Ein Skandal als Evergreen

Fischsterben in Berlins Gewässern nach Sommerregen

[Update 20.6.: Weit über eine Tonne Fisch wurde inzwischen geborgen, von der zuständigen Stelle bei SenStadtUm verlautet beruhigend, die Bestände würden sich immer wieder erholen. Nur ist halt schon lange als unbefriedigend erkannt, dass es sich dabei hauptsächlich um den Bestand der Plötze handelt. Es fanden sich, halt in ungleich geringerem Umfang, aber auch Barsche, Hechte, Karpfen und Aale unter den Opfern, und deren Bestand, der viel zu gering ist, zu erhöhen, sollen die vorgeschlagenen ökologischen Aufwertungsmaßnahmen (z.B. strömungsberuhigte Flachwasserzonen), aber auch die Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit durch Einbau von Fischtreppen im Bereich beider Schleusen dienen. Auch die mögliche Anbindung an die Tiergartengewässer wurde oft erörtert und wird jetzt im Rahmen eines „Masterplans“ (sic!) geprüft.
Mit alldem haben die Verantwortlichen auf Landesebene allerdings überhaupt keine Eile, auch wenn es sich um den Sonderfall eines innerstädtischen Gewässers handelt, reagieren vielmehr regelrecht allergisch, wenn eine Mischfinanzierung auch nur angesprochen wird und die Sache für Berlin nicht haushaltsneutral darstellbar zu werden droht. Demgegenüber geschieht alles in Umsetzung aufgegebener Ziele der WRRL (siehe auch eine Zwischenbilanz), die ja zu einem wesentlichen Bestandteil des WHG wurden, aber die Fristen werden immer wieder verlängert − das ist frustrierend und nicht länger akzeptabel, weil die Mittel bereitstehen und weil sie, wenn sich denn der Senat beteiligen müsste, verglichen mit dem Aufwand, der für andere Projekte getrieben wird, durchaus erschwinglich sind. Bislang kam nur der Verweis auf Staatssekretär Gaeblers Beantwortung der Kleinen Anfrage 17 / 12 398, die ein CDU-Abgeordneter 2013 stellte und aus der hervorgeht, dass Fischsterben aufgrund von Hobrechts Mischwasserkanalisation ein ganz regelmäßiger Vorgang im Berliner Gewässernetz sei, mit guten und schlechten Jahren (siehe Tabelle am Schluss). Bzgl. Beantwortung der aktuellen Fragen aus dem Expertenkreis wurde um Geduld gebeten. Es sind ja auch noch andere Kanäle und natürlich ist wie seit altersher die Spree betroffen.
Ansonsten bleibt die Frage, wie es um die Fortschreibung des Unterhaltungsplans steht, welche die BfG beauftragt hat und wie aus dieser Perspektive und aktuellen Erfahrung eine ökolgogische Optimierung gesehen wird. Dieses achselzuckende Zuwarten muss endlich aufhören!]

Same ol‘ story

Hat schon wieder die Saure-Gurken-Zeit begonnen? Öffnet sich das nachrichtenarme Sommerloch? Das alljährliche Fischsterben in Berlins Kanälen und der Spree, ein Übel, das im Mediationsverfahren „Zukunft Landwehrkanal“ auch nach Aussage des Senats (Kl. Anfrage 2008) mindestens seit 2008 thematisiert wurde, erschien am vergangenen Sonntag mal wieder als Sensation, noch nie dagewesen, löste gar „Ekelalarm“ aus. Sicher hat die neue Sensibilität auch mit Tourismus und Gastronomie zu tun. Doch seit nunmehr sieben Jahren haben u.a. BaL-Vertreter*innen immer wieder die Langsamkeit des Vorgehens, die Unambitioniertheit der Ziele und Anstrengungen von BWB und Senat kritisiert und schon damals eine massive Erhöhung der drei Millionen Euro, die jährlich fürs gesamte(!) Berliner Kanalnetz zur Verfügung gestellt wurden, auf mindestens sieben Mio. Euro gefordert. [Über die aktuellen Zahlen verfügen wir momentan nicht, reichen sie aber noch nach.]

Fischsterben 2015

Fischsterben im Berliner Gewässernetz 2015

Die Eingabe von z.B. „Fischsterben“ in die Suchfunktion dieses Blogs fördert jedenfalls unsere fast jährlichen einschlägigen Beiträge zutage. Herrscht also Amnesie oder Ignoranz? Beides ist gleichermaßen bedauerlich, denn ohne nachhaltigen öffentlichen Druck tut sich halt nichts. Anwohner*innen im Bereich Fraenkelufer/Admiralbrücke berichten jedenfalls, so schlimm sei es noch nie gewesen, und natürlich ist auch der Neuköllner Schifffahrtskanal betroffen.

Alljährlich wird der LWK, höchstwahrscheinlich mit steigender Tendenz, für seine Fauna, für Fische und Krebse, zur Todeszone, wenn nur ein paar Faktoren zusammentreffen als da sind: hohe Wassertemperatur, d. h. ohnehin schon niedrigerer Sauerstoffgehalt; und dazu kräftiger Regen nach längerer Trockenperiode, also entsprechend verschmutztem Oberflächenwasser, das dort − und es kann lokal oft sehr unterschiedlich sein −, wo der Regen besonders ergiebig ist, manche Regenüberlaufkanälen (RüK) eben zum Überlaufen bringt und via Auslaufbauwerken zur sog. Entlastung führt, d.h. ungeklärtes Brauchwasser (auch aus den Toiletten!) ergießt sich geradewegs ins Berliner Gewässernetz.

Senat-BWB-Programm läuft seit 1998

nahe Baerwaldbrücke

nahe Baerwaldbrücke, wo Flachwasserzone vorgesehen

Deshalb, vor allem aber in Umsetzung einer der umweltpolitisch zukunftsweisenden EU-Vorgaben, der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) [die in diesem Kontext die „Herstellung des guten ökologischen Potentials auch bei künstlichen oder anthropogen stark überformten Gewässern“ fordert] wurde noch Ende der Neunziger ein gemeinsames Programm von BWB und Senat  aufgelegt, die Rückhaltereserven in der noch auf Hobrecht zurückgehenden Mischwasserkanalisation besser auszuschöpfen. [Kay Joswig von den BWB hielt im Mai 2008 einen Vortrag zum Thema.] Dies sei bedeutend schonender für Umwelt und Lebensqualität als der Umstieg auf ein Trennsystem, ganz abgesehen von den Kosten, denn die Innenstadt würde auf absehbare Zeit in eine einzige Baustelle verwandelt und dazu einiges an schon genug bedrängter Stadtnatur geopfert.

nahe Baerwaldbrücke

nahe Baerwaldbrücke

Innovative Vorschläge wie Ralf Steegs Spree 2011-Projekt, dessen Pilotanlage in Friedrichshains Osthafen trotz international positiver Resonanz in ihrem Weiterbestand aus nicht nachvollziehbaren Gründen (Landschaftsschutz u.ä.) gefährdet ist, wurden im LWK wegen mangelnder Raumkapazität von vornherein verworfen.

Entlastung aus vergrößertem RüK!

Erstaunen muss dann allerdings, dass auch am neuen Auslaufbauwerk, das nach der in der Anfangsphase heiß umstrittenen Erweiterung des entsprechenden RüK entlang des letzten Stücks der Lausitzer Straße zum Paul-Lincke-Ufer ebenfalls erweitert werden musste – was einige mächtige Linden kostete, die illegalerweise in der Brutperiode 2014 gefällt wurden −, das durch all diese Anstalten, die Rückhaltekapazität für die Jauche zu mehren, offensichtlich bislang wenig bezweckt worden ist. Und ein Starkregenereignis von dem Kaliber, wie es uns gehäuft bevorstehen dürfte, war das nun wirklich nicht!

neuer RüK-Auslauf PLU 6'15

Überm neuen RüK-Auslaufbauwerk Paul-Lincke-Ufer

Aufwertungsmaßnahmen dringlich!

Seit 2008 wurden, wie gesagt, Aufwertungsmaßnahmen im Mediationsverfahren „diskutiert“. Diese Diskussionen jedoch hatten 2013 bekanntlich auch Ergebnisse: es sollten für − zugegeben lächerliche − vier Millionen Euro auch solche ökologische Aufwertungsmaßnahmen wie z.B. strömungsberuhigte, Röhricht bestandene und damit phytologisch aktive Flachwasserzonen geschaffen werden. Unter Hinzuziehung von Fachleuten der großen Umweltverbände BUND und NABU, aber auch der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) als zuständige Fachbehörde wurde ein Strauß möglicher Maßnahmen vorgeschlagen und in der konsensual beschlossenen „Zielvariante der Sanierung“ festgeschrieben − sowohl in der Haushaltsunterlage (HU) als auch der Mediationsvereinbarung von 2013.

Erstickende Plötze

Erstickende Plötze

Doch Festplatten sind so geduldig wie Papier. Damit diese − wie ein, zwei Mal pro Jahr öffentlich bemerkt wird und vor allem nicht nur wegen möglicher Strafzahlungen an Brüssel dringlichen Maßnahmen zur aufgegebenen „Herstellung des guten ökologischen Potenzials“ auch Wirklichkeit werden, müssen Menschen sie planen − und es besteht nicht der geringste Grund, ja bedeutet im Gegenteil sträfliches Nichthandeln, Unterlassen, hier die von Grund auf überflüssige Planfeststellung der Zielvariante abzuwarten – die instand zu setzenden fünfzehn Kilometer in Regelbauweise, um die es geht, sind i.d.R. ohnedies zu eng und ihre möglichst umweltverträgliche Instandsetzung zu planen, kann tatsächlich nur in engem Verbund mit jener der Uferbefestigung geschehen. Bei den letzten beiden Informationsveranstaltung im Herbst 2014 und im Frühjahr d.J. hieß es dann, erst müsse der Unterhaltungsplan LWK aktualisiert sein, so als wären die geeigneten Flächen bis dahin unbekannt.

Bergungsboot

Bergungsboot

Um zum Ausgang zurückzukehren: Die BWB/SenStadtUm-Bemühungen fruchteten bislang herzlich wenig. Wahrscheinlich haben die Fahrgastschiffer und sonstigen Tourismusindustriellen den geschäfts- und profitschädigenden Hautgoût, der den Fischkadavern entweicht, noch nicht recht bemerkt, doch jetzt hat sie ja keine geringere als die BZ drauf gestoßen, und wir dürfen nun gleichermaßen gespannt sein, worin Schlumpfelius jetzt den „Umweltwahn“ erblickt, als auch wie lange diesmal die Entsorgung der Kadaver, der Berge von Unrat aller Art und stellenweise gesichteten Ölfilme dauert, da dieser Auftrag ja alle zwei Jahre EU-weit neu ausgeschrieben werden muss. Sinken die toten Fische zu Boden, besteht die Gefahr des Botulismus, der auch Wasservögeln zum Verhängnis werden kann.

Die Geruchsbelästigung ist bereits erheblich, aber dort an Plan-, Fraenkel-, Carl-Herz- und Paul-Lincke-Ufer hat sich mensch womöglich nolens volens schon daran gewöhnt.

Evaluierung der bisherigen Bemühungen!

Abfischen

Abfischen

Und auch einige prinzipielle Fragen stellen sich: Wie viele Millionen wurden bislang in welchen Projekten zur Kapazitätserhöhung des Berliner Kanalsystems mit welchem Erfolg verbaut? Mit Sicherheit gibt es da doch ein Monitoring: Wie ist es organisiert? Wie sehen die konkreten Zielstellungen und Etappenziele aus und wie wird der Erfolg der bisherigen Maßnahmen zur Umsetzung der WRRL eben in Bezug auf die Herstellung des guten ökologischen Potentials beurteilt?

Wenn die von der Senatssprecherin Rohland avisierte Untersuchung erbringt, dass es sich heuer um ein besonders schweres Fischsterben handelt, dem ja nicht nur die Plötze als häufigste Art, sondern auch Barsche, Karpfen, Hechte und Aale zum Opfer fielen und beileibe nicht nur Jungtiere, sollte die Zeit für wirksame Konsequenzen endlich gekommen sein!

14 Kommentare

  1. Silke Gebel said,

    18. Juni, 2015 um 11:34

    Moinsen,
    Es gibt ja noch die Möglichkeit bis kommenden Montag die Maßnahmen Berlins bei der WRRL zu kommentieren: https://online-beteiligung.org/fgg-elbe/BP/, empfiehlt sich durchaus. Denn, auch mit der Stauraumbewirtschaftung des Senats wird es noch bis zu 12 Überläufe der Kanalisation pro Jahr geben. Aus diesem Grund wollen wir gezielte, dezentrale Regenwassermanagementsmaßnahmen. Ein Baustein ist eine Gründachstrategie wie Hamburg sie hat mit Förderprogramm: http://www.parlament-berlin.de/ados/17/IIIPlen/vorgang/d17-2226.pdf
    Wir freuen uns über Unterstützung, denn die dezentralen Maßnahmen werden leider zu wenig genutzt, obwohl sie pro dach eine 60 %ige Rückhaltung erzielen können und damit die Kanalisation immens entlasten können.
    Herzliche Grüße Silke Gebel, MdA.

  2. petra kelly said,

    18. Juni, 2015 um 19:05

    Wenn MdA´s der pseudogrünen Partei in Blogs von Bürgerinitiativen Werbung für sich machen, dann ist das einfach eine Unverschämtheit.

    Unter anderem die Abgeordnete Silke Gebel hat sich, soweit bekannt, seit sie im Abgeordnetenhaus sitzt,noch nie gegen das Fischsterben im Landwehrkanal engagiert. Dabei gibt es das Fischsterben seit vielen Jahren jeden Sommer! Und jetzt weist sie nur auf ziemlich nutzlose links hin und auf ihre Homepage. Letzteres war wohl Sinn der plötzlichen Wortmeldung.

    Auf der im Kommentar verlinkten WRRL-Webseite geht es nämlich um die Elbe und die Sache mit den Gründächern in Berlin ist seit langem bekannt. Die Grüne Liga informiert z.B. ständig darüber.

    Die Politiker (Frauen und Männer sind gemeint !) dieser Partei haben bei den Berliner Initiativen komplett ihr Ansehen verloren, denn sie zerstören überall da, wo sie mit regieren, in den Bezirken die Stadtnatur.
    Frau Klotz, Her Panhoff, Herr Kirchner sind Baustadträte schlimmster Sorte und fällen beispielsweise Bäume ohne Ende mitten in der Brutzeit von Tieren, für die diese Partei doch angeblich immer ist. Hauptsache sie kriegen Fördergelder für unnütze Baumaßnahmen. Sie machen vorgetäuschte Bürgerbeteiligungen am laufenden Band.

    Das Netzwerk soziale Stadtentwicklung kann ein Lied davon singen.

    Diese Partei macht allerorten in Berlin Politik GEGEN den Willen der engagierten Bevölkerung.

    Nur, wenn mal wieder ein Thema in den Medien ist wie jetzt das Fischsterben kommen plötzlich MdA´s aus dem Ruheschlaf und weisen auf ihre homepage hin. EKLIG.

    Im Abgeordnetenhaus macht die pseudogrüne Partei auch nichts, außer sich an medienwirksame Themen ranzuhängen.

    Letzt hängt sie sich auch noch an das Mietenvolksbegehren ran, als hätte sie es erfunden. EKLIG. An das 100 % Tempelhof Volksbegehren hatten sie sich auch ran gehängt, OBWOHL sie für eine Teilbebauung des Feldes waren – und zwar nicht mit günstigen Wohnungen für arme Leute.

    Verlogener gehts nicht.

    Es gibt nur eine Lösung:
    Abwählen die arrogante pseudogrüne Fraktion. Leider geht das erst 2016.

  3. Jürgen said,

    18. August, 2015 um 10:27

    Kurze Nachfrage zum Fischsterben:
    Ist mein Verständnis korrekt, dass das Fischsterben daher rührt, dass bei sommerlichen Starkrregenereignissen nach einer gewissen Zeit ohne nennenswerten Niederschlag insbesondere Regenwasser (verschmutzt durch organische und anorganische Abfallstoffe) von Straßen aufgrund der großen Mengen durch die Kanalisation direkt in die Berliner Gewässer geleitet wird?

    Insbesondere diesen Sommer stelle ich fest, dass die Berliner Stadtreinigung anscheinend nicht existent ist. Ergebnis sind beispielsweise in Straßen mit Laubbaumbestand (insbesondere bei Linden) wahre Berge abgefallenen Laubes und von Blütenresten , rumliegen (und auch Gullis verstopfen). Wäre dem Problem nicht schon etwas abgeholfen, wenn die Straßen besser gereinigt würden (sei es mechanisch mit Besen oder per Spritzwagen) und so der Eintrag von organischen und anorganischen Abfallstoffen in die Kanalisation bei Starkregenereignissen reduziert würde?

    • BaL said,

      18. August, 2015 um 23:59

      Das Hauptproblem ist die Mischwasserkanalisation, die wegen unzureichend erweitertem Stauraum bei den sich häufenden Starkregenereignissen nach dito Trockenperioden eben nicht nur besonders stark verschmutztes Oberflächenwasser, sondern v.a. auch das aus unseren Toiletten ungeklärt in die Berliner Kanäle und die Spree „entlastet“, wodurch die sauerstoffzehrende Zersetzung des organischen Materials (vulgo: der Sch…) die Fische erstickt.

      Die jahrein, jahraus von den BaL geforderten höheren Investitionen für raschere Stauraumerweiterung (wenigstens sieben statt nur drei Mio. p.a.) verhallten ob der angeblich chronischen Kassenleere ungehört.

      Jedoch zeichnet sich am Horizont ein wenngleich nur schmaler Hoffnungsstreif ab, dass (zumal angesichts der bevorstehenden Wahlen) das Problem in der Priorisierungsskala vllt. ein wenig nach oben klettert, aber vom „Bauen, dass es kracht“ über Unabdingbarkeiten wie teuerster Autobahnbau (woran Berlin sein Scherflein beizusteuern hat) bis zum bodenlosen BER-Fass werden natürlich unvergleichlich viel mehr Mittel verlangt, bewilligt und verschlungen…

      Dass die BSR mit der Straßenreinigung nicht nachkommt, hängt natürlich auch mit der Besucher*innen-Lawine und der des Mülls in ihrem Gefolge zusammen.

    • 19. August, 2015 um 12:27

      @Jürgen:

      Die Berliner Stadtreinigung ist unüberhörbar existent. Hier macht sie sich z. B. dadurch bemerkbar, daß sie mehrmals wöchentlich stundenlang auf Straße und Bürgersteigen mit unerträglich lauten Kehrmaschinen hin- und herfährt, bis alle Anwohner sich genervt aus den Fenstern stürzen. Dies tut sie jedoch nur, sofern Straße und Bürgersteige sauber sind. Um die von Dir beobachteten „Berge von Blütenresten“ macht sie dagegen einen Bogen. Warum das so ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht hat sie ja Angst, die Blüten könnten die empfindliche Kehrmaschinentechnik verstopfen?

      • BaL said,

        20. August, 2015 um 2:32

        Nun ja, wir möchten uns wahrlich nicht als Müllmänner mit den immer größeren -bergen bei relativ zum letzten Jahrtausend recht armseliger Bezahlung rumschlagen müssen − , aber es ging ja auch, wenn wir’s recht verstunden, primär ums Fischsterben, und da eröffnet die Auseinandersetzung mit der mangelnden BSR-Effzienz u.E. eher einen Nebelwiderspruch…

  4. Tabul A. Raza said,

    20. August, 2015 um 13:22

    Hallo BaL,

    in meiner Antwort an Jürgen ging es nicht ums Fischsterben. Das ist richtig. Es ging aber auch nicht darum, ob es Spaß macht, als Müllmann zu arbeiten, oder ob deren Bezahlung armselig ist oder nicht. Ich hatte mir lediglich erlaubt, eine unrichtige Aussage im Kommentar von Jürgen richtigzustellen und bei der Gelegenheit darauf hinzuweisen, daß viele Aktivitäten der BSR unsinnig und schädlich sind. Wenn die BSR mit Laubbläsern Feinstaub aufwirbelt, auf Gehwege Glyphosat schmiert und durch sinnloses Hin- und Herfahren auf sauberen Flächen Abgase in die Luft pustet, dann sterben zwar keine Fische, aber vielleicht Menschen. Zum Beispiel an Krebs. Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich damit zu weit über den Tellerrand hinaus geschaut haben sollte…

    • BaL said,

      20. August, 2015 um 15:16

      Moin Glöckner,

      Du brauchst Dich nicht fürs Über-den-Tellerrand-Schauen zu entschuldigen, und alles, was Du ggü. der BSR, Laubbläser- und Glyphosat-Einsatz vorbringst, ist natürlich triftig.

      Nur nennt mensch so was im vorliegenden Diskussionszusammenhang Derailing: Ausgangspunkt war doch Jürgens Frage, ob sein Verständnis bzgl. Fischsterben richtig sei, und da kam er auf eine angeblich nicht existente BSR zu sprechen. Wir können in Schland ja ganz beruhigt sein, aber ihre Mitarbeiter werden wg. unzureichender Entlohnung (da ist Bsirske vor!) nicht in Streik treten wie − sagen wir − zuweilen in Italien. Nur dann würde eine BSR-Nichtexistenz auch hierzulande mal so richtig spürbar.

      Gegen den Glyphosat/RoundUp-Einsatz (leider auch und in noch üppigerem Maße in privaten Kleingärten) engagieren wir uns − das möge hoffentlich nicht als Selbstlob rüberkommen − seit nunmehr exakt zehn Jahren; gg. Kleinlebewesen vernichtende, v.a. die Mitarbeiter mit karzinogenem Feinstaub belastende Laubbläser fast ebenso lange, was allein besagen soll, dass wir auch hier schon länger ein Problembewusstsein entwickelt haben.

      • Tabul A. Raza said,

        21. August, 2015 um 15:18

        Hallo BaL,

        seit *zehn Jahren* kämpft Ihr schon gegen diesen Wahnsinn, und das wird immer noch gemacht?

        Oh Gott!

      • BaL said,

        21. August, 2015 um 17:27

        Selbstredend mit vielen, vielen, ungleich größeren anderen als da wären NABU, BUND, Greenpeace, you name it − *und das wird immer noch gemacht*, wahrscheinlich weil der Gegner Monsanto heißt und das System Lobbykratie. Indes: Lotta continua!

  5. Jürgen said,

    24. August, 2015 um 10:12

    Werte Forumsteilnehmer,

    vielen Dank für ihre Beiträge. Ich muss allerdings gestehen, dass ich aus den Beiträgen keine wirkliche Antwort auf meine Frage entnehmen kann (mit Ausnahme in Ansätzen von BaL). Vielleicht kann man das noch etwas präzisieren?

    Bezüglich meiner Aussage zur Nichtexistenz der BSR (völlig unabhängig davon ob die BSRler ausreichend Geld bekommen oder nicht). Unabhängig vom Einsatz von Laubbläsern, tabula rasa hat es ja auch erwähnt, weshalb werden die Berge Laub und Blütenreste nicht beseitigt. Spielen die bei der Problematik des Fischsterbens tatsächlich keine Rolle (verstopfen also höchstens die Kanalisation)?

    MfG, Jürgen

    • BaL said,

      24. August, 2015 um 19:41

      Hi Jürgen,

      tut uns leid, dass die Debatte mangels ordentlicher Moderation etwas ausuferte.

      Dein Verständnis, wie im ersten Beitrag ausgeführt, ist völlg korrekt: bei Starkregen gelangt ungeklärtes Wasser ins Berliner Gewässernetz. Wir woll(t)en nur den Fokus ein wenig von Laub und Lindenblüten nehmen, welche die BSR angeblich unzureichend oder gar nicht entsorgt, und mehr aufs Brauchwasser aus den Haushalten lenken, das sicher den größeren Teil organischen Materials beisteuert. Natürlich verbraucht auch die Zersetzung der erwähnten pflanzlichen Materialien vom wenigen, im 26° warmen Wasser noch übrigen Sauerstoff, aber diese Prozesse gehen bedeutend langsamer vonstatten als bspw. bei Fäkalien (die sich selbstverständlich auch im Oberflächenwasser ausreichend finden…), Küchenabfällen u.dgl.m.

      Ansonsten können wir nur noch mal wiederholen: das Hauptproblem ist die sog. Mischwasserkanalisation als solche, in der bei Starkregen das Schmutzwasser nicht mehr vollständig zum Klärwerk gepumpt werden kann und, aus den Gullis tretend, die Straßen überfluten würde, wenn es nicht über ein sog. Streichwehr in den Regenüberlaufkanal fließen könnte, der es direkt ins Berliner Gewässernetz befördert. Insofern geht es, neben der Effizienzsteigerung bei der BSR, zunächst und vor allem um jene der Regenwasserbewirtschaftung, hier: um die Erweiterung des Stauraums im Mischwassersystem, der das Schmutzwasser zurückhält und gerade nicht „entlastet“, sondern sukzessive zu den Klärwerken pumpt. [Eine Skizze von Hobrechts System siehe hier.]

      Gehörigen Schaden stiftet natürlich auch die törichte Unsitte der sommerlichen Wasservogelfütterung, bei der ein Großteil von Brot und Ekmek unverzehrt auf der Gewässersohle verrottet, was auch bei Schwänen tödlichen Botulismus hervorrufen kann, wie überhaupt die unvorstellbare Vermüllung der Berliner Flüsse und Kanäle.

      Baumfreundliche Grüße,
      die BaL

  6. Jürgen said,

    25. August, 2015 um 11:19

    Hallo BaL,
    vielen Dank für die ausführliche Antwort.

    Das Problem mit den Laubresten habe ich deswegen angesprochen, weil sich mittlerweile dieses trockene Laub beispielsweise in verschiedenen Nebenstraßen der Reichsstraße in Neu-Westend kubikmeterweise (eben auch vermischt mit u.a. Hundescheiße)angesammelt hat.

    Aber diese organischen Stoffe spielen beim Umkippen der Gewässer anscheinend nur eine untergeordnete Rolle.

    Jürgen


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