VorOrtSofort am Alten Zollhaus

WNA noch nicht auf dem Stand des Mediationsergebnisses

Mette-Mitarbeiter erklärt Bürgerexpert*innen den Crush Piler

Otstermin Zollhaus

Ortstermin Zollhaus

Letzten Donnerstag fand am Alten Zollhaus gegenüber dem Prinzenbad in Kreuzberg der dankenswerter Weise verschobene Termin VorOrtSofort statt (wie dereinst Mediator Kessen dieses bewährte Beteiligungsformat taufte) und gegen dessen alternativlose Terminierung und thematische Vorfestlegung (Herstellung der notwendigen Baufreiheit durch Sägen) die BaL heftig protestiert hatten.

4. Öffentliche WSA-Informationsveranstaltung,
morgen, Dienstag, 16:30 Uhr
im Amtssitz von WSA & WNA,
Mehringdamm 129
nahe Luftbrücke und Tempelhofer Feld

Längst haben wir keine Mediation mehr, der Konflikt Zivilgesellschaft − Verwaltung gilt offiziell als gelöst, worüber bekanntlich eine Mediationsvereinbarung geschlossen wurde. Diese lässt sich zwanglos als eine Art Kooperationsvertrag lesen. Was uns jedoch geboten wurde, war keine Kooperation, sondern schien gleich zum Einstand praktischer Instandsetzung ein hierarchisches Verhältnis etablieren zu wollen, was nicht akzeptabel sein kann. Der Fachbereich Grünflächen des Bezirksamts F’hain-Kreuzberg hatte schon mal im Voraus eine Rundum-Genehmigung für das Herstellen von Baufreiheit erteilt und sah davon ab, einE Vertreter/in zu schicken.

Aber zur Sache: Der Uferbefestigung in Regelbauweise sieht man ihr 150jähriges Alter inzwischen an, das sich darüber erhebende Gebäude wird seinen Teil daran haben und da es als Restaurant rege frequentiert ist, besteht besonderer Handlungsbedarf, die provisorische Sicherung endlich durch eine dauerhafte Spundwand zu ersetzen, weshalb die Instandsetzung vor dem Planfeststellungsverfahren erfolgen darf bzw. muss, das erst 2018 beginnen wird. Die Gründe dafür wie fürs PFV überhaupt überzeugen nicht nur uns nicht.

Innerlich schmunzelten wir natürlich, als der Leiter der WNA-Projektgruppe LWK, Christoph Bonny es als Selbstverständlichkeit darstellte, bei diesen harten Bodenverhältnissen Gikens Crush Piler einzusetzen – „etwas anderes kommt hier gar nicht in Frage“ –, wo es doch vor sechs, sieben Jahren einiger Anstrengung bedurft hatte, dem WSA dieses Gerät, das Stahlbohlen mit integrierter Bohrhilfe verpresst, gewissermaßen überzuhelfen. Es musste erst eine Teststrecke am Paul-Linke-Ufer bestehen, ehe es dann am Corneliusufer eingesetzt wurde, wo die Firma Mette seinerzeit gescheitert war. Die aber war erst kurz vorher dem Zeitalter des Dieselbärs, also der Dampframme, entstiegen, der damals im WSA als State of the Art galt, später aber am Tempelhofer Ufer mit schnell zunehmender Virtuosität den sog. Silent Piler einsetzte.

Blick nach Westen

Blick nach Westen

Das Gebäude ist beidseitig vom übers Wasser geneigten Bäumen flankiert, nach Osten von einer Weide, deren Girlanden ohne Schaden abgeschnitten werden können, nach Osten hin aber von Ulme, Graupappel und Spitzahorn, die moderat Äste werden lassen müssen, zwei Starkäste darunter, aber der Kronenhabitus aller Bäume bleibt erhalten, zu welchem Zweck versierte Seilkletterer nach bewährter, nicht zuletzt auf Betreiben der Bürger*innen entwickelter Methode simultan zur Arbeit des Kranführers, der dem Piler Bohlen zureicht, in vom Baumsachsverständigen vom Ufer aus dirigierter Kooperation die jeweiligen Äste zurückbiegen oder, wenn möglich, voher schon zurückbinden. Im Idealfall werden die rund zehn Meter langen Stahlteile zwischen den Ästen hindurch gefädelt.

Diese elaborierte Methode wurde ihm sicher nicht arglistig verheimlicht, aber ein solches Beispiel zeigt erneut, welchen Widersinn es darstellt, wenn der eigentliche Vorhabenträger und das Mediationsergebnis ins Werk Setzende keine Stunde an den Planungsrunden teilnimmt und auch keine Zeit zum Nachlesen hat.

Bonny ließ nämlich wissen, er habe nicht die Zeit, jedes Mal, wenn etwas Unvorhergesehenes auftauche, die Protokolle aus sieben Jahren Mediation zu durchforsten. − Dabei handelt es sich hier um die klassische Konstellation: Kronenüberhang über der Fluchtlinie, in der die Spundbohlen eingebracht werden sollen. Und hier hat das Mediationsforum, hat die Zivilgesellschaft gerade auch auf technischem Gebiet mit Unterstützung von Fachleuten und offenen, nicht betriebsblinden oder auf Distanz bedachten Wasserbauern Modellhaftes und in dieser Form Bahnbrechendes geleistet, und es wurde nicht nur im LWKBlog gefeiert.

Der Vertreter von Mette Wasserbau machte Anstalten, uns zu allem Überfluss Gikens Crush Piler zu erklären, ist vielleicht trotz seines fortgeschrittenen Alters neu in der Firma oder hat bei der Vielzahl der Aufträge den Überblick verloren, aber einen Know-how-Transfer in diesen Dingen würden wir uns schon wünschen. Auch die Firma Züblin weiß um die sensiblen stadtökologischen Belange, die gewiss kein Selbstzweck sind.

Graupappel, Spitzahorn

Graupappel, Spitzahorn

Wollte uns WSA-Leiter Scholz seinerzeit den rußenden, lärmenden Dieselbären, der im Stadtgebiet gar nicht eingesetzt werden durfte, als nicht neu zu erfindendes Rad verkaufen, so wollen jedenfalls wir nicht bei jedem Abschnitt zu verspundender Regelbauweise mit Baumkronenüberhang, den zu kartieren, es ebenfalls beharrliche Überzeugungsarbeit brauchte, wieder bei Adam und Eva anfangen  und das Äste absägen als ultima ratio und wie das Fällen nur in den wenigsten Ausnahmefällen zulässig rezitieren.

Christoph Bonny teilte mit ernster Miene mit, dass es bei den hohen Leasingkosten für den Piler keinen Tag Ausfall geben dürfe, doch wir haben andere Prioritäten. Ein schneller Baufortschritt liegt selbstverständlich auch und gerade uns am Herzen, doch alte Bäume zu fällen, um zwei Tage Baustillstand zu vermeiden, ist für uns vollkommen unverhältnismäßig, abwegig und darf niemals ernsthafte Option sein. Es gilt der bestmögliche Baumschutz!

Leider wird deutlich, wie wenig der VT WNA über die Errungenschaften der Mediation weiß und von ihrem Geist − Berücksichtigung und Vermittlung der beteiligten Interessen − mitbekommen hat, ganz abgesehen vom eigenwilligen Gebrauch der Beteiligungsformate. Auch hierüber wird zu sprechen sein auf der

4. Öffentlichen WSA-Informationsveranstaltung am
morgigen Dienstag, 16:30 Uhr im Amtssitz von WSA & WNA am
Mehringdamm 129 nahe Luftbrücke und Tempelhofer Feld
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einem aktuellen, dem öffentlichen Bewusstsein ungleich gegenwärtigeren Hot Spots aktiver Bürger*innbeteiligung.

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