Protest-Spatenstich gegen den A100-Weiterbau

Gelungene Aktion am Neptunbrunnen

Vorm offiziellen Spatenstich mit Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und Berlins noch immer Regierenden Klaus Wowereit am Mittwoch, High Noon, an der Ecke Neuköllnische/Grenzallee in Neukölln nahmen BISS und BUND am gestrigen Sonntag (5.5.) vorm Roten Rathaus einen rundum gelungenen Protest-Spatenstich vorweg.

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Nachdem ein junger Schüler seinem Unmut und seinen beklemmenden Zukunftssorgen Luft gemacht hatte, resümierte Harald Moritz, grüner Bezirksverordneter in Treptow-Köpenicks BVV und  BISS-Mitglied der ersten Stunde, noch einmal den verkehrs-, finanz-, vor allem aber umweltpolitischen Aberwitz dieses teuersten Autobahnstummels aller Zeiten: Anstatt, wie gebetsmühlenartig von ihren BefürworterInnen immer wieder runtergeleiert, sie davon zu entlasten, wird der 16. und der folgende Abschnitt der A 100 den bekanntlich in Berlin rückläufigen Autoverkehr vielmehr verstärkt in die östliche Innenstadt lenken und dort für Staus, Lärm, höhere Schadstoffkonzentrationen und erhebliche Folgekosten für Berlin sorgen.

Harald Moritz

Harald Moritz

Moritz erinnerte an die über dreihundert Kleingärten und rund sechshundert Bäume, die diesem rückwärtsgewandten Projekt schon geopfert worden sind oder kurz davor stehen sowie an all die wirklich wichtigen verkehrlichen Baustellen: die überfällige Instandsetzung des bestehenden Straßennetzes, die Ertüchtigung des ÖPNV, die Notwendigkeit, statt die Gelder dafür auch noch zu kürzen, das hauptstädtische Radwegenetz im Gegenteil forciert auszubauen und konnte sogar den ADAC zitieren, der auf den mit Sicherheit noch zu erwartenden weiteren Kostenanstieg verweist und angesichts der Notwendigkeit, eben das vielerorts marode Straßennetz zu sanieren, dem kostspieligen Vorhaben äußerst kritisch gegenüber steht.

Allein gerade im Wahljahr steht zu befürchten, dass sich die Politik vom Schaufeln eines weiteren Milliardengrabs nicht abbringen lässt, um wenigstens darin Konsequenz zu beweisen.

Tobias Trommer

Tobias Trommer

Doch da verlas Tobias Trommer, einer der Haupttriebkräfte und Organisatoren der A100-Proteste im Aktionsbündnis A100 stoppen, eine Eilmeldung und sensationell gute Nachricht, nicht ohne den in effigie anwesenden Entscheidungsträgern gleich von Herzen zu danken: Wider Erwarten habe man höheren Orts die BürgerInnen doch noch erhört, sei augenscheinlich noch im letzten Moment zur Besinnung gekommen und habe sich eingedenk des unverrückbaren Leitbilds der autogerechten Stadtentwicklung für eine citynahe Fortsetzung der A 100 entschieden. Trommer dankte insbesondere dem Regierenden Bürgermeister für seine Selbstlosigkeit, den eigenen Regierungssitz, eben das Rote Rathaus, das unglücklicherweise der neuen Trasse im Wege stehe, für diese Umplanung großzügig zu opfern. Endlich offenbare man Weitblick und sei für die Fortführung dieses zukunftsweisenden Mammutprojekts demnächst sogar bereit, das Brandenburger Tor zurückzubauen…

Leider war dann auch schon Schluss mit lustig: Zu den Klängen von Chopins Trauermarsch wurden alle jene für die verkehrliche Infrastruktur der Hauptstadt so überaus dringlichen Maßnahmen – von der lärmtechnischen Optimierung der bestehenden Stadtautobahn, des auf den Nägeln brennenden Ausbaus von ÖPNV und Radwegen bis hin zur Notwendigkeit, die Nahverkehrstarife, statt sie in schöner Regelmäßigkeit immer weiter zu erhöhen, für alle wieder erschwinglich zu machen – unter Tränen zu Grabe getragen.

Zum Abschluss spielte die Combo Nümmes das A100-Stopp-Lied, woran sogar Ludwig van Beethoven und Friedrich Schiller mitgearbeitet haben sollen. Dazu stiegen grüne Luftballons ins strahlende Azur des Maienhimmels, um womöglich dort droben an höhere Mächte zu appellieren, die Politik vielleicht doch noch zur Vernunft zu bringen: „Wo Unrecht Recht wird, ist Widerstand Bürgerpflicht!“ und der soll nicht aufhören.

Deshalb erging an alle die Einladung, wenn sich’s denn zeitlich irgend einrichten lasse, am eingangs bezeichnetem Ort, wo auch ihrer Fällung harrende Bäume besetzt werden sollen, am Mittwoch, 8. Mai um zwölf die Spatenstecher Ramsauer und Wowereit gehörig auszupfeifen.

Pfeifen auf A100-Weiterbau

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1 Kommentar

  1. jürgen julius irmer said,

    6. Mai, 2013 um 22:24

    …gegen die sozialdemokratische beton-ideologie von ewig-gestern ist kaum ein ankommen. der kluge „grüne“ moritz hat ja recht, aber das hält die stadtzerstörer leider nicht mehr auf.
    „stadtplanung“ ist nur eine hohle phrase, weil alles geht, je nach merkantiler interessenslage, und der bürgerwille wird dabei konsequent denunziert als „wut“, die den fortschritt behindert…


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