Natur im Wannseebahngraben akut bedroht!

Bezirk Tempelhof-Schöneberg will 91 Bäume fällen

Unterstützung und Protest dringend gebraucht!

Nachdem sich letztes Jahr bei allen sogenannten Beteiligungsveranstaltungen zum Wannseebahngraben (siehe hier, hier und dort) jeweils über neunzig Prozent der Anwesenden für den Erhalt der vorhandenen Vegetation aussprachen, haben Bezirksamt und Planer des Büros Seebauer, Wefers & Partner als „Ergebnis der Bürgerbeteiligung“ eine Planungsvariante erarbeitet, die maximale Naturzerstörung bedeutet. [Vgl. auch den Brief der BI an die Tempelschöner Bezirksverordneten vom 27.8.14 auf crellestrasse.de.]

Bahnweg Wannseebahngraben

S-Bahngleis und Bahnweg, dessen Nutzung Natur schonen würde

Mehrheit für Naturerhalt

Während die Planungsvarianten Numero 2 und 3 mit viel Kahlschlag einhergegangen wären, sah die Variante 1 eine (nicht asphaltierte!) Wegeführung auf dem bereits vorhandenen Bauweg vor, um die natur- und artenschutzfachlich bedeutsame und nicht zuletzt den AnwohnerInnen lieb gewordene Bestandsvegetation möglichst weitgehend zu erhalten. Die Bedeutung von Bäumen und wohnungsnahem Grün für Gesundheit und Wohlbefinden ist unstrittig, vom Eigenwert der selbsttätig entstandenen Natur und ihrer wichtigen Verbindungsfunktion gerade entlang von Bahntrassen ganz abgesehen.

Bei einer entsprechenden Fragebogenaktion votierten 76 Prozent der Befragten für eine modifizierte Variante 1.

Auf Asphalt gelenkt

Nachdem ausgerechnet von der bündnisgrünen Fraktion mitten im laufenden Verfahren dekretiert wurde, es gehe nicht ums Ob des asphaltierten „Multifunktionswegs“, sondern nur ums Wie, wurden die Ergebnisse der solcherart gelenkten und eingehegten Partizipation nunmehr von Bezirksamt wie Planern komplett ignoriert. Planer-Moderator Martin Seebauer hat kürzlich für den Senat eine Studie zu Ersatzflächen für Arten und Biotope vorgelegt, worin ähnliche Situationen weiter draußen als schützenswerte Zielbiotope gelten, und seinerzeit in einer „Planungswerkstatt“ mit Tremolo in der Stimme beteuert, wenn die Mehrheit dies wünsche, auch die Nullvariante gegenüber seinem Auftraggeber zu vertreten. „Das werden Sie dann schon sehen…“

Doch was sehen wir? Die neue Variante bedeutet noch weit mehr Naturzerstörung als die alten Varianten 2 und 3! Üppige Förder-, sprich Steuermittel von Stadtumbau West bis EFRE wollen investiert sein. Das Einzige, was von der Vorzugsvariante 1 übrig blieb, ist ihre jetzt völlig irreführende Bezeichnung „modifizierte Variante 1“.

Mitmach-Zirkus

Das ist eine neuerliche flagrante Verhöhnung des Willens der Bürgerinnen und Bürger und konterkariert alle gegenteiligen, in Buchform gefassten Absichtserklärungen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt!

Crelle-Urwald, Sommer 2014

Crelle-Urwald im Sommer 2014

Im einzelnen soll der (selbstverständlich asphaltierte) „Multifunktionsweg“ nun doch nicht über den schon bestehenden Bahnweg, sondern mitten durch die vorhandene Vegetation führen!

Und als wäre das nicht schon genug an Natur zerstörendem Eingriff, soll überdies noch parallel ein zweiter(!) Weg angelegt werden, für den weitere Bäume gefällt werden müssten, da Asphalt so multifunktional denn doch nicht ist, wenn es bspw. ums Flanieren, Joggen und dergleichen geht. Und der breit geteerte Radweg liefe schon parallel jenem auf Straßenland und wird deshalb von vielen als absolut überflüssig erachtet.

Desgleichen soll eine Öffnung zum Crellemarkt auf breiter Fläche „aus gestalterischen Gründen“ noch mehr Baumfällungen erforderlich machen.

Und neben der Langenscheidtbrücke Richtung Großgörschenstraße ist statt der Vegetation sage & schreibe grüner Kunststoffbelag vorgesehen, derweil vor der Crellestraße 22a der Crelle-Urwald einer Wiese weichen soll! Mehr Beteiligungsfarce geht kaum!

Crelle-Urwald

Crelle-Urwald entlang Wannseebahn

Vergangenen Oktober hatte die BI Crellekiez Zukunft einen Einwohnerantrag für die Variante 1 mit größtmöglichem Naturerhalt sowie für Fortsetzung bzw. Start echter BürgerInnenbeteiligung beim Bezirksamt eingereicht. Am Ende unterstützten den Antrag 1162 gültige Stimmen und machten ihn zum überhaupt erst zweiten erfolgreichen Einwohnerantrag im Bezirk Tempelhof-Schöneberg.

Herzlichen Dank an alle, die Ihr unterschrieben habt!

Die BVV musste damit den Wannseebahngraben erneut auf die Tagesordnung nehmen, und die BürgerInnen haben dazu Rederecht, auch in den Ausschüssen. Am Montag, 26.1., 17 Uhr befasst sich der Ausschuss für Verkehr und Grünflächen mit dem Thema, und am folgenden Donnerstag, 29.1., findet im BVV-Saal, Rathaus Schöneberg, um 18 Uhr die Einwohnerversammlung statt. (Siehe auch hier.)

Bitte kommt alle! Es ist sehr wichtig und wäre super, wenn wir, die wir für Schutz und Erhalt unserer Stadtnatur, unseres naturnahen Wohnumfelds und für echte Beteiligung eintreten, bei beiden Anlässen viele sind!

Einladung Einwohnerversammlung

Einladung zur Einwohnerversammlung am Do., 29.1., Rathaus Schöneberg, BVV-Saal

Update 24.1.: Der Protest formiert sich!

Ein deutliches Zeichen!

Ein deutliches Zeichen!

8 Kommentare

  1. jürgen julius irmer said,

    18. Januar, 2015 um 23:34

    „..grüner kunststoffbelag..“, das ist genuin „grüne“ poltik, wohin das auge fällt!

  2. Berliner Bürger said,

    19. Januar, 2015 um 14:44

    Bäume abhauen für Grünflächen, das ist auch im Kleinen Tiergarten weiter usus. Da wurden bereits viele abartig teure nutzloser Sitzkiesel hingestellt, mehrere hunderttausend Euro teuer. In Tiergarten ist es ein CDU-Stadtrat, der dafür verantwortlich ist. In Tempelhof-Schöneberg und Freidr.-Kreuzberg zerstören Bündnisgrüne Stadträte die Stadtnatur (Frau Klotz und Herr Panhoff).

    Schwarz-Grün macht also in Berliner Bezirken dieselbe Politik.

  3. Zarah said,

    21. Januar, 2015 um 15:43

    Ich möchte hier auch noch mal auf die geplanten 68 Baumfällungen im Kleinen Tiergarten hinweisen. Die nächste BVV findet MORGEN, am 22.1. um 17:30 im Rathaus Mitte statt (Karl-Marx-Allee 31 in 10178 Berlin). Fällungen sollen (frühestens) ab morgen beginnen. Dabei sind die Baumprüfungen noch gar nicht ausreichend vorgenommen worden. Ein BVV-Antrag der Piratenfraktion Mitte vom Nov. 2014, der eine erneute Überprüfung von 30 Bäumen verlangt, wurde bis heute nicht behandelt und abgestimmt. Es wurden trotzdem schon Sträucher entfernt.

    Genauere Infos hier:

    https://biktomoabit.wordpress.com/2015/01/21/68-baume-im-bauabschnitt-7-kleiner-tiergarten-vor-der-fallung/

    und hier:

    https://silberahorn.wordpress.com/2015/01/18/kleiner-tiergarten-abschied-mit-suppe/

    Wäre schön, wenn ihr Zeit habt und zur BVV-Sitzung kommen könnt!🙂

    • Zarah said,

      21. Januar, 2015 um 15:52

      P.S. Laut Google Maps ist der nächste U-Bhf zum Rathaus Mitte Schillingstraße an der U5.😉

      • BaL said,

        22. Januar, 2015 um 2:10

        Leider haben wir wegen anderer Verpflichtungen keine Zeit, nicht mal Zeit, einen weiteren Beitrag über diese Beteiligungsfarce und die teure Missachtung jener BürgerInnen zu schreiben, deren ehrenamtliches Pflegeangebot gering geschätzt wurde, auch wenn sich da ein Widerspruch auftut: Einerseits wird über den Personalmangel und das Austrocknen insbesondere der Grünpflege geklagt, andererseits − wenn Fördermittel verbraten werden wollen − wird entgegen aller Erfordernisse zukunftsfähiger Stadtentwicklung und mit scheinheiligen Slogans („Ein Park für alle!“) eine brachiale Umgestaltung durchgesetzt, die eben ziemlich ausdrücklich nicht für alle sein soll, bspw. nicht für die von unserer asozialen Marktwirtschaft Abgehängten, von Tier und Pflanze und Boden zu schweigen. Aber auch die Menschen, die sich für Schutz und Erhalt dieser „Schutzgüter“ engagieren − und wenn sie eine Minderheit sind, dann ist das eine sehr große − werden ausgeschlossen (und woran erweist sich doch gleich die Demokratie…?)

        Nach diesem Muster wird schon seit einigen Jahren an vielen Orten der Stadt „Freiraum gestaltet“ und ohne jetzt defätistisch oder gar zynisch werden zu wollen, zweifeln wir, ob ein Antrag der Piraten, selbst wenn er eine Mehrheit fände, diesen Trend aufhalten kann.

        Und die Massen, die dann in Ermangelung von Alternativen diese naturfernen Designerparks stürmen, zeigen lediglich den herrschenden Mangel an Grünflächen, aber sagen rein gar nichts über deren Qualität und „Enkeltauglichkeit“ in Zeiten von Klimawandel, galoppierender Artenvernichtung, Bodenversiegelung, Feinstaubbelastung etc.

        Was in den Wissenschaften längst Mainstream, braucht wohl noch paar Jahre, bis es auch in die Politik und vor allem nicht nur in zahllose Hochglanzbroschüren, sondern ins konkrete Verwaltungshandeln vorgedrungen ist. − Um den Kleinen Tiergarten noch zu retten, braucht’s ein Wunder, z.B. den Einsatz von noch viel mehr NutzerInnen, denn nur Zahlen, nicht Argumente überzeugen in einer bornierten Gesellschaft.

        Hier noch der Link zu einem Abschiedsposting

  4. Zarah said,

    23. Januar, 2015 um 1:24

    Danke für die ausführliche Antwort. Das mit dem „Fördermittel verbraten“ sehe ich ganz genauso. Wobei es dann doch wundernimmt, wieso auf dieser BVV-Sitzung ständig über den desolaten Haushaltszustand des Bezirks Mitte geklagt wurde, aber für diese seltsamen Sitzkiesel dann offenbar doch genug Geld da war. Die Evaluierung der Sitzkiesel kam übrigens nicht mehr dran, da andere Themen zu viel Raum einnahmen.

    Was den „Einsatz der Nutzer“ betrifft: Außer mir waren nur noch 2 Leute wegen der Bäume gekommen, und die waren beide aus Kreuzberg. Also den MoabiterInnen selbst scheint die Sache dann doch nicht wichtig genug zu sein, um sich bis zum Rathaus zu bemühen. Andererseits hätte das auch nicht viel gebracht, denn das Thema wurde gar nicht noch mal behandelt. Auf meine Frage in der Pause sagte mir einer der Grünen, es habe dazu im Juli 2014 eine Veranstaltung gegeben und es werde kein weiterer Antrag deswegen mehr gestellt werden. Die Stieleiche werfe zuviel Schatten (!), wodurch die Sandfläche unter ihr ganz vermoost sei, und es sei wichtig, daß auf einem Sandspielplatz vormittags Sonne ist, damit der Boden trocken genug ist und sich keine Bakterien ansammeln können. Auch sei sie sowieso nicht mehr vital genug, um noch lange zu leben. Die Gutachter hätten ihren Zustand mit „C“ bewertet und das seien ja schließlich Leute, die von diesen Dingen etwas verstehen. (Hört, hört!)

    Ganz am Schluß nannte er noch eine etwas glaubhaftere Begründung: Man wolle das Baudenkmal erhalten, und es sei nur eins möglich zu erhalten – entweder das Baudenkmal oder den Baum. Und der Baum sei erst nach der Errichtung des Baudenkmals gepflanzt worden und somit weniger schützenswert.

    Ich weiß nicht, ob das in den Wissenschaften schon Mainstream ist – würde mich freuen – aber ändern wird sich wohl erst dann etwas, wenn der Mensch andere Lebensformen als gleichberechtigt anerkennt.

    Danke für euren Einsatz an der Informationsfront! Übrigens hatte ich noch so eine Idee. Wäre es evtl. sinnvoll, wenn Berliner Blogs, die sich mit Bäumen und Natur beschäftigen, wie BaL, Biktomoabit, Silberahorn, die Beiträge mit den Terminen für wichtige Sitzungen gegenseitig rebloggen, damit mehr Leute davon erfahren? Ich habe Biktomoabit nur ganz zufällig gefunden, und von Silberahorn wußte ich bis gestern gar nichts. Rebloggen ist ja nur ein Klick. Würde das was bringen so im Sinne der Vernetzung? Meinen Blog lesen nicht so viele BerlinerInnen, sonst würde ich es machen.

    Liebe Grüße!

    • BaL said,

      25. Januar, 2015 um 1:33

      Na, Bloggen und Rebloggen und Twittern tun wir ja.
      Ansonsten gibt es neben den dezidiert sozialen, bspw. auf die Wohnungsproblematik oder Hartz IV konzentrierten doch schon einige Netzwerke zu Stadtentwicklung und -natur: vom Aktionsbündnis A 100 stoppen!, der Ini Stadt Neudenken über die Mauerpark-Allianz bis zum Prüfstein Lichterfelde und dem Gartentisch, um nur einige rauszugreifen. Da ist manches noch im Werden, und neben dem Lobbying für Stadtnaturschutz vor allem in den Bezirksgremien, neben öffentlichem Protest, der Zusammenarbeit mit den mitgliederstarken Verbänden wie BUND, NABU, Grüne Liga, Robin Wood etc. und herkömmlicher Medienarbeit ist es auch nur ein, wenn auch wichtiger Teil.
      Ob wir jetzt das Knüpfen eines neues Netzwerk versuchen sollten, erscheint uns vor diesem Hintergrund nicht vordringlich. Die BaL kooperieren lieber mit schon bestehenden, versuchen natürlich auch, die anderen Aktionsformen einzusetzen und haben − nebenbei bemerkt − die Erfahrung gemacht, dass in manchen Netzwerken die allermeisten Mitglieder doch nur insofern engagiert sind als es um ihr eigenes konkretes Anliegen: eine Planung oder ein Vorhaben geht und der gesamte Bezirk oder gar die ganze Stadt nicht im Fokus stehen.
      Aber wie gesagt: hier ist gerade jetzt angesichts der sich zuspitzenden spekulationsgetriebenen Bauwut und rücksichtslosen Nachverdichtung auf Kosten von Rückzugsräumen für Mensch und Stadtnatur einiges im Werden. Der Ernst der Lage und die Gefahr irreversibler Fehlentscheide scheint vielen bewusster geworden. Alles natürlich auch eine Frage von Kapazität und Ressourcen: Jetzt konzentrieren sich die BaL neben dem Landwehrkanal, der Erarbeitung diverser Pflege- und Entwicklungspläne (LWK, THF) und dem Straßenbaumschutz erst mal um den Erhalt des „Crelleurwalds„.

      • Zarah said,

        25. Januar, 2015 um 1:50

        Ja, war auch nur so ne Idee mit dem Rebloggen, angesichts der Tatsache, daß nur 3 Leutchen wegen der Bäume auf der BVV erschienen waren und ich mir nicht sicher war, ob das auf zu geringes Interesse oder einfach auf Desinformiertheit zurückzuführen war. Die ganze Veranstaltung erweckte auch sehr den Eindruck, als ob normalerweise nur wenig BürgerInnen sich dorthin verirren.

        Der Crelleurwald ist natürlich super wichtig! Aber da müßte man schon die Bahn dazu bewegen, daß sie den vorhandenen Weg zur Nutzung freigeben …


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s