Die Generaldirektion hat geantwortet!

Hierarchie und Partizipation

Vom Verschwinden des Geists der Mediation

Abstract

  • Der Vizepräsident der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt, Dirk Schwardmann, hat auf unsere Beschwerde geantwortet und sie für unbegründet erklärt.
  • Auf unsere Kritik an der Arbeit der ZÖB insbesondere in diesem Jahr wird nicht eingegangen.
  • Die nur noch „zeitanteilige“ Koordination der Öffentlichkeitsbeteiligung durch den eigens dafür geschaffenen Dienstposten verstößt u.E. gegen die Mediationsvereinbarung und wird zudem sachfremd mit dem Tarifrecht begründet.
  • Bürger- und Anwohnervertreter*innen im Expertenkreis sowie der BaL e.V. fordern eine zeitnahe, ergebnisoffene diskursive Bearbeitung dieses Konflikts und seiner unterschiedlichen Aspekte unter einer unabhängigen Moderation.

[Update 24.10.: Endlich hat es der aktuelle WSANewsletter (Nr. 141) auf die WSA-Landwehrkanal-Website geschafft. (Jetzt gehört nur noch das Aktuelle nach oben − aber wer wird denn so pedantisch sein!) Wir hatten ihn zunächst in unsere Mediendatenbank geladen, u.z. um gleich zeigen zu können, dass er z.B. den massiven Dissens zwischen Mitgliedern des Expertenkreises und WSA-Chef Scholz über eine Beteiligungskoordination in Teilzeit verschweigt. Zudem enthielt er eine Einladung zur

8. turnusmäßigen
WSA-Öffentlichkeitsveranstaltung
am 21. November um 16:30 Uhr im
Amtsgebäude am Platz der Luftbrücke
(Mehringdamm 129) ]

Über fünf Wochen mussten wir uns gedulden, bis unser Protestschreiben an die Generaldirektion Wasserstraßen (GDWS), das wir Anfang September im Auftrag des BaL, im Interesse von Bürger- und Anwohnervertreter*innen im Expertenkreis „Zukunft Landwehrkanal“, aber auch im übergeordneten Interesse des Gremiums insgesamt verfassten, worin ja das Mediationsforum gleichen Namens formal fortbesteht. Leider verfügt der Kreis nurmehr über eine vergleichsweise niedrige Anzahl aktiver Mitglieder, wie das solche in ewige Längen gezogenen Prozesse jedoch allgemein an sich haben.

Fünf Wochen, nachdem wir einen dreifachen Dissens nicht etwa zwischen dem Vorhabenträger der Kanalsanierung, dem Wasserstraßenneubauamt (WNA), sondern zwischen dem für die Öffentlichkeitsbeteiligung zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin (WSA) und namentlich zwischen seinem Amtsleiter, Michael Scholz, auf der einen, den Bürger- und Anwohnervertreter*innen sowie dem BaL e.V. auf der anderen Seite konstatierten, hat uns nun also eine Antwort des Vizepräsidenten der GDWS, Dirk Schwardmann, erreicht. Intensiv habe er den Vorgang geprüft!

Bereits in der 7. WSA-Informationsveranstaltung im Mai d.J. hatte Amtsleiter Scholz eine kürzlich eingetretene, längerfristige Erkrankung des Vertreters der Zentralen Anlaufstelle Öffentlichkeitsbeteiligung (ZÖB), Björn Röske, mitgeteilt und dass er, Scholz, als dessen offizieller Vertreter zwischenzeitlich die ZÖB-Pflichten wahrnehmen wolle.

Rund einen Monat später wandte sich eine beunruhigte Anwohnervertreterin an Jan Hädicke von der GDWS, der in der Schlussphase am Mediationsverfahren teilgenommen hatte, mit dem Hinweis, dass die ZÖB ihre Arbeit eingestellt habe. Am 19. Juni kehrte Björn Röske zurück an seinen Arbeitsplatz, doch schon im August sorgte die Koinzidenz der Urlaubszeiten von Röske und Scholz sowie die Weigerung, eine zweite ZÖB-Vertretung zu benennen, erneut für Unruhe und Unmut, kam es doch in diesen Tagen prompt zu einem jener berüchtigten Kommunikations-GAUs, diesmal zum Nachteil von Bäumen am Fraenkelufer. − Dass der Inhaber einer Stelle seine Urlaubszeit mit seinem Vertreter abstimmt, halten wir demgegenüber eigentlich für selbstverständlich.

Will sagen: die ganze warme Jahreszeit über kam es immer wieder zu Problemen im Zusammenhang mit der Arbeit ZÖB, bis schließlich vor nunmehr knapp zwei Monaten anlässlich einer Sitzung des Expertenkreises der von beiden Seiten auch als solcher benannter Dissens zutage trat.

Wir haben über die der mangelhaften Besetzung der ZÖB geschuldeten suboptimalen Abläufe berichtet, doch das Auftreten solcher Unzulänglichkeiten sollte künftig nicht etwa nach Möglichkeit verhindert, sondern im Gegenteil gewissermaßen institutionalisiert werden, indem der WSA-Leiter eine Sicherstellung der Vertretung schlicht verweigerte und im Übrigen die Entscheidung kundtat, ZÖB-Vertreter Björn Röske in den Jahren bis zur 2020 avisierten Sanierungsaufnahme auch anderweitig zu verwenden −, ein Ansinnen, das bei Konzeption und Beschreibung der Stelle eines/r WSA-Beteilungsbeauftagten ausdrücklich und, wie erlebt, aus gutem Grund kategorisch ausgeschlossen worden ist.

Die geschilderten Probleme hat es indessen für die GDWS offenbar gar nicht gegeben (s.u), doch mindestens würde aus Gründen der vielzitierten Transparenz den Expertenkreis-Mitgliedern Aufschluss darüber gebühren, welche zusätzlichen Leistungen eine Stelle erbringen muss, die es ohne ihr Engagement gar nicht gäbe!

Einen weiteren Konfliktpunkt bildete die digitale Komponente der Öffentlichkeitsbeteiligung: Jegliche strukturelle Änderung der Web-Präsenz hatte Michael Scholz bis zu seiner Pensionierung rundweg ausgeschlossen.

Protest gegen das WSA

Daraufhin reklamierten wir Anfang September gegenüber der GDWS diesen multiplen Dissens und, da schon mal nach einseitig geändertem Skript verfahren worden war, zugleich auch einen neuerlichen Verstoß gegen die Mediationsvereinbarung − diesmal nicht von einem Anrainerbezirk oder dem Land Berlin, sondern seitens der Bundesbehörde WSA selbst.

Dessen Leiter, Michael Scholz, hatte den bereits erwähnten Mitarbeiter der GDWS, Jan Hädicke, in seltsamem Licht und jedenfalls befangen erscheinen lassen, so dass wir uns nur direkt an die Leitung der neuen Behörde wenden konnten.

Eine Empfangsbestätigung blieb aus, und erst Ende September wurde uns schließlich bedeutet, dass da etwas seines Versandes harre, doch das Warten dauerte an, so dass wir die Hinweise für bloße Gerüchte hielten —: da traf schließlich letzten Montag die Mail des Vizepräsidenten der GDWS, Dirk Schwardmann, ein.

Unser Schreiben hatten wir übrigens nicht als Offenen Brief versandt, uns aber am 18. September schließlich zu seiner Veröffentlichung entschlossen, da die Kritik an den Vorgängen um die ZÖB, wie beschrieben, in der GDWS schon lange bekannt ist und wir schon so etwas wie amtlichen Überdruss befürchteten.

Nun aber wurden wir, kaum dass Schwardmanns Mail eingetroffen war, aufgefordert, sie „aus Gründen der Transparenz“ ebenfalls „weltweit“ zu veröffentlichen, welchem Ersuchen wir hiermit gern nachkommen.

Zur Stellungnahme der GDWS

Zunächst wurde die Richtigkeit unserer Darstellung des Sachverhalts, dass also der Inhaber der ZÖB „bis zum Beginn der Maßnahmen zur Instandsetzung der Ufer des Landwehrkanals, zeitanteilig für andere Aufgaben im WSA Berlin eingesetzt wird“, bestätigt. „Die Aufgabenbeschreibung“, so Schwardmann weiter, „und die Bewertung des Dienstpostens „ZÖB“ ändern sich dadurch nicht, weshalb Änderungen oder Anpassungen der Dienstpostendokumentation auch nicht erforderlich sind.“

Nun ist die Aufgabenbeschreibung der ZÖB der Mediationsvereinbarung sowie dem Informations- und Kommunikationsplan (IKP) zu entnehmen, und diesen Aufgaben ist die ZÖB, wie ausgeführt, (noch) längst nicht hinreichend gerecht geworden. Aber schließlich wurde das erste Mal innerhalb der WSV eine solche Dienststelle eingerichtet, handelt es sich also um einen Prototyp; da werden neue Erfahrungen gemacht, die dokumentiert und evaluiert gehören; mitunter wird nach dem Trial&Error-Prinzip gelernt, und eine solche notwendige Evaluierung, Anpassung und Fortschreibung des IKP war zufällig auch gerade im Gespräch.

Teilzeit-ZÖB?

Wir haben von den Unzulänglichkeiten bei Erfüllung der geforderten Leistungen berichtet, doch für die GDWS sind sie kein Thema. Die andere Seite wurde nicht gehört, und so wollen wir nur daran erinnern, dass dieser Dienstposten als Vollzeitstelle konzipiert worden ist. Das war uns so selbstverständlich, dass wir den Ausdruck nicht ausdrücklich in den Text der Mediationsvereinbarung aufgenommen haben. Aber im btr. Passus 4.1 heißt es: „bei Bedarf wird fachtechnisches und juristisches Personal eingebunden.“ Mit Blick darauf wäre die Möglichkeit, dass die Beteiligungskoordination auch in Teilzeit geschehen könne, mit Sicherheit ausdrücklich erwähnt. Ihr Verschweigen negiert ihre Möglichkeit. Es wurde in den Forumsdiskussionen von vornherein explizit ausgeschlossen, dass der/die ZÖB-Inhaber*in nebenbei noch Aufgaben des WSA verrichtet und womöglich als Sekretär*in des Amtsleiters fungiert! − Der/die Beteiligungsbeauftragte sollte einE Kommunikationsexpert*in sein, doch so jemand fand sich natürlich nicht im Personalpool des WSA, und darüber hinaus durfte aus fadenscheinigen Argumenten nicht ausgeschrieben/gesucht werden. So wurde ein Techniker genommen, der auch zu ‚richtiger Arbeit‘ taugt.

Der Widerspruch, der einen Anwohner seine Unterschrift verweigern ließ, entzündete sich seinerzeit daran, dass die ZÖB weisungsgebunden in die WSV-Befehlshierarchie integriert und zu allem Überfluss auch noch beim WSA angedockt werden sollte, anstatt weisungsunabhängig und extern etabliert zu werden. Wir stimmten dennoch zu, um „etwas in der Hand zu haben“, doch das schmilzt wie Eis in der Sonne.

Nachdem vier Jahre ins Land gegangen sind, treffen die ‚Vorgesetzten der ZÖB‘ (als welche doch streng genommen, wenngleich nur ideell, die Planungsbetroffenen gelten müssten) einseitig die Entscheidung, dass die Stelle für Öffentlichkeitsbeteiligung sich nur noch „zeitanteilig“ ihrer eigentlichen oder Kernaufgabe widmet, und andere Zeitanteile eben anderen Aufgaben, die uns, Transparenz hin oder her, nichts weiter angehen.

Wie gut, dass ein Techniker für diese Stelle gewählt wurde. Was hätte man mit einem/r Kommunikationswissenschaftler*in anfangen sollen?

Im Rückblick wirkt es für unser Empfinden übrigens ausnehmend peinlich, wenn der Amtsleiter, von Bürgervertreter*innen während der schon erwähnten Frühjahrs-Infoveranstaltung, woran Röske schon nicht mehr teilnahm, mit der Beobachtung konfrontiert, dass dieser offenkundig bereits andere Tätigkeiten etwa an der Unterschleuse verrichte, wie in der rbb Abendschau zu sehen gewesen sei, ohne Zögern einfach abstreitet. Die Art, wie uns Röskes Krankheit mitgeteilt wurde, war befremdlich genug und Argwohn erweckend, aber Scholz beteuerte mehrfach, „Herr Röske kommt wieder!“ und − verschwieg dabei doch bewusst, dass dies nur „zeitanteilig“ der Fall sein würde.

Wie auch immer: Wir wollen Sach- und Verfahrensebene nicht vermischen und stellen nur fest, dass solch einsames Modifizieren ausgerechnet einer Stelle für Öffentlichkeitsbeteiligung in keiner Weise den Kriterien wirklicher Beteiligung genügt und in einer Weise geschieht, als habe es das Mediationsverfahren nie gegeben oder als müsse das WSA seine damalige Degradierung zum einfachen Mitglied am Mediationstisch unbedingt kompensieren −, denn natürlich hätte es angesichts solch gravierender Eingriffe, selbst wenn man nur top down neue Regelungen verkünden wollte, wenigstens einer außerordentlichen Sitzung des Expertenkreises bedurft! [Nachtrag 16.10.: Wir müssen uns entschuldigen! Hier fehlt natürlich „mit Beteiligung einer GDSW-Vertretung“, insofern es sich um eine gravierende Änderung handelte und das Vorgehen des WSA-Chefs ja in der Kritik stand.]

So etwas wie Augenhöhe ist für eine hierarchisch strukturierte Behörde jedoch erwartungsgemäß ein Fremdwort geblieben, da mag die Politik predigen, was sie will: im Umgang mit den Bürger*innen ist in der Verwaltung teilweise noch nicht einmal ein demokratisches Grundverständnis zu erwarten, wie viel weniger Kompetenz für zivilgesellschaftliches Beteiligen. − Hierfür bedarf es dezidierter politischer Direktiven!

Zeitanteilige Beteiligungsbeauftragung inakzeptabel!

Wie die Beteiligung insgesamt, so wird die dafür durchgesetzte Stelle und das Prozedere des Verwaltungshandelns, sofern es Partizipation betrifft, unbestreitbar energisch eingedampft.

Das aber muss für die Verfahrensbeteiligten absolut inakzeptabel sein, wie auch ein Blick in die Mediationsvereinbarung lehren kann (§ 4). Dass Verwaltungsangehörige im Expertenkreis sich beim Protest eher zurückhalten, versteht sich von selbst, weshalb wir auch von einem objektiven oder übergeordneten Interesse dieses Beteiligungsgremiums sprechen.

Unser Verdacht, dass dieser Rückschnitt der Öffentlichkeitsbeteiligung und der für sie vorgesehenen Stelle etwas mit der jahrzehntelangen Umstrukturierung der WSV und damit einhergehendem Personalabbau zu tun haben könnte, wird etwas verklausuliert auszuräumen versucht:

„Die WSV-Reform vollzieht überfällige aufbau- und ablauforganisatorische Anpassungen der gesamten Wasserstraßen und Schifffahrtsverwaltung des Bundes an den erheblichen haushaltsgesetzlichen Personalabbau seit dem Jahre 1993. Dies geschieht in allen Organisationseinheiten der WSV unter laufendem Wirkbetrieb, zu dem beim WSA Berlin ausdrücklich auch das vereinbarte Verfahren zur Öffentlichkeitsbeteiligung bei der Instandsetzung des Landwehrkanals gehört.“

Aber die ZÖB werde davon nicht tangiert. WSA-Chef Scholz hatte sich jedoch ganz anders eingelassen und gerade den Personalabbau angeführt. Dank der Beteiligung hätte er eine halbe Stelle gewonnen. Doch seine Performance ist ja in keiner Weise zu beanstanden, insofern er im Geist der Hierarchie Beteiligung, ja auch nur einen ergebnisoffenen Diskurs gar nicht erst erwog. Und dass Erörterungen und Entscheidungsabläufe nur simuliert werden und in Aussicht gestellte Lösungen, von denen Jan Hädicke noch schrieb, nur Nebelkerzen waren… Schwamm drüber!

Vorschläge zur digitalisierten Beteiligung soll WSA erneut prüfen 😦

Bzgl. Einsatz digitaler Medien, den Michael Scholz einfrieren will, ernüchtert das GDWS-Schreiben vollends: Das WSA soll die ‚Anregung‘ noch mal prüfen…−, doch heutigentags ist ein Online-Dialog nicht nur möglich, sondern zu führen auch geboten, nicht aber in diesem digitalen Entwicklungsland der Stand der Technik von Win 98 zu perpetuieren! Doch anderes ist vom WSA nun mal nicht zu erwarten − so weit können wir das beurteilen. Inzwischen aber gibt es hier eine Überfülle von Know How und dazu un(ter)beschäftigtes, billig und befristet abzuheuerndes Humankapital, dem von Seiten des öffentlichen Dienstes Chancen bei der e-Governance geboten werden sollten! Die höchst selektiv eingesetzte Allzweckwaffe Datenschutz sollte hier eine Anpassung an weit verbreitete Standards nicht verhindern.

Überlegungen, dass der ZÖB Kompetenzen in der Gestaltung digitaler Kommunikation und Kooperation weitgehend fehlen, beschäftigten uns bekanntlich schon länger und die Möglichkeit der fachkundigen Unterstützung ist ja ausdrücklich aufgeführt −, doch nun müssen wir hören, es gäbe zeitliche Puffer und wenn sich aus „tariflichen Gründen“ der Inhaber der ZÖB auch noch anderweitig nützlich machen müsse, so läge das doch auch in unserm Interesse. Liegt es mitnichten! Wir sind nicht der BRH und legen vor Quantität erst mal Wert auf Qualität. Der komplexe Charakter von Beteiligung im Gefolge eines so umfänglichen Verfahrens wie der Mediation „Zukunft Landwehrkanal“ ahnen die neuen, damit unvertrauten GDWS-Mitarbeiter*innen wohl nicht einmal.

Mithin sehen wir uns in vielem auf den Stand vor der Mediation zurückversetzt. (Dass bezirkliche Verwaltungsangehörige diesen Umgang und dieses Vorgehen auch noch bis ins kleinste Detail zu rechtfertigen sich mühen, macht die Sache wirklich nicht besser.) Von der neuen Dimension, die partizipatives Planen (auch und gerade, was eine ökologisch anspruchsvollere Pflege und Unterhaltung angeht!) weiter öffnen sollte, nachdem schon Beeindruckendes geleistet wurde, mag niemand mehr was wissen.

Wie jetzt weiter?

Nach unserm Dafürhalten bedarf es nun eines eigenen Termins mit dem Expertenkreis und einem/r hochrangigen Vertreter*in der GDWS, nach Möglichkeit noch vor der achten turnusmäßigen WSA-Informationsveranstaltung im November, oder es wird eben dort TOP. Da der/die GDWS-Abgesandte schon aus Fürsorgepflicht und quasi vorschriftsmäßig befangen ist, muss eine unabhängige, externe Instanz den Diskurs über den Dissens moderieren. Je nachdem, wie sich die Bearbeitung des Konflikts entwickelt, wird sich die Frage nach der Notwendigkeit auch einer Beteiligung von jemand aus dem BMVI beantworten.

In Sachen zivilgesellschaftlicher Beteiligung wie ökologisch sensibler Instandsetzung, Sanierung, Unterhaltung und Pflege war von einem überfälligen Paradigmenwechsel die Rede. Auf der Sachebene ist die Fruchtbarkeit, ja Unverzichtbarkeit partizipativen Planens angesichts der vielfältigen Anforderungen an die Gestaltung metropolitanen Wachstums in Rücksicht auf Klimaanpassung sowie Erhalt und Förderung der natürlichen Vielfalt und gerade bei der vergleichsweise günstigen Ausgangslage in Berlin schon öfter nachgewiesen worden.

Auch für den LWK wurden beeindruckende Erfolge erzielt, angesichts derer WSV-Mitarbeiter*innen ehrlich einräumten, allein innerhalb ihres Hauses sicher nicht auf diese Lösungen gekommen zu sein. Partizipatives Planen ist der Versuch, nach Möglichkeit alle ‚vernünftigen‘ Perspektiven einzuschließen, zugegeben eine anspruchsvolle Aufgabe, die hohe Konzentration und vollen Einsatz derjenigen verlangt, die Kommunikation und Kooperation initiieren und in Gang halten sollen, bezogen auf den LWK gerade in dieser misslichen Phase zwischen dem Ablauf des als Misstrauensvotum gegenüber den sieben Jahren Mediation empfundenen Planfeststellungsverfahren und dem endlichen Baubeginn!

Hier ein „Plateau“ mit „Zeitpuffern“ zu entdecken, die den betreffenden Mitarbeiter für andere Aufgaben verwendbar machen, zeugt von einer vollständigen Verkennung der Ziele und Methoden, um deren Erarbeitung es viele Jahre gegangen ist: Vor allem auf dieser langen Durststrecke muss für Kontinuität der Beteiligung von Seiten nicht zuletzt auch des Vorhabenträgers gesorgt werden. Und auch, was die angesprochene, in ökologischer und naturschutzfachlicher Hinsicht notwendig anspruchsvollere Unterhaltung von Wasserstraße inklusive Ufer betrifft − schließlich hat nicht zuletzt auf Drängen des BaL und der Bürgervertreter*innen die Bundesanstalt für Gewässerkunde nach fünfzehn Jahren den Unterhaltungsplan „LWK“ aktualisieren lassen −, ist es (bei bedauerlichem Fernbleiben der Landesbehörden) Aufgabe der Grünflächenämter, aber auch der engagierten Bürger*innen und ihrer Vertreter*innen, zu Modi ersprießlicher Zusammenarbeit zu gelangen.

Das wird auf anderer Ebene derzeit auch vom Land versucht und zunächst partizipativ Leitlinien der Beteiligung entwickelt, doch was immer man davon halten mag: seine Absenz am LWK und im Expertenkreis, dessen formale Mitglieder ja auch alle einschlägigen Berliner Behörden sind, ist doppelt befremdlich.

Noch was Grundsätzliches

Die Einsicht ins Potential der „Expert*innen in eigener Sache“ prägte bislang die ministerielle Begleitung des Verfahrens und ist hoffentlich nicht tagespolitischen Veränderungen ausgesetzt. Nicht zum wenigsten davor sucht die Mediationsvereinbarung zu schützen!

Die Mischwasserkanalisation bspw. ist eingestandenermaßen ökologisch sehr fragwürdig, v.a. angesichts der Häufung von Wetterextremen, und an der Verbesserung der Wasserqualität muss dem Senat doch gelegen sein! Auch in diesem Kontext ist sehr verwunderlich, dass sich der Vertreter der seinerzeitigen Abt. VIII ‚Integrativer Umweltschutz‘ nie wieder blicken ließ, wurde etwa die Idee der ökologischen Schrittsteine doch seinerzeit von ihm selbst auf den LWK angewandt. Die Planung ökologischer Aufwertungsmaßnahmen könnte längst begonnen haben. Die ZÖB hätte da nachzuhaken! So zumindest war aktives Ermöglichen, Koordinieren und Aufrechterhalten von Kommunikation gedacht, insofern es anders wirkt und anderes bewirken kann, wenn der Vertreter einer Bundesbehörde sich an eine des Landes wendet, als wenn dies einfache Bürger*innen tun, die, sich auch wenn noch so oft als ‚Expert*innen tituliert, hinten anstellen müssen −, egal, auch diese naiven Illusionen sind zerstoben.

Die Bürger*innen haben immense Vorleistungen erbracht, nicht nur, indem sie sich durch Arbeit ’sedieren‘ ließen, wie Verbalradikale jahrein, jahraus posaunen, sondern indem sie eine zukunftsfähige Planung mitentwickelten und sich dabei in eine Vielzahl fachlicher Fragen einarbeiteten, damit gemeinsam wesentliche Erkenntnisse und tragfähige Ergebnisse erzielt werden konnten.

Dies wird plötzlich in keiner Form mehr weder gewürdigt noch berücksichtigt, dagegen ein höchst zweifelhaftes Verhalten und Vorgehen eines notorisch überforderten Amts gerechtfertigt, wahrscheinlich trotz wochenlangen Studiums in weitestgehender Unkenntnis des genauen Hergangs, und ein offen vertragsverletzendes Agieren auch noch als alternativlos hingestellt.

Hier prallen Positionen aufeinander, die es im Diskurs zu verflüssigen, um nicht zu sagen zu dekonstruieren gilt, damit die dahinter liegenden Interessen sichtbar werden. Ein solcher Diskurs aber bedarf entweder un-, besser noch allparteilicher Leitung, und ansonsten bleibt abzuwarten, wie sich die ministerielle Ebene dazu verhält.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s