Behördliches Ignorieren zivilgesellschaftlichen Engagements

AI Lausitzer Straße

Vorschläge der AI Lausitzer Straße ohne Antwort

Landschaftsbild am Landwehrkanal egal?

Kein Erosionsschutz

Neuanlage ohne Erosionsschutz

Im Februar war’s, da schickte die AnwohnerInnen-Initiative Lausitzer Straße, die eine ökologisch verträglichere Erweiterungsmethode des sog. Regenüberlauf-, also Mischwasserkanals der BWB durchsetzen konnte, einen Gestaltungsvorschlag für das Areal um das vergrößerte Auslaufbauwerk am Paul-Lincke-Ufer des Landwehrkanals ans Friedrichshain-Kreuzberger Bezirksamt. [Siehe auch hier.] Eine Reaktion blieb leider aus.

Genau einen Monat später nahm die Ini einen erneuten Anlauf und sandte ihren Vorschlag mit entsprechender Begleitmail wieder an die „tiefgrün“-Adresse des Bezirks, an Baustadtrat Panhoff u.a. − Doch wieder geschah nichts.

Am 31. März, im Verlauf jener seltsamen WSA-Öffentlichkeitsveranstaltung nach Ende des Mediationsverfahrens, sprach sich die Bezirksamtsvertreterin von Friedrichshain-Kreuzberg nachdrücklich gegen die Seniorensportgeräte aus, die der Vorschlag beinhaltet und durchaus auch nicht von allen AnwohnerInnen befürwortet wird. Doch handelt es sich hierbei nur um ein Detail. Ansonsten aber äußerte sich die Bezirksamtsmitarbeiterin wohlwollend über die Initiative der BürgerInnen.

Anlässlich des zwölften der regelmäßig und insgesamt sehr erfoglreich verlaufenen Jours fixes konnten dann AnwohnerInnen dem Fachbereichsleiter Straßenbau, Schulz-Herrmann, der in Vertretung des Amtsleiters für Tief-, Landschaftsbau und Grünflächen, Axel Koller, gekommen war, die mündliche Aussage entlocken, bis auf jene Seniorensportgeräte sei der Vorschlag „genehmigt“ und der zuständigen „Senats-Arbeitsgruppe“ zugeleitet worden, da er die Anlage eines Zebrastreifens vorsehe, wofür in jedem Fall die Senatsverwaltung zuständig sei. Dort könne die Prüfung freilich eine Weile in Anspruch nehmen.

Wildblumen-Einsaat

Wildblumen-Einsaat

Auch die Bezirksverordneten nicht informiert

Wir wunderten uns seinerzeit über diese Arbeitsgruppe und ihre Befassung mit dem Gestaltungsvorschlag engagierter BürgerInnen und wollten vor allem wissen, ob die BVV, also die uns repräsentierenden VolksvertreterInnen von diesem ja nicht alltäglichen AnwohnerInneneinsatz für ihr Wohnumfeld ganz in Sinn der Lokalen Agenda 21 informiert worden sei. − Wurde sie nicht. Aber ein solcher zivilgesellschaftlicher Einsatz sei in Kreuzberg ja auch keine Besonderheit und bspw. erst unlängst bei der Gestaltung des Zickenplatzes erfolgt.

Bis heute kamen weder Worte noch Taten aus Richtung Xhainer Bezirksamt; die Kontaktaufnahme einfacher BürgerInnen gestaltet sich offenbar noch immer schwierig. Diese soll freilich nicht um ihrer selbst willen geschehen, sondern weil die AnwohnerInnen vielleicht am besten wissen, was es vor Ort braucht, um im konkreten Fall den Eingriff zu kompensieren, den die seinerzeit im Mediationsforum behandelte und, was die nötigen Baumfällungen betrifft, abgewogene und schließlich konsensual entschiedene Variante der BWB-Baumaßnahme erforderlich macht.

Unfachgerechtes Vorgehen

Das von den BWB beauftragte Subunternehmen hatte jedenfalls nur den Auftrag, nach Fertigstellung des Bauwerks die Oberfläche mit Mutterboden aufzufüllen und einzuebnen. Gepflanzt wurde nichts und gegen jeden gärtnerischen Verstand die Fläche nackt und bloß der Witterung preisgegeben.

Schon der erste Starkregen, woran’s diesem Mai ja nicht gerade mangelte, beförderte eine gehörige Menge Erdreich in den Kanal, so dass sich die AnwohnerInnen zum Handeln genötigt sahen und Samen einjähriger Pflanzen ausbrachten, sowohl zum Erosionsschutz als auch für Bienen und Schmetterlinge. Gegen weiteres Fortspülen von Erde wurden zusätzlich die Andeutungen von Terrassen angelegt sowie ein nicht eingesäter Bereich mit Flatterband markiert, da SpaziergängerInnen nicht selten quer über die Fläche liefen und ihre Hunde Löcher wühlen ließen.

Engagement im öffentlichen Raum in die Nähe von Vandalismus gerückt

Diese Nothilfe allerdings rief endlich Grünflächen- und Ordnungsamt auf den Plan: Was es mit den Pflanzungen auf sich habe, begehrte der Fachbreichsleiter zu wissen, und eine missverständliche Formulierung in einer Mail schien sie genauso ahnden zu wollen wie das wilde Grillen am Kanalufer, das auch in dieser Saison wieder mehrfach zu Brandschäden an Bäumen geführt hat.

Die sog. Treppe

Die sog. Treppe: erosionshemmende Terrassierung!

Eine Klarstellung der Ini Lausitzer Straße blieb jedoch abermals ohne Anwort. Versuche, telefonisch zu Verantwortlichen vorzudringen, scheiterten ebenfalls.

Nach wie vor keine Willkommenskultur für zivilgesellschaftliches Engagement

Aus dieser Darstellung der Vorgänge erhellt hoffentlich, dass der Weg zu einer Willkommenskultur gegenüber bürgerschaftlichem Engagement auch im grün regierten Friedrichshain-Kreuzberg nach wie vor weit ist, ja dass es auch nicht einmal angesichts der gewollten Personalverknappung im Öffentlichen Dienst, die vor allem auf Kosten der Grünpflege geht (derweil Stellen fürs Erteilen von Baugenehmigungen – am besten ohne Öffentlichkeitsbeteiligung – bekanntlich aufgestockt wurden) erwünscht, begrüßt und zugelassen wird. Nach einem siebenjährigen ehrenamtlichen Engagement für die Sanierung des LWK und seiner Ufervegetation fürwahr ein Armutszeugnis!

Konkret wünschen die AI Lausitzer Straße und natürlich auch die BaL Auskunft auf folgende Fragen:

  • Wann werden die Bäume am LWK und in der Lausitzer Straße gepflanzt?
  • Welche Art von Bäumen wird gepflanzt?
  • Wie viele Bäume werden am LWK gepflanzt?
  • Werden die Wildrosenbüsche gepflanzt und wenn ja, wann?

1 Kommentar

  1. caro_berlin said,

    20. Juni, 2014 um 12:57

    Die Ecke sieht bis auf die direkte Böschung völlig verlottert aus! Zwischen Weg und Straße türmt sich Bauaushub. Von bepflanzbarem Mutterboden keine Spur. Wenn sich die Anwohner schon so wie hier engagieren, sollte der Bezirk, bei dem offenbar personelle Engpässe bestehen, wenigstens schnell für Erde und Pflanzen sorgen, die ja von den Anrainern selbst gepflanzt und versorgt werden können. Sowas lässt sich auch in Zusammenarbeit umsetzen.

    Dass hier stattdessen Mails im Ahndungstonfall versandt werden, ist völlig unverständlich. Die Behörde und die Versammlung der Gewählten sind doch von den Bürgern beauftragte Instanzen und keine irgendwie abgekoppelten Exekutions- oder Überwachungsorgane!

    Die Idee, „Seniorensportgeräte“ aus Edelstahl dort in die Zugangsbucht zu der unterirdischen Anlage zu stellen (natürlich so, dass der Zugang nicht behindert ist), fand übrigens nicht nur ich großartig. Ein solcher Crosstrainer kann auch von der arbeitenden (= steuerzahlenden) Bevölkerung genutzt werden, für die die Zeiten der Angebote von Sportvereinen nicht passen und die sich für die Angebote diverser Fitnessclubs nicht leisten können oder wollen. So etwas fehlt hier eindeutig an der als Joggingroute genutzten Ufermeile! Das gilt sogar verstärkt, seitdem die Wege durch den Görlitzer Park gelenkunfreundlich in der gesamten Breite geteert wurden. Warum wurden die Geräte (das Gerät) in Bausch und Bogen abgelehnt? Mit welcher Begründung? Total unverständlich, denn Gesundheitsförderung gehört auch zu den Aufgaben des Staates, kurz: sie geht uns alle an!


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