Heraus zum Volksentscheid: Bewahrt das ganze Tempelhofer Feld!

Auch eine Abstimmung für echte Beteiligung!

THF-Volksentscheid bezirkl.

Stimmen pro 100%THF-Entwurf nach Bezirken

Update, 25. Mai: Juchhu, Glückwunsch und Riesendank an die Initiative, die vielen Helfer- und UnterstützerInnen und vor allem natürlich an die WählerInnen, die oben JA und unten NEIN angekreuzt haben! Wir, die BerlinerInnen, aber auch die anschwellende Zahl ihrer Gäste und nicht zuletzt die Stadtnatur haben den Volksentscheid für den Erhalt des ganzen Tempelhofer Felds gewonnen! Der Gesetzentwurf der Initiative 100 % THF wurde mit 64,3 Prozent der sich Beteiligenden angenommen, der Senats-/AGH-Entwurf mit rund 59 Prozent abgelehnt [siehe hier]. Das ganze Tempelhofer Feld bleibt unbebaut, ohne privilegierte Wohnanlage an seinen Rändern (mit allenfalls zehn Prozent = rund 1000 Wohnungen ab sechs Euro den kalten Quadratmeter für Geringverdienende); ohne überflüssige Gewerbebauten, ohne Busbahnhof, Landform, Müller-Gedächtnisbecken, Wowi-Gedenkbibliothek und dgl. mehr.
Ein beeindruckender Sieg zivilgesellschaftlicher Partizipation und direkter Demokratie, wenngleich wir erst noch sehen müssen, welches Schicksal dem Ergebnis dieses zweiten siegreichen Volksentscheids nach dem des Wassertischs 2011 bevorsteht. Vor alle die unverfrorene Aushöhlung des 2008 grandios siegreichen Friedrichshain-Kreuzberger Bürgerentscheids zum Spreeufer für Alle! sollte da Mahnung sein. − Auch der Bürgerentscheid zur Erhaltung der Kleingartenanlage Oeynhausen in Wilmersdorf wurde klar gewonnen! Zunächst also gilt’s, diese gelungenen Versuche, mehr direkte Demokratie zu wagen, gehörig zu feiern: die eigentlichen Eigentümer dieser über dreihundert Hektar Freifläche − auch wenn sie sich nur nur zu 46 Prozent am Entscheid beteiligten − haben sie sich de facto wieder aus der Verfügungsgewalt des Senats als gemeinsamen Besitz, als Commons zurückgeholt, ein Ereignis von einiger symbolischer Bedeutung, das vielleicht und hoffentlich Schule macht!  Viel zuuviel hat der Senat an öffentlichem Besitz (und nicht zuletzt an Wohnungen) privatisiert und für kurzfristige Gewinne verscherbelt.

THF-Plakat

THF-Plakat

Zwei Tage vor dem großen Entscheid − woran sich leider zig Tausend Betroffene, da ohne deutschen Pass, nicht beteiligen dürfen − scheinen alle Argumente [siehe z.B. hier, hier, hier oder dort], Gegenargumente, Scheinargumente, Desinformationen und Polemiken ausgetauscht.

Nun heißt’s für alle, die nicht schon briefgewählt haben [heute noch bis 18 Uhr mit Perso in den Bezirksämtern möglich!], sich am Sonntag, Grillwetter hin oder her, in ihr Wahllokal zu bemühen und, wenn sie für sich und künftige Generationen das Tempelhofer Feld als weltweit vielleicht größten innerstädtischen grünen Juwel in seiner Gänze vor Asphalt und Beton bewahren wollen, auf dem vertrackten Stimmzettel oben JA und unten NEIN anzukreuzen. Mindestens aber oben JA, also Zustimmung zum Gesetzentwurf der Initiative/des Vereins 100% Tempelhof, denn beide Entwürfe, auch der von Senat und AGH brauchen als Quorum mindestens 625.000 Voten.

Großer Dank an die Initiative und alle UnterstützerInnen!

Die mediale, auch überregionale Debatte ist beeindruckend, und so brauchen wir hier nicht erneut den Effekt einer sog. Randbebauung für die Lösung der Not an bezahlbarem Wohnraum in der Stadt zu erörtern und auch nicht die Qualität des proteischen sog. Masterplans des Senats, dessen Randbebauungspläne nicht zuletzt der BDA als unausgereift und die Ziele nachhaltiger,sozialer Stadtentwicklung konterkarierend kritisiert hat, sondern möchten vielmehr mit überschwänglichem Lob hervorheben, dass hier eine kleine, entschlossen-konsequente, keineswegs homogene und sich immer grüne Gruppe Engagierter in beharrlich zäher, professioneller, höchst kreativer und wahrlich herkuleischer Anstrengung gegen einen im Übermaß mit Men-/Womenpower und materiellen Ressourcen gerüsteten, so intransingenten wie arroganten Gegner behauptet und dabei ein grandioses Stehvermögen bewiesen hat.

Für diesen unvergleichlichen Einsatz möchten wir der Ini 100% THF, dem BUND und allen unorganisierten Helfer- und UnterstützerInnen im Namen der BaL aus ganzem Herzen danken!

Es geht um Beteiligung

Zum anderen möchten wir darauf hinweisen, dass es neben dem inhaltlichen Anliegen des Erhalts dieses unersetzlichen Schatzes inmitten einer Metropole um jene hochpolitische Frage des Umgangs mit beteiligungsbereiten BürgerInnen, NutzerInnen und eigentlichen EigentümerInnen dieses ökologisch, naturschutzfachlich wie zeitgeschichtlich einmaligen Areals geht, sprich: um die einzig passende Antwort auf diese zum Scheitern verurteilte Form einer Stadtentwicklung von oben für die Profitinteressen weniger.

Der Prüfstein

Nach all den unerquicklichen Erfahrungen mit großen Planungsprojekten, dem regelmäßigen Fiasko, in das eine unzureichende zivilgesellschaftliche Beteiligung führt, in diesem besonders bedeutsamen Fall kaltschnäuzig abermals nach preußischer Gutsherrenart zu walten und, mit allerlei Mitmach-Formaten notdürftig kaschiert, Stadtquartiere, Gewerbebauten, Busbahnhof, Zentrale Landesbibliothek, „Landform“, Rundweg, Wasserbecken etc. auf Gedeih und Verderb durchdrücken zu wollen, zeugt nicht nur von Stillstand, sondern Rückwärtsgewandtheit im politischen Denken, dessen bornierte Unzeitgemäßheit machtvoll demonstriert und dessen Einbetonierung um jeden Preis verhindert werden muss!

Nicht noch einmal!

Was in kleinerer Dimension, beim Bau von Gleisdreieck- und Flaschenhalspark in Kreuz- und Schöneberg, bei der Umgestaltung von Ottopark und Kleinem Tiergarten in Moabit, an der Bautzener Brache wie im Wannseebahngraben oder bei all den stadtweit bedrohten oder schon geschleiften Kleingartenanlagen letztlich doch immer wieder brutal gegen den dezidierten Willen sich engagierender BürgerInnen durchgesetzt wurde und noch wird, das darf auf dem Tempelhofer Feld nicht wieder passieren: eine Stadtentwicklung und Freiraumverplanung gegen die Interessen und Bedürfnisse der BewohnerInnen und nachfolgender Generationen, gegen die Herausforderungen einer sich immer verschärfenden multiplen Krise, allein im kurzfristigen partikularen Interesse von Investoren und Spekulanten.

Stimmen wir Sonntag, 25. Mai, für die Bewahrung des Tempelhofer Felds als Zeichen und Fanal für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung, den Schutz von Freiräumen und wertvoller Stadtnatur und für echte zivilgesellschaftlicher Partizipation!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s