Erneut fragwürdige „Baumpflege“ am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal

WSA-Außenbezirk greift Unterhaltungsplan vor

[Update 14.12.11: WSV-Vertreter haben sich inzwischen schützend vor die Mitarbeiter des WSAAbz Spandau gestellt und auf die Verantwortlichkeit der BImA verwiesen, die (s.u.) auch die Aufgaben der früheren Bundesforsten versieht und die strittigen Maßnahmen veranlasst und fremdvergeben habe.]

Déjà vu

Unfachgerechte Kappungen am BSK

Fragwürdige Kappungen am BSK (Zum Vergrößern anklicken!)

Knapp zwei Jahre ist’s her, da zeigten sich AnwohnerInnen, Baumsachverständige und für Stadtnaturschutz Engagierte schockiert über rabiate Fäll- und Schnittmaßnahmen im Uferbaumbestand entlang des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals (BSK). Mit Wahrnehmung der Verkehrssicherungspflicht hatte dieser stellenweise regelrechte Kahlschlag, die Verstümmelung wertvoller Altbäume, die Rodung von Unterwuchs und Buschwerk, ja sogar von Kompensationspflanzungen im Bereich des Nordhafens nichts mehr zu tun. − Nun kommt es mitten im partizipativen Abstimmungsprozess eines ökologisch ambitionierten Unterhaltungsplans zu einer Reprise. Den Rest des Beitrags lesen »

Baumschau und -kontrolle im ABZ Neukölln

Auf Vorschlag der BürgervertreterInnen referierte der Leiter des ABZ Neukölln, Jörg Augsten, über Grundlagen, Aufgaben und Qualitätssicherung der Baumkontrolle entlang des LWK.

Die Baumkontrolle unterm Gesichtspunkt der Verkehrssicherheit ist sowohl eine hoheitliche (nach Bundeswasserstraßengesetz: Sicherheit und Leichtigkeit der Schifffahrt) als auch zivilrechtliche Aufgabe (nach BGB: Schutz des Publikums), insofern jeder, der einen Verkehr eröffnet, für die Verkehrssicherheit verantwortlich ist.

Regelmäßige Baumkontrollen seitens des WSA gibt es am LWK erst seit 1995, und erst seit 1999 wird ein Baumkataster mit Grund- und Zustandsdaten geführt. − Für die Kontrolle der ca. 14.000 Bäume stehen dabei lediglich zwei Baumschauer zur Verfügung.

Bei offenkundigem Handlungsbedarf zur Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit erfolgt eine eingehende Untersuchung evtl. unter Hinzuziehung eines externen Experten; weitere Sichtkontrollen werden durchgeführt, und im Fall von „WSA-Bäumen“ gibt es eine Abstimmung/Benehmensherstellung mit der jeweiligen Unteren Naturschutzbehörde. Handelt es sich hingegen um „bezirkseigene“ Bäume, bedarf es für Pflege- oder Fällmaßnahmen der Einholung einer Genehmigung des zuständigen Grünflächenamts. Der Abstimmung dienen auch die gemeinsamen Kanalbereisungen, deren Protokoll als Beleg der Benehmensherstellung fungiert. − Die Vergabe erforderlicher Baumarbeiten an Fachfirmen erfolgt mit Unterstützung durch die Bundesforsten.

[In diesem Zusammenhang muss jedoch erstaunen, dass in der Vergangenheit bei Hinweisen auf überfällige bzw. unterbliebene Pflegemaßnahmen an Bäumen WSA-Mitarbeiter bisweilen auf die bezirkliche Zuständigkeit verwiesen. − Unklar bleibt außerdem, ob bei erheblichen Pflegemaßnahmen an ufernahen „bezirkseigenen“ Bäumen (z. B. Kappung) umgekehrt das jeweilige Grünflächenamt das WSA vorab zumindest ins Benehmen setzen muss.]

Qualitätssicherung

Für die Ausbildung der Baumschauer zum Zweck der Qualitätssicherung der Baumkontrolle ist der Amtsleiter verantwortlich; für ihre Ausrüstung der ABZ-Leiter. Die Baumschauer, von Haus aus gelernte Wasserbauer, erhielten bis dato jeweils sieben Fortbildungsseminare für insgesamt 5.600 Euro pro Mitarbeiter. − Jährlich findet zu Fortbildung und Austausch im WSA ein „Baumprüfertag“ statt.

Die Regelkontrollen erfolgen als Sichtkontrollen, wobei der BfG-Leitfaden „Baumkontrolle an Bundeswasserstraßen“, der sich auf die FLL-Richtlinie 2004 stützt, Grundlage ist. (Laut Amtsleiter Michael Scholz hat das WSA Berlin jedoch aus Gründen der Personalknappheit gegen die strenge Anwendung des Leitfadens remonstriert.) − Die BfG plant ein Online-Portal für Baumkontrolle an Bundeswasserstraßen.

Konkrete Umsetzung

Die Kontrollen erfolgen in ganz verschiedenen Intervallen zwischen ½ und 3 Jahren je nach Baumart, Entwicklungsphase, Alter, Zustand und Sicherheitserwartung, wobei nach Ereignissen wie Sturm oder Hagel Zwischenkontrollen erfolgen.

Notwendige Rückschnitte richten sich − auch mit Blick auf die Erhaltung des Landschaftsbilds − nach dem Grundsatz „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“ und erfolgen durch externes Fachpersonal nach ZEV für Baumpflege. (Andererseits werden die ABZ-Sägeführer extern geschult.)

Wegen der Vorfälle 2007 hat bekanntlich das Mediationsforum im Hinblick auf kurzfristig erforderliche Maßnahmen zur Erfüllung der Verkehrssicherungspflicht sowohl bei akuter wie latenter Gefahr bestimmte Routinen mit Einspruchsfristen beschlossen, wobei allerdings dem WSA die dreiwöchige Frist bei latenter Gefahr zu lang ist. Da jedoch eine Verbesserung der Baumkontrolle angestrebt und Vertrauen wieder aufgebaut wird, erhofft sich das Amt, dass die Sache ohnehin bald zum Selbstläufer wird. − Als konkrete Maßnahme soll es heute (30.11.) eine Begehung mit dem Baumsachverständigen Barsig zwecks Begutachtung nicht akuter Schadensfälle geben, die dann ab 11.1.10 durch eine externe Baumpflegefirma bearbeitet werden.

Fesselungsfolgen

Bericht des Baumsachverständigen

Würfelgrube

Betonwürfelgrube © T.Henniger (WSA)

Nach dem wasserseitigen Einbau von Spundwänden konnte, wie berichtet, die Beräumung der ersten Tranche von zehn Brockelmannschen Würfeln erfolgen, nämlich am Herkulesufer in Mitte (Abschnitt 2) und am Tempelhofer Ufer in Kreuzberg (Abschnitte 3 und 5). Der Baumsachverständige Dr. Michael Barsig, von den BaL durchgesetzter „Bauleiter Baumschutz“, hat im Auftrag des WSA daraufhin die betreffenden Bäume und Standorte am 10. und 12. Juni noch einmal näher untersucht [siehe seinen Bericht] und aufgrund der mechanischen Belastung an Kastanien Rindenverfärbungen sowie auf Grund der auch nach ihrem Austausch offenbar noch immer zu wenig atmungsaktiven Manschetten Schädlungsbefall festgestellt, der aber jetzt, wo die Stellen wieder freiliegen, zurückgehe. Ob sich nach Ablösung der geschädigten Rindenpartien gesundes Gewebe nachbildet oder es zu Nekrosen kommt, bleibe abzuwarten.

Manschetten vorübergehend abnehmen!

Weidenkrone mit Totholz

Weide mit Totholz © M.Barsig

Gerade angesichts der anhaltend feuchten Witterung rät Barsig deshalb zu einer vorübergehenden Abnahme der Manschetten an den weiterhin angepflockten Kastanien und Linden an Cornelius- und Tempelhofer Ufer am besten Ende Juni/Anfang Juli, auch um ggf. Läusebefall zu entfernen.

Der Gesamtzustand der Bäume sei aber bis auf eine Ausnahme, die Weide Nr. 22 (nahe Fußgängerübergang Möckernbrücke), zufriedenstellend, kein Standsicherheitsrisiko erkennbar und deshalb seien hierzu auch keine eingehenderen Untersuchungen übers VTA hinaus notwendig. Bei der genannten Weide ist in der Krone auffällig viel Totholz entstanden, so dass die Anbindung in diesem Fall womöglich Leitungsbahnen geschädigt hat. An der Stammbasis dieses Baums fallen Rindenverfärbung und Sekretfluss auf. − Hier sind weitere baumpflegerische Maßnahmen nötig.