Stadtumbau Südkreuz

[Update, 5.9.: Hier die Präsentationen der Veranstaltung auf der BA-Site.]

Information statt Beteiligung

Same Procedure

Passend zur lauwarmen Plakatphase dieses originellen Nicht-Wahlkampfs wurde es am Donnerstagabend letzter Woche (29.8.) auch im Willy-Brand-Saal des Schöneberger Rathauses wieder mal nichts mit dem „Mehr Demokratie wagen!“, auch nicht in Sachen zivilgesellschaftlicher Beteiligung an der Stadtplanung. Im Gegenteil.

Publikum

Publikum und Vortragende (Fotos zum Vergrößern bitte anklicken!)

Obwohl deutlich über hundert BürgerInnen der Einladung des Tempelschöner Bezirksamts zur „Informationsveranstaltung zum Stadtumbau Südkreuz“ gefolgt waren, nachdem sie sich im Netz schon einen Eindruck von der vortragslastigen Tagesordnung hatten holen können, wurde das abgeschmackte Format des Frontalunterrichts mit dekretiertem Ablauf von sechseinhalb datengesättigten Inputs nebst jeweils streng reglementiertem „Nachfrage“-Anhängsel und einer Diskussion tatsächlich unterm allerletzten Punkt 9 mehr oder minder klaglos geschluckt. An diesem letzten Punkt angekommen, hatten erwartungsgemäß ca. drei Viertel des Auditoriums die Stuhlreihen geräumt.

Auffällig übrigens, dass sich zwar wieder etliche Verwaltungs- und FachvertreterInnen unterm Publikum fanden, aber sehr wenige BVV-Mitglieder. Und per Handzeichen wurde festgestellt, dass etwa die Hälfte der Interessierten überhaupt zum ersten Mal Informationen zu diesem Projekte-Strauß erhielt.

Jedenfalls hat diese Veranstaltung in ihrem Durchhecheln des Erreichten wie fest Geplanten entlang des Nord-Süd-„Grünzugs“, der eher zu einer Piste für sog. sanfte Mobilität mit angedocktem Spielplatz-Parcours zu werden droht, recht exemplarisch gezeigt, dass sich, zumindest bislang, auch unter rot-grüner Zählgemeinschaft ungeachtet ihrer hoch mögenden Absichtserklärungen [siehe v.a. II] und auch unter der Regie einer grünen Stadträtin für Stadtentwicklung seit den Tagen Bernd Krömers nichts, aber auch gar nichts geändert hat (wenngleich sich z.B. der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Jörn Oltmann, zuletzt in der BVV am 21.8., gern ganz anders äußert).

Das Podium

Das Podium mit Stadträtin Dr. Klotz am Mikro

Äußerlich fiel höchstens auf, dass bei derlei Infoveranstaltungen die Verwaltung nun wieder auf erhöhtem Podium dem Volk gegenüber thront.

Verwaltungsleitbild

In ihrer Begrüßung skizzierte Stadträtin Frau Dr. Klotz noch einmal das niemals ernsthaft mit der interessierten Öffentlichkeit erörterte Leitbild von der mobilitätsfreundlichen Metropole, die Nicht-Motorisierten wie Radler- und SkaterInnen, FußgängerInnen, Mobilitätseingeschränkten, Jung und Alt und nicht zu vergessen den FernradwanderInnen unter Vermeidung der Hauptverkehrsstraßen eben via „Nord-Süd-Grünzug“ ein Durchqueren der Stadt vom Potsdamer Platz bis zum Südgelände ermöglichen soll, oder eben via „Schöneberger Schleife“ einen Rundkurs.

Was bewies, dass die vielen kritischen Stimmen von engagierten BürgerInnen bis Naturschutzverbänden, wonach bspw. Radverkehr in Grünanlagen nachrangig sein muss, also auch nicht durch vier Meter breite Asphalttrassen privilegiert werden darf, Fernradverkehr, der sich wie auf einer Autobahn en minature bewegen will, aber schon gleich gar nichts darin zu suchen hat und zu guter Letzt der Bau einer entsprechenden Infrastruktur nicht auf Kosten sensibler Bahnböschungsvegetation gehen darf −, das solche Einwände weitestgehend wirkungslos verhallten, wenn wir mal vom Wegfall einer Halbrampe südlich der Monumentenbrücke absehen.

Zahlreiche Infoveranstaltungen, Werkstattgespräche und Runde Tische hat es laut Frau Klotz gegeben − schade: die Runden Tische haben wir verpasst! Das wäre schon ein großer Schritt über das hinaus gewesen, was jene seltsame, irgendwann einfach für beendet erklärte Gesprächsreihe angeht. Man kennt das ja.

Überwiegend werde das schon Vollendete von der Bevölkerung positiv aufgenommen, wiewohl es auch Kritik gebe. Diese kritische Begleitung aber begrüßt Sibyll Klotz ausdrücklich und dankte zugleich ihrer Verwaltung, dass sie trotz Personaleinsparungen diesen komplexen Prozess so erfolgreich meistert.

Stadtentwicklung von oben

Zum x-ten Mal spulte der Leiter des Stadtentwicklungsamts, Siegmund Kroll, die Posten der Zusammen- und Einsetzung der insgesamt 21 Mio. Euro aus dem Förderprogramm Stadtumbau West ab, was sich − arithmetisch etwas eigenwillig − zur Hälfte aus EU- und jeweils zu einem Drittel aus Bund- und Landesmitteln speise, aber auch sonst in der lapidaren Nennung nicht eben viel besagt.

Investitionen 2013

Amtsleiter Kroll mit den Investitionen 2013

Besonders stolz ist Kroll, dass es dem Bezirk trotz des Wettbewerbs mit sechs anderen Stadtumbaugebieten gelungen sei, ein Fünftel der zur Verfügung stehenden Fördergelder nach Schöneberg zu holen. 2013 seien allein 4,3 Mio. Euro geflossen und die notwendigen „Nachreichungen“ bis 2015 zwar beantragt, aber noch nicht bewilligt.

Frappierend auch, dass Kroll den Beginn der Öffentlichkeitsbeteiligung aufs Jahr 2005 datiert, wo wir uns doch lebhaft erinnern, dass es manchen Antrags und am 16.12.09 eigens eines BVV-Beschlusses bedurfte, um endlich 2010 sowas wie ein informelles Beteiligungsverfahren in Gang zu bringen. [Siehe auch hier.]

Einmal mehr apostrophierte Kroll die „Schöneberger Schleife“ als das eigentliche Schlüsselprojekt, um Tiergarten und Südgelände fernab der Hauptverkehrsadern miteinander zu verbinden, und uns beschleicht das deutliche Gefühl, dass es nicht gelingen wird, Verständnis für eine notwendige Grünvernetzung auch unterm Aspekt des Wanderns und sich Ausbreitens geschützter Arten im urbanen Raum zu wecken.

Projekte-Karte NSG

Projekte-Karte

Im Gegenteil ist der Radfahrerlobby auch ein vier Meter breites Asphaltband, das mit Fußverkehr gemeinsam genutzt werden soll, im Grunde noch zu schmal. Solche Radstraßen werden aber bspw. von JoggerInnen dergestalt gemieden, dass sie sich ins unbefestigte „Bankett“ hinein verbreitern, und sind Kleintieren ein Todesstreifen.

Nachfragen zielten auf den Lückenschluss des Fernradwegs über die sanierte Yorckbrücke 5 bzw. einen kreuzungsfreien „Zubringer“ über Brücke 10, was einmal mehr mit der Versicherung beschieden wurde, man befinde sich in der „Endphase der Verhandlungen“. − Auch die Sinnhaftigkeit der aus Mitteln zur Förderung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW) finanzierten Radstraßenführung mitten durch einen gewerbefreien Grünzug und Stadtwald wurde abermals hinterfragt, ohne dass die Auskunft, die Senatsverwaltung habe eben so verfügt, überzeugen konnte.

Um für die temporäre Nutzung der Vorhaltetrasse für die Stammbahn von der DB bzw. der Netzagentur einen Gestattungsvertrag bis in die Mitte der 20er Jahre zu erhalten, musste eine Machbarkeitsstudie samt Ausführungsplanung vorgelegt werden. Die hätte man wenigstens gern mal gesehen. In diesem Zusammenhang erstaunte auch der Hinweis, dass Fördermittel dann „nachhaltig“ investiert wurden, wenn das finanzierte Projekt mindestens zehn Jahre Bestand hat. Erst für 2025 habe das Land bei der Bahn die S 21 „bestellt“. − Immerhin zwei Legislaturperioden als Maßeinheit für Zukunftsfähigkeit!

Flächenkategorien

Gestattungsfläche

Auf die Frage, ob sich die Vorhaltetrasse für die S 21 nicht mit den vorgestellten Planungen überlagere und wenn ja, wo, entgegnete Tiefbauamtsleiter Daniel Krüger zunächst, dass beide Maßnahmen, also die Zwischennutzung der Vorhalteflächen für Stammbahn wie S 21, der Planfeststellung bedürften und fügte hinzu, dass die S 21 dereinst deshalb nicht mit der Anlage eines Grünstreifens auf der Rückseite des privatisierten Teils der Bautzener Brache konfligiere, weil für die neue S-Bahnlinie der Mittelbahnsteig des Bahnhofs Großgörschenstraße ausgebaut werde.

Mit viel Liebe zum Detail, die wir an dieser Stelle nicht aufbringen, ging es außerdem um die Errichtung unübersteigbarer Schutzzäune sowie die Vereinbarkeit von Radstraße und Kabeltrasse, die zumindest die Verwaltung als gegeben ansieht.

Das Trostplätzchen

Grün Berlin hatte wieder Regina Krokowski vorgeschickt, den Bau des „Monumentenplatzes“ vor den gleichnamigen Hallen des Technikmuseums zu erläutern. Hier klappt es mit der gewendelten, behindertengerechten Rampe − nicht weil es irgendwelche Natur, sondern schlicht nicht genug Raum gibt. Der Zickzackkurs der Radautobahn − von Norden her erst quer durch den Flaschenhals auf die östliche Seite des Bahngrabens, um dann, auf die Monumentenbrücke hinauf und die Gleise überquerend, auf der westlichen Seite wieder hinabzuradeln − ist genug kritisiert und auch konstruktive Gegenvorschläge sind gemacht und verworfen worden, so dass wir uns lieber auf den Platz konzentrieren, den der Investor des verglasten Würfels namens Am Lokdepot („Palazzo LoKo“) Thomas Bestgen/UTB ebenso wie die Spielfläche teilfinanziert, während er die Kosten für den Rampenbau in Gänze trägt.

Monumentenplatz

Der Monumentenplatz

Wieder hat sich das Atelier Loidl viel Skurriles einfallen lassen wie z. B. eine Sonnenbank entlang dieses Bauwerks, auf der die „Mütter und Großmütter“ [!], während sie etwas Nachhaltiges für Teint und Haut tun, das Treiben ihrer Kleinen beobachten können, die auf der benachbarten, naheliegenderweise aufs Thema Technik orientierten Spielfläche in einem Megamikado-Arrangement herumkrabbeln können, bis die frisch gepflanzten Kiefern ausreichend Höhe haben.

Mangelnde Akzeptanz nicht der Rede wert

Dass es sich bei diesem „Kopfbau“ mit 28 Eigentumswohnungen des gehobenen Preissegments (von denen offenbar erst ganze zwei veräußert werden konnten), von den AnwohnerInnen der Eylauer Straße, der Verwaltung des Nachbarbezirks F’hain-Kreuzberg, von für Stadtnaturschutz Engagierten sowie last not least den Berliner Umweltverbänden einhellig abgelehnt, nur um einen Brückenkopf für die kosmetisch aufgelockerte, in der Traufhöhe gestaffelte und gleichwohl heftig kritisierte Abriegelung der gesamten Strecke zwischen Monumenten- und Kolonnenbrücke handelt, wurde schamhaft verschwiegen.

Ob nun Rampe, Spielfläche mit hohem Spielwert durch eine Gestaltung mit „skulpturaler, prägender Wirkung“ und ein sogar schon mit Tischen und Bänken möbliertes Monumenten-Plätzchen, das also nicht nur als Radwegverteiler, sondern zugleich als Ort der Erholung mit hoher Aufenthaltsqualität, ja als Austragungsort von Kindergeburtstagen fungieren soll −, ob also dieses Bonbon dem brutalen Eingriff in Stadtlandschaft, -ökologie und -natur auf ehemals öffentlicher Fläche zu höherer Akzeptanz verhelfen wird, darf bezweifelt werden.

Monumentenplatz-Modelle_130

Monumentenplatz-Modelle_130

In einer Nacht- und Nebelaktion (die demnächst womöglich auch im Crelle-Kiez bevorsteht) wurden seinerzeit Fakten geschaffen und die BestandsmieterInnen, die der jähe Verlust ihres idyllischen, liebevoll „Zauberwäldchen“ genannten Robinienhains an alter, bucklig mit Katzenköpfen gepflasterten Ladestraße regelrecht traumatisierte und nachhaltig verbitterte, derweil sie die Verwaltung einzulullen suchte: „Kein Präzendenzfall“; „wir fangen mit der Beteiligung ganz von vorne an“ etc.

Weder über die Anzahl der gerodeten Bäume noch das Ergebnis einer Baumwertermittlung (wenn’s denn eine gegeben hat), noch auch über Art und Umfang von Ersatzleistungen konnte am Donnerstag jemand Auskunft geben: „Wir nehmen das mit!“ versicherte Frau Dr. Klotz.

Kampfmittel und Kontamination

Frau Boemans vom Büro TDB berichtete vom Bau des „Nord-Süd-Grünzugs“ entlang der Bautzener Straße sowie der Wegeverbindung bis zum Bahnhof Südkreuz und erstmal von den unerwarteten Mengen an Altlasten und kontaminierten Böden von Altöl bis Asbest mit einem Zuordnungswert höher 2, d.h. solcher Aushub müsse schon für die bloße Einlagerung auf einer Deponie gereinigt werden −, doch gleichwohl hätten drei Grundwassermessstellen keine Kontaminierung des GW angezeigt. Hinzu seien im Böschungsbereich Kampfmittelfunde, Gewehre, Granaten und sonstige Munition gekommen, was ein Abtragen der gesamten oberen Bodenschicht bis 0,30 m Tiefe erfordert habe. Da muss eigentlich erstaunen, dass die umliegenden Häuser nicht evakuiert wurden! Auf den präsentierten Fotos waren jedenfalls nur alte Flaschen zu erkennen.

3. TDB-Bauabschnitt

3. TDB-Bauabschnitt

Bilder vom vorherigen Zustand der Böschung stammten sämtlich aus dem Winter, so dass die tabula rasa nach ihrer Beräumung weniger schockieren mochte. Auch Sommerbilder von der Bautzener Straße zeigten nie auch nur das mindeste Blühen, wodurch wohl die Anmaßung glaubhafter klingen sollte, nachdem man die gesamte Böschung zoniert und für jedes der Felder einen Pflanzplan aufgestellt habe, werde der spontan und planlos entstandenen Vegetation jetzt nachgeholfen, auf dass sie artenreicher und bunter werde: Wir fühlten uns ins Barock versetzt, in jene Zeiten, da es ums Zähmen und Veredeln der unvollkommenen Natur ging.

TDB-Pflanzplan

TDB-Böschungspflanzplan

Die heiß umstrittene Bautzener Treppe, für die ebenfalls mit schwerem Gerät tief schürfend jedwede Vegetation beseitigt worden war, sei strikt gemäß einschlägigem BVV-Beschluss 3,60 Meter breit gebaut worden, und immer dort, wo Stufen über doppelt so lang sind und fast acht Meter messen, gehe es einerseits um die „Verzahnung“ der Treppe mit der angrenzenden Böschungsvegetation, und der Frage nach dem Wozu kam die Planerin gleich zuvor, indem andererseits die äußeren Enden der ausladenden Stufen Sitzgelegenheiten bieten sollen.

Südlich des Semerschen Privatgeländes wächst wieder ein Konzept-Spielplatz, diesmal zum hier und jetzt so nahe liegenden Thema Reisen, und zwar vom Strand bis in die Alpen, welche, mit Haltegriffen und -seilen versehen, für die Kids garantiert absturzsicher sind.

Die Frage nach den Unterhaltungskosten zielte wohl eher auf diese alberne Kunstlandschaft, wurde aber mit Erläuterungen zur dreijährigen Anwachsgarantie und Entwicklungspflege der Gartenbaufirmen für ihre Neupflanzungen beantwortet. Nach Ablauf dieser Zeit werde Grün Berlin dann auch hier die Pflege übernehmen. Dennoch sei der Hinweis auf den Nachbarbezirk F’hain-Kreuzberg erlaubt, dessen Spielplätze wegen des Sparkurses des Senats in der Grünpflege derzeit zu fünfzig Prozent leider unbenutzbar sind, wenn man mal vom Bauzaunklettern absieht.

Über den privatisierten Teil der Bautzener Brache wollte Stadträtin Klotz auf gar keinen Fall diskutieren. Hier gebe es jetzt ein Bürgerbegehren, dessen Ausgang abzuwarten bleibe.

Barrierefreies Grün

Stephan Buddatsch vom Büro TOPOS präsentierte die noch im Entstehen begriffene Grünanlage Torgauer Platz, die tatsächlich topographisch alten- und behindertengerecht eingeebnet und durch Erweiterung der Einzäunung bis zur Torgauer Straße auch hundefrei gemacht worden sei. Den Spielmöglichkeiten für Jung und Alt sei jetzt zu frönen, ohne ständig vor Hinterlassenschaften von Vierbeinern auf der Hut zu sein. Verhaltener Beifall.

Gruenanlage am Gasometer

Grünes Grauen am Gasometer

Dass dabei auch hier [wie schon im Bereich der Auffahrt zum Flaschenhalspark an der Yorckstraße] prächtigen, viele Jahrzehnte alten Fliederbüschen zahlreich der Garaus gemacht wurde, wie AnwohnerInnen beklagten, habe auch ihm, Buddatsch, leid getan, sei aber zur Herstellung der barrierefreien Abflachung nicht anders zu machen gewesen. Und im kommenden Herbst würden ja neue, trockenresistente Bäume gepflanzt. − Für uns ist solcher „Landschaftsbau“ nur noch pervers, und der Aussage eines Anwohners, ein Paradies für Vögel, Insekten, Kleintiere und eine sommerliche Labsal fürs Auge sei weg und restlos verschwunden − „da ist nichts mehr!“ − ist auch nichts hinzuzufügen.

Neue Beteiligungsform im Fall Wannseebahn-Grünzug?

Im positiven Sinn aufhorchen ließ hingegen der Vortrag von Matthias Franke vom Büro Seebauer, Wefers & Partner zum Grünzug im Wannseebahngraben, sprich: zum Umgang mit dem sog. Crelle-Urwald in der Nachbarschaft des von PSG geplanten riesigen Wohnkartons. Franke sagte, er könne deshalb keine Folien mit Planentwürfen und Simulationen vorweisen, weil es deren definitiv noch keine gebe.

Nach der Biotop-, Flora/Fauna- und Altlastenkartierung zur Bilanzierung der Eingriffe in Natur und Landschaft soll es ein dreistufiges Verfahren geben mit einer ersten Phase des „Ohrs am Bürger vor Ort“, woraus in einer zweiten Phase Planungsskizzen entstehen und diskutiert werden sollen, bis es denn in einer dritten Phase in einem Werkstattverfahren zur gemeinsamen Planung komme. Die erste Phase soll am Donnerstag, 19. September, mit Vorgesprächen beginnen, und mit Rücksicht auf die Berufstätigen wurde der geplante Beginn sogleich von 15 auf 18 Uhr verlegt.

Nachfragen eines Mitglieds der Initiative Crellekiez Zukunft, ob der Radweg Bestandteil der Rahmenplanung sei, ließen deutlich werden, wie sehr hier alles noch im Ungefähren liegt. Der Weg entlang der Stammbahntrasse müsse einen festen Sicherheitsabstand zu den Gleisanlagen, nicht aber zum Baumbestand einhalten und könne zugunsten von Bäumen durchaus auch verschwenkt werden.

Die ironische Frage eines Anwohners, ob angesichts der zahlreichen neuen Spielflächen mit einem Babyboom gerechnet werde, zeigte in der Reaktion der VerwaltungsvertreterInnen einerseits, dass die Anlage einer weiteren im Bereich Crelle-Urwald noch gar nicht ausgemacht ist, doch auf der anderen Seite beharrte Stadträtin Klotz auf den gesetzlichen Maßgaben, wonach es im Schöneberger Norden noch immer eine Unterversorgung mit Spielmöglichkeiten gebe. Da braucht es offenbar bei den vorhandenen keines erkennbaren Nutzungsdrucks.

Nachdrücklich plädierten Leute aus dem Crellekiez dafür, den B-Plan 7-69 („Crelle-Urwald“) und das begonnene Bauvorhaben Crellestr. 22a im Zusammenhang zu sehen, insofern hier vom Investor PSG (Property Service Group) ohne Genehmigung in die wertvolle Böschungsvegetation bereits eingegriffen worden sei, während Grünamtsvertreterinnen den angerichteten Schaden systematisch verleugnen oder herunterspielen würden. Der Grund, weshalb die Arbeiten inzwischen ruhen und das schwere Gerät abgezogen worden ist, war dem Bezirksamt wie auch die Tatsache selber unbekannt. − Dass es bei Tiefbauarbeiten in unmittelbarer Nachbarschaft wertvoller Böschungsvegetation mal wieder keine ökologische Baubegleitung gibt, ist nicht nachvollziehbar!

Platzartige Umgestaltung der Yorckstraße

Den letzten Vortrag hielt Tiefbauamtsleiter Daniel Krüger zu den geplanten „Yorckplätzen“. Die größte Investition bestehe im „Anfassen“ der Lichtsignalanlage und selbstverständlich könne deren Taktung optimiert werden. Die viel befahrene Yorckstraße werde nicht etwa verengt oder gar ihre Fahrspuren verringert, sondern diese auf Kosten der Mittelinsel zur Mitte hin verlagert.

Dem Hinweis eines Mitglieds der Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck auf ein Konzept der Initiativenplattform vom Juni 2012, das noch immer ohne Antwort von Seiten des Bezirks sei, und der Kritik an einer weiteren Rampenanlage in den Gleisdreieckpark, obgleich es doch in unmittelbarer Nachbarschaft drei barrierefreie Zuwegungen gäbe, wurde ausgewichen: nur die Treppenaufgänge seien Bestandteil des Projekts, die Rampe aber falle in die Zuständigkeit F’hain-Kreuzbergs, doch Siegmund Kroll erklärte, auch wenn es nahebei barrierefreie Zugänge gebe, bedürfe es hier eines weiteren in den Westpark.

Als einziges BVV-Mitglied ergriff Michael Ickes von den Piraten das Wort und übte scharfe Kritik an diesem Parforce-Ritt durch schon fertig gestellte oder noch in Umsetzung befindliche Projekte oder mehr oder minder weit gediehene Planungen, welche Informationsflut jedeN überrollen müsse. Auch in seinen Augen fand der Zickzackkurs des Fernradwegs keine Gnade und illustriert die strittige Ausführung der Bautzener Treppe beispielhaft, wie der Bürgerwille ignoriert oder umgangen werde.

4 Kommentare

  1. stadtpolitik von unten said,

    2. September, 2013 um 12:36

    So sind sie, die Grünen:

    Sie praktizieren Bürgerinformation statt Bürgerbeteiligung.

    Genau wie die anderen Parteien.

    Ihr Wahlkampfgequatsche von echter Bürgerbeteiligung ist angesichts dessen eine absolute Unverschämtheit !

  2. jürgen julius irmer said,

    2. September, 2013 um 22:50

    …laut „forsa“ von vorgestern befinden die „grünen“ sich im umfragetief;bleibt zu hoffen, daß der trend anhält, denn sie haben nichts zu bieten (weder oben noch unten)…

  3. 12. September, 2013 um 13:11

    Die Forsa erhebt aber nur Daten von Personen, die sich freiwillig dieser Umfrage unterziehen. Das hat nicht viel mit dem Endergebnis zu tun. Man kann nur abwarten…

  4. dias said,

    12. September, 2013 um 17:10

    Umfragetief. Kein Wunder.

    Die Grünen in Baden-Württtemberg unter Kretschmann versagen auch auf der ganzen Linie: Sie bauen Lehrerstellen ab, nachdem sie wie üblich einen Wahlkampf für bessere Bildung geführt hatten und sie gucken tatenlos zu wie die Deutsche Bahn zusammen mit der Bundesregierung das Milliardengrab Stuttgart 21 voran treibt.

    Und dass, obwohl die Grünen die Landtagswahlen nur wegen des Fukushima – Gaus und auf der Welle der S 21-Protestbewegung gewonnen hatten. Jeder weiß, dass die S 21 -Volksabstimmung auf falschen (Ausstiegskosten-) Zahlen beruhte und dass sie nicht bindend ist. Die Kosten von S 21 übersteigen außerdem die in der volksabstimmung zu Grunde gelegten Baukosten enorm.

    Aber die Grünen machen nichts um S 21 zu verhindern. Die früheren Gegner des vollkommen unsinnigen unterirdischen Bahnhofseubaus machen nichts mehr, seit sie regieren.

    Wer die Grünen 2013 auf Bundesebene wählt ist entweder überhaupt nicht informiert oder dumm. Für die allermeisten anderen Parteien gilt dasselbe.


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