleinerem Maßstab noch an der Hobrechtbrücke, und es ist zu prüfen, ob diese Methode auch anderswo entlang des Kanals angewandt werden kann.

Bodensondierungen auch am Maybachufer

Sodann wurden entlang Corneliusufer (Abschnitt 1) und Tempelhofer Ufer (4 und 6) Drucksondierungen durchgeführt, um endlich konkreteren Aufschluss über die Bodenverhältnisse zu erlangen. Fragt sich, warum es keine Nachricht über dieselben Sondierungen im Bereich des havarierten Riedel-Anlegers am Maybachufer gibt, denn hier sind sie im Hinblick auf die Ausschreibung der Sanierungsarbeiten, sprich: der Verspundung, besonders dringlich: deren Beginn ist bereits für den 2.11. geplant. Aber noch aus einem anderen Grund sind Bodenaufschlüsse hier sehr wichtig, denn es könnte sich ja herausstellen, dass die Kanalsohle hier „butterweich“ ist, wie schon als durchaus möglich behauptet wurde. Dies wäre natürlich von entscheidender Bedeutung für die Wahl der Einbringmethode der Spundwände. Falls der Untergrund jedoch auch hier dicht gelagerte Schichten aufweist, so dass nicht nach Standardverfahren eingepresst werden kann, haben die AnwohnerInnen selbstverständlich Anspruch auf die lärmärmste Methode!

Die Rudolf Kloos

Sehr detailliert wird im jüngsten WSANewsletter über Technik und Einsatz des 1995 in Dienst gestellten Belüftungsschiffs Rudolf Kloos berichtet, das dem in der warmen Jahreszeit chronischen Sauerstoffmangel des Kanalwassers mit der Gefahr von Massenfischsterben entgegenwirken soll [Vgl. auch hier.]. In zehn Stunden können zwei Tonnen Sauerstoff in den Kanal gepumpt werden, doch ob die Belüftung tatsächlich „nachhaltig“ erfolgt, muss füglich bezweifelt werden. Hier sind die von den BWB geplanten baulichen Maßnahmen zur Schwellen- und damit Kapazitätserhöhung in den Mischwasserkanälen, um so die jährliche Zahl der Entlastungsfälle von ungeklärtem, mit allerlei organischen Abfällen gesättigten Oberflächenwassers in den Kanal zunächst zu halbieren, nach Lage der Dinge am meisten zielführend.

Belüftungsschiff "Rudolf Kloos"

Belüftungsschiff "Rudolf Kloos" © WikiCommons