Fischsterben mit Ansage

Entlastung ungeklärten Mischwassers in Berlins Oberflächengewässer

Offener Brief der Anwohner*innen-Initative Lausitzer Straße
an Berlins Regierenden

An den Verantwortlichen für das wahrscheinlich größte Fischsterben am Landwehrkanal

Sehr geehrter Herr Regierender Bürgermeister Müller,

gestern [27. Juli] hat Berlin, wie alle Jahre wieder, ein extremes Starkregenereignis getroffen.

Heute musste ich feststellen, dass der Landwehrkanal in der ganzen Länge nach Gülle und Fischverwesung stinkt. In den nächsten Tagen werden wohl wieder unzählige Fische verendet sein.

Seit mehreren Jahren wird das Thema am Landwehrkanal von den Anwohner*Innen vorgetragen. Leider hat die Berliner Regierung die Wichtigkeit immer wieder ignoriert und beschwichtigt.

[Update: Entsprechenden Morgenpost-Artikel siehe hier. − Laut Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, müsse „man sich klarmachen, ‘dass der Tod der Fische ein alljährlich auftretendes Phänomen und keine Katastrophe sei. Die Fischpopulationen leiden darunter jedenfalls nicht extremʼ, so Rohland“.]

Offener Brief 28.07.2016

Off. Brief, 28.7.2016 | Klick öffnet PDF

Die Berliner Wasserbetriebe haben auf Betreiben des Landes Berlin ein Programm entwickelt, bei dem die Umweltverschmutzung auf 3,5 Millionen m³ ungeklärtes Abwasser in den Landwehrkanal reduziert werden soll. Hierfür hat der Steuerzahler 100 Million Euro bezahlt. Bereits im 2. Jahr in Folge hat sich herausgestellt, dass das Programm nicht geeignet ist, die von Berlin verursachte Umweltverschmutzung zu mildern.

Ein geeignetes Monitoringverfahren, bei dem die Übertritte des ungeklärten Abwassers an den Regenüberlaufbauwerken gezählt und gemessen werden, wurde vom Land Berlin und von den Wasserwerken bis heute nicht installiert, offensichtlich aus dem Grund, dass man selbst nicht darauf vertraut, wie man handelt.

Bereits im Mai 2013 hat ein Abstimmungsgespräch mit Bürgern bei der Erlaubnisbehörde des Landes Berlin stattgefunden, in dem klargestellt wurde, dass weitere Anstrengungen zum Umweltschutz am Landwehrkanal erfolgen müssen. Siehe die Notizen zum informellen Gespräch am 14.05.2013.

Als sachkundiger Anwohner am Landwehrkanal bin ich mit der Untätigkeit der Berliner Regierung bezüglich des Umweltschutzes am Landwehrkanal nicht zufrieden. Einerseits werden hierdurch die Wirtschaftskraft und der Tourismus beeinträchtigt, andererseits wird die Gesundheit der Menschen, die am Landwehrkanal wohnen und diesen als Naherholungsgebiet nutzen müssen gefährdet.

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten und Werkzeuge, die einfach nur festgelegt und angewendet werden müssen.

Schließlich bitte ich um Beantwortung der Fragen:

  1. Welche weitere Maßnahme plant der Berliner Senat zum Umweltschutz am Landwehrkanal und zur Vermeidung von Fischsterben?
  2. Wann wird ein geeignetes Monitoringverfahren am Landwehrkanal installiert?
  3. Wann wird das Belüftungsschiff am Landwehrkanal eingesetzt?

Freundliche Grüße,

die Anwohner*innen-Initiative Lausitzer Straße
im Reichenberger Kiez

 

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2 Kommentare

  1. Achim Wagenknecht said,

    31. Juli, 2016 um 16:31

    Habe gerade die widerlichste Paddeltour meines Lebens hinter mir. Der Veranstalter hätte absagen müssen.

  2. Jürgen said,

    29. August, 2016 um 7:41

    Wäre es möglich, die Folgen solcher Starkregenereignisse durch eine tatsächlich erfolgende Straßenreinigung (Straßen und Bürgersteige) zu reduzieren?

    Wäre es vielleicht hilfreich, gerade in trockenen, warmen bis heißen Perioden abends oder morgen die Straßen mit einem Spritzwagen zu reinigen (oder zumindest einmal die Woche)? Auf diese Weise lässt sich doch verhindern, dass sich zu viel Dreck auf den Straßen ansammelt, der dann auf einmal in der Kanalisation landet.

    Die Überlegung mit dem Spritzwagen resultiert aus den regelmäßigen Attacken auf meine Riechorgane, wenn ich die Linden entlangfahre. Hier ließe sich das Problem der Pferdescheiße (und der daraus folgenden Geruchsbelästigung) auf der Straße leicht durch eine Straßenreinigung am Abend/in der Nacht durch einen Spritzwagen beseitigen. (Ein Modellversuch in Tokio hat ergeben, dass sich durch die Befahrung on Straßen in der Nacht mit Spritzwagen die Nachttemperaturen in den jeweiligen Straßen merklich reduzieren lassen – Quelle finde ich auf die Schnelle nicht).


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