Nachtrag zu einem Ortstermin

Lang geplant, gerät hoffentlich gut

BWB-Vorhaben Lohmühleninsel

Zu erhaltende Eiche 104

Zu erhaltende Eiche 104

Bereits während der WSA-Infoveranstaltung im November 2016(!) angekündigt, sind wir noch immer in der strenggenommen seit 2011 laufenden Planungsphase des vom WSA den BWB abverlangten Rückbaus eines teilweise frei gespülten und später auch nicht mehr erforderlichen Mischwasserdükers von der Lohmühleninsel zum Heckmannufer unweit Ernst-Heilmann-Steg in Kreuzberg.

Da der Senat die Umgestaltung des Gewerbegebiets (Mörtelfabrik) im nordöstlichen Teil der Insel in ein Wohngebiet für 1500 Menschen plant und der Bereich in sich abgeschlossen ist, bietet sich der Wechsel des Entwässerungssystems vom Misch- aufs ökologisch zumal für den LWK sehr vorteilhafte Trennsystem an, weil es ihn vor Entlastungen verschont. Deshalb jedoch müssen vor dem Dükerausbau (Bauabschnitt 3) erst die beiden anderen in Angriff genommen werden [Näheres zu den einzelnen Bauabschnitten siehe im verlinkten Blog-Beitrag vom 3.10.2017 ab der Zwischenüberschrift „Musterhaftes Beteiligen durch die BWB“]

Birke 107 (ungenehmigt)

Zu fällende Birke 107 (ungenehmigt)

Ursprünglich sollte mit der Ausführung diesen Herbst begonnen werden, aber da die für die erwähnten ersten beiden Bauabschnitte nötigen Genehmigungsverfahren sich weiter in die Länge ziehen, weil das WSA jeweils sehr genaue Ausführungsfestlegungen fordere, aber auch nur einmal genehmigen mag, konnten die BWB , so der Vertreter des Planungsbüros, noch keine Baufirma beauftragen (und hier kommen ja nur sehr spezielle überhaupt in Betracht, die hoffentlich in der gegenwärtigen Boomzeit noch Kapazitäten frei haben) und sind jedenfalls noch immer längst nicht in der Ausführungsplanung.

Kurz: das Vorhaben wurde um ein weiteres Jahr verschoben, nunmehr in den Herbst 2019. Ohnehin darf mit Rücksicht auf die Fahrgastschifffahrt am LWK bekanntlich nur im Winterhalbjahr gebaut werden.

Schon 2015 war beim Ausbau eines weiteren Dükers weiter südwestlich Ufervegetation ausgelichtet worden. Da beim neuen Dükerausbau weitere Bäume auf der Insel auch noch nahe des dortigen Spielplatzes gefällt werden müssen (vgl. unsern erwähnten Beitrag), hatte es auf jener Expertenkreissitzung bei den BWB am 26.09.2017 intensive Bemühungen gegeben, noch einzelne Bäume wenn irgend möglich zu retten.

Eiche 103

Zu fällende Eiche 103

Am Heckmannufer ist zum Rückbau des sog. Dükerunterhaupts nur eine relativ kleine Baugrube nötig, der lediglich eine jüngere Winterlinde (Nr. 2) zum Opfer fallen wird. Inselseitig aber bedarf es zur Entfernung des ‚Dükeroberhaupts‘ sowie eines alten Auslaufbauwerks einer deutlich größer dimensionierten, wasserdicht stahlverspundeten Grube, da zudem ja auch die Holzspundwände der alten Regelbauweise gezogen und diese dann mit Stahlbohlen ersetzt werden müssen. Außerdem wird ein kleines Regenwasserauslaufbauwerk errichtet. Deshalb wurde zunächst vom Verlust von acht geschützten Bäumen ausgegangen.

An dieser Anzahl wird sich jedoch voraussichtlich nichts ändern: ein zu fällender Baum hat mittlerweile die Maße der Baumschutzverordnung (80cm in 1,30m Höhe) erreicht; ein anderer soll erhalten werden.

Niemand vom NGA F’hain-Kreuzberg und auch keine ZÖB vor Ort

Einerseits wurde nämlich festgestellt, dass mittlerweile eine Birke mit der Nr. 107 unter die Baumschutzverordnung fällt, eine Fällgenehmigung jedoch noch aussteht, was das Fernbleiben der zuständigen Mitarbeiterin des F’hain-Kreuzberger Grünflächenamts entgegen ihrer Meinung doch erfordert hätte. Andererseits ist die von einer Vertretung des Leiters der Baumkontrolle erteilte Ausnahmegenehmigung fürs baubedingte Fällen von acht Bäumen leider so gefasst, dass die auf jener Expertenkreissitzung 2017 signalisierte Bereitschaft der BWB, auch eine zeit- und ortsnahe Ersatzpflanzung entsprechend der Gehölzwertermittlung nach Methode Koch zu beauftragen, nun nicht zum Tragen käme, sondern die Ausgleichszahlung in der Berliner Landeskasse verschwände.

Bereits an der Baerwaldbrücke, wo die BWB ein schadhaftes Auslaufbauwerk hatten abreißen und Bäume fällen müssen, war eine entsprechende Vereinbarung getroffen worden −, doch der Bezirk F’hain-Kreuzberg hat leider die Beauftragung einer zeit- und ortsnahen Ersatzpflanzung bis heute versäumt.

Eiche 2 (Heckmannufer)

Zu fällende Eiche 2 (Heckmannufer)

So war es sehr hilfreich, dass, wenn sich schon der WSA-Beteiligungsbeauftragte rar machte (nämlich die Zentrale Anlaufstelle Öffentlichkeitsbeteiligung (ZÖB) in der Person Björn Röskes), ein Vertreter des Grünflächenamts Neukölln, der gewissermaßen in Amtshilfe an diesem Ortstermin teilnahm, den Hinweis gab, dass im Nachbarbezirk solche Ausgleichszahlungen unter einem bestimmten Haushaltstitel zweckgebunden verbucht und dann für schnelle Ersatzpflanzungen abgerufen werden können, also nicht erst im Landeshaushalt verschwinden. Bleibt also zu hoffen, dass die Zuständigen im NGA F’hain-Kreuzberg eine solche Vereinbarung erneut ermöglichen, sodann aber auch umsetzen.

Erfreulich ist, dass die Eiche 104 [siehe erstes Foto] womöglich erhalten werden kann, denn der Verlust an Zugwurzeln wäre lt. Baumsachverständigem nicht gar so gravierend, während ihren Druckwurzeln in diesem Fall ausnahmsweise die Asphalt-Versiegelung des Spielplatz-Rundwegs zugute käme, indem sie die Bodenkohäsion erhöht und wohl auch bei Sturmereignissen einem Torsionsbruch vorbeugen würde.

Eiche 2 (Heckmannufer)

Zu fällende Eiche 2 (Heckmannufer)

Das Friedrichshain-Kreuzberger Ordnungsamt ist zuständig, wenn es ums Genehmigen von Sondernutzungen auf Spielplätzen, also hier um einen Betriebs- oder Wartungsweg geht, und auch diese Genehmigung steht lt. BWB-Mitarbeiter noch aus. Die Baustelle wird durch einen extra stabilen, kindersicheren Bauzaun abgesperrt werden müssen. Die eigentlichen Bauarbeiten aber werden alle wasserseitig vom Landwehrkanal aus erfolgen. Die Spundwände werden dabei von der uns wohlbekannten Schreitpresse (Silent Piler™) eingebracht, deren Lärm nicht so stören sollte, dass womöglich eine Sperrung des gesamten Spielplatzes nötig wird.

Am verblüffendsten aber war bei diesem Ortstermin doch wieder das unentschuldigte Fernbleiben des Beteiligungsbeauftragten, also der WSAZÖB, aber dankenswerter Weise übernahm der Baumsachverständige das Protokoll. Dass es noch immer nicht verteilt wurde, weist darauf hin, dass der Beteiligungsbeauftragte im Rahmen seiner Multifunktionalität mal wieder anderweitig eingesetzt wird. Darüber bedarf es inzwischen nicht mal mehr einer Information. − Und dass besagter Mischwasser-Düker bereits seit 2011 freigespült ist, spricht auch nicht gerade für besondere Brisanz seiner Entfernung. Bleibt zu hoffen, dass bis 2019 weitere Bäume das schützwürdige Maß erreicht haben, so dass sich ihre Fällung positiv auf die Ausgleichssumme auswirkt. Da arbeitet die Zeit mal fürs Stadtgrün.

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