Wider den schlechten ökologischen Zustand

Expertenkreis zu Öko-Aufwertung, GEK Tiergarten, Regenwasserbewirtschaftung, zentral und dezentral

ZÖB 2018 erstmals regulär besetzt

Vorletzten Dienstag, 24. April, tagte der Expertenkreis ‚Zukunft Landwehrkanal‘ erstmals zu den 2012 entwickelten und 2013 genehmigten und mit Haushaltsmitteln hinterlegten Vorschlägen ökologischer Aufwertungsmaßnahmen. − Diese enorme Verschleppung des Beteiligungsverfahrens soll zweifellos die Ehrenamtlichen, also primär die Vertreter*innen der Zivilgesellschaft, aber auch der Naturschutzverbände zum Aufgeben bewegen. Deshalb müssen wir alles daran setzen, diese durchsichtige Strategie und Taktik öffentlich und Medien wie Politik auf diese versuchte Bürger*innenvergrämung aufmerksam zu machen.

Die Rolle der ‚Zentralen Anlaufstelle Öffentlichkeitsbeteiligung‘ (ZÖB) versah nach langer Abwesenheit mal wieder Björn Röske. Wir hatten ihn gebeten, eine Reihe externer Fachleute einzuladen und eigens ihre Mail-Adressen mitgeteilt, Röske jedoch hatte die Mail redigiert einfach weitergeleitet [s.u.] und entgegnete mit Nachdruck, er habe lediglich die Aufgabe, Mitglieder des Expertenkreises einzuladen. Diese wiederum könnten selbst einladen, wessen Mitarbeit sie für notwendig halten, es darauf ihm, Röske, mitteilen, und er nähme dann die Betreffenden in die Tagesordnung auf. − Wie das  bspw. bei der aktuellen Tagesordnung für diese Sitzung hätte aussehen sollen, bleibt da unerfindlich.

 

[Hinweis: Wen der Konflikt mit der Zentralen Anlaufstelle Öffentlichkeitsbeteiligung (ZÖB) nicht interessiert oder gar langweilt, dem/r sei geraten, gleich beim Sachstandsbericht einzusetzen, aber Sach- und Verfahrensebene wiegen im Patizipationsprozess nun mal mindestens gleich schwer.]

TO

  1. Vergabe der Umweltplanung durchs WNA
  2. Ökologische Aufwertungsmaßnahmen durchs WSA
  3. SenUVK [!]

Bislang verhielt es sich unseres Wissens genau umgekehrt, schlugen Expert*innen vor und lud die ZÖB ein, wie es ja auch Sinn und durchaus einen Unterschied macht, ob das WSA einlädt oder Herr/Frau XY − allein keinen Sinn macht, sich über diese Dinge immer neu zu echauffieren, da

Qualitätskontrolle unerwünscht!

Hier soll schlicht und ergreifend nichts fachkundig evaluiert und ggf. optimiert werden, zumal schon die Besetzung der ZÖB der erste flagrante Verstoß gegen die Mediationsvereinbarung bedeutete! Man könnte es auch Obstruktion nennen und, obwohl schon oft betont: Es liegt uns fern, Björn Röske für solch unkooperatives Gebaren allein verantwortlich zu machen. Wir kennen weder die Anweisungen seiner Vorgesetzten noch den ihm zugestandenen Handlungsrahmen!

SenUVK-Vertreter*innen im WSA!

Hocherfreut aber konnten wir gleich drei Senatsvertreter*innen begrüßen: Antje Köhler und Matthias Rehfeld-Klein von SenUVK, jetzt Abt. II (aber immer noch ‚Integrativer Umweltschutz‘), die sich bis Ende 2012 im Mediationsforum an der Diskussion ökologischer Fragen und schließlich auch der Entwicklung möglicher Aufwertungsmaßnahmen beteiligt hatten, sowie die zumindest damals eher fürs Landseitige zuständige Annette Mangold-Zatti von der Obersten Naturschutzbehörde.

Sie war vermutlich deshalb nach 2009 nicht mehr im Forum erschienen, weil sich die Auffassung, dass auch die Uferbereiche mit zur Thematik Kanalsanierung gehören, obwohl völlig im Einklang mit EU-WRRL, WHG und jetzt dem aktualisierten BfG-Unterhaltungsplan, offiziell nie hat durchsetzen können.

Effiziente Mikroorganismen?

Björn Röske versuchte jedoch ernsthaft den Eindruck zu erwecken, das nach langen Jahren umso überraschendere Erscheinen des Senats sei ausgerechnet auf seine Einladung mit der lapidaren und gerade NICHT um die Vorschläge einer Expertin und Anwohnervertreterin ergänzte Tagesordnung, d.h. also auf die bloße Weiterleitung ihrer längeren Mail zurückzuführen, worin sie um Aufnahme folgender Punkte bat:

  • Dieselschifffahrt und mögliche Fahrbeschränkungen auf dem LWK?/andere Antriebe möglich, in der Erprobung?
  • neue Methoden der Ableitung des Regenwassers (TU Berlin: Prof. Sieker) statt des aufwendigen Baus von Regenwasserrückhaltebecken; Einsatz am Landwehrkanal möglich?
  • Stellungnahme der Senatsverwaltung und der BWB zu den Vorschlägen Frau A.s (Einsatz EM)

Daraus wurde der TOP ‚SenUVK‚. Da den BaL-Mitgliedern bedeutet wurde, es gefälligst auch so zu handhaben, hätten wir doch gern gewusst, wieso nach monatelanger Abwesenheit des ZÖB-Inhabers und seiner knappen Rückmeldung am 5.4. unser Fragenkatalog kaputt formatiert, mit gelöschtem Kopf, geändertem Betreff („Dialogstelle“) und ohne die darin aufgeworfenen Fragen auch nur ansatzweise zu beantworten, lediglich weitergeleitet worden ist und der wiederholt erbetene, ehrenamtlich erstellte Pflanzplan einer Expertin zum Schutz der Baumscheibe einer landschaftsprägenden Erle am Alten Wiegehaus in Charlottenburg zur Verhinderung von Schäden durch Tritt-Verdichtung erst nach etwa einem halben Jahr kommentarlos angehängt wird.

Unsere weiteren Fragen

  • wie weit Am Wiegehaus die Uferneugestaltung inzwischen gediehen sei (es war ein weiterer Ortstermin in in Aussicht gestellt)
  • ob im Zusammenhang mit den Baumaßnahmen am ehem. Postscheckamt-Hochhaus auch Eingriffe in den Baumbestand am Halleschen Ufer geplant seien
  • warum wir über die Rodung von sechs Birken am neu-alten Riedel-Gastroanleger (Planufer/Kreuzberg) nicht informiert worden seien
  • warum auf der entsprechenden WSV-Seite der Link zur Website des Mediationsverfahrens  schon seit vielen Monaten nicht mehr funktioniere

blieben ohne Antwort (und wurden natürlich auch nicht in die Tagesordnung aufgenommen 😉 ).

Diese Mail wurde, wie gesagt, ungeschickt redigiert an den großen Verteiler weitergeleitet, sicher zur Abschreckung, denn was bitte sollen Dritte damit anfangen?! Zu weitergehender Dienstleistung fühlte sich die ‚Zentrale Anlaufstelle Öffentlichkeitsbeteiligung‘ jedenfalls nicht veranlasst.

Die Tagesordnung kehrte Röske zwar um , indem er den TOP ‚SenUVK‚ vorzog, damit die Senatsvertreter*innen nicht die ganze Sitzung durchzuhalten brauchten, doch für die spätere Diskussion von Umweltplanung und möglichen Aufwertungsmaßnahmen am LWK sollte sich ihr Abgang als verfrüht erweisen.

Sachstandsbericht zum GEK Tiergartengewässer erreicht uns nicht!

Matthias Rehfeld-Klein berichtete von einer Anfrage aus der Politik und einem Hinweis von Staatssekretär Tidow, dass im Expertenkreis „Zukunft LWK“ ein Sachstandsbericht zum Gewässerentwicklungskonzept (GEK) Tiergarten erwartet werde. Vor dessen Hintergrund sei die Frage der ökologischen Vor- und Nachteile einer Oberflächenanbindung des LWK an den Neuen See abgewogen worden. Dieser Bericht, so habe es zumindest seitens der Politik geheißen, sei vor etwa drei Wochen(!) der ZÖB übersandt worden, doch leider lag er uns nicht vor und − tut es bis heute nicht! Das Papier wurde zwar noch eilig fotokopiert, aber konnte natürlich, zweiseitig eng bedruckt, nicht mehr zur Kenntnis genommen werden. − Ein Moderator hätte nun eine viertelstündige Lektürepause vorgeschlagen. − Ohne diese musste jedoch der angemahnte, lange überfällige Austausch großenteils aneinander vorbeigehen.

Wir möchten die den Expertenkreis besonders betreffenden Passagen also vorweg zitieren:

„Bzgl. der Durchgängigkeit der Tiergartengewässer zum LWK wurde ein Für und Wider erörtert. (Bei Durchgängigkeit Laichverlust von geschützten Lurchen durch höheres Fischaufkommen in Tiergartengewässern, Habitatangebot zum Laichen für Fische aus dem LWK in Tiergartengewässern, wechselseitige Nährstoffbelastung und Trübung durch Phytoplankton usw.). Die ökologische Abwägung unter Berücksichtigung der bislang schlechten Wasserqualität im LWK steht noch aus. […]

Bei gleichbleibender Nutzung und bei anhaltend schlechter Wasserqualität im Sommer (z.B. Sauerstoffschwund mit Fischsterben im Urbanhafen nach Starkregenereignissen) sind die Möglichkeiten der Wiederbesiedlung des LWK durch die Fauna der Tiergartengewässer begrenzt. Es handelt sich beim LWK und den seenartigen Tiergartengewässern außerdem um zwei unterschiedliche Gewässertypen mit unterschiedlichen Lebensgemeinschaften, die bis auf Ausnahmen nicht zur wechselseitigen Besiedlung geeignet sind.“

Der zweite Absatz präjudiziert uMn die Abwägung, was wir hier aber nicht weiter problematisieren möchten. Leider kam auch von Seiten der Senatsvertreter*innen im Verlauf der Sitzung kein Vorschlag, diese mit Blick auf die vorgeschlagene Oberflächenanbindung allein wesentlichen Fragen in den Fokus zu stellen, um sie intensiver zu erörtern.

Statt dessen erhielten wir einen Kurzabriss des GEK. [Hier der Endbericht (PDF, 40 MB.)] Annette Mangold-Zatti machte den Aufschlag: Der Entschluss, ein solches Konzept zu beauftragen, entstand 2011 im Zuge der 22. Fortschreibung des Parkpflegewerks Tiergarten unter Federführung der Gartendenkmalpflege, die sich auch sehr stark beteiligte (wovon die Abholzungen oder Kappungen mitunter hundertjähriger Bäume beredtes Zeugnis ablegen!), und da die Seen zentraler Bestandteil des Parks sind, wurde die Firma Pöyry mit einer Studie zu ihrer möglichen ökologischen Qualifizierung beauftragt, deren Erstellung dann  aus gewässerökologischer Sicht Antje Köhler intensiv begleitet hat.

Die Tiergartengewässer sind unterm Aspekt der Artenvielfalt sehr stark verarmt, einmal durch Überdüngung durchs Laub der Uferbäume und den phosphathaltigen Zulauf, andererseits durch den hohen Besatz mit Plötzen, die weder Amphibien noch Makrozoobenthos aufkommen lassen. Wolle man durch einen Durchstich die Fischpopulation noch erhöhen, fragte Annette Mangold-Zatti rhetorisch.

Antje Köhler trug nur die Eckpunkte des GEK vor und plädiert dafür, die Firma, die das Konzept erstellt hat, einzuladen.

Überall Pöyry

Überhaupt hatte uns dieser TOP und Bonnys Anwesenheit überrascht, war er doch doch von WSA-Leiter Scholz auf der letzten Sitzung quasi entschuldigt worden: er sei auf seiner zweiten Baustelle in Eberswalde tätig. − Das beauftragte Umweltplanungsbüro aber ist, wie auch im Tiergarten, wieder die Pöyry Deutschland GmbH, und wir erinnern uns, dass dieses Unternehmen seinerzeit auch fürs Screening des LWK beauftragt worden war und die Notwendigkeit einer UVP verneint hatte.

Hauptproblem ist die mangelnde Durchströmung der Tiergartengewässer und ihre allmähliche Verlandung. Bäume sollen beschnitten werden, zu viele Eiben stünden um die Teiche, und Klaus Lingenauber von der Gartendenkmalpflege habe sich in Peter Joseph Lenné rückversetzt, der vor den Seen stehend, ihr Wasser so blau wie das des Himmels erstrahlen sehen wollte. Die Seen bräuchten deshalb eine Betonkante, damit sie eine Form bekämen, und aus den Sichtachsen seien störende Bäume zu entfernen. Das Übliche halt, womit wir den Denkmalpfleger schon reflexartig assoziieren.

Annette Mangold-Zatti gab zu bedenken, dass, wenn man den Tiergarten und seine ökologisch wertvollen Gewässer sich möglichst artenreich entwickeln lassen wolle, eine Entschlammung unumgänglich sei, und das bedeute eine Großbaustelle. Bäume müssten gefällt und der Zufluss vom LWK erstens besser gesteuert sowie zweitens mit Phosphatfiltern versehen werden.

Antje Köhler wies jedoch auf die erfreulicherweise sehr zurückgegangene Phosphatbelastung des LWK-Wassers hin: wenn dieser Trend anhalte, habe es nachhaltigere Wirkungen als die allenfalls kosmetischen Effekte infolge Fällens einiger Eiben.

Wasserbetriebe, Reeder und vier von fünf Bezirken fehlten

Dass die BWB keine Vertretung schicken konnte (wie WNA-Projektleiter Bonny erfahren hatte) und die Reeder ebenso wenig, war ebenfalls misslich, da relativ ausführlich Fragen der Regenwasserbewirtschaftung und der Luftreinhaltung diskutiert wurden.

Von den Anrainerbezirken nahm wie so oft nur Klaus Kittelmann vom SGA Neukölln teil, und er, wie er schon des öfteren betonte, vertritt auch nur Neukölln! Entschuldigungen lagen nicht vor, aber obwohl auch über mögliche Maßnahmen im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf gesprochen wurde −, das Expertenkreismitglied, das diesen Bezirk vertritt, war gar nicht eingeladen worden, denn vor vielen Monaten hat sich ihre E-Mailadresse geändert!

Im Urbanhafen sollen evt. eine Flachwasserzone, Röhrichtanpflanzungen und eine künstliche Insel realisiert werden, und auch hier war das Fehlen der Vertreterin Friedrichshain-Kreuzbergs bedauerlich −, aber, wie erwähnt, es handelte sich erst um die Auftaktsitzung!

Wie gesagt, insistierte Björn Röske auf Aussagen zu den Effektiven Mikroorganismen (EM), und Antje Köhler ließ sich herbei, auf dieses dem Senat nicht neue EM-Verfahren kurz einzugehen. Problematisch sei, dass − anders als im Netz oder Broschüren immer behauptet − Phosphat gerade nicht abgebaut, sondern nur umgelagert werde; dass jede Packung einen anderen Organismen-Cocktail enthalte und dass diese nur im Sommer (ab 10°) aktiv seien. Dann aber würden EM bei der Anwendung in Garten- und Löschwasserteichen nicht schaden, doch für Fließgewässer seien sie definitiv ungeeignet.

Phosphat kommt erstens durch Mischwasserentlastung und zweitens auf der Dahmestrecke in den LWK, so dass mit Brandenburg bereits ein Nährstoffreduzierungskonzept aufgelegt wurde.

Mischwasserkanalisation und Regenwasserbewirtschaftung

Matthias Rehfeld-Klein erläuterte das Konzept moderner Regenwasserbewirtschaftung und die Frage, ob zentrale Rückhaltebecken durch dezentrale Maßnahmen überflüssig gemacht werden können. Das schon lange laufende Programm von Senat und BWB zur Vergrößerung der Mischwasser-Rückhaltekapazität soll nun bis 2021/22 300.000 Kubikmeter zusätzlichen unterirdischen Speicherraum schaffen. Noch zwei, drei Großmaßnahmen stünden an, z.B. am Mauerpark und in der Chausseestraße neben dem BND-Gelände (17.000 m³).

Dieses nunmehr fast abgeschlossene Programm reiche jedoch nicht aus, so dass ein weiteres aufgelegt werden müsse, dass die Aspekte zentral vs. dezentral untersucht. Seit der neuen Legislatur gebe es hier mehr Unterstützung (siehe Koalitionsvertrag S. 161) als unter früheren Regierungen, würden in einem Förderprogramm 2.0 intensiv dezentrale Lösungen erforscht, um zu einer schrittweisen Abkopplung versiegelter Fläche von der Mischwasserkanalisation zu gelangen.

Ziel sei ein Prozent pro Jahr, aber realistisch seien allenfalls 0,3%. Dachbegrünung könne nur 80% auffangen; sog. Staudächer sollen dagegen 100% Regen zurückhalten können. Im Modell verringert eine zehnprozentige Abkopplung die Mischwasserentlastung um 30%, d.h. die Entkopplung wirkt nicht linear, sondern überproportional. Doch dabei komme es zu Problemen mit der Wirtschaftlichkeit: 1% Abkopplung koste grob 25 – 30 Mio. Euro und erfordere eine jährliche Entsiegelung von einem Quadratkilometer Stadtfläche, eine große Herausforderung angesichts einer nur kleinteilig plan- und machbaren Umsetzung. Das Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm starte demnächst; ferner mit den BWB eine Berliner Regenwasseragentur; im Herbst werde das Städtebauförderungsprogramm neu aufgelegt, d.h. die Umsetzung solle auf vielerlei Weise und mit unterschiedlichen Aktivitäten unterstützt werden.

Dennoch blieben zentrale Systeme unverzichtbar. Die Metapher von der „Schwammstadt“ sei zwar gute Zielangabe für PR-Zwecke, aber de facto nur begrenzt tauglich.

Man wolle nicht mit der Fördergießkanne über die Stadt gehen, sondern sich auf Schwerpunkte konzentrieren, und zwar mit einem bioklimatischen Index als Indikator: Wo sind die größten Hitzeinseln, wo ist der Gewässerschutz am dringendsten, und da seien LWK und NSK eindeutig Schwerpunkträume!

Monetarisierung

Die Frage nach dem Verhältnis von Ökonomie und Ökologie wurde aufgeworfen, die Monetarisierung ökologischer Effekt bspw. für die öffentliche Gesundheit sei schwierig, das TEEB-Konzept doch nur ein Ansatz unter vielen, um ‚Ökosystemdienstleistungen‘ ökonomisch zu bewerten.

Der Vergleich zentral − dezentral sei die große Frage, wenn es um die urbane Anpassung an die Folgen des Klimawandels und die Begrenzung der Millionenschäden von Extremwettereignisse gehe, desgleichen, wie die höchsten synergetischen Effekte von zentral − dezentral zu erreichen seien.

Statistische Niederschlagsreihenmessungen von 1961 bis 2001 zeigten keinen Aufwärtstrend, d.h. derlei sei unbeachtlich. Das Systemverhalten zeige allgemein sichtbar ein wachsendes Schadenspotenzial, so dass alle Neubauvorhaben mit Einleitbegrenzung beauflagt würden; die Verdichtung dürfe die hydraulische Belastung des Gesamtsystem möglichst nicht erhöhen.

Informieren kann man sich über all diese Fragen im Netz auf der SenUVK-Seite Regenwasser. Die BWB seien Auftraggeberin von Studien zur Frage der Auswirkungen von Flächen-Abkopplungen auf Mischwasserüberläufe, und es kam noch der Hinweis auf das Forschungsprojekt KURAS in Schöneberg und Wilmersdorf.

Antje Köhler ergänzte noch, dass insbesondere am Urbanhafen ein Mischwasserbecken ertüchtigt werden müsse, denn für seine ökologische Aufwertung sei eine Verbesserung der Wasserqualität unerlässlich!

Die Durchlüftung des LWK mit Sauerstoff nach Starkregen in Hitzeperioden geschehe ‚bedarfsgerecht‘ durch die Rudolf Kloos, und es sei nicht daran gedacht, die Flotte zu vergrößern, obgleich man eigentlich fünf Schiffe bräuchte. Bedarfsgerecht wurde uns da nicht recht klar. Jedenfalls habe sich die Häufigkeit von Fischsterben in den letzten fünfzehn Jahren nicht erhöht.

Thema Dieseldampfer

Es werde ein Programm zur Nachrüstung von Dieselschiffen mit Partikelfiltern aufgelegt, doch grundsätzlich gehe die Entwicklung in Richtung Elektrifizierung der Schifffahrt, ergänzte Tilmann Heuser vom BUND. Diese Zielrichtung werde sogar von der IHK unterstützt.

Zum GEK fielen uns ad hoc keine klugen Fragen mehr ein, ja wir kritisierten nicht einmal, dass der Expertenkreis von der „breiten Öffentlichkeitsbeteiligung“ („Tiergartendialoge“) offiziell gar nicht unterrichtet worden war und fragten auch nicht, wieso ihm das doch schon 2014 abgeschlossene Werk noch immer vorenthalten werde. Eine Online-Veröffentlichung gibt es nämlich nicht.

Im Abgehen boten die Senatsvertreter*innen jedoch an, zur Erörterung bestimmter Themen erneut in den Expertenkreis zu kommen, dessen Mitglieder sie schließlich sind, aber vielleicht ist ihnen das gar nicht mehr geläufig.

Eine Expertenkreissitzung zum Thema Luftreinhaltung zu veranstalten, wurde ebenfalls angeregt und dafür dann eine vielleicht etwas spezifizierte Einladung der Reederschaft.

Ökologische Aufwertungsmaßnahmen durchs WSA

Dieser zweite Tagesordnungspunkt wurde leider erst nach dem Abgang der Senatsvertreter*innen aufgerufen und zunächst an die dafür bereits im Januar 2013 genehmigten Haushaltsmittel erinnert. Die Summen für Maßnahmen zur Gewässerstrukturierung im Rahmen der Unterhaltung belaufen sich auf eine ganze Million </irony> und haben sich nicht vermehrt.

Björn Röske zufolge stünden die Vorschläge im BfG-Unterhaltungsplan. Ihm war offenbar entfallen, dass diese (bis auf einen einzigen neuen: eine Flachwasserzone östlich der Dovebrücke) bereits Bestandteil der Haushaltsunterlage gewesen bzw. als Fotoprotokoll mit penibler kartographischer Verortung in die Konzeption ihres Entwurfs 2012 aufgenommen worden sind, woran Christoph Bonny seinen Kollegen erinnerte. Der BfG-Unterhaltungsplan entstand fünf Jahre später. In seinem Rahmen sollten die Vorschläge lediglich auf Umsetzbarkeit bewertet und danach unterschieden werden, ob sie als Unterhaltungs- oder Entwicklungsmaßnahmen zu betrachten, also vom WSA oder WNA zu realisieren sind.

Der ‚Vorschlag‘ aus dem Sachbereich 2 des WSA, eine Flachwasserzone ggü. dem Restaurantschiff Cäpt’n Schillow am Müller-Breslau-Ufer in Charlottenburg zu realisieren, ist also mitnichten neu. − Weitere Vorschläge aus dem Expertenkreis seien noch erwünscht (als läge nicht seit über fünf Jahren das mit Unterstützung von Fachkundigen entwickelte Bouquet von Maßnahmen vor).

Dass die Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit bei Nebenwasserstraßen abgesagt worden sei, wie Amtsleiter Scholz mitteilte, konnte Bonny nicht bestätigen. [Auch anlässlich einer Veranstaltung zu Nebenwasserstraßen (LWK vgl. S. 105ff) am 31. Mai 2017 in Bonn, wovon uns, wie immer bei interessanten Veranstaltungen, jedenfalls aus dem WSA keine Kunde erreichte, war davon ebenfalls noch keine Rede.] Eine Umwidmung der für Herstellung der Durchgängigkeit vorgesehenen zwei Millionen Euro aber sei nicht möglich: sie seien für diese Maßnahme zweckgebunden genehmigt und könnten auch nicht verfallen.

Es brauchen keine Räder neu erfunden zu werden!

Auf den Vorschlag, ein Büro mit der Untersuchung zu beauftragen, was überhaupt zu realisieren sei, stellte Bonny klar, dass wir im Unterschied zum GEK noch keine Zielvorgabe für den LWK hätten. Das muss verwundern! Die Zielvorgabe der EU-WRRL lautet ‚Herstellung des guten ökologischen Potentials in künstlichen oder stark anthropomorph überformten Gewässern‘. Oder bezog es sich auf die Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit? Hier besteht freilich die Befürchtung, dass sich die in der Flussgebietseinheit Elbe wandernden Fische, von der Spree kommend, auf ihrer Durchquerung Berlins womöglich im Landwehrkanal verirren und nicht zurück nach Brandenburg finden.

Dort, wo Uferinstandsetzung notwendig sei, soll jedenfalls die Anlage von Flachwasserzonen in die wasserbaulichen Maßnahmen integriert werden. Und so verhält es sich auch bei der ehemaligen Liegestelle des Hotels Esplanade nahe der Hiroshima-Brücke in Mitte, wo ebenfalls eine solche strömungsberuhigte Zone vorgeschlagen wurde. − Im Bereich des Wehrgrabens aber sei die Artenvielfalt am höchsten im gesamten LWK, so dass hier die Anlage einer Flachwasserzone am erfolgversprechendsten sei.

Doch uns verwundert, dass die 2012 ins Auge gefassten Stellen am Urbanhafen (nahe van Loon) oder am Nordufer des Studentenbads (nahe Kinderstiftung) nicht zuerst angegangen werden, gibt’s hier doch gerade keine Konflikte mit der Instandsetzung. Der Verdacht drängt sich auf, es soll vor der eigentlichen Instandsetzung auch nicht mit den Aufwertungsmaßnahmen begonnen werden, die allein dem WSA obliegen.

Nach der WSA-Infoveranstaltung am 5.6. ein Workshop am 26.

Die Kritik an der versäumten Einladung der bekannten Fachleute wie Dr. Wolter vom IGB und Manfred Krauß vom BUND, die auch beim GEK Tiergarten involviert waren, veranlasste Tilmann Heuser (der übrigens auf Grund einer persönlichen Einladung einer Expertin und nicht wegen Röskes Mail an kontakt[ät]bund-berlin[dot]net) in den Expertenkreis gefunden hatte, einen Workshop vorzuschlagen, der vom Expertenkreis unter einer gemeinsam entwickelten Zieldefinition organisiert werden sollte.

BaL und Anwohnerverterter*innen hatten sogar an ein Symposion gedacht, was vielleicht auch breiteres öffentliches Interesse an der ökologischen Aufwertung dieses bekannten Berliner Gewässers wecken könnte −, aber vielleicht ist ein Workshop die realistischere Option.

Hierzu könnte bspw. auch Ralf Steeg von Luritec eingeladen werden, der schon viel Erfahrung mit dem Bau wasserseitiger Anlagen für Zwischenspeicherung von Mischwasser in Containern mit nutzbarer Oberfläche hat, wie etwa im Osthafen zu bewundern. Wir dachten auch an einen Vortrag auf der WSA-Infoveranstaltung am 5. Juni und glauben, ein Sowohl-Als auch sei womöglich fruchtbarer, denn das in einem kürzeren Impulsvortrag Skizzierte könnte dann im Workshop-Format vertieft werden.

Der Vorschlag der Veranstaltung eines Symposion stieß jedenfalls auf wenig Resonanz, da der beauftragte Umweltplaner doch nur die bereits bestehenden Vorschläge auf Umsetzbarkeit prüfen solle. Wie sich diese Aussage nun damit verträgt, dass Björn Röske die Expertenkreismitglieder bis zu nächsten Sitzung sich noch Neues zu überlegen aufforderte, blieb da wieder rätselhaft.

Als dann noch die Leute vom Flussbad Berlin erwähnt wurden, die Erfahrung mit der Renaturierung des Spreekanals gesammelt hätten, kam BUND-Heuser auf die im Rahmen vom VDE 17 in deutlich verkleinertem Maßstab erfolgte Fahrrinnenanpassung der „Nordtrasse“ der Spree (von ihrer Mündung in die Havel bis zur Charlottenburger Schleuse) durch das WNA zu sprechen. Mit Unterstützung u.a. von Manfred Krauß seien dort auch Flachwasserzonen realisiert worden, was in diesem Workshop ebenfalls näher vorgestellt werden sollte.

Der technisch-wasserbauliche Planer wurde lt. Bonny schon beauftragt, gemäß der im BfG-Unterhaltungsplan vorgenommenen Klassifizierung der Aufwertungsmaßnahmen nach Unterhaltung (WSA), Kompensation (WNA) und Empfehlung ans Land Berlin ‚Suchräume‘ zu definieren, um mögliche Konflikte mit der Instandsetzung im Vorfeld zu identifizieren.

Wie Ihr seht, sind wir bestrebt die zumal bei ökologischen Fragestellungen in sich kreisenden Bewegungen der WSV wenigstens in eine Aufwärtsspirale zu transformieren. Aber ohne öffentliche Unterstützung, ohne Druck von Medien wie Politik bleibt das eine Sisyphos-Aufgabe.

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