Erfolgreicher Auftakt für besseren Baumschutz

Von der 1. Lichtenberger Baumschutzkonferenz

Teil I

A. Haertel, UmweltKontaktgruppe und B. Kitzmann, Naturschutzstation Malchow

Anne Haertel, UmweltKontaktgruppe und BzV Beate Kitzmann, Naturschutzstation Malchow

„Was ist nötig und was ist möglich, um Lichtenberger Bäumen eine Zukunft zu geben?“ lautete die leitende Fragestellung der 1. Lichtenberger Baumschutzkonferenz am vergangenen Freitag (27.4.) im Rathaus des Bezirks, veranstaltet von der Naturschutzstation Malchow und der UmweltKontaktstelle Lichtenberg [weitere Unterstützende siehe Flyer]. Ziel der Veranstaltung, so die Leiterin der UmweltKontaktstelle, Anne Haertel, sei die Qualifizierung der Auseinandersetzung um das sensible Thema Stadtbäume. Den Rest des Beitrags lesen »

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Schützt unsere Bäume vor dem Denkmalschutz!

In der Britzer Hufeisensiedlung sollen 30 gesunde Hainbuchen fallen

Die Hainbuchen der Hufeisensiedlung

Die Hainbuchen © BUND

Bezirkliche Natur- und Denkmalschutzbehörde gegen Fällung

Ein Vertreter des Neuköllner Grünflächenamts konnte im Sommer unsere Kritik daran nicht verstehen, dass die als Baudenkmal ins Weltkulturerbe aufgenommene Britzer Hufeisensiedlung quasi handstreichartig und hinter verschlossenen Türen nun auch noch den Status eines Gartendenkmals zuerkannt bekommen hat.

Das sei doch durchaus nichts Ungewöhnliches. Und unsere Besorgnis unbegründet, dass dies nur dem Zweck dienen solle, neben der Sanierung der Wohngebäude auch die vernachlässigte Grünanlage der Siedlung gegen den Willen der AnwohnerInnen im Wortsinn radikal neu zu gestalten, also erstmal tabula rasa zu machen − schließlich sind mal wieder Millionen von Steuermitteln aus diversen Fördertöpfen zu verausgaben − und bei dieser Gelegenheit, nachdem vor Jahresfristschon ihrer 17 gerodet wurden, auch noch weitere 30 völlig gesunde Hainbuchen zu fällen. Dies nämlich betreibt die Eigentümerin der Siedlung, die Deutsche Wohnen AG, schon länger und will, nachdem die UNB die Genehmigung verweigerte, seit einiger Zeit ihr Ansinnen auf dem Klageweg gegen den Bezirk durchsetzen. Den Rest des Beitrags lesen »

Neues von der Kreuzberger Sommerfällsaison

Aktuelle Fällliste gibt’s erst am Donnerstag

[Nachtrag, 29.6.: Anmerkungen zum Görli-Familienfest folgen unten]

BaL + BfK-Stand

BaL + BfK-Stand, leider ohne Kartenmaterial

Anlässlich des leider nur spärlich besuchten Familienfestes im verdorrenden Görlitzer Park am Samstag, 26. Juni, wo auch die BIs BfK und BaL mit einem gemeinsamen Stand vertreten waren, berichteten wir dem anwesenden Bezirksbürgermeister Franz Schulz über die seit Sommeranfang zu beobachtende Serie von Baumfällungen [siehe hier + hier] in Kreuzberg und über die völlig unzureichende Information der interessierten Öffentlichkeit sowie der bürgerschaftlichen Akteure, etwa durch eine lücken- und fehlerbehaftete Online-Fällliste. Auch Dr. Schulz und der gleichfalls zugegene Baumbeauftragte der Grünen-Fraktion in der BVV, Günther Schumacher, hätten gerne gewusst, warum bspw. der Eschenahorn Görlitzer/Skalitzer Straße mit der Begründung Stammfäule gefällt worden sei, obwohl doch die Schnittfläche keinerlei Fäuleanzeichen aufweise.

Stand des Bezirksamts

Stand des Bezirksamts mit Park-Modell

Am Bezirksamts-Tisch vor dem Park-Modell aus der Görli-Ideenwerkstatt stehend, teilte der Fachbereichsleiter Naturschutz und Grünflächen, Hilmar Schädel, zum gefällten Eschenahorn mit, dass die Stammfäule nur im oberen Stammbereich zu beobachten gewesen sei. Nach Abtransport des Schnittguts, das diese Behauptung aus unserer Sicht nicht gestützt hätte, ist jedoch posthum ein Nachweis ebenso schwer zu führen wie im Fall der gekappten Linde 34 in der Reichenberger Straße 36 [s. Fotos u.], wo es die bruchgefährdende Fäule im Kronenbereich gegeben haben soll. Auch hier sind die „Beweismittel“ längst abtransportiert. Feststellen lässt sich nur noch, dass die sichtbaren großen Schnittflächen gleichfalls ohne Befund sind und vor allem, dass nicht nach ZTV Baumpflege auf Zugäste (ableitende Nebenäste) geschnitten wurde, die mindestens dreißig Prozent des Durchmessers des eingekürzten Starkastes haben müssen [siehe auch hier]. Insofern ist neben der Kappung durch die nicht fachgerechte Schnittführung eine weitere nachhaltige Schädigung der Linde entstanden. − Der Grünamtsleiter meinte freilich, Linden kämen mit solchen Schnittmaßnahmen ganz gut zurecht und verwies auf „Kopf-Linden“.

Stände Türk.-dt. Umweltzentrum + Transition Town

Stände von Türk.-dt. Umweltzentrum, NABU-Bezirksgruppe +Transition Town SO36

Auf unseren Hinweis, dass in der gegenwärtigen Brut- und Fällperiode nach Berliner Naturschutzgesetz (§ 29) und Baumschutzverordnung Ausnahmen nur bei eindeutigen Anzeichen der vorhersehbaren Gefährdung der Verkehrssicherheit gemacht werden dürfen, konterte Schädel mit der Bemerkung, dass auch Bauvorhaben eine Fällung während der Brutzeit zulassen, was allerdings stimmt: Baurecht bricht Baumrecht, heißt der eingängige Slogan.

Doch auch dann ist eine fachkundige Untersuchung des betreffenden Baums nach Brut- und Niststätten vorgeschrieben, was bei großer dichtbelaubter Krone und im Fall von Höhlenbrütern, Fledermäusen etc. eine anspruchsvolle Aufgabe ist. Auf der Website des Fachbereichs heißt es auch wörtlich: „Bei notwendigen Fällungen in der Brutsaison wird der Baum zuvor auf Nistvorkommen untersucht und nur in akuten Fällen (‚Gefahr im Verzug‘) gefällt.“

Linde 34 vorher - nachher

Linde 34 in der Reichenberger Str. 36 − vorher und nachher

Wir sind deshalb sehr verwundert zu hören, dass es den Mitarbeitern der jeweiligen Fällfirma überlassen bleibt, diese Sache zu erledigen, sozusagen mit der Kettensäge in der Hand, denn nur sie verfügen ja über den erforderlichen Hubsteiger. − Wir fragen uns natürlich, ob man, ganz abgesehen von der Fachkunde, hier die notwendige Sorgfalt und vor allem Objektivität erwarten kann, oder m.a.W. ob es oft vorkommt, dass eine Baumpflegefirma ihren Fällauftrag wegen Entdeckung eines Vogelnestes nicht ausführt, und des weiteren, ob eine solche Handhabung im Sinne des Naturschutzgesetzes sein kann.

Baumpauschale

Andererseits sieht sich der Fachbereichsleiter auch ausdrücklich nicht beauftragt, beim Umgang mit dem bezirklichen Altbaumbestand eine besondere Sensibilität walten zu lassen, gerade weil die Pflegekosten, die den Bezirken nach Anzahl ihrer Bäume bewilligt werden, nicht mehr, wie früher, nach Baumalter differenziert werden. D.h. für einen Altbaum, der mehr Pflegekosten verursacht als ein junger, gibt es dennoch denselben Pflegesatz.

Für unsere Begriffe nicht nur absurd, sondern eine zu Zeiten von Klimawandel und Nachhaltigkeitsdebatten skandalöse Regelung, denn neben der wegen befürchteter Regressansprüche immer engeren Auslegung der Verkehrssicherungspflicht muss diese „Baumpauschale“ zwangsläufig dazu führen, dass sich die Bezirke lieber früher als später ihrer Altbäume entledigen, von denen unter den herrschenden harten Überlebensbedingungen − Streusalzeintrag; Wassermangel infolge Versiegelung, zu kleine Baumscheiben und ausbleibendes Gießen (mal abgesehen vom Hunde- oder Männerurin); Kontamination des Wurzelraums durch lecke Erdgasleitungen; Anfahrschäden etc.pp. − ist so gut wie kein älterer Straßenbaum mehr gesund. Wir brauchen hier nicht extra auszuführen, dass die Vielzahl seiner ökologischen Dienste, die er uns und den nichtmenschlichen Stadtbewohnern gratis leistet, jedoch mit zunehmendem Alter und Kronenumfang wächst und auch von noch so vielen Neupflanzungen erst nach Jahrzehnten annähernd kompensiert werden kann. Auch der Trend zur Pflanzung pflegeleichterer, kleinkroniger Bäume, die Straßenraum und Wohnquartieren angeblich besser angepasst seien, ist in diesem Zusammenhang sehr kritisch zu sehen.

Weitere Fällungen sollen Donnerstag, 1.7., bekanntgegeben werden

Was nun die leidige Online-Fällliste betrifft, die sich im Hinblick auf Stimmigkeit allen „Aktualisierungen“ der letzten Tage erfolgreich widersetzt hat1, so wurde uns zunächst für heute (Montag), nun aber für spätestens Donnerstag (1. Juli) eine dann aber wirklich aktuelle in Aussicht gestellt. In den nächsten Tagen − denn das interessiert uns prioritär −, sei jedenfalls nicht mit weiteren Fällungen zu rechnen, doch im Hinblick auf die erwarteten Stürme müssten dennoch weitere großkronige Bäume gefällt bzw. gekappt werden, so jedenfalls eine Bezirksamtsmitarbeiterin. Wir können nur hoffen, dazu am Donnerstag Näheres zu erfahren, aber sehr zuversichtlich sind wir da nicht.

Mit dieser ganzen Angelegenheit und der Erschwerung und Demotivierung von BürgerInnen-Beteiligung, ohne die es angesichts chronischer öffentlicher Ressourcenknappheit aber offensichtlich nicht funktioniert, müsste sich dringendst der Umweltausschuss befassen − Mitglieder wurden von uns schon vorletzte Woche informiert −, doch da aktuell keine Sitzung mehr ansteht, ist das vor der Sommerpause ganz ausgeschlossen.

Und der Grünamtsleiter fragte am Samstag denn auch rhetorisch: „Bei 16.000 Straßenbäumen in Kreuzberg: finden Sie da acht2 Fällungen viel?!“

Zum eigentlichen Thema des Familienfests

Präsentation der bisherigen Arbeitsergebnisse zur Gestaltung des Görlitzer Parks und der Sammlung von Ideen der BesucherInnen

Vorab: Das offizielle „Protokoll“ des 3. Arbeitstreffens widmet auf seinen 14 Seiten nur unter „2 Verfahren“ einige wenige Sätze dem aktuellen Treffen am 16.6. Der ganze Rest recycelt das schon bekannte Protokoll des 2. Treffens vom 17.02.10.

Doch was bitte soll jemand, die/der an der Teilnahme verhindert war, davon haben, wenn sie/er dort liest: „Es wurde beraten, was die Präsentation der Ideen auf dem Familienfest auf der Platte am 26.06.2010 bewirken soll. Anschließend wurde zusammengetragen, wie genau die Präsentation erfolgen soll und wer für welchen Teil Verantwortung übernimmt.“?

Ohne Präsentationsmaterial

Pflanzplan zum Görliteich

Pflanzplan zum Feuchtbiotop (zum Vergrößern anklicken)

Obwohl angesichts der Fällerei sehr wenig in Feierlaune, hat sich auch uns während dieses Familienfestes nicht erschlossen, was die Präsentation der Ideen dort bewirken sollte. Die tt-SO36-Leute konnten zwar Paten für ihre geplante Obstbaum-Allee werben, aber bspw. von Kremserfahrten im Rahmen des sog. Esel-Projekts war allenfalls im übertragenen Sinn etwas zu entdecken.  Unser Anliegen, die Gestaltung des nordöstlichen Bereichs um den Teich als ökologisch wertvolles Feuchtbiotop und Naturerlebnisraum, konnte jedoch gar nicht erst präsentiert werden. In dessen Planung sind wir zwar involviert (mehrere Treffen mit Grünamtsmitarbeiterinnen haben stattgefunden, wir haben die Kompromisskonzeption im BVV-Umweltausschuss vorstellen dürfen und anschließend mit der beauftragten Firma Rehwaldt das Pflanzkonzept erörtert [siehe großes Foto]), aber das Kartenmaterial ist in der Obhut des Grünamts verblieben: Entgegen der Verabredung erschien die betreffende Mitarbeiterin zum Fest jedoch nicht, und so konnten wir die bearbeiteten Pläne Interessierten auch nicht zeigen, waren ganz auf verbale Darstellung angewiesen, was bei einer solchen Thematik nicht unbedingt attraktiv oder gar zielführend ist.

Diese Art der BürgerInnen-Beteiligung ist einfach nicht ernst gemeint oder zumindest mal wieder völlig unzureichend organisiert und demotivierend.

Rehwaldt-Treffen zum Pflanzkonzept am 23.6.

Treffen zum Pflanzkonzept vor Ort am 23. Juni


1 Obwohl wir das Grünamt per Mail vom 21.6. darauf hinwiesen, dass die Ahorne in der Oranienstraße 65 und 67 schon am 18.6. und ohne ausreichende Veranlassung gefällt worden sind, werden sie auch in der am 25.6. „aktualisierten“ Liste als erst noch zu fällen geführt und zwar, weil sie absterbend oder schon abgestorben seien. Diese Begründung ist definitiv falsch, was unsere Fotos von Stubben und Schnittgut belegen können.
2 Die immmer noch nicht aktuelle Fällliste wurde von vorher 18 aufgestockt und verzeichnet jetzt deren 33,  soll aber, wie gesagt, noch verlängert werden. Die Zahl acht bezog sich lediglich auf die unangekündigten, worüber uns eine Fällfirma dankenswerterweise informierte…

AnwohnerInnen machen mobil

Widerstand gegen Kreuzberger Sommerfällungen

Linde 34 danach

Linde 34 danach

[Update vom 23. Juni: Gestern löste Lothar Frank vom Fachbereich Naturschutz und Grünflächen des F’hain-Kreuzberger Bezirksamts seine gegenüber Anwohnern gemachte Zusage ein („von mir aus kann der Baum auch stehn bleiben“) und ließ das Fällkommando nur sämtliche belaubten Starkäste der einst stattlichen Silberlinde Nr. 34 in der Reichenberger Straße 36 amputieren. Statt Blätterrauschen, Vogelgezwitscher, kühle und sauerstoffreiche Luft gibt’s für die AnwohnerInnen nun durch Kopfsteinpflaster verstärkten Verkehrslärm.

Auch in diesem Fall lassen sich an den großen Schnittflächen und dem am Ort verbliebenen Schnittgut keinerlei Faulstellen ausmachen. In einem zweiten Schritt wird der Torso dann wohl im nächsten Sommer gefällt werden. − Um auf unserer Seite für Rechtsklarheit zu sorgen, stellte eine Bezirksamtsmitarbeiterin im persönlichen Gespräch auch noch einmal fest, dass das Amt überhaupt keine Fällgenehmigung brauche [es müsste sie sich ja ohnehin selber ausstellen] und Bäume jederzeit und so auch in der Brut- und Vegetationsperiode fällen lassen könne. Hier brauche auch keine Verkehrsgefährdung oder Gefahr im Verzug vorzuliegen. Die betreffenden Bäume müssten vorweg lediglich auf Brut- und Niststätten hin untersucht werden, welche Aufgabe einer weiteren Amtsmitarbeiterin obliegt. − Wie das im konkreten Fall vom Boden aus zureichend geschehen konnte, ist uns zwar schleierhaft, aber wir sind ja auch nur gemeine BürgerInnen. Dennoch werden wir an diesem exemplarischen Fall einmal die Einhaltung von Recht und Gesetz überprüfen lassen. Dass BürgerInnen-Information, geschweige denn BürgerInnen-Beteiligung entgegen öffenlicher Verlautbarungen der Dienstherrin besagten Grünflächenamts mal wie üblich jeder Beschreibung spottete, ist hoffentlich hinreichend deutlich geworden und sicher nicht dazu angetan, bürgerschaftliches Engagement zu ermutigen und zu fördern.]

Görlitzer Str. 1

Görlitzer Str. 1

[Update vom 22. Juni: Heute fiel ein Baum in der Görlitzer Straße 1 (vor der Shell-Tankstelle), der im Winter ohne erkennbaren Grund schon mal einen drastischen Kronenrückschnitt erfahren hatte (bei zweimaliger Anfahrt der  Schnitter bekommt das Amt sicherlich Rabatt) sowie jener in der Urbanstraße 38, der für die AnwohnerInnen, die ihn vorher noch mit einem weißen Band markierten, keinerlei Krankheits- oder gar Standunsicherheitssymptome aufwies und dessen Schnittgut [siehe Foto] ebenalls nichts dergleichen erkennen lässt.

Urbanstraße 38

Schnittgut von Baum 100, Urbanstraße 38

Anrufe im Amt wurden entweder mit Besetztzeichen, der Gewünschte ist in einer dringenden Besprechung oder gar mit der Auskunft, „Sie glauben ja nicht, wie viele Anrufe von Bürgern wir bekommen, wonach wir Bäume aus Gründen der Verkehrssicherheit fällen sollen…“ quittiert. Wir haben inzwischen die Presse informiert und von einer Bezirksverordneten der Grünen die Zusage erhalten, sie wolle nachher im Umweltausschuss bei der Baustadträtin, Frau Kalepky, nachhaken und sich erkundigen, warum es nach wie vor auf der Bezirksamtsseite im Netz noch nicht mal eine aktuelle Fällliste gibt. Bürgernahe Verwaltung à la Friedrichshain-Kreuzberg!]

Wie berichtet, sind heute und morgen (22./23.6.)  zwei verschiedene Gartenbaufirmen beauftragt, mitten in der Vegetations- und Brutperiode ein halbes Dutzend Baumfällungen in Kreuzberg durchzuführen. Bei einigen Bäumen erschließt sich nicht mal, dass sie überhaupt gefällt werden müssen, geschweige jetzt. So z. B. im Fall der großen Linde vor der Reichenberger Straße 36 (Baumnr. 34).

Anrufe bei der Baustadträtin Jutta Kalepky wie im Fachbereich Naturschutz und Grünflächen blieben unbefriedigend: die angeforderten Mails mit Auflistung der btr. Bäume unbeantwortet; der für Baumfällungen auf öffentlichem Straßenland zuständige Mitarbeiter, Lothar Frank rief bislang nicht zurück, soll aber einem Anwohner gesagt haben, von ihm aus könnten die Bäume auch stehen bleiben.

Reichenberger36, Linde 34

Reichenberger36, Linde 34

Die Linde in der Dieffenbachstraße 55 (Nr. 38) zögert sogar die beauftragte Firma zu fällen, weil sie den Baum, wenn nicht gesund, so doch  für standsicher hält. „Das gibt Ärger“, so ein Mitarbeiter. Auch Frau Kalepky bestätigte, dass es „nicht gut“ sei, Bäume in dieser Zeit zu fällen, dass sie aber, wenn doch, selbstverständlich sorgfältig und fachkundig auf Brut- und Niststätten hin untersucht würden. Über den Hinweis, dass entgegen ihrer Aussage anlässlich des bündnisgrünen Bezirkekongresses zur BürgerInnen-Beteiligung, die Fällliste von F’hain-Kreuzberg nach wie vor nicht aktuell sei, indem mit Datum vom 10. Juni 2010 nur 18 bereits erfolgte Fällungen verzeichnet sind, aber  von den noch ausstehenden keine Rede ist, stieß auf Verwunderung.

Reichenberger36, Linde 34

Von AnwohnerInnen markiert

Wie auch immer, die AnwohnerInnen in der Reichenberger haben ihren Baum schon mal mit Transpis drapiert, Flyer gemacht, verteilt und auch zum Mitnehmen an den Stammfuß gelehnt und im Übrigen vor, ein Gutachten erstellen zu lassen. Wenn der Baum auch nicht gesund sei − welcher ältere Berliner Straßenbaum ist das schon −, sind sie doch der Auffassung, dass um diese Jahreszeit eine offenbar schon länger geplante, aber bisher unterbliebene Fällung nicht einfach nachgeholt werden könne, es sei denn, es bestehe Gefahr im Verzug. Da die Linde 34 aber bereits auf der alten, inzwischen vom Netz genommenen Fällliste gestanden hat, darf das füglich bezweifelt werden. In der „aktualisierten“ Liste ist die Linde − wie auch all die anderen Bäume, von denen am Wochenende in der Oranienstraße (und zwar die Ahorne 10 und 16 unweit Moritzplatz) ja schon zwei gefallen sind −, wie gesagt nicht mehr enthalten.

Vor allem diese intransparente, irreführende Informationspolitik, wovon der Bezirk trotz aller Beteuerungen, Bemühungen und voreiliger Vollzugsmeldungen einfach nicht hinkriegt, wie auch die drohenden Verstöße gegen Berliner Baumschutzverordnung und Naturschutzgesetz sind es, welche die KreuzbergerInnen allmählich die Geduld mit dieser „grünen“ Kommunalverwaltung, Baum- und Grünflächenpflege verlieren lassen. Wir können nur die AnwohnerInnen und in der Nähe weilenden BaumfreundInnen aufrufen, die betreffenden Bäume ebenfalls (wengistens) mit weißen Bändern zu markieren, so wie es das bundesweite Bündnis Bürger für Bäume als allgemeines Symbol vorgeschlagen und selber schon praktiziert hat.

Flyer für Linde 34

Flyer für die Silberlinde 34

Natürlich könnt Ihr Euch auch gleich an den Leiter des Fachbereichs Naturschutz und Grünflächenpflege, Hilmar Schädel, unter 90298 8024 (Vorz. Fr. Keller) wenden. − Und hier noch mal die Aufzählung der übrigen Fällkandidaten:

  • Obentrautstr. 35, Nr. 75
  • Lindenstr./Franz-Klühs-Str., Nr. 70
  • Reichenberger Str. 36, Nr. 34
  • Paul-Lincke-Ufer 20, Nr. 35
  • Dieffenbachstr. 55, Nr. 38
  • Dieffenbachstr. 27, Nr. 17
  • Urbanstr. 38, Nr. 100

Senatseigene Grün Berlin GmbH verstößt gegen Berliner Baumschutzverordnung, Naturschutzrecht, Public Corporate Governance Codices sowie die Ziele der Lokalen Agenda 21!

Sieben Gründe, warum die „Parkfreiräumung“ am Gleisdreick sofort gestoppt werden muss

  1. Gleise 2005

    Malerisch überwucherte Gleise (2005)

    Die BürgerInnen wurden nach freimütigem Einbekenntnis eines Sprechers der senatseigenen Grün Berlin GmbH an der jetzt umgesetzten Planung so gut wie nicht beteiligt, ihre Konzepte werden ausdrücklich an den Rand gedrängt. [vgl. z.B. unsern Beitrag zur Abendschau vom 8.3.09]

  2. Vom Ziel eines nennenswerten Erhalts der Brachlandschaft ist entgegen allen früheren Versicherungen gar keine Rede mehr, und damit wird gegen eine wesentliche Auflage an die Beiträger zum Planungswettbewerb „Park auf dem Gleisdreieck“ nachträglich und in erheblichem Maß verstoßen.
  3. Millionenbeträge für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen (A&E) auf Grund der Eingriffe am Potsdamer Platz werden für neuerliche Eingriffe in noch weit wertvollere Natur, ja für Flächenversiegelung und dgl. missbraucht, was einen Verstoß gegen die sog. Eingriffsregelung nach §§ 18 und 19 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) sowie §§ 1a und 35 des Baugesetzbuches (BauGB) darstellt!
  4. VertreterInnen der Unteren Naturschutzbehörde F’hain-Kreuzbergs äußerten sich voller Unverständnis, ja empört über die Art und Weise, wie hier durch umfassende Rodungen in Nacht- und Nebelaktionen vollendete Tatsachen geschaffen und vorhergehende sog. Informationsveranstaltungen kaltschnäuzig konterkariert wurden. MitarbeiterInnen des Kreuzberger Grünflächenamts, die nicht genannt werden wollen, zeigten sich von den massiven Fällaktionen völlig überrascht.
  5. Die Anlage einer standardisierten multifunktionalen Freizeit-Arena widerspricht eklatant dem, was als Paradigmenwechsel in der Grünflächenpflege in Richtung Erhaltung von „Wildnis im urbanen Raum“ überfällig ist, und zwar im Interesse nicht nur des so immens wichtigen Artenschutzes und der Eigenwerthaltigkeit der Zeugnisse einer natürlichen Dynamik, die sich ein halbes Jahrhundert lang als Kollateralnutzen der Teilung entwickeln konnte, sondern nicht zuletzt auch im Interesse von Naturerleben, Naturerfahrung und einer nachhaltigen Erhöhung von Lebensqualität im Rahmen naturnaher und zugleich naturverträglicher Freizeitnutzung.
  6. Stunde der Gartenvögel 2007

    rbb begleitet NABU-"Stunde der Gartenvögel" 2007 auf dem Gleisdreieck-Gelände (Im Hintergrund das "Wäldchen")

  7. Die Berliner Naturschutzverbände wie der NABU hatten aus Gründen des Artenschutzes, belegt durch entsprechende Kartierungen*, wiederholt den Erhalt wesentlicher Teile der Brachlandschaft gefordert und z.B. gut besuchte Mitmach-Aktionen wie die „Stunde der Gartenvögel“ − eine zeitgemäße Interaktion mit Stadtnatur −, auf dem Gelände durchgeführt, kritisieren aber nun öffentlich, dass es sich um keine naturnahe Planung mehr handelt.**
  8. Stunde der Gartenvögel 2007

    Nachwuchs-Ornithologin

  9. Wie kann eine avancierte, bürgernahe und naturverträgliche Denkmalpflege zulassen, dass die einzigartige und oft gerühmte ästhetische Wirkung der technischen und baulichen Relikte inmitten eines vielgestaltigen Prozesses von Rückeroberung, Wiedergewinnung und -besiedlung durch die Natur in ihren mannigfachen Sukzessionsformen nunmehr einer am allenfalls grünen Tisch entworfenen rechtwinklig-öden Baukasten-Architektur geopfert wird?!

Deshalb fordern wir

  • Die weitere Naturzerstörung z. B. durch Erschließung des sog. Wäldchens, ist unverzüglich zu stoppen!
  • Die entstandenen Schäden müssen quantifiziert und kompensiert werden!
  • Die Verstöße gegen geltende Gesetze und Kodizes sind schnellstmöglich zu ermitteln und zu ahnden!
Stunde der Gartenvögel 2007

Wir wollen wilde Stadtnatur!


* 2006 wurden z. B. 33 Vogelarten, darunter 30 Brutvogelarten bestimmt − mit dem, auf den Roten Listen als vom Aussterben bedroht geführten Brachpieper als „Highlight“. Das faunistische Gutachten hat die Abt. Stadtentwicklung und Umweltschutz im BA Friedrichshain-Kreuzberg in Obhut.

** Wie sieht es aus Sicht des NABU nun mit der Einhaltung der Bedingungen aus, unter denen die ja vom Gesetz her zu beteiligenden Naturschutzverbände der Planung gemäß Loidl-Entwurf zustimmten?

Eindrücke vom 5. Berliner Baumforum

Spezialthema: Umgang mit Konflikten im Zusammenhang mit Baum-Aktionen

Die alljährlich an der Technischen Fachhochschule im Wedding stattfindende Informationsveranstaltung wendet sich an alle, „die mit der Erfassung, Pflege und Kontrolle von Bäumen betraut sind“, also vorrangig an ein Fachpublikum − MitarbeiterInnen von Grünflächenämtern, Park- und Friedhofsverwaltungen, Baumpflegefirmen und Wohnungsbaugesellschaften, Architekten und Ingenieure − und wird neben der TFH von der Datenbankgesellschaft und der Baumpflegefirma Kusche und Partner veranstaltet.

Auch dieses Jahr gab’s eine Reihe lehrreicher bis hochspannender Vorträge über neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Erfahrungen rund ums Thema Baum, und der sog. Berliner Baum-Papst, Professor Hartmut Balder, der jüngst mit der Forderung, 50.000 Berliner Bäume zu fällen, via Bild Aufsehen erregte, moderierte. Als Spezialthema war der „Umgang mit Konflikten im Zusammenhang mit Baum-Aktionen“ angekündigt, die/der Referent/in blieb N.N. bis zuletzt, so dass wir erst am Veranstaltungstag gänzlich überrascht erfuhren, dass der noch zu nennende Name Beate Voskamp lautete, die allseits geschätzte Mediatorin des Verfahrens zur „Zukunft des LWK“. Ihre Präsentation wurde leider ganz nach hinten verfrachtet, als sich schon einige der ca. 300 TeilnehmerInnen auf den Heimweg begeben hatten.

Erfahrungen mit der Baumschutzverordnung

Zu den Highlights am Vormittag zählte ohne Frage ein wahres Feuerwerk praxisgesättigter Erfahrungen, das der Mitarbeiter des Natur- und Grünflächenamts Spandau, Klaus Koziolek, unter dem ganz unspektakulären Titel „Eingriffe in private Baumbestände aus behördlicher Sicht“ abbrannte. Es ging um die Auswirkungen der alle Jahre wieder novellierten Berliner Baumschutzverordnung (BaumSchVO), allerdings nur im Bezirk Spandau, denn erstaunlicherweise fehlen hierzu gesamtberliner Daten. − Details würden unseren Rahmen sprengen, deshalb nur einige Kernaussagen:

2007 wurden in Spandau allein auf Privatgrundstücken und Gewerbeflächen in absoluten Zahlen 1244 Bäume gefällt, davon 877 wegen Krankheit, Abgängigkeit und Verkehrsgefährdung und 346 wegen Nutzungseinschränkungen einschließlich Bauvorhaben. Die Ablehnungsrate bei Fällanträgen betrug lediglich 23 Prozent; dieser eher niedrige Anteil sei aber über die Jahre hinweg annähernd gleich geblieben, habe also im Zuge der Novellierungen keine Steigerung erfahren. Anträge wegen Gefährdung/Abgängigkeit werden zu etwa 70 Prozent genehmigt. Die Hauptproblematik bestehe hier in der Definition von Gefahr, der Unterscheidung zwischen potentieller und akuter Gefahr, vor allem aber in der Akzeptanz von Gefahr in unserer Gesellschaft. Hundertprozentig gefahrlos könne ein Baum nicht sein, aber wie unterschiedlich würden Risiken bei Bäumen auf der einen und z. B. PKW auf der anderen Seite gewichtet.

Ein anderes Problem sei die gesellschaftliche Akzeptanz von Baumfachwissen. Seitlich geneigte Bäume hielten nicht wenige für gefährlich und allein deshalb für fällenswert. „Sind Baumstatik und Baumbiologie wirklich unbekannte Wissenschaften?“ lautete die rhetorische Frage. Anträge wegen Beeinträchtigung von Bauvorhaben würden zu 23 Prozent genehmigt. Hier heißt die Faustregel: Baurecht bricht Baumrecht − und wenn erstmal Bagger und Kettensägen anrückten, sei es für den Baumerhalt meist zu spät: Ein früh- und rechtzeitiger Einsatz in der Phase der Bauleitplanung sei vonnöten! Ein gewichtiger Problemkomplex bei Bauarbeiten seien die unsachgemäßen Eingriffe in den Wurzelbereich von Bäumen, was eine Fotoserie beklagenswert zugerichteter Bäume schlagend illustrierte. Andere Aufnahmen zeigten die zumeist fatalen Folgen ungenehmigter Schnittmaßnahmen.

Klaus Koziolek schloss seinen Vortrag mit dem Fazit, dass schon durch ihr bloßes Faktum die BaumSchVO eine baumschützende Wirkung entfalte, da Privatleute, die einen Baum fällen lassen wollten, im allgemeinen auch die Gartenbaufirma mit der Beantragung der Fällgenehmigung beauftragen und sich dann oft von der Chancenlosigkeit eines Antrags überzeugen ließen; dies schlage sich statistisch natürlich nicht nieder. Personal- und Finanzknappheit führten jedoch zu einem erheblichen Vollzugsdefizit der BaumSchVO, und ihre novellierte Ausgestaltung bedeute eine weitere Einschränkung des Baumschutzes. [Da alle Nadelbäume außer der einheimischen Waldkiefer bereits 2004 den Schutzstatus verloren und der Durchmesser geschützter Bäume von 60 auf 80cm in 1,20m Höhe heraufgesetzt wurde, sind 36 Prozent der vorher noch geschützten Berliner Bäume − darunter alle dünnstämmigen wie Eibe oder Esche − nunmehr ohne jeden Bestandsschutz.]  Vor allem aber sei die Verordnung nicht nachhaltig, denn sie verpflichtet bei Fällung auf Grund von Krankheit, Abgängigkeit und Verkehrsgefährdung nicht zur Nachpflanzung, fordere keine Pflanzungen auf baumlosen oder baumarmen Grundstücken etc.

In der anschließenden kurzen Fragerunde widersprach ein Vertreter des F’hain-Kreuzberger Grünflächenamts dem entstandenen Eindruck, dass die Oberste Naturschutzbehörde von den NGA-MitarbeiterInnen auch baumgutachterliche Kompetenzen erwarte.

Messtechnik an Bäumen

Frank Rinn, Erfinder von Resistograph (einem Bohrwiderstandsmessgerät) und Arbotom (einem Schallmessgerät), womit sich auf je verschiedene Weise krankhafte Anomalien im Stamminneren diagnostizieren lassen, präsentierte seinen Beitrag zur Messtechnik an Bäumen auf sehr kurzweilige, telegene Weise. Die Messtechnik (siehe auch DIN 1319) sei nur eine Hilfswissenschaft, stellte er eingangs klar, deren fruchtbare Anwendung ein grundlegendes Verständnis von Bäumen und ihrer Körpersprache voraussetze. Schlussfolgerungen könnten völlig divergieren und sehr leicht in die Irre leiten, wenn die erforderlichen Kenntnisse zur Interpretation der Messergebnisse fehlten.

Baumkontrolle und Baumuntersuchung sind strikt zu trennenden Bereiche. Grundlage für diese ist die auf der Jahrringanalyse aufbauende Holzanatomie. Diese bestimmt wesentlich die Messergebnisse, so dass, grob gesagt, eine weiche Partie im Holz und damit Eindellung der Messkurve bei der einen Baumart völlig normal sei, während sie bei der anderen eine Faulstelle signalisieren könne.

Wenn nun z. B. fünf Personen beim selben Baum den sog. Brusthöhenumfang (BHU) bzw. -durchmesser (BHD) ermitteln sollen, gäbe es regelmäßig fünf verschiedene Messergebnisse und diese, übrigens unvermeidlichen, Abweichungen von 15 bis 25 Prozent müssten immer eingerechnet werden. Bei Bestimmung des berühmten H/D-Koeffizienten, also des Verhältnisses zwischen Stammfußdurchmesser und Höhe eines Baumes, der bei Waldbäumen den Faktor 70, bei Straßen-, also Solitärbäumen den Faktor 50 nicht überschreiten sollte, sei also jeweils eine 15- bis 20prozentige Ungenauigkeit einzurechnen! − Und die quadratmillimetergenaue Bestimmung der Blattoberfläche mittels Laserverfahren zur Bestimmung der Windlast sei völliger Humbug, da mit jedem Windrichtungswechsel, jeder unterschiedlichen Sog- oder Düsenwirkung die Kronen- und damit die Windangriffsfläche erheblich variiere.

Da mit jeder Stufe innerhalb einer komplexen Messung die Ungenauigkeiten kumulierten, käme es bei Errechnung des sog. Windwiderstandsbeiwerts gar zu Abweichungen von plus/minus 120 Prozent…

Das Verfahren der Schalltomographie erlaubt die zweidimensionale Darstellung von Zonen unterschiedlicher Dichte und Festigkeit im gegebenen Stammquerschnitt. Neben der Schwierigkeit, bei unregelmäßiger Stammform die Restwandstärke korrekt zu berechnen, die nach dem Kriterium Professor Matthecks, wenn sie noch ca. 30 Prozent des Querschnitts beträgt, eine Kernfäule statisch noch unbedenklich macht, lassen verschiedene Filter- und Farbgebungsverfahren das Ausmaß einer Fäule für das ungeschulte Auge völlig unterschiedlich hervortreten.

Mit all diesen Beispielen versuchte Frank Rinn ein Problembewusstsein dafür zu wecken, dass die heutigen hoch entwickelten Messverfahren zwar überaus hilfreich sind, um bspw. Stand- und Verkehrssicherheit eines zwar erkrankten, aber gleichwohl noch viele Jahre lebensfähigen Baumes zu beurteilen, doch jederzeit Ungenauigkeiten beinhalten, die unbedingt zu berücksichtigen sind. Punktuelle Messungen bleiben sinnlos, wenn sie nicht in einen Gesamtzusammenhang eingebettet werden. Bei Vorlage eines Sachverständigen-Gutachtens müsse immer die Fehlerrechnung eingefordert werden. Ohne diese sei das Gutachten wertlos.

Urwaldrelikte in der Stadt

Einen höchst beeindruckenden Vortrag über Dauerkonflikte zwischen Arten- Naturschutz in der Baumpflegepraxis mit wunderbaren Aufnahmen von Altbäumen, Pilzen und Käfern hielt auch der bekannte Waldökologe und Dendroentomologe Georg Möller. Einmal mehr versuchte er den ungeheuren Wert unseres Altbaumerbes und namentlich der sog. Biotopbäume, also der bereits abgestorbenen, noch stehenden Bäume oder liegenden Stämme in ihrer Funktion als Habitat einer kaum überschaubaren Fülle von Pflanzen- und Tierarten bewusst zu machen. Solche auf Totholz spezialisierte Moose, Flechten, Pilze, Insekten und Käfer stehen zu einem großen Teil längst auf den Roten Listen der gefährdeten oder vom Aussterben betroffenen Arten, und indem in unseren Wirtschaftswäldern in der Regel kaum Totholz zurückgelassen wird, damit es im Naturkreislauf verbleibt, ist der Lebensraum dieser Organismen fast vollständig verschwunden bzw. auf einige wenige verinselte Schutzgebiete geschrumpft. Ungeachtet einer entsprechenden, jedoch weitgehend unbekannten Empfehlung des EU-Ministerrats bereits aus dem Jahr 1988 bleibt der Artenschutz nachrangig auch in der Forstwissenschaft.

Die Vernichtung der Primärwälder, die trotz aller Biodiversitätskonferenzen tagtäglich auf der südlichen Hemisphäre, in Indonesien, Malaysia oder Amazonien, mit kaum vermindertem Tempo fortgesetzt wird, haben wir in unseren Breiten bekanntlich längst besorgt, doch gerade in den Kleingehölzen und Parkanlagen des urbanen Siedlungsraums gibt es die Möglichkeit einer anthropogenen Simulation von kleinteiligen Urwaldstrukturen! Nur hier dürfen ja außerhalb von Schutzgebieten Bäume überhaupt altern und werden nicht bereits im juvenilen Stadium exekutiert. Diese sog. Urwaldreliktbäume bieten neben Nistmöglichkeiten für selten gewordene Höhlenbrüter wie den Mittelspecht und Unterschlupf für gefährdete Fledermausarten auch die überlebensnotwendigen Habitate für Urwaldreliktarten wie die auf Eichenmulm spezialisierten Großkäfer Heldbock und Eremit, dazu den marmorierten Goldkäfer, den Feuerschmied, den Großzahnkäfer, den Rindenkäfer, den Körnerbock und viele andere.

Wenn ein Baum bruchgefährdet ist, sind kreative Kompromisse hinsichtlich Herstellung der Verkehrssicherheit gefragt: Kronen können abgestützt oder teilweise abgesetzt, Wege verlegt oder gesperrt, Bäume umzäunt und/oder mit Warnhinweisen versehen werden −, wenn man sich ans Beispiel der Heldbock-Eichen im Schlosspark Niederschönhausen erinnert, ein zäher, mühsamer Kampf und ständige Herausforderung. Große liegende Stämme sollten unbedingt belassen oder gezielt an geeignetere Orte gebracht und dort am besten in einer Schrägstellung gelagert werden, da ein dadurch entstehender kleinklimatischer Gradient mit differierenden Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnissen die Ausbildung eines Mikrohabitats begünstigt.

Bei notwendigen Fällungen sollte ein Hochstubben stehen bleiben – ideal wäre tatsächlich ein Absprengen der Krone, der ihn wie durch einen Windbruch entstanden und auch ästhetisch ansprechend erscheinen lässt und die Ansiedlung von Pilzkolonien erleichtert, die ja durch Abbau der Gerbsäure enthaltenden Zellen einer Folgebelegung durch holzbewohnende Käferarten allererst den Weg bereiten müssen. – Schon ein zwei Meter hoher Stubben trägt ein Vielfaches zur mikroklimatischen Differenzierung bei, und ästhetischen Einwänden lässt sich durch Ansiedlung von Efeu und anderen Kletterpflanzen Rechnung tragen, welche die Konturen verwischen. Farbe, Gestalt und Tätigkeit diverser Pilzarten am Totholz bringen bizarre Formen von eigentümlichem Reiz in unsere natürliche Nachbarschaft und bieten unseren Kindern die Chance vielfältigen Naturerlebens.

Die Erkundigung nach der Haltung des Denkmalschutzes in der anschließenden Fragerunde beantwortete Georg Möller dahingehend, dass es auf Seiten einer eher dogmatischen (Garten-)Denkmalpflege zweifellos einigen Nachholbedarf gebe.

Mediatorin Voskamp bewertet das Verfahren Zur Zukunft des LWK rundum positiv

Leider bildete das sog. Spezialthema, nämlich der „Umgang mit Konflikten im Zusammenhang mit Baum-Aktionen“ das Schlusslicht der Veranstaltung, als, wie gesagt, schon manche den Tagungsort längst verlassen hatten. − Beate Voskamp, erst wenige Tage zuvor als Referentin angefragt, erläuterte kurz Sinn und Zweck von Mediation überhaupt, nämlich beim Auftreten von Konflikten zwischen gesellschaftlichen Interessengruppen und dem Aufeinandertreffen antagonistischer Positionen eine andere Regelung als die gerichtsförmige anzustreben. Gerichtliche Verfahren würden auf der Ebene der unterschiedlichen Positionen und Ansprüche verharren, der Vergangenheit zugewandt die Schuldfrage stellen, dabei den Beteiligten ermöglichen, ihre Verantwortlichkeit im Hinblick auf die Streitschlichtung zu abzugeben, und zumeist in eine Win-Lose-Situation münden, in der die Sieger über die Verlierer triumphieren.

Um von einem unstrukturierten, eigendynamischen, letztlich destruktiv eskalierenden Konfliktverlauf zu einer geregelten, konstruktiven, in die Zukunft gerichteten Konfliktbearbeitung und -lösung zu gelangen, bemühe sich demgegenüber Mediation zunächst, die Interessen hinter den Positionen herauszuarbeiten, weg von Be- und Verurteilungen hin zu Problembeschreibungen zu kommen, anstelle gegenseitiger Schuldzuweisungen die Bedürfnisse offen zu legen und schließlich die jeweiligen Interessen so weit zu konkretisieren, bis − ganz im Sinne des Einsteinschen Diktums: „Ein Problem kann nicht auf der Ebene gelöst werden, auf der es entstanden ist“ − auf einer Metaebene, welche die Beteiligten nur schwer selbsttätig erreichen könnten, Berührungs- und Anknüpfungspunkte sichtbar werden, die je individuellen Probleme als gemeinschaftliche begreifbar sind und eigenverantwortlich ein für alle Beteiligten akzeptabler Interessenausgleich unternommen werden kann. − Deshalb verstehen sich MediatorInnen anders als ModeratorInnen auch nicht als unparteilich, sondern als allparteilich.

Soweit die Theorie. Bei der Schilderung der Konfliktentwicklung und -eskalierung am Landwehrkanal, deren Genese Frau Voskamp vor allem in der mangelhaften Transparenz, Kommunikationsbereitschaft und Informationsblockade auf Seiten des Wasser- und Schifffahrtsamts (WSA) verortete, weniger in den von Amts wegen geschaffenen Fakten, sowie ihrem Resümee des mittlerweile erreichten Stands der Mediation wurden die inzwischen getroffenen Vereinbarungen − etwa zum Vorgehen in Situationen von Gefahr im Verzug oder der baumsachverständigen Aufsicht über die bevorstehenden Bauarbeiten − sehr hoch bewertet, dies aber ausgerechnet mit WSA- und BI-Presseerklärungen belegt, die neben der Betonung des gemeinsam Erreichten in je unterschiedlicher Weise und Intensität die mangelnden Fortschritte im Hinblick auf die eigentliche, dauerhafte Sanierung beklagten. Und für die BI droht im weiteren Fortgang, wie nun schon oft beschrieben, das breite Spektrum der im Lauf des Verfahrens herausgearbeiteten, von fachlichen Inputs vielfältig bestärkten Interessen an einer umfassend nachhaltigen, zukunftsfähigen Sanierung wieder unangemessen reduziert, auf rein technische Fragestellungen herabgedimmt und allenfalls punktuell berücksichtigt zu werden, weshalb die BI ja auch in einer ersten Reaktion ihre weitere Teilnahme am Verfahren fürs erste ruhen lassen wollte.

In der anschließenden Diskussion machten verschiedene Wortmeldungen deutlich, dass nicht nur dieser Beitrag in seinen Kernaussagen entweder gar nicht verstanden oder nicht ernst genommen wurde, indem die noch anwesenden BehördenvertreterInnen gewissermaßen die Reihen schlossen, sich dagegen verwahrten, dass BürgerInnen Kompetenz und Entscheidungen von Fachbehörden in Frage stellten, ja sich ihnen widersetzten, so dass teure Mediationsverfahren auf den Weg gebracht, alte, kranke und „verkrüppelte“  Bäume geschützt und knappe Steuergelder, anstatt Neupflanzungen zu dienen, für Gegengutachten aufgewendet werden müssten. Ja, der Umstand, dass der Bund zur Befriedung der aufgeheizten Situation am LWK der Forderung nach einem Mediationsverfahren nachgab, habe nun dazu geführt, dass Kreuzberger „Protesttouristen“ auch in fremden Bezirken „herummotzten“…

Die auf der Hand liegende Einsicht, dass gerade im Falle des drohenden Traubenkirschen-Kahlschlags in Pankow, worauf hier angespielt wurde, die Bezirksbehörden exakt dieselben Fehler in punkto Intransparenz, Informationsblockade, Schaffung vollendeter Tatsachen etc. begangen hatten wie weiland das WSA, anders als dieses mit den um ihre Straßenbäume besorgten BürgerInnen jedoch zu keiner Zeit auf Augenhöhe zu verhandeln für nötig hielten, weshalb sich die Fronten auch immer mehr verhärteten, Argwohn und Misstrauen wuchsen und die Atmosphäre immer weiter vergiftet wurde, zu allem Überfluss sogar mit Versuchen, engagierte BürgerInnen zu kriminalisieren −, diese naheliegende Einsicht ging im Applaus, womit um ihre Autorität besorgte BehördenmitarbeiterInnen ihre KollegInnen bedachten, leider komplett unter. − Schlussfolgerungen aus den vorher gehörten Referaten − sei’s über die Vollzugsdefizite der BaumSchVO infolge unzureichender Personal- und Finanzausstattung der Grünflächenämter oder über den unschätzbaren Wert unseres gefährdeten Altbaumbestands und selbst sog. Totholzes, sei’s über die Fehlbarkeit von Baumgutachte(r)n usw. − sie wurden hier jedenfalls nicht gezogen.