Aufruf zum Widersetzen!

Beteiligt Euch an der morgigen Großdemonstration!

Immobilienspekulation und Stadtnaturvernichtung

Obschon ein Stadtnaturschutzverein, der sich Schutz und Förderung von Berlins noch immer einzigartiger, aktuell jedoch unter der Parole ‚Schaffen bezahlbaren Wohnraums!‘ einem Großangriff privater und öffentlicher Investoren mit Motorsägen, Baggern, Planierraupen und Betonmischern ausgesetzten Grünen Infrastruktur verschrieben hat, ruft auch der BaL auf zur morgigen Großen Demonstration
Wir machen mit bei der berlinweiten Demonstration: Gemeinsam gegen Verdrängung und #Mietenwahnsinn. Am 14. April 2018, ab 14 Uhr ab Potsdamer Platz.

Ganz wichtig noch der Filmtipp am Ende: Natura Urbana


Die Finanzkrise, die 2008 sinnigerweise der US-Immobilienbranche entsprang und das ‚Vertrauen der Finanzmärkte‘ in ihre eigenen ‚Produkte‘ zutiefst erschütterte, führte zu einer Flucht all der akkumulierten, unvorstellbar großen Kapitalien in Immobilien und Sachwerte als einzige, noch sichere und saftige Rendite versprechende Anlageform, was besonders auch in den europäischen Metropolen Grundstücks- und Immobilienpreise explodieren lässt.

Dazu kommen anschwellende Migrationsbewegungen vom Land in die Städte und nicht abreißende Flüchtlingsströme aus von Kriegen und Katastrophen heimgesuchten Ländern des Südens nach Europa, was sich bekanntlich etwa in Berlin im Zuzug von jährlich einer größeren Kleinstadt darstellt und den Immobilienmarkt nur noch weiter anheizt, aber gewiss nicht ursächlich dafür verantwortlich ist.

Hier sei nur erneut an die massive Privatisierung oder besser Verscherbelung kommunaler Wohnungsunternehmen in den Nuller Jahren in Berlin erinnert, um die riesigen Haushaltslöcher zu stopfen, die Milliarden schweres Bankenretten gerissen hat, im verzweifelten Versuch, dessen Herr zu werden, was plötzlich als ’staatliche Schuldenkrise‘ figurierte.

Wohnen ist keine Ware!

Dass das Prinzip der Profitmaximierung gerade im Bereich essentieller Existenzsicherung und der Befriedigung menschlicher Grundbedürfnisse vor dem Hintergrund enormer Arbeitsproduktivität eigentlich nichts mehr verloren hat, sondern hier, wenn das grundgesetzliche Sozialstaatsgebot noch irgendetwas bedeutet, zumindest stark reguliert und eingehegt gehört und zumal die Versorgung mit Wohnraum als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge begriffen und den Marktkräften entzogen werden muss, beweisen nicht nur Zwangsräumungen, Vertreibung, Gentrifizierung und der Austausch ganzer Quartiersbewohnerschaften, sondern schlagend eben auch die Tatsache, dass sozial kaum minder unabdingbare Freiräume, Grünflächen, von wilder Natur besiedelte Stadtbrachen, die oft öffentliches Eigentum sind oder vor dem Verramschen noch waren, nun in rasanter Geschwindigkeit versiegelt und überbaut werden: in den allermeisten Fällen jedoch gerade nicht mit bezahlbarem Wohnraum, sondern mit hochpreisigem oder gleich mit Wohneigentum.

Unverständlicherweise fehlen ausgerechnet hier die Zahlen und Antworten auf die Fragen, in welchem Tempo wertvolle Brachen und Freiflächen verschwinden, und wie lange es bei Anhalten dieses Trends noch dauern wird, bis ungeachtet der zunehmenden Erderwärmung die sich besonders hoch aufheizende fugendichte ‚Kompaktstadt‘ verwirklicht ist, worin Natur nur noch als kleinkroniger Straßenbaum, steriler Pocketpark, Dachgarten, Fassadengrün und einige auf urban gestylte, übernutzte Grünanlagen mit monotonen Liegewiesen vorkommt und alles Naturbelassene aus der Stadtlandschaft getilgt ist.

Dies zu vermeiden verlangt gerade in einer Mieter*innenstadt wie Berlin mittelfristig u.a. ein radikales Entkommerzialisieren der Wohnungsfrage, womit natürlich ein Bundesland schwerlich vorpreschen kann, aber anders wird der Staat seinen grundlegenden Pflichten in der Daseinsvorsorge nicht mehr gerecht werden.

Wir können nur hoffen, der ja bekannte, hier leider nur eilig skizzierte Zusammenhang zwischen Mietenwahn, Immobilien- und Grundstücksspekulation und dem alternativlosen Erhalt und Ausbau einer Grünen Infrastruktur ist einigermaßen deutlich geworden.

Doppelte Innenentwicklung

Diese ‚doppelte Innenentwicklung‘: Schaffen neuen Wohnraums, sozialer und gewerblicher Einrichtungen, verkehrlicher Infrastruktur etc. einerseits und Schutz, Förderung sowie Entwicklung urbaner Natur für Gesundheit und Lebensqualität, als dringende Adaption an die Folgen des Klimawandels und Beitrag im Kampf gegen die Artenvernichtung andererseits wird zur Überlebensfrage, die nur gemeinsam und in einer solidarischen Stadt gelöst werden kann.

Deshalb prinzipiell, aber ganz konkret erst mal am morgigen Samstag ein machtvolles

WIDERSETZEN!

Alle näheren Infos vor allem hier.

Ganz wichtiger Filmtipp für’n Samstagabend!

Ums Haar vergessen: Und abends, 19 Uhr,  gibt’s einen wunderbaren Film über die in Rede stehende ‚Sache‘: die Stadtnatur von Berlin und ihre Entwicklung seit ’45 bis kürzlich, Natura Urbana von Matthew Gandy im Eiszeit-Kino in der Zeughofstraße [⇒ bisschen hoch scrollen!] in Xberg 36; ein Film über Berlins in der Fachwelt weithin gerühmten Brachen, über die urbane Natur also, die erst der ‚Erfinder der Stadtökologie‘, dazu Vater der Roten Listen der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten Berlins und langjährige Landesbeauftragte für Naturschutz in Berlin, Herbert Sukopp, quasi als eigenständiger Typ von Natur ‚entdeckte‘, den dann der jetzige Landesbeauftragte, Prof. Ingo Kowarik, 1991 als ‚Natur der vierten Art‚ erforschen sollte.

Und von Berlin aus, vom Institut für Ökologie an der TU, nahm die Stadtökologie als Zweig wissenschaftlicher Forschung und natürlich auch praktischer Inspiration (man denke nur z.B. an den Sihlwald in Zürich) in den 1980er(!) Jahren ihren Ausgang in die ganze Welt, derweil der Prophet bekanntlich daheim wenig gilt.

Setzen wir uns bitte alle dafür ein, damit es zu weiterer Vernichtung der Stadtnatur nicht kommt und die Fülle der Erkenntnisse über die unheimlich vielfältigen  und schützenswerten, einzigartigen Ökosysteme in der Stadt, ein Eldorado der Artenvielfalt, so gar nichts dazu tun kann, wenigstens einen Teil dieser Schätze vor Spekulation und Baumafia zu schützen und ihre Eigendynamik zu fördern. Der Mensch schützt nach Sir Attenborough nur, was er kennt. Noch immer haben wir solche Perlen, doch es werden ihrer täglich weniger!

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