Nicht blau statt grün, blau und grün!

[Update 10.5.:  Am Mittwoch, 22.5., 10 Uhr wird es in der Regenbogenfabrik einen Infotermin zu den Ergebnissen der Prüfung des Alternativvorschlags von Helmut Ehrl sowie des grün-rot-(orangen?) Dringlichkeitsantrags im Abgeordnetenhaus geben. − Alle Interessierte sind herzlich eingeladen!
Obwohl der konkrete Bauablaufplan am 8.5. leider nicht vorgestellt und unsere dringliche Frage, warum die Fällungen, wenn sie denn notwendig sind, nicht wenigstens erst ab August erfolgen können, unbeantwortet blieb, ist zumindest mit ihrer Wiederaufnahme definitiv erst am Montag, 27.5., zu rechnen.]

Anwohner präsentiert Alternativvorschlag

Turbulente BWB-Veranstaltung in der Regenbogenfabrik

Zum Auftakt der überaus gut besuchten Informationsveranstaltung der Berliner Wasserbetriebe am 8. Mai in der Kreuzberger Regenbogenfabrik räumte Pressesprecher Stephan Natz Kommunikationspannen ein, die nun die Emotionen der Anwohnerschaft hätten hochschlagen lassen − „diese Kritik ziehen wir uns an“− und gelobte Besserung.

AnwohnerInnen, Abgeordnete

AnwohnerInnen, Abgeordnete

Von der nun nachgeholten detaillierten Darstellung des Warum der Baumaßnahme in der Lausitzer Straße und am Paul-Lincke-Ufer, die fünf plus sieben Bäume kosten soll, erhoffe er sich, dass der Weg der guten Sache künftig gemeinsam gegangen werde.

Im Publikum fanden sich Abgeordnete aus Land- und Bundestag und neben BWB-Sprecher Natz hatten auf dem Podium der Leiter Planung und Bau, Andrej Heilmann, der Leiter Grundlagenplanung Abwasser, Kay Joswig, Oberbauleiter Björn Mattow und der Bau- und Umweltstadtrat von F’hain-Kreuzberg, Hans Panhoff (Grüne), Platz genommen, dieser allerdings in gewissem Abstand und ganz am Rand.

Stephan Natz betonte, dass die Wasserbetriebe die Entsorgung des Regenwassers und deren Verbesserung mittels Erhöhung der Rückhaltekapazität innerhalb der Mischwasserkanalisation im Landesauftrag durchführen. Die EU-WRRL verlange bei natürlichen Gewässern bis 2015 die Herstellung eines guten ökologischen Zustands und auch bei künstlichen das gute ökologische Potenzial, wobei es inzwischen eine Fristverlängerung bis 2020 gegeben habe.

Stephan Natz, Andrej Heilmann

BWB-Vertreter Stephan Natz, Andrej Heilmann

Bis dahin stünden neunzig Mio. Euro − sechzig Prozent vom Senat, vierzig von den BWB − in jährlichen Tranchen von sieben plus fünf Mio. zur Verfügung, um die sog. Entlastungsfälle, also das Einleiten ungeklärten, wenn auch stark verdünnten Schmutzwassers in Berlins Flüsse und Kanäle von derzeit rund dreißig pro Jahr mit 2,4 Mio. Kubikmeter auf etwa fünfzehn (= 1,3 Mio. m³) zu halbieren. Zweihundertausend Kubikmeter zusätzliches Speichervolumen seien bislang geschaffen worden. Und allein in den LWK münden siebzig Einlaufbauwerke.

Sanierungsziel sei eine nur mehr zwanzigprozentige Einleitung des mittleren Jahresregenwasserabflusses in die Oberflächengewässer. Ein dergestalt qualifiziertes Mischwassersystem, das in Berlins Innenstadt noch aus Hobrechts Zeiten Mitte des 19. Jhd.s stammt, sei dann sogar dem Trennsystem, wie es sich in den Außenbereichen findet, überlegen.

Der Vorschlag aus dem Publikum, das Regenwasser zu recyceln, sei natürlich vollkommen richtig, wenn auch die reduzierenden Effekte viel zu gering blieben. Bei Neubauten gebe es entsprechende Einleitbeschränkungen mit der Maßgabe einer Versickerung der Restmenge auf dem Grundstück und/oder Verdunstung etwa durch Gründächer, doch bei Bestandsimmobilien könne man nicht rechtswirksam eingreifen.

Diskussionsfreudiges Publikum

Unter großem Beifall kritisierte eine BaL-Vertreterin jedoch gleich das Motto der Anwohnerinformation „Blau statt grün“. Ohne den Widerstand der AnwohnerInnen vergangenen Montag (29.4.) wären die Bäume am Paul-Lincke-Ufer und in der Lausitzer Straße längst abgesägt bzw. gestutzt, was diese Informationsveranstaltung im Grunde überflüssig gemacht hätte. Die Gewässergüte des LWK aber dürfe nicht auf Kosten seines Uferbaumbestands verbessert werden, der u.a. durch Beschattung und damit Reduzierung der Wassertemperatur ebenfalls zur Wasserqualität beitrage. Neupflanzungen im Verhältnis 1 : 1 aber würden die ökologischen Funktionen gefällter Altbäume erst in einer Generation kompensieren.

AnwohnerInnen, Abgeordnete

AnwohnerInnen, Abgeordnete

Kay Joswig, auch Vertreter der BWB im Mediationsverfahren „Zukunft LWK“ von Anbeginn, erklärte mit Recht, er habe die geplanten Maßnahmen insgesamt und en detail schon mehrfach im Forum vorgestellt, es seien verschiedene Varianten intensiv diskutiert worden, und man habe sich schließlich auf jene geeinigt, die am wenigsten Bäume kostet, während wir unsererseits nur auf die entsprechenden Berichte hier im Blog [siehe hier und dort, wo es u.a. auch ums Vorhaben an der Hobrechtbrücke geht!] oder auf die Materialien verweisen können, die auf der Website des Mediationsverfahrens zu finden sind. Die erste Präsentation mit Variantenvergleich stellte Wieland Flegel am 15.02.2010 dem Mediationsforum vor!

Landschaftsprägende Linde Nr. 55

Stadtbild prägende Linde Nr. I/55

Der Neubau eines größeren Auslaufbauwerks am Kanalufer sei zur Verminderung des hydraulischen Stresses sowohl für die Gewässerfauna als auch den Schiffsverkehr unumgänglich und hätte an sich nur die Fällung von drei Bäumen erfordert, doch der ebenfalls notwendige Austausch der über 130 Jahre alten Abwasserdruckleitungen (ADL), die infolge der Bautätigkeit nur allzu leicht platzen könnten, mache die Fällung von zwei weiteren Linden nötig.

Bäume verkrüppeln als pure PR

Andrej Heilmann stellte es als ein Ergebnis des letzten Treffens mit Forumsmitglieder bei den BWB dar, die Jungbäume entlang der Lausitzer Straße nun nicht mehr fällen, sondern nur noch einkürzen zu wollen, doch ein BaL-Vertreter und Mediationsforumsmitglied nannte diesen Rettungsversuch gegen dezidierten baumsachverständigen Rat und der entschiedenen Vorbehalte sowohl des Umweltstadtrats als auch von MitarbeiterInnen des bezirklichen Fachbereichs Grünflächen eine reine Befriedungs- und Bäume sinnlos malträtierende PR-Maßnahme.

Neben der Kroneneinkürzung um über ein Drittel ist vor allem die Kappung von Zug- und Haltewurzeln hochproblematisch, da sie sich gerade bei Spitzahornen nicht ausreichend regenerieren. Vorm Hintergrund der schockierenden Erfahrung der Anfang März auf einen besetzten PKW gestürzten Linde in der Großbeerenstraße (mit glücklicherweise nur leichten Verletzungen der beiden Insassen), inzwischen ebenfalls mit Wurzelschäden infolge Baumaßnahmen erklärt, ist nicht davon auszugehen, dass der Bezirk die verkrüppelten Bäume stehen lässt, und Stadtrat Panhoff bekräftigte diese Auffassung und äußerte ferner Vorbehalte gegen Neupflanzung von Bäumen mit größerem Stammumfang, da sie an den neuen Standort nicht ausreichend angepasst seien.

Für die halboffene Bauweise ist der Zug abgefahren

Erfolgversprechender für den Baumerhalt und auch sonst ungleich umweltverträglicher wäre hier, wie schon mehrfach berichtet, der Einsatz der halboffenen Bauweise oder Tunnelvortrieb-Variante gewesen, die jedoch etwa fünf Prozent teurer gekommen wäre, weshalb sie wegen eindeutig aufs günstigste Angebot abstellender Vergaberichtlinien nicht zum Zuge kommen konnte.

An dieser Stelle widersprach die umweltpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus, Marion Platta, und erklärte, dass durchaus auch Aspekte der Umwelt- und Sozialverträglichkeit in die Bewertung der Wirtschaftlichkeit eines Angebots einfließen müssten.

Nicht nur teurer, sondern auch technisch zu risikoreich?

Nun erklärte Heilmann, dass neben dem Kostenargument auch der ökologische Nutzen dieser Variante insofern fraglich sei, als durch die größere Dimension des neuen Regenüberlaufrohrs (von 800 auf 1800 mm, d.h. mit Material über zwei Meter) auch ohne 4.20 Meter breiten Bautrog die Wurzeln der Straßenbäume tangiert würden und dass zudem auf Grund des relativ flach unter der Oberfläche verlaufenden Kanals der Einsatz des durch einen Pressstempel mit hohem Druck vorangetriebenen Bohrkopfs wegen der Gefahr eindringenden Grundwassers sehr risikoreich sei.

Andererseits, so sekundierte Stephan Natz, müssten die höheren Ausgaben bei anderen Maßnahmen wieder eingespart werden: der Topf sei begrenzt. 270 Mio. Euro wendeten die Wasserbetriebe alljährlich allein für den Bestandserhalt auf und wollten diese Summe auf dreihundert Millionen aufstocken; und die WRRL-Ziele müssten erreicht werden, schon um Sanktionszahlungen abzuwenden.

Tunnelvortrieb ist für Stadtraum prädestinierte Kanalbauweise

Der Hinweis darauf, dass dieses Verfahren in der Lahnstraße und am Weigandufer in Neukölln sowie auch andernorts in der Stadt erfolgreich eingesetzt worden sei, ließ Heilmann insofern nicht gelten, als es in der Lahnstraße ja gar keine Bäume gebe und am Weigandufer nur Gebüsch. Letztgenanntes ist uns allerdings neu, aber davon abgesehen, würde der Tunnelvortrieb quasi im Grundwasser erfolgen, das ohnehin in der Lausitzer Straße sehr hoch steht, mithin unterhalb des Wurzelraums.

Wir bleiben deshalb bei unserer Auffassung, dass die halboffene Bauweise gerade für den innerstädtischen Bereich prädestiniert ist, denn neben dem Baumerhalt gibt es wegen niedriger Lärm- und Abgasemissionen noch eine ganze Reihe weiterer ökologischer Vorteile.

Zwischen Baum und Borke

Unschön war auch, dass ein BWB-Vertreter versuchte, einen Keil zwischen die sich seit etlichen Jahren für eine ökologisch anspruchsvolle Sanierung des Landwehrkanals Engagierenden und die von einer Maßnahme konkret betroffenen AnwohnerInnen zu treiben, nachdem es gründlich misslungen ist, sie als Multiplikator in ihrem Sinn, nämlich als PropagandistInnen ihres Projekts und seiner spezifischen Umsetzungsart bis hin zum Umsetzungszeitpunkt einzuspannen. Bis zuletzt gingen jedoch die BaL vom Einsatz der halboffenen, baumerhaltenden Bauweise aus und haben vor allem niemals dem Fällen der fünf Uferlinden mitten in der Brutzeit zugstimmt!

Oberbauleiter Mattow, Stadtrat Panhoff

Oberbauleiter Mattow, Bau- & Umweltstadtrat Panhoff

Hierzu erklärte Umweltstadtrat Panhoff, dass baubegründete Fällungen durchaus auch während der Vegetations- und Brutperiode rechtlich zulässig und nicht anfechtbar sind („Legalausnahme“), als habe jemand behauptet, sie seien illegal. Auch die Ersatzzahlung von 42.000 Euro ist ja nicht zu beanstanden.

Vom Geist der Gesetze

Leider enthalten die Naturschutzgesetze, wie so viele andere Gesetze auch, eine Menge Ausnahmeregelungen − eine quasi prinzipielle für die Verwaltung, die nicht wenige als Freibrief interpretieren [§39 BNatSchG Allg. Schutz wildlebender Tiere und Pflanzen… (5) „Die Verbote des Satzes 1 Nummer 1 bis 3 gelten nicht für 1. behördlich angeordnete Maßnahmen“] − und „Schlupflöcher“ für Eigenheim oder Arbeitsplätze Schaffende allemal, aber geht es nicht vielmehr darum, dem Geist der Gesetze Rechnung zu tragen?

Und da ist es eben tunlichst zu vermeiden, bei (noch dazu nach einem gefühlt hundertjährigen Winter) voll erwachtem Leben wegen Baumaßnahmen Bäume (über Schwachäste hinaus) auch nur zu beschneiden, geschweige sie zu fällen! Dies muss prinzipiell außerhalb der Schonzeit geschehen und ist es bei vergleichbaren BWB-Vorhaben in der Vergangenheit auch. Ferner nehmen wir mal an, dass sich darauf die Fällgenehmigung der UNB bezog, auch wenn sie bereits im Juli 2012 (!) erteilt wurde. [Siehe Fällliste vom 6. Juli 2012]

Dass wir versuchen, insbesondere die gesetzlichen Bestimmungen zum Umgang mit Natur und Umwelt mit Leben zu füllen, gehört zu unserem Vereinszweck. Und es sollte auch einer der Zwecke partizipativer Planung sein, durch Berücksichtigung von Perspektive und Erleben der Betroffenen im Planungs- und Ausführungsprozess eines gegebenen Projekts wesentliche weitere Interessen und Bedürfnisse entscheidungsrelevant einzubeziehen. Nicht zu vergessen, sind die BürgerInnen die eigentlichen AuftraggeberInnen und hier sogar in doppeltem Sinn auch Finanziers!

Mäßiger Lernerfolg

Landauf landab wird nun schon geraume Zeit davon erzählt, die BürgerInnen durch Beteiligung an Planungsprozessen und Entscheidungsabläufen aus ihrer Wut und Verdrossenheit zu holen; seit fast sechs Jahren sind nicht zuletzt auch die BWB am Mediationsverfahren beteiligt, das sich, wie erinnerlich, am Umgang mit Bäumen entzündete. So ist es weder besonders sensibel noch zeugt es trotz allen mediativen Aufwands von allzu großem Lernerfolg − gerade vorm Hintergrund sehr guter Beteiligungserfahrungen bei Vorhaben der Wasserbetriebe, nicht zuletzt auch im konkreten Fall −, dass dieses organisatorische und kommunikative Desaster entstehen konnte.

Die Sophistereien, man habe doch durch Aushänge einige Tage vor avisiertem Fälltermin die Anwohnerschaft informiert; die Baumfällungen seien doch noch nicht der Beginn der Baumaßnahme etc. sind da einfach unwürdig. Die bloße Information der BürgervertreterInnen im Mediationsverfahren war jedenfalls nie Sinn der Veranstaltung − sonst hätten sie sicher nicht all die Jahre durchgehalten, mehr oder minder hoch bezahlten und befähigten Profis gegenüberzusitzen −, nein, es ging und geht um echte Beteiligung angesichts vieler Fehlentscheidungen und ihrer Folgen für die Stadtentwicklung.

Zudem wurden im konkreten Fall nach den BürgervertreterInnen auch die AnwohnerInnen über die ohne sie getroffenen Entscheidungen erst auf Druck und Nachhaken hin wenigstens informiert. Eine Informationsveranstaltung wie die gestrige sollte indessen eine Selbstverständlichkeit sein, und zwar mit einem angemessenen Zeitfenster, wie es eine Anwohnerin formulierte, und es ist wirklich nicht so, dass die BürgervertreterInnen die BWB nicht daran erinnert hätten.

Eine Bürger-Variante

So hätte es Zeit und Gelegenheit geben müssen, den detailliert ausgearbeiteten Vorschlag eingehend zu diskutieren, den ein Anwohner und Architekt erst anlässlich der gestrigen Veranstaltung präsentieren konnte. Er ist mit dem gesamten eingeschlagenen Weg dieser „Qualifizierung“ des Mischwassersystems in höchstem Maß unzufrieden, ja sieht darin einen Verstoß gegen Verfassungsauftrag, EU-Gesetzgebung und Unternehmensverantwortung. Die sichtlich verblüfften BWB-Verteter zollten der Präsentation und der „pfiffigen Idee“ zwar Anerkennung − „das war im ersten Teil besser als unser Vortrag“ − bemühten sich aber, ihn sogleich mit Hinweis auf Kosten und Aufwand abzutun.

Anwohner-Alternativvorschlag

Anwohner-Alternativvorschlag | PDF (4 MB)

In nuce beinhaltet dieser Vorschlag, den vorhandenen 800er Regenüberlaufkanal (RüK) nur noch für Regenwasserableitung zu nutzen und in baumschonend verlegten mehreren dünneren Rohren in den Kanal auslaufen zu lassen, während der neue RüK, kleiner dimensioniert und im grabenlosen Microtunneling-Verfahren ausgeführt, nach Starkregenereignissen als Pufferspeicher fürs Mischwasser fungiert.

Dieses System sollte bei allen Stichstraßen hin zum LWK eingerichtet werden, um die Zahl der sogenannten Mischwasserentlastungsfälle nicht nur zu halbieren, sondern auf Null zu reduzieren, wie es der eigentlichen Intention der WRRL entspräche. So werde es in einigen Jahrzehnten möglich, wieder im LWK zu baden. Der Architekt spricht von einer Win-Win-Win-Situation für Anwohner- und SteuerzahlerInnen, Landwehrkanal, Bäume und BWB.

Die Haupteinwände der BWB-Mitarbeiter lauteten, dass

  • die Vielzahl nötiger Bauvorhaben ganze Stadtteile lahm legen würden,
  • in jeder Straße ein Schachtpumpwerk (mit redundanter Pumpe bei Ausfall der ersten) zur Entleerung des Pufferspeichers nötig wäre,
  • jeder Kanalauslauf eine eigene Regenwasserbehandlungsvorrichtung erfordere
    und, umgelegt auf alle Mischwasserkanäle,
  • insgesamt eine bis zu vier Mrd. Euro teure Investition zu stemmen sei,

doch Kay Joswig bot spontan an, über den Vorschlag mit BWB– und Senatsvertretern in kleiner Runde ein Fachgespräch zu führen.

Kurze Denkpause

Zwei Hauptebenen sind bei Beteiligungsverfahren bekanntlich auseinander zu halten, woran zu erinnern die MediatorInnen nicht müde werden: die inhaltliche oder Sach- und die Verfahrens- oder Ebene des Umgangs miteinander. Und auf dieser ging es gegen Ende der phasenweise sehr leidenschaftlich bis polemisch geführten Debatte wenigstens ein Stückchen weiter, indem die Fällungen laut Andrej Heilmann mindestens bis zum 27. Mai ausgesetzt werden sollen, um einerseits den Vorschlag des Anwohners zu erörtern und gleichzeitig abzuwarten, ob etwas und wenn ja, was genau die beiden Abgeordneten der Linken und Grünen, Marion Platta und Dirk Behrendt, mit einem gemeinsamen Dringlichkeitsantrag ihrer Fraktionen, dem sich vielleicht noch die Piraten anschließen, im Abgeordnetenhaus erreichen.

MdA Behrendt, Architekt Ehrl

MdA Dirk Behrendt (Grüne), Architekt Helmut Ehrl

Vor allem sollte geklärt werden, warum die eindeutig vorgesehene Berücksichtigung ökologischer und sozialer Aspekte in den Vergaberichtlinien überhaupt nicht zum Zug kam, sondern ganz simpel der Billigste Erfolg hatte.

Presse-Echo siehe hier und hier.

14 Kommentare

  1. Anuschka Guttzeit said,

    10. Mai, 2013 um 11:27

    Blau und grün – Klare Sache am Landwehrkanal

    In der zu spät veröffentlichten Presseinformation der Berliner Wasserbetriebe zu den geplanten Baumaßnahmen u.a. am Kreuzberger Paul-Lincke-Ufer, die z.T. auch an Haustüren in der Lausitzer Straße gehängt wurde, heisst es:

    „Blau statt grün – Klare Sache am Landwehrkanal
    Für Bauarbeiten zur Gewässergüte werden Stadtbäume gestutzt.“

    Dass wegen der Baumaßnahmen am Paul-Lincke-Ufer auch fünf Linden gefällt werden sollen und dass wohl auch sieben Bäume in der Lausitzer Straße gefällt werden sollen, steht erst unten im Text. Die Fällungen sollen während der Brut-und Vegetationsperiode vorgenommen werden, in der nach dem Naturschutzgesetz Fällungen nur mit einer Ausnahmegenehmigung erlaubt sind, um brütende Vögel und Fledermäuse zu schützen.Die Wasserbetriebe wollten erst fällen und dann sprechen – mit den AnwohnerInnen über ihre geplanten Baumaßnahmen und die Fällungen ! Das haben wir seit langem kritisiert. Am 06.Mai 2013 wurde die Fällung der Bäume dann von AnwohnerInnen vor Ort verhindert.

    Wie ich bereits auf der Veranstaltung der Wasserbetriebe gestern (08.Mai 2013) in der Regenbogenfabrik sagte, muss die Devise lauten:

    Blau und grün – Klare Sache am Landwehrkanal. Für eine bessere Gewässerqualität im Landwehrkanal bei gleichzeitigem Baumerhalt !

    Dass der Baumerhalt möglich wäre, bei einer Baukonzeption, die das Wasser des Landwehrkanals im Sinne der EU – Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) sogar noch wesentlich sauberer halten würde, als die bekannte Planung der Wasserbetriebe, hat ein Anwohner mit seinem fundierten Vortrag (Änderungsvorschlag der AnwohnerInnen) im Rahmen der Veranstaltung der Wasserbetriebe gestern gezeigt. Seine Planung soll außerdem noch Steuergelder einsparen.

    Vorerst sollten also keine Bäume in der Brut – und Vegetationszeit gefällt werden bis zum 31. August. Bis dahin soll über die Abgeordneten, die wir involviert haben, auf Landesebene die von den Wasserbetrieben geplante 2,5 Mio. Euro teure Baumaßnahme überprüft werden.

    • Anke M. said,

      10. Mai, 2013 um 15:10

      Ich kann jetzt zwar nicht ganz nachvollziehen, warum Du nochmal wiederholst, was o. schon geschrieben steht – aber doppelt hält vllt. besser.

      Als BaL-Mitglied und Anwesende der Veranstaltung muss ich, ohne den Schreibern schmeicheln zu wollen, einfach bestätigen, wenn ich die Berichte in der Tagespresse lese, hier wird die bessere journalistische Arbeit geleistet.

      Bleibt dran, dankbar für Eure unermüdliche Information,
      liebe Grüße Anke

      Rumpöpeln ist einfach, haben ja einige ausgiebig getan. Doch die Leute, die im Mediationsverfahren über Jahre sitzen und sich mit den Sanierungsvarianten etc. auseinander setzen, DIE bewundere ich wirklich.

      • elisa said,

        10. Mai, 2013 um 20:10

        Wer ist Anke M. ?

      • Kreuzhainer said,

        11. Mai, 2013 um 12:07

        Tja, jede(r) kann bewundern, wen er will.

        Wie schön.

      • Anwohner said,

        13. Mai, 2013 um 13:45

        Auffällig war: Die interessanten, kritischen Fragen haben in der Regenbogenfabrik zum allergrößten Teil AnwohnerInnen gestellt, die nicht im Mediationsverfahren sitzen.

        Enttäuschend war auch die Performance von Herrn Stadtrat Panhoff (Grüne), der die Positionen der Wasserbetriebe vertrat, anstatt sich gemeinsam mit den AnwohnerInnen für den Erhalt der Bäume, für ein ökonomischeres Baukonzept der Wasserbetriebe und für ökologischere Bauweisen einzusetzen. Der Mann scheint völlig deplaziert in seinem Amt zu sein.

        Auf eine Unterstützung von Umweltstadtrat Panhoff für den Baukonzept-Änderungsvorschlag der AnwohnerInnen wartete man auch vergebens.

        Für den Fällstopp bis zum Ende der Brut- und Vegetationsperiode wie ihn die AnwohnerInnen erneut in der Regenbogenfabrik forderten, setzte er sich ebenfalls nicht ein.

      • Stephanie said,

        14. Mai, 2013 um 2:45

        Die AnwohnerInnen sind ja wohl auch am meisten betroffen – was soll daran auffällig sein?

        Den Fällstopp bis zum Ende der Brut- und Vegetationsperiode forderte allerdings laut vernehmlich, sogar durchs Mikro, der Vorsitzende der BaL, vielleicht forderten es auch noch andere. Doch sollte es nicht darum gehen, wer was gesagt hat – oder? Geht es nicht um die Sache?

        Ich bin keine Anwohnerin, doch da die Bal-Leute sich bei uns in Tempelhof-Schöneberg stark einbringen, wollte ich sie auch mal unterstützen.

  2. Anke said,

    10. Mai, 2013 um 20:52

    Fördermitglied des Vereins „BaL“, aber wer ist elisa?

  3. Anke said,

    10. Mai, 2013 um 20:59

    Es ist KEIN Pseudonym und die Leute vom Verein kennen meinen vollständigen Namen,Mail-Adresse und sogar Postanschrift.

    • BaL said,

      10. Mai, 2013 um 22:31

      …und das möchten wir bestätigen und uns ganz herzlich für die positive Verstärkung und anhaltende Unterstützung bedanken!

      Ansonsten gilt halt: Don’t feed the troll!

  4. genova68 said,

    11. Mai, 2013 um 9:42

    Hier ein Vorschlag zur Güte, der eine Win-Win-Win-Win-Situation schafft:

    http://exportabel.wordpress.com/2013/05/10/vorschlag-zur-gute-an-die-kreuzberger-okos/

    Grüße
    genova

    • warhead said,

      11. Mai, 2013 um 13:27

      Du hast nichts, aber rein gar nichts begriffen.

    • Sabine said,

      13. Mai, 2013 um 13:34

      @ genova68

      Wie wäre es denn mal mit einer Satire auf Kosten der Wasserbetriebe, anstatt auf Kosten der ökologisch engagierten AnwohnerInnen, die sich seit über 5 Jahren unbezahlt abmühen, hier das Naherholungsgebiet am Landwehrkanal mit seinen Bäumen für 400.000 Menschen erhalten???

  5. Beobachter said,

    13. Mai, 2013 um 22:55

    Der informativste Artikel zum Thema steht erstaunlicherweise in der Berliner Morgenpost:
    http://www.morgenpost.de/berlin/article116074716/Anwohner-verhindern-Baumfaellungen-am-Kanal.html#

  6. genova68 said,

    14. Mai, 2013 um 8:45

    Sabine,
    wieso Satire? Mein Artikel ist ernst gemeint. Schön, dass ihr euch engagiert. Aber ich verstehe nicht ganz, was ihr in den vergangenen fünf Jahren gemacht habt. Es will doch eh kein Mensch 400000 Bäume fällen, oder? Oder legt ihr euch bei jedem einzelnen Baum, der gefällt werden soll, quer?

    Wie kann man nur so seine Zeit verplempern.


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s