Schlusslicht Ökologie?

Konstruktive Sitzung zu ökologischen Maßnahmen

Gute Vorbereitung von Vertreterinnen von BaL und WSA

Erst die (voraussichtlich) letzte Sitzung der Forums-AG Lösungssondierung im Mediationsverfahren „Zukunft Landwehrkanal“ widmete sich am vergangenen Montag (10.12.) schwerpunktmäßig den Bereichen Ökologie und Naturschutz, obschon es nicht nur BürgervertreterInnen und Naturschutzverbänden von Anbeginn um eine nachhaltige Sanierung in der Dreifaltigkeit von „ökonomisch, ökologisch und sozialverträglich“ zu tun war, sondern dem Forum insgesamt, wie gleich im ersten Satz des vor fünf Jahren gemeinsam geschlossenen Arbeitsbündnisses niedergelegt.

19. AG Lösungssondierung

Präsentation der Vorschläge zu ökologischen Maßnahmen | zum Vergrößern klick!

In Vorbereitung dieses Last-but-not-least hatten VertreterInnen von BI/Verein BaL und der WSA-AG LWK im Rückgriff auf einen in fünf Jahren erratischer Diskussion der ökologischen Dimension angesammelten Ideenfundus [siehe bspw. hier und dort] einen Strauß konkreter Vorschläge für Aufwertungsmaßnahmen entlang der knapp elf Kilometer messenden Wasserstraße verortet, die nun vom einschlägigen, endlich wieder zahlreich versammelten Sach- und Fachverstand beurteilt wurden, und zwar kritisch in mehrerlei Hinsicht:

  • Ob die vorgeschlagenen Maßnahmen tatsächlich etwas zur Erreichung des an künstlichen und erheblich veränderten Gewässern nach EU-WRRL bzw. WHG zu erreichenden „guten ökologischen Potenzials“ beitragen können;
  • ob sie mit den wasserwirtschaftlichen Belangen (Vorfluter/Hochwasserschutz) sowie
  • mit den bestehenden Nutzungen zu vereinbaren sind – und dazu gehört im konkreten Fall neben der
    • Berufs-, also Fahrgastschifffahrt
      vor allem auch der
    • Denkmalschutz als Belang der Landeskultur.

Positive Aufnahme der Aufwertungsvorschläge

Ums vorweg zu nehmen: fast alle Vorschläge wurden in, was Art, Maß und Ort betrifft, leicht modifizierter Form, obzwar nicht von allen Interessengruppen gleichermaßen gutgeheißen oder gar begrüßt, aber doch von allen akzeptiert, was im Hinblick auf den am nächsten Montag im Forum zwecks endlicher Einwerbung von Haushaltsmitteln dringend nötigen Konsens hoffen lässt.

Einst hatte es (wir erinnern uns sogar an die Beteiligung von SenStadtUM-VertreterInnen des Referats Freiraumplanung) einen Arbeitskreis Naturhaushalt und Landschaftsbild gegeben, der − von Gewässer- und Fischökologie bis zu den möglichen Szenarien der Folgen des Klimawandels (oder in unserm Fall eher der Flutung stillgelegter Braunkohletagebaue)  − wertvolle fachwissenschaftliche Inputs erhalten hatte).

Leider löste sich dieser Arbeitskreis irgendwann auf, ohne über die Skizzierung eines allgemeinen Leitbilds − die Trittstein- oder Perlenschnur-Metapher steht dabei für ökologisch höherwertige Strukturen in bestimmten Abständen, da eine durchgängige Aufwertung weder möglich noch nötig ist − und ungefährer potentieller Aufwertungsbereiche hinausgekommen zu sein, aber da die Interessen auch in diesem Komplex ja in der gleichnamigen Sammlung und als Kriterien formuliert in deren Katalog verankert sind, spielten sie bei der Wahl technischer Varianten immer eine Rolle, wenn auch, wie zu oft, eine nur reaktive, keine gestaltende.

Paradigmenwechsel noch nicht gelungen

Die von den BaL, teilweise auch dem NABU sowie unabhängigen Fachleuten favorisierte Idee, erst die naturschutzfachlichen Wertigkeiten dieser besonderen Wasserstraße quer durch teilweise hochverdichteten urbanen Raum untersuchen bzw. schon vorhandene Expertise aktualisieren zu lassen, um davon ausgehend die technisch-wasserbaulichen Maßnahmen zu differenzieren, also das gewohnte Herangehen − erst Eingriff mit Bewertung der Umweltauswirkungen, dann Kompensation − zu unterlaufen und vielleicht im Idealfall zusammen mit dem Eingriff, sofern es entsprechende Potenziale hergeben, eine Optimierung zu erreichen, vermochte sich insgesamt nicht durchzusetzen.

Fortschritte

Immerhin wurde das Credo des bestmöglichen Baumschutzes besonders von WSA-Chef Scholz immer wieder betont und, nach einigem Drängen, nicht zuletzt, um Klarheit über die betroffenen Baumarten und das Ausmaß ihres jeweiligen Kronenüberhangs zu schaffen und dann daran die Einbringmethode der Spundbohlen auszurichten −, immerhin wurde ein digitales Baumkataster erstellt [das sich freilich noch immer in der Beta-Phase befindet und, wie inzwischen von verschiedenen Fachleute angemahnt, baldigst optimiert gehört].

Und wir sind gespannt, ob sich die baumsachverständige (oder allgemeiner: ökologische) Baubegleitung, am LWK in Form der Institutionalisierung eines weisungsbefugten „Bauleiters Baumschutz“, als Standard zumindest bei Großvorhaben durchsetzt. Eine eng abgestimmte Kooperation verschiedener Gewerke, um Stadtnatur zu schützen, wurde modellhaft und überaus erfolgreich erprobt, und das waren nicht nur kleine Schritte in die einzuschlagende Richtung!

Ökologische Vorteile rechnen sich

Zu so etwas wie einer „ökologischen Wende“ hinsichtlich der möglichen Sanierungsvarianten selber kam es dann eher zufällig. Die trotz jahrelangen Drängens der BürgervertreterInnen im Mediationsforum allzu spät beauftragte statische Untersuchung auch zum oberen Teil der Uferbefestigung („Kleiner Gleitkreis“) konnte mit einer speziellen Methode die statische Relevanz allein des unter Wasser liegenden Teils der Uferbefestigung nachweisen. Damit braucht der sichtbare Teil des Baudenkmals nicht generell, sondern nur dort instand gesetzt zu werden, wo er sichtbar schadhaft ist, was schon mal viel weniger Eingriffe in Baumbestand und Ufervegetation bedeutet.

19. AG Lösungssondierung, 10.12.12

Präsentation der Vorschläge zu Öko-Maßnahmen am LWK, 10.12. im WSA

Sodann ist unter Voraussetzung der fachgerechten Sanierung von Massivbauteil und der heiklen Ziegelflachschicht zwischen diesem und der aufgehenden Quaderwand auf längere Strecken eine nicht nur finanziell, sondern auch ökologisch (Ressourcen schonend, emissionsarm, effizient) und naturschutzfachlich vorteilhafte (weil hydromorphologisch strukturreichere) Sanierungsvariante möglich − eben Steinschüttung statt Stahlspundwand −, obwohl die Verspundung nach wie vor an vielen Abschnitten zum Einsatz kommt. [Das genaue Verhältnis wird demnächst noch nachgereicht.]

Dieser Durchbruch reduziert die Sanierungskosten um über hundert Millionen Euro, was derzeit bei großen Bauvorhaben, sei’s in Hamburg, Stuttgart oder gerade in Berlin, selten bis nie Schlagzeilen macht. Und diese beachtliche Ersparnis darf in der Tat dem partizipativen Charakter dieses komplexen Planungsprozesses gutgeschrieben werden: BürgerInnenbeteiligung zahlt sich aus!

„Proaktive“ Maßnahmen – unserer Meinung nach Pflicht!

Immer hellhörig und abwehrbereit, wenn evt. das Land als Kostenträger mit herangezogen werden könnte, zitierte Senatsvertreter Matthias Rehfeld-Klein den berühmten BMVBS-Ökologie-Erlass von 11.12.2007, der unter 3. ausführt: „Sofern eine ökologisch orientierte Gestaltung verkehrsbezogener Maßnahmen an Bundeswasserstraßen […] nicht zu einer Wirtschaftlichkeit der Maßnahme führt, kann die ökologisch orientierte Maßnahmengestaltung grundsätzlich nur als Kooperationsmaßnahme unter Kostenaufteilung entsprechend des jeweiligen Zuständigkeitsbereiches zwischen Bund und Dritten (z.B. Land, Kommunen, Verbände) geplant werden.“ Zunächst sei also mit vergleichsweise geringem finanziellem Aufwand die Sanierung ökologisch zu optimieren, dann, über den Tellerrand hinauszuschauend, weitere Maßnahmen aus Ausgleichs- und Ersatzmitteln (A + E) zu finanzieren und erst im dritten Schritt optionale, „proaktive“ Maßnahmen zu erwägen. Bei deren Verortung mahnte er zur Vorsicht, denn hier seien weitere fachwissenschaftliche Prüfkriterien anzulegen. Sollen wir nach fünf Jahren also weiter gespannt warten, wann es einmal dazu kommt?

Dem oben zitierten Erlass pflegen wir für gewöhnlich den ein gutes Jahr später ergangenen sog. Öffnungserlass vom 10.2.2009 gegenüberzustellen, worin es heißt: „Durch diese explizite Orientierung der Unterhaltungsmaßnahmen auch an den Bewirtschaftungszielen und Maßnahmenprogrammen nach WRRL erweitern sich die Aufgaben der WSV hinsichtlich der Unterhaltung der BWaStr. über den reinen Verkehrsbezug hinaus auch auf die aktive Erreichung ökologischer Zielstellungen. Diese ökologischen Zielstellungen nach WRRL beziehen sich an Bundeswasserstraßen vor allem auf Verbesserungen der Strukturvielfalt und -güte hinsichtlich der Lebensbedingungen für Tiere und Pflanzen im Gewässer- und Uferbereich. Hierzu gehören die natürliche Vielfalt der Substrate, der Substratverteilung und der Uferprofile sowie die gewässertypische Vegetationszonierung und Artenzusammensetzung.“ [Hervorh. BaL]

Legitimer Anspruch

Um uns indessen von der Exegese der Erlasslage zu lösen − „das juristisch Korrekte muss nicht politisch richtig sein“ (Erhard Eppler) − sollte es mit Rücksicht auf den partizipativen Charakter und innovativen Lösungsanspruch in Sachen Nachhaltigkeit/Zukunftsfähigkeit, die ja gerade eine Beteiligung der Stakeholder fördern soll (und welcher Anspruch [s.o.] schon verschiedentlich, wenn auch bislang nur punktuell eingelöst werden konnte), ein so aufwändiges Verfahren durchaus als Pilot- oder Modellprojekt im Rahmen der Instandsetzung/Unterhaltung eines künstlichen Gewässers im urbanen Raum gelten und deshalb auch in exemplarischer Weise eine ökologische Aufwertung  integriert geplant und umgesetzt werden!

Modellcharakter

Die Verfahrenskosten hat, wie ausgeführt, ein erheblich preisgünstigeres Sanierungsverfahren längst „eingespielt“. − Der ehrenamtliche Einsatz, der enorme Lebenszeit- und Energieaufwand von BürgervertreterInnen (für den es selbstredend gegenwärtig auch eine Menge anderer lohnender Ziele gegeben hätte), muss sich demgemäß in einer Planung/Umsetzung manifestieren, die besonders in ökologischer, d.h. genuin gemeinwohlorientierter Hinsicht ambitioniert ist und hier nach Möglichkeit paradigmatisch innovative Lösungen zeitigt.

Neuland

Dazu werden Dinge erprobt werden müssen, für die es noch kaum Referenzprojekte gibt, weshalb es selbstverständlich einer wissenschaftlichen Begleitung mit Monitoring und Evaluierung bedarf sowie der Option, Maßnahmen und Methoden, die sich in der konzipierten Form nicht bewähren, nachzujustieren oder auch durch alternative, die in der nunmehr auf zehn Jahre veranschlagten Sanierung möglicherweise anderswo entwickelt und erfolgreich angewandt werden oder uns bislang lediglich noch nicht bekannt geworden sind, zu ersetzen. Und dafür sollte es Rückstellungen in Gestalt eines Öko-Fonds geben, denn aus den immer mehr zusammengestrichenen Unterhaltungsmitteln solche Nachbesserungen zu finanzieren, werden sich die Zuständigen mit hoher Wahrscheinlichkeit sträuben.

Wo ein politischer Wille ist…

Einerseits haben wir die empirisch-analytische Sachebene, aber eben andererseits auch die normative, und hier muss sich zeigen, ob partizipative Planung für mehr Allgemeinnutzen und gesellschaftlichen Mehrwert sorgen kann als ephemere partei-politische Konstellationen und − ob dieser Nachweis politisch-strategisch überhaupt (noch) gewollt ist!

Zu den konkreten Maßnahmen

Vorbemerkung

Indem man Flachufer mit Land-Wasser-Übergang, strömungsberuhigte Flachwasserzonen u. dgl. anlegt und punktuell auch vor der denkmalgeschützten Regelbauweise Aufwuchs erlaubt, widerstreitet dies per se keineswegs dem originären Impetus des Lennéschen Bau- und Gartendenkmals, im Gegenteil! Ursprünglich eben nicht für den Schiffsverkehr, sondern als Schmuckkanal mit begleitenden Grünzügen für Erholung und soziale Begegnung intendiert, sah die ursprüngliche Planung bekanntlich Flachufer mit Schilfgürteln vor und wollte primär den Übergang von Stadt und Land gestalten. − Heute geht es um wohnungsnahe Grünversorgung, die Ermöglichung naturnaher Erholung, die Förderung von Natur in der Stadt mit nach Möglichkeit auch wassernahem Naturerleben, schließlich um Schadensbegrenzung beim Schutz der biologischen Vielfalt und um bestmögliche Anpassung an die Folgen des täglich weiter geförderten Klimawandels.

19. AG Lösungssondierung, 10.12.12

Oberschleuse mit Fisch-Kanu-Pass, Flutgraben mit Kiessandsohle und Flachufer

Von der Ober- zur Unterschleuse

Beginnend an der Oberschleuse in Kreuzberg schlugen wir am rechten (also nördlichen) Ufer des von Schiffsverkehr nicht genutzten Flutgrabens die seinerzeit von Dr. Wolter vom IGB ins Gespräch gebrachten Kiesbänke vor, doch sowohl Manfred Krauß vom BUND als auch Antje Köhler und Matthias Rehfeld-Klein vom Senats-Referat für Wasserwirtschaft verwiesen auf die unzureichende Fließgeschwindigkeit bei besonders im Sommer zu geringem Wasserdargebot mit der Gefahr der Kolmatierung (und Vermüllung) hin, die, wenn auch Leit- und Lockströmung vorhanden seien, den gewünschten Effekt des Entstehens von Jungfischhabitaten eher nicht eintreten lassen würden. – Erfolgversprechender sei da als Sohlen- und Ufersubstrat Kiessand.

Ökologische Durchgängigkeit

Ungeachtet der beim Thema Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit von Frau Appel von der BfG noch einmal anhand des BfG-Berichts 1697 dargelegten räumlichen und zeitlichen Priorisierung der Wasserstraßen, wonach zunächst Hindernisse in den überregionalen Wanderwegen beseitigt werden müssten, also im Fall der Spree-Oder-Wasserstraße, zu welcher auch der LWK gehört, erst die Staustufe Charlottenburg, dann die Mühlendammschleuse und danach der Teltowkanal durchgängig gemacht werden. Wann dies auch im Fall LWK mit seinen beiden Schleusen geschehen soll, sei erst noch zu prüfen.

Demgegenüber sprach sich Frau Köhler dafür aus, nicht nur die überregionale, großräumige Perspektive einzunehmen, sondern selbst bei einem einzelnen Wasserkörper wie dem LWK mit dem guten ökologischen Potenzial auch seine ökologische Durchgängigkeit anzustreben. [Deadline fürs Erreichen dieses Ziels war ja ursprünglich mal das Jahr 2015, aber auch hier ist man laut Frau Appel inzwischen in die Verlängerung gegangen, und gleich bis 2027…]

Für die gegenwärtig ungenutzte Kammer der Oberschleuse schlugen wir also einen kombinierten Fisch-Kanu-Pass vor, doch sprachen sich sowohl der Leiter der WSA-AG LWK, Andreas Dohms, als auch die GewässerökologInnen unbedingt für eine Trennung beider Aufstiege aus. (Vorher bedarf es Rehfeld-Klein zufolge noch einer genauen hydraulischen Planung mit u.a. Q60 als Prüfkriterium, d. h. wenn eine Fischaufstiegsanlage generell an 30 Tagen im Jahr versagen dürfe, um noch als funktionstüchtig zu gelten, würde hier die doppelte Anzahl noch toleriert.)

19. AG Lösungssondierung

Studentenbad und Einmündung NSK mit drei Flachuferzonen

Keine künstlichen Inseln!

Die von uns als Wasservogelausstieg angedachten künstlichen Inseln im Bereich des Studentenbads und „Drei-Bezirke-Eck“ fanden vor den Fachleuten, aber auch den anderen BürgervertreterInnen keine Gnade: Sie würden von gut daran verdienenden Gärtnereien zwar schon bepflanzt geliefert, aber

  • von den versammelten Enten, Schwänen, Blässrallen binnen kurzem ratzekahl gefressen und dann
  • nicht mehr nachgepflanzt;
  • von Frost und Eisschollen aus der Verankerung gerissen;
  • als Badeinseln oder gar
  • zum Partying missbraucht und schließlich –
  • abgefackelt…

Wir sind hier in der Stadt!

Stattdessen soll versucht werden, auf Neuköllner Gebiet beidseitig der Einmündung des NSK, der gehörig viel Schmutzwasser in den LWK transportiert, auch als natürliche Klärfunktion einen möglichst breiten, bewachsenen Flachwasserbereich zu etablieren und natürlich zu bepflanzen, aber dann zu schaun, was die Natur von sich aus tut, wobei noch im Hinblick auf Randbedingungen wie Besonnung, Besuchsfrequenz, Schiffs- und Bootsverkehr geklärt werden muss, welche Seite bessere Chancen hat. (Sicher wird mit Patenschaften oder dergleichen gearbeitet werden müssen.)

Schräg gegenüber auf der Kreuzberger Seite soll ein ebensolcher Bereich stromabwärts neben dem Anleger der Kindereinrichtung angelegt und zum Wasser hin evt. mit Faschinen geschützt werden.

Solche Details sind natürlich Teil der Ausführungsplanung (AU). Jetzt sollten sozusagen erstmal Potenziale markiert, „Claims für die Stadtnatur“ und für naturnahe Erholung abgesteckt werden.

Zwischen Studentenbad und Urbanhafen sieht es für solche ökologischen Strukturverbesserungsversuche eher mau aus, doch unter Wasser wird sich auf längere Strecken die Steinschüttung (RV 17) finden.

Urbanhafen insgesamt ökologisch aufwerten!

Den Urbanhafen möchte Frau Simmon von der F’hain-Kreuzberger Unteren Naturschutzbehörde, die in dieser Sitzung dankenswerterweise den Bezirk vertrat, am liebsten nicht nur als „Trittstein“, sondern in Gänze ökologisch aufgewertet wissen. Da das südliche Ufer vor dem erstaunlicherweise denkmalgeschützten Krankenhaus-Koloss oft übernutzt ist, hatten wir uns dort mit ökologischen Maßnahmen zurückgehalten, aber gegen eine nicht zu grobkörnige Anschüttung unter Wasser mit Land-Wasser-Übergang spricht natürlich nichts. − Wie die Denkmalpflege will auch der Xhainer Bürgermeister Dr. Schulz (Grüne) die Weite der Wasserfläche unverstellt erhalten sehen, und da fragt sich dann schon, wie die neue van Loon genehmigt werden konnte. Schließlich ist der Bezirk Forumsmitglied und hat auch zugestimmt.

19. AG Lösungssondierung, 10.12.12

Urbanhafen mit Vorschlägen ökologischer Aufwertungsmaßnahmen

Links neben dem Frachter ist ein etwas dunkles Areal bis zur Baerwaldbrücke, wo sich im Frühjahr und -sommer immer zahlreich Jungfische tummeln, also Raumpotenzial für eine Flachwasserzone, obwohl sich fragt, welche Pflanzen dem Lichtmangel trotzen. Zudem gibt es zwei Ausläufe der BWB, die zwar kein Misch-, sondern nur Regenwasser führen, dafür aber vom Tempelhofer Feld, was bei Starkregen eine gehörige Menge mit gehörigem Druck sein dürfte. Karsten Sahner, der mehrfach zugesagt hat, ökologische Kompensationsmaßnahmen zu finanzieren, soll sich in dieser Frage schon an die Senatsverwaltung gewandt haben.

Auch vorm Statthaus Böcklerpark gibt es eine seichte Stelle, auf der sich gewöhnlich die Wasservögel drängen, aber der Bezirk veranstaltet ja gerade, wie berichtet, seinen eigenen Wettbewerb zur Gestaltung des Nordufers zwischen Admiral- und Baerwaldbrücke, so dass hier die Ergebnisse erstmal abgewartet werden müssen.

Anstelle künstlicher Inseln empfahlen die Fachleute als Ausstieg und Ansitz für die Vogelwelt und zugleich unter Wasser als Rückzugszone für Jungfische das Einbringen von Totholz, am besten ganzer Baumkronen, natürlich in gebührendem Abstand zur Fahrrinne.

„Ökologisierung“ der Spundwände

Anlässlich der Tatsache, dass Frau Kayser von der ODB sich erwartungsgemäß vehement sträubte, vor dem denkmalgeschützten Alten Zollhaus, dessen landseitige Auflast Spundwände nötig macht, wegen der langen strukturarmen „Durststrecken“ vorher auf der Hinterfüllung zwischen Spund- und Uferwand Aufwuchs zu dulden, weshalb auf dieser etwa vierzig Meter langen Passage die Stahlbohlen auch  nur 20 cm unter Wasser abgebrannt werden müssten, kam es (zumal dort wegen Verschattung ohnehin nichts entstünde) zur generellen Diskussion darüber, ob mit Blick auf die langen verspundeten Abschnitte nicht etwa fünf Prozent der Spundwände dergestalt „ökologisiert“ werden könnten, dass die Bohlen zum einen eben nicht durchgängig die vereinbarten 40 cm unter MWL, sondern eben nur 20 cm abgebrannt und zum zweiten durch Aussparen jeweils einer Bohle „geschlitzt“ werden.

19. AG Lösungssondierung, 10.12.12

Verspundet in Kreuzberg (rot = Spundwand)

Dies würde der Aquafauna besonders in Engstellen Flucht- und Rückzugsmöglichkeiten vor den hydraulischen Belastungen durch Sog und Wellenschlag der Fahrgastdampferflotte eröffnen sowie wenigstens sporadisch Aufwuchs zur Deckung ermöglichen. Wie gesagt, gibt es lange Abschnitte ohne jegliche Aufweitung und ohne die Uferstruktur verbesserndes Raumpotenzial, so dass sich diese rudimentäre Struktur aus gewässerökologischer Sicht schlicht gebietet, wenn denn das Trittstein-Modell funktionieren soll.

Auch AnwohnervertreterInnen warnten wieder vor Vermüllung und höherem Pflegeaufwand, doch Sigrid Kayser signalisierte schließlich grundsätzliche Bereitschaft. − Fürs sogenannte  Spundwand-Schlitzen verweisen WSA-Mitarbeiter auf gelungene Referenzbeispiele z. B. am Teltowkanal.

Ein Becken in den Mendelsson-Bartholdy-Park?

Der Vorschlag des  Koautors des Großen gartendenkmalpflegerischen Gutachtens zum LWK von 1990 wie der Aktualisierung von 2011, Theseus Bappert, das einstige Schöneberger Hafenbecken, das sich auf dem Gelände des Mendelsson-Batholdy-Parks befand, als großes Wasserbecken zu reanimieren und unterm Halleschen Ufer hindurch mit dem LWK zu verbinden, stieß allgemein auf große Skepsis, schon wegen der zu erwartenden hohen Kosten, die voraussichtlich die Kompensationszahlungen der WSV weit überstiegen und ansonsten allein das Land zu tragen hätte, womit ernsthaft nicht zu rechnen ist.

Esplanade

Die nächste Aufweitung kommt erst an der früheren Esplanade-Liegestelle in Mitte, die inzwischen unter der Hand an Stern und Kreis weitergereicht wurde. Hier wird ebenfalls eine Flachwasserzone vorgeschlagen, die noch mit den Bedürfnissen der Schifffahrt abgestimmt werden muss. Offenbar interessieren sich die Reeder nicht so für Ökologie und Natur, auch wenn sie von ihrem guten Zustand profitieren, schickten jedenfalls keinen Vertreter in diese Lösungssondierungssitzung.

Von der Schleuseninsel bis zur Charlottenburger Brücke

Relativ zahlreich finden sich Raumpotenziale dann im Bereich Schleuseninsel bis Charlottenburger Brücke: Bewachsene Flachwasserzonen können rechts und links der Einmündung des Wehrarms, rechts und links der Zoobrücke, dann an der westlichen Spitze der Schleuseninsel sowie nahe dem neuen Auslaufbauwerk der BWB am Müller-Breslau-Ufer etabliert werden.

19. AG Lösungssondierung, 10.12.12

Bereich Schleuseninsel und Wehrgraben mit möglichen Flachwasserzonen

Und das Wehr im gleichnamigen Arm sollte natürlich ebenfalls mit einem Fisch-Kanu-Pass versehen werden, um auch die Unterschleuse sowohl ökologisch als auch für den Bootsverkehr durchlässig zu gestalten.

Anbindung der Tiergartengewässer

Eine nicht neue Idee, bspw. von Prof. Rippel schon in einem Gutachten von 1989 vertreten, ist die Anbindung der Tiergartengewässer auch oberirdisch, denn mit Wasser aus dem LWK werden sie über eine Pumpe und Rohrleitungen ja längst gespeist. Doch zum Komplex Neue Seen hat, wie berichtet, die Senatsverwaltung inzwischen ein Gutachten beauftragt, an dessen Erstellung auch der genannte Wissenschaftler beteiligt ist. Ergebnisse werden in anderthalb Jahren erwartet, und bis dahin bleibt die Anbindung eine wichtige Option, um den LWK auch im Sinne der WRRL-Zielstellungen mit dem Gewässerumfeld zu vernetzen − immerhin war das gesamte Gebiet mal Teil einer ausgedehnten Auenlandschaft − und auf diese Weise Rückzugs- und Reproduktionsmöglichkeiten für die Fischfauna des Kanals zu gewinnen. Dem könnte, worauf Frau Köhler hinwies, bspw. entgegenstehen, dass es zum Schutz der Biodiversität nicht zielführend wäre, Beutegreifer aus dem Kanal Rote-Listen-Arten wie Kammmolche und Rotbauchunken in den Seen vertilgen zu lassen.

Der Bestand solcher Arten wird allerdings vorzugsweise durch menschliche Eingriffe immer weiter dezimiert, während u. E. begründete Hoffnung besteht, dass sich unter naturnahen Bedingungen ein Balancezustand einstellen wird.

Salz- und Einsteinufer

Nach der Charlottenburger Brücke, am naturnah gepflegten Salzufer freute uns zu hören, dass der Bezirk Charlottenbg.-W’dorf  auf dem Abschnitt in seiner Zuständigkeit, also kurz vor der Dovebrücke, keinen Kahlschlag mehr veranstaltet, sondern jetzt auch natürliche Verjüngung und Spontanaufwuchs zulässt.

Nun wäre noch zu begrüßen, wenn auch das Einsteinufer vis-à-vis, früher eine Ladestraße, extensiv gepflegt würde, so dass sich wieder die Wildblumenwiese entfaltet, die in der Zeit der landseitigen Uferabsperrung aufgekommen, nach dem Verschwinden der Zäune aber ungesäumt abgemäht worden war (ähnlich geschah’s am Kreuzberger Prinzenbad, wo auch gleich alle Schösslinge gerodet wurden). Wildblumenwiesen seien angeblich nicht trittfest und für die Erholungsnutzung ungeeignet. − Was haben unsere Ahnen in den Epochen vor Erfindung des Rasenmähers entbehren müssen!

Die Behandlung der Kanalufer rechnet natürlich mit zur Gewässerunterhaltung; hier wird bei der Fortschreibung des U-Plans zum LWK mit den fünf Anrainerbezirken Einvernehmen notwendig sein, damit sie sich künftig auch daran halten. Nur für etwa ein Drittel der über viertausend Uferbäume ist bspw. das WSA zuständig.

Auf zum Konsens!

Ein erster Aufschlag zur am nächsten Montag (17.12.) konsensuell abzustimmenden Zielvariante des Mediationsforums für die Konzeption Entwurf-Haushaltsunterlage und den E-HU selbst haben die MediatorInnen inzwischen gemacht, und wir können nur hoffen, das sich die restlichen Konfliktpunkte noch einvernehmlich lösen lassen, auf dass diesmal alles klappt und der E-HU noch vor Weihnachten bzw. Jahresende die Genehmigungsschleife durch die WSV ziehen, den Zuständigen im BMVBS vorgelegt und schließlich im Februar in den Haushaltsausschuss der Bundestags zur hoffentlich positiven Beschlussempfehlung überwiesen werden kann.

2 Kommentare

  1. 17. Dezember, 2012 um 21:50

    […] Immergut Festival (2541) 169. Französischer Film.de (2545) 170. Berliner Speisenmeisterei( 2548) 171. Landwehrkanal-Blog (2605) 171. Rad-Spannerei blog (2623) 172. Stadtkind.tagesspiegel (2650) 173. Fräulein Julia(2685) […]

  2. Isa said,

    29. Dezember, 2012 um 19:32

    Das neue van Loon-Schiff ist wirklich viel zu groß und passt nicht in den Urbahnhafen. Die überdimensionierten Maße waren vor der Genehmigung des Schiffes bekannt.

    Das alte van Loon Schiff war wesentlich schöner und hatte im Gegensatz zum neuen Gastronomie – Schiff eine kleinere, passende Größe für den Urbahnhafen.

    Wenn alle drei Schiffe der van Loon-Betreiber im Hafen stehen, ist alles „zugeparkt“. Also, die Wasserfläche kann man dann von der Seite des Urbahnkrankenhauses z.T. nicht mehr sehen.

    „Wie die Denkmalpflege will auch der Xhainer Bürgermeister Dr. Schulz (Grüne) die Weite der Wasserfläche unverstellt erhalten sehen, und da fragt sich dann schon, wie die neue van Loon genehmigt werden konnte. Schließlich ist der Bezirk Forumsmitglied und hat auch zugestimmt.“

    Allgemein kümmert sich das Bezirksamt Friedr.-Kreuzberg viel zuwenig um den Landwehrkanal und die bezirkseigenen Bäume am Kanal, obwohl der längste Abschnitt des Kanals durch diesen Bezirk fliesst.

    Man fragt sich allerdings als AnwohnerIn auch, wieso die BI „Bäume am Landwehrkanal“ auch dem viel zu großen neuen Van Loon-Gastronomie-Schiff zugestimmt hat.


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