Stadtnatur als Kollateralschaden im Drogenkrieg?

Xhain lässt Görli Polizeischnitt verpassen

Nichtachtung von Stadtnatur und BürgerInnenengagement

Polizeischnitt

‚Seht her, wir machen was!‘

Die Information von Presse und Öffentlichkeit erfolgte am Montag (24.11.) kurz bevor der massive Rückschnitt von Büschen und Bäumen im Görlitzer Park unter Polizeischutz(!) und bei verschlossenen Parkeingängen begann. Die Hainbuchenhecken um den sogenannten Schmuckgarten, den sinnigerweise sommers Aktive in einem Inklusionsexperiment gemeinsam mit Geflüchteten gepflegt und gewässert hatten, wurden erneut und diesmal knapp über Kniehöhe abgesägt, Büsche zur Auslichtung kurzerhand ausgerissen, Bäumen vitale Starkäste abgeschnitten, was nun offenbar auch noch Vandalen ermuntert, gleich noch weitere abzubrechen: die BügerInnen, und so auch die BaL-Mitglieder, die sich jahrelang für eine naturnahe Gestaltung des übernutzten Parks einsetzten, sind fassungslos! Mit ihnen, so kündigt Baustadtrat Panhoff mit versteinerter Miene an, werde zu reden sein − nach Abschluss dieser handstreichartigen Maßnahmen, versteht sich.

Erst sägen, dann reden?

Goerli-Eiche

Eiche am Bolzkäfig

Ob freilich nach dieser kapitalen Provokation, vorläufiger Höhepunkt einer unseligen Tradition, noch viele übrig sind, die mit Hans Panhoff reden wollen (seine sonstige hoch umstrittene Politik kann in diesem Blog selbstverständlich nicht Thema sein), nachdem er zu wiederholten Malen und noch vor Jahresfrist definitiv versichert hatte, sich zum einen keinesfalls von Senat oder Polizei eine kriminalitätspräventive Parkunterhaltung oktroyieren zu lassen, zum anderen aber Pflege- und Schnittmaßnahmen immer im Vorfeld abzustimmen, steht denn doch zu bezweifeln.

Parkpflegewerk für die Tonne?

Vor ca. zwei Wochen hat das Büro Ökologie und Planung nach eingehenden Untersuchungen und Kartierungen zu Boden, Biotopen, Flora und Fauna den Entwurf eines partizipativ entwickelten Parkpflegewerks eingereicht und beabsichtigte, ihn in Kürze vorzustellen und eine öffentliche Begehung mit Interessierten und Engagierten zu veranstalten, um notwendige Schnitt- und Fällmaßnahmen abzustimmen, doch wurden die MitarbeiterInnen wie auch die Görli-Aktiven von dieser Kettensägen-Orgie völlig überrollt. Am Freitag will sich das Planungsbüro ein Bild der Lage verschaffen.

Vandalismus03

Vandalismus

Dass der Stadtrat den jahrelangen vielfältigen, ehrenamtlichen Einsatz von BürgerInnen für ihren Park mit keinem Wort erwähnt, geschweige denn würdigt oder auch nur irgendeine Erklärung für nötig hält, warum es nicht einmal eine Vorabinformation gegeben hat, sondern − wohl im Zuge der „Eskalation“ am 15. d.M., als der Wirt und ein Angestellter ausgerechnet einer Sushi-Bar in der Skalitzer Straße mit Messern auf mutmaßliche, angeblich geschäftsschädigende Dealer losgingen und zwei von ihnen schwer verletzten − nun seinerseits in puren, an den Boulevard und irgendeine schweigende besorgte Mehrheit adressierten Aktionismus und nach all dem Geschwafel von Görli-Coffeeshop und dergleichen Pillepalle ins repressive Gegenteil verfällt, zeugt schon von profunder Nichtachtung des außerordentlich kreativen zivilgesellschaftlichen Einsatzes nicht weniger die letzten Jahre hindurch, darunter VertreterInnen von Transition Town Xhain/Kiezwandler SO36, BUND und NABU Berlin.

Sinnfreier Aktionismus

Hohlweg-Eingang

Eingang zum ‚Angstraum‘ Hohlweg

Kleinsäugern, Vögeln und Insekten die Habitate zu zerstören sowie NutzerInnen das Naturerleben, nur um das subjektive Sicherheitsgefühl (!) der ParkbesucherInnen zu erhöhen, zeugt nach einem jahrelangen Diskussionsprozess schon von beachtlicher Borniertheit gegenüber Sachargumenten und einer bedenkenlosen Unverfrorenheit, im Interesse der Stammtische und dumpfbackiger Ressentiments den Idealismus aktiver BürgerInnen zu desavouieren. Heute (26.11.) soll noch der „Angstraum“ Hohlweg zugeschüttet werden.

In Wirklichkeit geht’s halt nicht um die Minderheit derer, die sich aktiv beteiligt, sondern um die Mehrheit derer, die es gerade nicht tut, aber als Stimmvieh wichtig ist und als deren Sprachrohr jene andere Minderheit gilt, die das Amt anruft oder -mailt und/oder in Foren und Kommentarspalten von Tagesspiegel bis BZ sich über den unerträglichen Mangel an Sauberkeit, Sicherheit und Ordnung im grün regierten F’hain-Kreuzberg erleichtert. Doch selbst hier ist sehr zweifelhaft, ob diese Schaufensteraktion die „besorgten Bürger“ überzeugt.

Vandalismus02

Vandalismus

Von einer mehr oder minder gelenkten Beteiligung geht es also übergangslos zurück zu geradezu preußisch-obrigkeitsstaatlicher Willkür, mal ganz abgesehen davon, dass die Steuergelder für den Beteiligungsprozess und die Konzipierung des Parkpflegewerks auf diese Weise zum Fenster hinausgeworfen werden. Schwerer aber dürften Vertrauensverlust, Desillusionierung und Demotivierung auf Seiten der Engagierten wiegen, von denen sich ohnehin schon viele angesichts turnusmäßigen Wortbruchs aus dem Prozess zurückgezogen haben. So wird Beteiligungsbereitschaft ruiniert.

7 Kommentare

  1. MB said,

    26. November, 2014 um 15:28

    Abgemähte Parks als Mahnmal einer gescheiterten Drogenpolitik….
    Eine absolut Sinnlose, schädliche Aktion die die Wurzel des Problems in keinster Weise berührt. Wie lange noch, müssen wir uns mit dieser schädlichen Situation in D. rumplagen? Während in Amerika die Prohibition Staatenweise aufgehoben wird und die Steuereinnahmen sprudeln!

  2. Oli said,

    27. November, 2014 um 22:16

    Liebe Leute, was erwartet ihr von einem Stadtrat und einer Bürgermeisterin, die die Polizei gegen Flüchtlinge einsetzt!
    Da bekomme ich Sehnsucht nach Papa Schulz, der war doch noch glaubwürdig (the real african man). Die Panne und die Hermann könnten langsam wieder von der Bildfläche verschwinden, keiner kann die Fressen mehr sehen.

    Die Grünen sind leider schwarz geworden – mit Ausnahme von Ströbi.

  3. Fraenkelufer Nachbarschaft said,

    15. Dezember, 2014 um 15:34

    Der Vertrauensverlust in Bezug auf die grüne Partei, die in Wahrheit eine graue Betonpartei ist, ist auch am Kreuzberger Fraenkelufer zu Hause.

    Hier haben über 300 Anwohnerinnen und Anwohner bereits vor Wochen einen Protest-Brief an Herrn Pannen-Pannhof geschickt. Gegen die von ihm und seiner Bezirksamtsabteilung sowie vom Land Berlin geplante Umbaumaßnahme am Landwehrkanal am Fraenkelufer. Diese würde das Gesicht des Fraenkelufers verunstalten und sie ist natürlich schön teuer. Aber sie bringt Aufträge für Baufirmen.

    In dem Brief wird die inakzeptable manipulative „Bürgerbeteiligung“ des Bezirks kritisiert. Panhoff wird aufgefordert die Baumaßnahmen zu unterlassen, weil die Anwohnerinnen und Anwohner, die da wohnen sie nicht wollen.

    Das Ufer am Böcklerpark soll auch völlig sinnlos und teuer umgestaltet werden. Bäume sollen abgesägt werden. Sie sollen auf einmal ausgerechnet an den Standorten krank sein, wo es zu den Umbaumaßnahmen passt. Seltsam.

    Im Klartext: Die Grünen – Politiker versauen uns einen großen Teil des schönen Kreuzberger Landwehrkanalufers.

    Immer toll für Stadtnatur Artenschutz usw. trommeln, – aber nur in der Opposition.Die Grünen profitieren immer noch von der großen Uninformiertheit der Leute. Ansonsten würden sie ihre lukrativen Mandate und Posten schon längst bitterlich vermissen müssen.

    Übrigens Vereine kann man u.a. durch Spenden kaufen und Gutachter durch Aufträge. Auch in Kreuzhain. Theoretisch. Oder praktisch?

  4. g. said,

    16. Dezember, 2014 um 16:27

    Die betreffenden Weiden wurden von einem vertrauenswürdigen Baumgutachter untersucht!

  5. Paul said,

    16. Januar, 2015 um 13:41

    Mich wundert, dass die Pläne des Kreuzberger Grünen-Baustadtrats Panhoff zur endgültigen Ballermannisierung des Fraenkelufers (Ausweitung der Partyzone Admiralbrücke) nicht breiter diskutiert werden.
    Allein die Radwegplanung würde dazu führen, dass zukünftig ein Tempo wie jetzt schon um 9.00 Uhr morgens vor der Lidl-Filiale in der Kottbusser Str. herrschen würde (noch schneller, noch härter, noch hässlicher).

    Spätestens seit der Bezirksamts-Veranstaltung vom 15.01.15 zu den Plänen ist klar, dass das Vorhaben schon allein aus fördertechnischen Gründen nur vollständig gestoppt werden kann (Ganz oder gar nicht!).

    Die bisherigen Bürgerbeteiligungs-/Mitbestimmungssimulationen dienten m. E. nur dazu, den Protest zu ermüden, die Einwände der AnwohnerInnen mit „Beschäftigungstherapie“ totlaufen zu lassen (Verbesserungsvorschläge für den Papierkorb).

  6. stern von kreuzberg said,

    17. Januar, 2015 um 14:22

    Ob man einem Baumgutachter verrtrauen kann, der vom Bezirksamt Kreuzhain bezahlt wird ist die Frage.

    – Wohl eher nicht.

    Schließlich will das Bezirksamt unter Pannen-Panhoffs Führung die Bäume fällen lassen, um eine schwachsinnige 760.000 Euro teure Umgestaltung im Böcklerpark vornehmen zu lassen. Da wird doch ein Gutachter vom BA nicht plötzlich der Meinung sein, die Bäume können stehen bleiben. Der Böcklerpark wird nach der Umgestaltung kein Park mehr sein, wenn unter anderem die vielen Weiden fehlen !

    Es ist doch ein Treppenwitz, dass ausgerechnet einer von der pseudo-grünen Partei uns jetzt das Ufer am Kreuzberger Landwehrkanal kaputt macht !

    Ging es nicht jahrelang ums Bäume retten am Landwehrkanal? Und von wegen Ballermannisierung am Kanal: Wenn diese bekloppten steinernen Stufen ans Ufer kommen und da dann im Sommer ebenso die Massen sitzen werden wie auf der Admiralbrücke, dann können sich die Fraenkelufer-Anwohner umgucken. Dann haben sie nicht nur den Lärm von der Baustelle am Fraenkelufer (diese Baustelle kostet noch zusätzlich jede Menge Steuergeld), sondern auch den Partylärm vom
    Ex-Böcklerpark.

    Aber dann machen Panhoff und Hermann sicher wieder ein Mediationsverfahren wie damals auf der Admiralbrücke. Kommt zwar nix bei raus, aber man TÄUSCHT BÜRGERBETEI(LIGUNG VOR:

    UNd das können die Grünen: Bürgerbeteiligung vortäuschen.

    Jeden Abend steht an der Admiralbrücke in Kreuzberg bei wärmeren Temperaturen die Polizei da, um die Touris bei Lärm wegzuschicken, dazu hätte es kein Mediationsverfahren gebraucht.

    Und um das Ufer am LWK zu versauen und die schönen Bäume zu fällen hätte es auch kein Landwehrkanal-Mediationsverafhren gebraucht.

    Ich hoffe nur, das niemand mehr in Kreuzberg diese durch und durch verlogene grüne PArtei wählt !

    • BaL said,

      17. Januar, 2015 um 15:00

      Na, Sterntaler hört sich doch liquide an: Wie wär’s, wenn Du ein vertrauenswürdiges Gegengutachten finanzierst? Vielleicht sind das ja Magic Mushrooms da in den Weiden.
      Wegen der auch von uns abgelehnten Umgestaltung des Nordufers Urbanhafen wird übrigens kein einziger Baum gefällt, und die Wegeführung wurde deswegen modifiziert. Einfach nächstes Mal zum Ortstermin kommen, den der bestochene Sachverständige anbietet. Da kann mensch sogar was lernen. Aber stimmt, es herrschte Mistwetter…
      Und, sorry, auch wenn dieses Grünen-Bashing vielleicht orthographisch originell sein mag, erinnert es doch zunehmend an eine Hotline-Warteschleife.


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