Biotopentwicklung am Maybachufer

Nachtrag zum Ortstermin vom 14. Juli

Schon seit geraumer Zeit ist bekannt, dass der Bezirk Neukölln das Maybachufer des Landwehrkanals auslichten will, doch wegen leerer Kassen musste die Maßnahme mehrfach aufgeschoben werden. Da aber Schösslinge und auch viele ältere Bäume vor ca. zwei Jahren plötzlich rote Markierungen aufwiesen, entstand unter Baumfreunden* einige Unruhe. Zu vielen roten Zeichen haben sich inzwischen grüne gesellt.

Teilnehmer*innen

Teilnehmer*innen der Ortsbegehung am 14. Juli

Anlässlich der Abstimmungsfahrt zur Gehölzpflege im Frühjahr tat jedenfalls der Neuköllner Bezirksamtsvertreter (der zugleich Mitglied im Expertenkreis ist) kund, das Straßen- und Grünflächenamt (SGA) sei nun wieder flüssig, und noch diesen Oktober solle ab Lohmühlenbrücke das Ausdünnen beginnen. Also wurde mit Vertreter*innen des Expertenkreises, dem Baumsachverständigen und der WSAZÖB in Gestalt Björn Röske eine Ortsbegehung vereinbart und am Donnerstag, 14. Juli durchgeführt.

Abstimmungsfahrt im Frühling zweckentsprechend genutzt!

Maybachufer

Üppig grünendes Maybachufer

Wir schildern die Vorgeschichte deshalb so ausführlich, weil die jährliche Kanalbereisung zur Abstimmung von Pflege- und Unterhaltungsmaßnahmen nicht immer nur vom WSA-Außenbezirk Neukölln, sondern auch von Seiten eines Anrainerbezirks zum Anlass genommen wurde, die Expertenkreis-Mitglieder/ Bürgervertreter*innen und natürlich das WSA über ein Vorhaben zu unterrichten und, da es sich um ein größeres handelt, was sich nicht mal eben im Zuge eines kurzen Landgangs erörtern lässt, kam es zur Verabredung dieses Ortstermins. Und bekanntlich wurde diese Vorgehensweise vom Mediationsforum seinerzeit vereinbart, schriftlich fixiert und feierlich unterschrieben, doch dass es auch praktiziert würde, erleben wir leider noch immer nur als Ausnahme.

An der Begehung nahmen neben Neuköllner SGA-Vertretern, dem Baumsachverständigen, Expertenkreismitgliedern und dem WSA-Mitarbeiter und ZÖB-Hauptamtlichen, Björn Röske, auch ein Mitarbeiter des Neuköllner Umweltamts, also der UNB, teil: die ideale Besetzung für solchen Anlass!

Vorbemerkungen

Obsolete Markierungen

Obsolete Markierungen

1) Die schon erwähnten Markierungen − seien sie nun rot oder grün − spielen für die geplanten Maßnahmen nach Angaben der Bezirksvertreter*innen keine Rolle. Also bitte keinen neuerlichen Protest vorab, sondern zunächst abwarten, wie der erste Abschnitt gelingt.

2) Leider blieb es den BaL-Mitgliedern vorbehalten, an die Zielkonzeption des auf ihren beharrlichen Druck hin und unter öffentlicher Beteiligung nunmehr schon eine ganze Weile in Aktualisierung befindlichen Unterhaltungsplans Landwehrkanal der BfG zu erinnern, dessen aktuelle Bestandserfassung, Biotoptypenkartierung etc. zwar längst abgeschlossen sind, dessen von Pyöry entwickelte Zielkonzeption aber, so wird zumindest berichtet, der BfG nicht ausreichend scheine und überarbeitet werden müsse. Erst danach soll der U-Plan-Entwurf den Bezirken und den Trägern öffentlicher Belange (TÖB) präsentiert werden.

Im Vorgriff auf den Unterhaltungsplan

Feldahorn

Zu fördernder Feldahorn

Wenn aber nun der Bezirk Neukölln in seinem gesamten Zuständigkeitsbereich in die Ufervegetation eingreifen will und wenn auch die Zielsetzungen und Maßnahmen, sie zu erreichen, im Hinblick auf Land und Bezirke nur Empfehlungen sind, so sollte doch angesichts der mittel- bis langfristigen Konsequenzen der Eingriffe in diesen wertvollen Bereich Stadtnatur nicht versäumt werden, die Zielsetzungen des aktualisierten Unterhaltungsplans Landwehrkanal, an deren Formulierung Landesbehörden, Naturschutzverbände und Zivilgesellschaft ja beteiligt waren und sind, in der Entwicklung des Maybachufers schon zu antizipieren. Die Unterhaltung könnte − selbstredend mit den nötigen Anpassungen − in Analogie etwa zum 2012 in Kraft getretenen Unterhaltungsplan für den Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal  ausgerichtet werden.

Die damalige Behauptung des Vertreters von Mitte während des Mediationsverfahrens, es bestünden auf Bezirksebene verglichen mit dem Unterhaltungsplan schärfere gesetzliche Bestimmungen, sorgte auch in diesem Kreis für Befremden und wurde dahingehend gedeutet, dass sie sich nur auf die Baum- und Verkehrssicherheitskontrolle, nicht aber auf Pflege und Unterhaltung beziehen könnte, da diese für alle Bezirke einheitlich geregelt seien.

Zielkonzeption

Im U-Plan zum BKS heißt es unter Abschnitt 5.4.1:

„Der Gehölzbewuchs muss einerseits in einen Zustand gebracht werden, der die Baumkontrollen zur Erhaltung der Verkehrssicherheit sowie im Bereich der Uferbefestigungen die Bauwerksinspektion ermöglicht. Andererseits sind die Arbeiten aus naturschutzfachlichen Gründen so weit wie möglich zu minimieren.

Ziel ist es, den vorhandenen Baum- und Strauchbewuchs so weit wie möglich zu erhalten. Im Rahmen der wasserwirtschaftlichen Unterhaltung soll eine standortheimische Ufervegetation entwickelt werden, d.h. es soll ein strukturreiches Mosaik aus Bäumen, Sträuchern, Hochstaudenfluren, Flachwasserzonen, Röhrichten und Wiesen entstehen.“ (S. 56)

Blick von Thielenbruecke

Blick von der Thielenbrücke

Die Bestandserfassung als Voraussetzung für Zielkonzeption und Maßnahmenkatalog am Landwehrkanal konstatiert am Maybachufer einen strukturreichen Gehölzbestand, der sich allerdings oft aus nicht Standort heimischen Arten (Neophyten) zusammensetzt, die gleichwohl, falls schon älter, belassen werden sollten. Wichtig seien, ebenso wie bspw. am Fraenkelufer, die Kanalmauerüberhänge. Die blumige Rede ist von „Waldmänteln“, zu denen im weiteren Sinn auch „Schleiergesellschaften“ von Lianen wie Clematis, Wildem Wein und Knöterich rechnen.

Kompromiss

Biotopholz

Biotopholz belassen!

Demnach geht es um den sicher nicht einfachen Kompromiss zwischen

der Erhaltung ökologisch und naturschutzfachlich wertvoller Tritt- oder Mosaiksteine, die hervorragend als Niststätten und Rückzugsräume geeignet sind, das Belassen auf aufrecht stehendem oder liegendem Totholz als wichtigem Lebensraum für Höhlenbrüter, Fledermäuse, aber auch Insekten und Pilzen und von als Uferüberhang fungierender Partien einerseits und

einem Freischnitt zum Zweck der Förderung vitaler standortgerechter Einzelbäume (insbesondere Feldahorn, Erlen, Eschen, Ulmen, aber auch Birken und Holunder), der Ermöglichung von Baumkontrolle ,Bauwerksinspektion und Müllentsorgung sowie der Schaffung von 2,50m Lichtraumprofil dort, wo es die Verkehrssicherheit verlangt, andererseits.

Zum Maybachufer

Üppiges Grün

Es grünt so grün

Zu dieser Jahreszeit strotzt das Maybachufer natürlich über weite Strecken nur so vor dichtem, saftigem Grün, aber dennoch ist klar, dass der gleichzeitige Aufwuchs einer Vielzahl von Sämlingen am Ende wenige Bäume tatsächlich artgerecht gedeihen lässt, sondern sie durch wechselseitige Verschattung einander behindern oder z.B. die unkontrollierte Überwucherung von Clematis andere Arten erstickt. (Efeu als Bodendecker soll jedoch belassen werden!) Die Naturverjüngung von Eschen- und Spitzahorn muss durch Entnahme von Schösslingen zurückgedrängt werden und Kahlstellen sollten z.B. mit Hängeweiden geschlossen werden. Die Altbäume dieser prägenden Art sind uferweit in einem schlechten Zustand und sind nicht nur fürs Landschaftsbild wichtig, sondern wirken auch als überhängende Verschattung positiv auf die Wassertemperatur und bieten Jungfischen Sichtschutz vor Fressfeinden.

Abschnittsweises Vorgehen begünstigt frühzeitiges Evaluieren

Unproblematischer Schrägstand

Unproblematischer Schrägstand

Wenn auch von Bezirksvertretern vorgeschlagen wurde, das Dickicht in mehreren Schritten zu lichten, um weitere zu fördernde Bäume überhaupt zu erkennen, war der Erhalt der Mehrschichtigkeit der Ufervegetation Konsens wie bspw. auch darüber, dass Schräg- oder Dichtstand an der Mauerkrone nicht etwa schon Fällgrund sein darf. Auch Nachpflanzungen dicht an der Mauer sind nicht generell ausgeschlossen, sondern im Einzelfall zu entscheiden.

Wenn auch vor allem die begrenzten Haushaltsmittel nur eine abschnittsweise Bearbeitung zulassen, wurde das von allem Beteiligten als Möglichkeit frühzeitiger Evaluierung der Maßnahmen begrüßt.

Studentenbad

Am sogenannten Studentenbad

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