Zweite Rettung einer Linde

Widerstreitende Gutachten und ein Ortstermin

Sinnbild eines zehnjährigen Beteiligungsprozesses

Tempelhofer Uferlinde 124

Ortstermin Tempelhofer Ufer, 23.11.2017

Im Frühling dieses Jahres begutachtet und für erhaltenswert beurteilt, allerdings angesichts des Lackporling-Befalls, eines wurzelbürtigen, holzzersetzenden Pilzes am Stammfuß, nur mit dreißigprozentiger Kroneneinkürzung, musste es überraschen, dass das Grünflächenamt F’hain-Kreuzberg im September plötzlich dennoch die Fällung der in Rede stehenden Linde am Tempelhofer Ufer ankündigte. Aus Verkehrssicherungsgründen sei dies dringend geboten und alternativlos.

Offenbar war ein neues Gutachten beauftragt worden, das neben dem Lackporling auch noch von einem Stammriss sprach und ihn auch fotografisch dokumentierte. Überdies zeigten Resistographen-Kurven, also die Grafiken der Bohrwiderstandsmessungen, eine schon weit fortgeschrittene Holzzersetzung am Stammfuss. Der Baum habe zudem viel Totholz in der Krone und sei insgesamt nurmehr von eingeschränkter Vitalität.

[Aus gegebenem Anlass nochmals der Hinweis auf die Kurzfassung des neuen Unterhaltungsplan LWK der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) | Heute (12.12.17) hat auch das WSA die entsprechende Webseite aktualisiert.]

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Zwei Bauvorhaben unter bestmöglichem Baumschutz abgeschlossen!

Einsatz von Baumsachverständigem und Seilkletterern minimiert Kroneneingriffe

Flatterulme Zollhaus

Flatterulme am Alten Zollhaus

Während Mediationsverfahren erarbeitete Methoden bewährt

Zur diesjährigen Weihnacht wartet das WSA mit der erfolgreichen, wenn auch etwas zähflüssigen Durchführung zweier Bauvorhaben auf: die Verspundung in Höhe Altes Zollhaus ggü. Kreuzbergs Prinzenbad und jene vor dem Wirtschaftsgebäude der Flatow-Sporthalle nahe Oberschleuse.

Wegen der Dringlichkeit angesichts der fortgeschrittenen, nur provisorisch gesicherten Schäden der Ufermauer konnten, wie schon berichtet, diese Maßnahmen vor und außerhalb des voraussichtlich erst 2018 beginnenden Planfeststellungsverfahrens in Angriff genommen werden.

[Update: Im frischen 135. WSA-Newsletter finden sich die technischen Details…]

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Herbstzeit – Sägezeit

Beteiligen? − Unnötig!

Update

GHS vorher

An der GHS vorher

Als wenige Tage später auf dem Gelände der Gerhart-Hauptmann-Schule in Kreuzberg, die noch zwanzig Geflüchteten Obdach gibt, die Kettensägen röhrten und aus „Sicherheitsgründen“ u.a. ein Feldahorn, Baum des Jahres 2015, dran glauben musste, alarmierte ein BaL-Mitglied den Sprecher für Natur- und Verbraucherschutz der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Dr. Turgut Altuğ, der auch sofort zum Schauplatz eilte.

GHS nachher

nachher

Altuğ war bekanntlich lange Jahre Verordneter in Xhains BVV und erkannte Bezirksamtsmitarbeiter auf dem Schulgelände, doch die wollten ihn keineswegs mehr kennen. So verhalf ihm auch die Präsentation seines Abgeordnetenausweises nicht zum Zutritt, ja er musste sich mit einem „Da könnte ja jeder kommen…“ von der Security abfertigen lassen. Auch ein Telefonat mit Bauamtsleiter Axel Koller erwies sich als verlorene Liebesmüh: Die Fällungen seien aus Sicherheitsgründen notwendig. Ende der Durchsage.

Einfache Bürger*innen gehen Fällgenehmigungen nichts an!

Feldahorn-Rest

Feldahorn-Rest

Überdies vertreten Xhainer Verwaltungsmitarbeiter*innen seit neuestem die Ansicht, „normalen Bürgern“ brauche eine Fällgenehmigung nicht vorgewiesen zu werden. Während also offiziell bis zum Ermüden von Transparenz und Beteiligung gepredigt wird, gehen in unserem Bezirk offenbar die Uhren wieder rückwärts. Mithin kann potentiell jedeR auf beliebige Bäume mit der Kettensäge losgehen, denn gegenüber ihren eigentlichen Besitzer*innen, den Anwohner*innen, bedarf solches Tun keinerlei Legitimation oder Rechtfertigung. Dass auch im Fall von Landtagsabgeordneten so verfahren wird, zeigt immerhin, dass im grünen Kreuzberg gleiches (Un-)Recht für alle gilt. Die Zeiten, wo die Polizei eine Fällung schon mal kurzerhand stoppte, wenn keine Genehmigung vorgezeigt werden konnte, sind also vorbei. Einfachen Bürger*innen ist die Verwaltung und sind die von ihr Beauftragten keine Rechenschaft schuldig. Trübe Zeiten fürwahr!

Xhains Bauamt lässt Fälllisten abarbeiten

Linde 80, Skalitzer 49

Linde 80 mit Stammriss, Skalitzer 49

„Glauben Sie denn im Ernst, wir lassen Bäume zum Spaß fällen?“ wurden wir schon des öfteren empört gefragt, wenn wir gegenüber Bauamtsbeschäftgten die Notwendigkeit finaler „Baumarbeiten“  in Zweifel zogen. (Ganz recht: Bäume unterstehen mit dem Fachbereich Natur und Grünflächen dem Bauamt bzw. dem „Stadtentwicklungsamt“, sind Schlusslicht der Abteilung für Planen, Bauen und Umwelt).

Selbstverständlich fielen in der Vegetations- und Brutperiode, also zwischen März und September, auch wieder in F’hain-Kreuzberg etliche Bäume, von denen niemand außerhalb des Bezirksamts ernstlich Gefahr für die Verkehrssicherheit befürchtete − über Beispiele haben wir berichtet − , doch seit dem Beginn der Fällsaison mit Anfang Oktober scheinen wieder alle Hemmungen gefallen. Den Rest des Beitrags lesen »

Jahresauftaktpanne am Landwehrkanal

Für erhaltenswert begutachtete Uferweide gefällt

Weitere Fällungen vorerst ausgesetzt

Am 12. Dezember letzten Jahres erreichte die Mitglieder des Mediationsforums „Zukunft Landwehrkanal“ via WSA-Pressestelle die Ankündigung des F’hain-Kreuzberger Tiefbau- und Landschaftsplanungsamts, dass insgesamt acht Uferbäume wegen mangelnder Verkehrssicherheit gefällt werden müssten. Der Mail war eine umfängliche Excel-Datei mit einer Liste von 208 bezirklichen Fällungen im Ortsteil Kreuzberg angehängt − ob nun schon erfolgt oder noch ausstehend, mit Doppelzählungen etc. − , in der die acht blau markierten Fällkandidaten herauszusuchen waren. Ab dem 27.12. sollten die „unaufschiebbaren Fällungen“ erfolgen, und eine Firma sei bereits am Vortag(!) damit beauftragt worden. Zugleich wurde eine großzügige Vetofrist von vierzehn Tagen eingeräumt. Den Rest des Beitrags lesen »

Fällmoratorium, Einzelfallprüfung und faunistische Untersuchung!

Baum- und Artenschutz sind unverhandelbar

[Siehe auch den Nachtrag vom 11.10. am Ende des Postings. -
Für den 17.8., 17 h, ist nun eine Sondersitzung des Umweltausschusses
der BVV F'hain-Kreuzberg mit dem einzigen TOP "Baumfällungen
im Ortsteil Friedrichshain" anberaumt, wobei sich für uns
natürlich folgende Fragen stellen:
a) Was ist mit den 74 Fällungen in Kreuzberg (27 noch offen)? und
b) Erhalten wir − mit etwas Vorlauf − vorher noch die aktualisierte
Fällliste von Friedrichshain?]
Ahorn 139 auf der Bänsch-Promenade

Ahorn 139 auf der Bänsch-Promenade mit Schrägstand

Der Aufschrei angesichts der Pläne, für sechs Mio. Euro den Gendarmenmarkt weltstadtkompatibel umzugestalten, dabei die Sicht auf baumverstelltes Kulturgut freizuschlagen und 140 Kugelahorne zurückzubauen, hat einiges Medienecho evoziert [siehe unsern Pressespiegel und bspw. auch hier] und Tausende zur Protest-Unterschrift veranlasst. Auch der BUND Berlin lehnt in einer Stellungnahme gegenüber Bezirksstadtrat Gothe und einer Pressemitteilung die geplanten Fällungen entschieden ab. [Update 10.08.10: Ein erneutes Überdenken auf Seiten des Stadtrats laut einer PM schon vom 3.8. macht derweil Hoffnung. − Siehe auch die Stellungnahme des NABU Berlin.]

Unterdessen gehen in Friedrichshain-Kreuzberg jedoch die Sommerfällungen weiter, noch dazu ausgeführt von Fremdfirmen mit unqualifiziertem Personal unter Verstößen gegen Naturschutzrecht. In der letzten Woche übersandte uns das Bezirksamt die am 2.8. aktualisierte Fällliste für den Ortsteil Kreuzberg, derzufolge 47 Bäume mitten in der Vegetations- und Brutperiode gefällt worden sind − mit nach unserer Meinung größtenteils fragwürdigen Begründungen −, während noch immer 27 Bäume auf die Säge warten. Den Rest des Beitrags lesen »