Exklusiv entwickelte Modifizierungsvariante für Baumanbindung abgelehnt

Vertreter des Grünflächenamts Mitte fordert Gutachten zur Notwendigkeit der Brockelmannschen Würfel

In der letzten diesjährigen AK-Sitzung Kurzfristige Maßnahmen am vergangenen Donnerstag (17.12.) lehnte der Bezirk Mitte die vom technischen Sachbearbeiter des WSA, Tassilo Henniger, präsentierte, gemeinsam mit dem Baumwertermittler und Vater der Baumkorsettierung, Jochen Brehm, angeblich schon im Sommer entwickelte und nunmehr bereits zweite Modifizierung der Anbindung für die weiterhin angeschirrten Kastanien am Corneliusufer rundheraus ab. Trotz erheblicher Bedenken habe man 2007 im Interesse der Wiederaufnahme der Fahrgastschifffahrt [!] dieser Maßnahme zugestimmt, jedoch einzig unter der Voraussetzung, dass spätestens in diesem Winter die Baumaßnahme durchgeführt werde. Die Aufhebung von deren Ausschreibung habe den Bruch dieser Vereinbarung bedeutet.

Die von AnwohnerInnen privat finanzierte Promenade entlang der Corneliusstraße sei durch Verschulden des WSA in einem katastrophalen Zustand und seit nunmehr zweieinhalb Jahren unbenutzbar, erklärte der Mann aus Mitte. Die nun unter Ausschluss von Bezirksvertretern geplante Modifizierung, die eine Abstützung der Verbindungsbalken durch je einen senkrechten, in einem neuen Betonfundament zu verankernden Stützbalken vorsehe, der die Umwandlung des Korsetts in eine lockere Verseilung ermöglichen soll, bedeute keineswegs eine nicht erhebliche Maßnahme, sondern verpflastere und verschandele das Ufer nur noch schlimmer.

Mit drohenden Klagen seitens der AnwohnerInnen konfrontiert, verlangte der Vertreter des Grünflächenamts Mitte Aufschluss darüber, was nun überhaupt 2010 mit der Promenade passieren werde.

Und zur Verblüffung der BaL-VertreterInnen erneuerte er ihre alte Forderung nach einem unabhängigen Gutachten zur sachlichen Erforderlichkeit der Betonklötze, zur Klärung ihres Sinns, und zwar mit dem erklärten Ziel, die ganze Konstruktion baldmöglichst zu entsorgen. Immerhin sei es in dieser ganzen Zeit nirgends zu einem weiteren Uferversagen gekommen.

Neuerliche Intransparenz der Behördenhandelns

Und auch die BürgervertreterInnen protestierten gegen die neuerliche Intransparenz: Entgegen der Vereinbarung waren Stakeholder und Fachleute, weder der Bezirksvertreter als Baumsachverständiger noch der Baumgutachter der BI, an Vorgesprächen und Erörterung der nun unversehens aus dem Hut gezauberten Planung beteiligt: Alle sollten sie nur noch abnicken. − Für die Umsetzung dieses „grausigen Alptraums“ müsste es jedoch eine neue Ausschreibung geben, eine neue Gewährleistungsübernahme etc. und fielen vor allem neue Kosten an. − Die Leiterin der AG LWK, Frau Dr. Ernst, beteuerte, die Hinzuziehung der betreffenden Personen sei schlicht vergessen worden.

Crush Piler ans Corneliusufer!

Der Vorschlag einer Anwohnervertreterin und zugleich BaL-Mitglieds: Wenn die Verspundung der Teststrecke am Paul-Lincke-Ufer [die nunmehr wohl kaum vor der ersten Februarhälfte durchgeführt werden wird] klappt, woran kaum zu zweifeln ist, dann sollte noch in dieser Wintersaison der Crush Piler am Corneliusufer eingesetzt werden, wo das Verspunden mit integrierter Bohrhilfe ohnehin Teil der Leistungsbeschreibung war. Hätte die beschränkte Ausschreibung zu einem Auftrag geführt, hätte das Crush Piling dort sowieso seine weitere Teststrecke gehabt.

Damit jedoch entfällt die Notwendigkeit sowohl einer Ausschreibung für die Umsetzung der modifizierten Anbindung als auch für ein Gutachten zur Klärung ihrer Sinnhaftigkeit als solcher. Andererseits sind Logistik und Baustelleneinrichtung schon geplant bzw. vorhanden, und diese braucht nur vom Paul-Lincke- ans Corneliusufer befördert zu werden. GIKEN verfügt lt.  Frau Ernst nach Angaben von Herrn Matsuka über die notwendigen Kapazitäten, aber außerdem gibt es auch noch die Firma Mette Wasserbau, die sich am Tempelhofer Ufer durchaus lernfähig, ambitioniert und flexibel gezeigt hat.

Frau Dr. Ernst, von der geschlossenen Zurückweisung von Hennigers „Vorschlag“ sichtlich überrumpelt, versprach, noch vor Weihnachten die verschiedenen Optionen im Hause zu besprechen, doch Entscheidungen seien erst 2010 zu erwarten.

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Von Baumgeschirren, Betonklötzen und Bauzäunen

Dritte Modifizierung der (überflüssigen) Baumanbindung

Da entlang der Corneliusstraße in Mitte die Einbringung der Spundwand wegen unerwarteter Festigkeit der Kanalsohle unterbrochen und auch die beschränkte Ausschreibung mit dem Ziel, unter den lokalen berlin-brandenburgischen Wasserbaufirmen eine zu finden, welche dort mittels Pressen mit integrierter Bohrhilfe die Stahlspundwand noch in dieser Wintersaison fertig stellt, wie berichtet, wegen mangelhafter Angebote mit intransparenten Preiskalkulationen wieder aufgehoben werden musste, müssen nun die malträtierten Kastanien voraussichtlich noch eine dritte Vegetationsperiode angeschirrt überstehen.

Lockere Verseilung

Daran, dass sie dies unbeschadet aushalten, zweifelt inzwischen offenbar auch der „Erfinder“ der jetzigen Korsettierung, der Baumwertermittler Jochen Brehm, und hat eine alternative Anbindung durch leichte Seil-Halterung vorgeschlagen, die sich nur im Versagensfall der Ufermauer straffen und den betreffenden Baum am befürchteten gefahrenträchtigen Umstürzen hindern würde.

Das WSA betonte, dies heiße noch nicht, dass Brehm im Zusammenhang mit der Baumanbindung nunmehr den dritten Auftrag bekomme und regte einen baldigen Termin an, um zusammen mit dem zuständigen Vertreter des Grünflächenmats Mitte und dem Baumsachverständigen Barsig eine geeignete Modifizierung der umstrittenen Anbindung zu diskutieren. (Es sei hier auch noch mal von unserer Seite festgehalten, dass diese vermaledeite Baumanbindung, deren Gesamtkosten sich inzwischen im sechsstelligen Bereich bewegen dürften, nur in uneigentlicher Weise mit Baumschutz zu tun haben, in erster Linie aber seiner Diskreditierung und der behördlichen Gesichtswahrung dienen sollen.)

Brockelmanns Würfel

Zur Verwunderung nicht nur der BürgervertreterInnen liegen auch noch dort die Brockelmannschen Würfel bzw. stehen die Bauzäune, wo die wasserseitige Sicherung der Ufermauer durch Einbringen und Hinterfüllen der Spundwand erfolgt ist. Was den kürzlich verspundeten Bereich mit den Linden am Tempelhofer Ufer (Abschnitt 6) angeht, so soll in Kürze [ab 7.12.] unter Verwendung eines Baggers mit sog. Tieflöffel Zweischalengreifer verfüllt werden, um die Linden nicht noch einmal zu gefährden, und anschließend, also noch vor Weihnachten, sollen dann die Betonklötzer verschwinden. [Update 6.12.: Wegen Schadens an einer Schute und sich dadurch verzögernder Geräte-Heranführung gilt dies inzwischen als eher unwahrscheinlich.]

Bauzäune bleiben vorerst

Was aber die Entfernung der Bauzäune anbelangt − auch an anderen Stellen der insgesamt 2,5 km, die sie zum Verdruss Erholungssuchender das Ufer versperren und also immer wieder geöffnet bzw. umgeworfen werden −, so haben wir uns nach entsprechenden Ausführungen von WSA-Chef Scholz im Mai dieses Jahres, wonach sich eine weniger enge Auslegung der Verkehrssicherungspflicht abzeichne und daher auch die Möglichkeit, zumindest einen Teil der Zäune abzuräumen, offenbar zu früh gefreut. Jetzt werden wieder (versicherungs-)rechtliche Gründe dafür angeführt, dass die Zäune selbst dort, wo verspundet und verfüllt worden ist, einstweilen stehen bleiben müssten, da es sich bei den betreffenden Uferabschnitten nach wie vor um Baustellen handele. − An dieser Stelle müssen wir an die schweren Schädelverletzungen erinnern, die sich ein Radfahrer infolge seines Sturzes über einen in der Nacht umgestürzten Bauzaun nahe Prinzenbad zuzog.