BUND-Veranstaltung gegen Bauprojekt

Bautzener Brache muss Grünfläche bleiben!

Der Investor bzw. sein Architekt hatten auf ihrer vom Bezirk organisierten Bürgerinformationsveranstaltung das große Wort und konnten über transparente Bauweise, erschwingliche Mieten, Kiez-Erweiterung und dergleichen schwadronieren: bei den wirklich Planungsbetroffenen, nämlich der Bestandsbevölkerung, die hier seit Jahr und Tag ihre Heimat hat, von der manch eineR extra hergezogen ist wegen des besonderen Charmes der eisenbahngeprägten Stadtlandschaft, eingefasst von wildgewachsener Natur, mit Nachtigallenschlagen und S-Bahnrattern −, bei den AnwohnerInnen überwog bei weitem Skepsis.

28.11.12, Bülowstr. 71

BUND-Veranstaltung Bautzener Brache

[Update: Am 3.12. hat der BUND ein Schreiben mit detailliertem Kartenmaterial an die Bezirksverordneten gesandt und das im Bautzener Kiez plakatierte Resümee der Veranstaltung.]

Jetzt setzen sich die von jahrelang verdeckt laufenden Übereignungen und Planungen zum großen Teil noch immer völlig Überrumpelten jedoch zunehmend zur Wehr, sammeln Unterschriften, nutzen zur Öffentlichkeitsarbeit traditionelle wie digitale Medien, und gewannen den BUND, in einer eigenen Veranstaltung an gleicher Stelle, im Gemeindesaal der evangelischen Kirchengemeinde in der Bülowstraße, den unerlässlichen Kontrapunkt zur erwähnten „Bürgerinformationsveranstaltung“ zu setzen, die − wie so oft bei diesem Format zu erleben − die eigentlich wesentlichen Sachverhalte unterschlagen hat.

BUND-Veranstaltung Bautzener Brache

BUND-Veranstaltung Bautzener Brache

Der Investor war, oh Wunder, der Einladung nicht gefolgt, aber dass auch die Baustadträtin, Dr. Sibyll Klotz, unbedingt einen Routinetermin beim Präventionsrat Schöneberger Norden, den sie nun leitet, wahrnehmen musste, anstatt sich als Politikerin von B’90/Die Grünen die Position des BUND zu diesem nicht unwesentlichen Streitpunkt anzuhören und die Argumente der für Umwelt- und Naturschutz und gerade nicht nur für ihre angeblich privilegierten Partikularinteressen engagierten BürgerInnen auseinanderzusetzen, warf in ihrer erst kurzen Zeit als Stadtentwicklungsdezernentin abermals ein bezeichnendes Licht auf die Kluft zwischen rotgrünen Zählgemeinschaftsvereinbarungen und Realpolitik. Die unterscheidet sich bislang kaum merklich von der ihres Amtsvorgängers und jetzt einigermaßen glücklosen Staatssekretärs Bernd Krömer von der CDU. Lieber empfängt die Baustadträtin handverlesene BürgerInnenabordnungen, will offenbar, wenn sie sich schon dazu durchringt, am liebsten auch die BürgerInnenbeteiligung ins Hinterzimmer verlegen.

BUND-Veranstaltung Bautzener Brache

BUND-Veranstaltung zur Bautzener Brache

Dankenswerterweise aber waren VertreterInnen aller BVV-Fraktionen erschienen und auch Andreas Baldow vom Fachbereich Stadtplanung, dazu zahlreiche AnwohnerInnen, die schon an der Vorgängerveranstaltung teilgenommen hatten, doch die wenigsten Bezirksverordneten wagten sich in die aus halbrunder Bestuhlung geformte kleine „Manege“ zu Michael Schneidewind, Stadtplaner von Beruf, Mitglied des BUND-AK Stadtnatur und Streiter für 100% Tempelhofer Feld, der heute den Moderator gab.

Kein Baurecht!

An erster Stelle steht nach wie vor die Frage, ob es auf der Bautzener Brache überhaupt Baurecht gibt − und wie Andreas Baldow freimütig kundtat, als hätte er noch nie etwas anderes gesagt, das gibt es hier eben nicht: eins einzuräumen, sei eine genuin politische Entscheidung.

Jahrzehntelang mussten sich die BürgerInnen nicht nur vom Bezirksamt etwas anderes erzählen lassen, von Bereichsentwicklungsplanung (BEP) bis Flächennutzungsplan (FNP), die sogar Misch- und Gewerbegebiet vorsähen usw., doch Dr. Andreas Faensen-Thiebes, Sprecher des Arbeitskreis Stadtnatur und BUND-Vorstandsmitglied, erläuterte zum Auftakt in einem luziden, zugleich temperamentvollen und anschaulichen Crashkurs über die eher trockene Materie Planungsrecht mit Rückgriff bis ins Mittelalter die rechtliche Situation.

A. Faensen-Thiebes + D.Dahlmann

Andreas Faensen-Thiebes und Detlev Dahlmann (v.l.n.r.)

Spätestens seit dem 19. Jahrhundert war jedenfalls die bewusste Fläche planfestgestelltes Bahngelände, ein mit dickem Buntstift gezeichneter Baunutzungsplan konnte auf Bahnland gar nicht gelten, und schließlich kann wieder entwidmetes Bahnland nie und nimmer automatisch oder aufgrund irgendwelcher gar nicht rechtsverbindlicher Planwerke dem § 34 BauGB unterfallen, also Innenbereich werden. Der B-Plan 7-37 Ba gilt hier nicht, und auch Besitz vermag das Baurecht nicht zu generieren!

Planwerke ernstnehmen bzw. anpassen!

Andererseits verwies Faensen-Thiebes auf die Ergänzung zum FNP, das Landschaftsprogramm des Senats (LaPro), fortgeschrieben in der Strategie zur biologischen Vielfalt, das entlang der Bahnanlage von Südkreuz bis Potsdamer Platz Grünfläche vorsieht und gerade im Hinblick auf den Biotopverbund Verbindungselemente wie Gewässerufer und Bahntrassen für Wanderung und Ausbreitung von Flora und Fauna, die Wiederbesiedlung geeigneter Areale und den Austausch zwischen verinselten Habitaten einen sehr hohen Stellenwert zumisst []. Solche Gebiete sind Kernflächen für Arten ruderaler Standorte, und ihr Erhalt und ihre Förderung ist keine Geschmacksfrage, weil von Insekten und Vögeln umschwirrte blühende Büsche und Bäume so schön aussehen, sondern auch gemäß Bundesnaturschutzgesetz eine Notwendigkeit des Artenschutzes. Deshalb setze sich der BUND auch für die vergleichsweise kleine Fläche so energisch ein, weil die auch anderswo zu beobachtende Zerschneidung wichtiger Biotopverbindungen so gravierende Folgen für die Vielfalt unserer Stadtnatur habe.

Eine weitere Ergänzung zum FNP bildet das Stadtentwicklungsprogramm (StEP) Klima, das − wie anhand Umweltatlas nachzuvollziehen − die „Grüntangente“ als bedeutenden Teil der Frischluftschneise vom Stadtrand bis ins Zentrum ausweist, um im Zeichen der Klimaerwärmung mit sich häufenden sommerlichen Tropennächten das Mikroklima im Stadtgebiet, ohnehin bis zu zehn Grad Celsius über die Temperatur im Umland aufgeheizt, zu verbessern. [Hier warten wir in den politischen Debatten zur Stadtentwicklung meist vergeblich aufs „demographische Argument“!]

Wenn die knapp zwanzig Jahre alte BEP auf der Bautzener Brache Wohn- und Mischgebiet vorsieht, so gilt eben, sie weiterzuentwickeln, fortzuschreiben und an die gewandelte Entwicklung anzupassen, wie es mit anderen Planwerken auch geschieht bzw. geschehen sollte.

Die Versorgung mit wohnungsnahem Grün, welche die Notwendigkeit, „raus ins Grüne“ fahren zu müssen, verringern soll, ist für die Menschen im Bautzener Kiez unverhältnismäßig niedrig, weshalb die aktuelle Schaffung neuer Grünanlagen uneingeschränkt zu begrüßen ist, doch die Situation in der Bautzener wird sich insofern noch verschlimmern, als im engeren Umfeld (Eylauer Straße, Kreuzbergstraße, Möckernkiez, Flottwellstraße) über tausend zweitausend neue Wohneinheiten entstehen.

So wird die Nutzungsintensität des neuen Gleisdreieck- und Flaschenhalsparks wachsen bzw. hoch sein, während sich die verkehrliche Situation durch den Zuzug, aber auch den neuen HELLWEG-Baumarkt, immer weiter anspannt. Die geplanten gewerblichen Einrichtungen (Discounter, Fitness-Center) im „erweiterten“ Kiez täten da ein Übriges.

„Wir können die sozialen Probleme wie die Verdrängung durch steigende Mieten nicht immerzu auf Kosten der (Stadt-)Natur lösen!“ schloss Andreas Faensen-Thiebes seinen mit viel Beifall bedachten Vortrag.

Stellungnahmen von Bezirksverordneten

Nachdem eine Anwohnerin auf Fälle im Kiez verwiesen hatte, wo bereits teilweise leer stehende Wohnhäuser in den letzten Jahren bis zu siebenmal verkauft worden seien und ansonsten auf den Leerstandsmelder verwies, der berlinweit aktuell 80.000 ungenutzte potentielle Wohnungen aufweise, nahmen die anwesenden Bezirksverordneten der verschiedenen BVV-Fraktionen Stellung.

Ralf Kühne (Grüne)

Ralf Kühne (Grüne) und Michael Schneidewind (sitzend)

Ralf Kühne, Sprecher für Stadtentwicklung der Grünen-Fraktion, erklärte zunächst, dass diese Zahl, wenn sie denn zutreffe, natürlich bei weitem nicht hinreiche, die Mieten zu stabilisieren. Da wisse jeder Wohnungswirtschaftler, dass es dafür ein wenig mehr Leerstand brauche. Und Kühne wiederholte die Behauptung, die VIVICO habe, anders als die Südhälfte, den nördlichen Teil der Bautzener Brache gar nicht an den Bezirk verkaufen wollen. Überhaupt habe der Senat seinerzeit die Verhandlungen an sich gezogen und den Bezirk außen vor gelassen. Kühne legte aber Wert auf die Feststellung, dass seine Fraktion in ihrer Haltung gegenüber der Baurecht-Erteilung noch keineswegs entschieden und festgelegt, sondern noch beim Sammeln von Positionen des Für und Wider sei, doch tendentiell zeichne sich in der BVV eine Mehrheit dafür ab, dieses Projekt als stadtentwicklungsverträglich einzuschätzen.

Wenig Eingehen auf die Argumente

Auf eine Auseinandersetzung mit den stadtökologischen und naturschutzfachlichen Argumenten warteten wir vergeblich, desgleichen auf eine (Selbst-)Kritik an der praktischen Handhabung der BürgerInnenbeteiligung oder dem Umgang mit den Ergebnissen eines teilweise mehr als fünfzehnjährigen Engagements.

Stattdessen beschwor Kühne wieder die Problematik der Mietsteigerung, machte den Wohnungsmangel dafür verantwortlich und leitete daraus die Dringlichkeit des Wohnungsneubaus im innerstädtischen Bereich ab.

Christoph Goetz (SPD)

Bezirksverordneter Christoph Goetz (SPD)

Christoph Götz, sein Kollege von der SPD, schloss sich diesen Ausführungen an und bezog sich in seinem Plädoyer für das Bauprojekt auf die Vorgaben von BEP und FNP. Die Collignon-Planung hätte seiner Fraktion gut gefallen, sei offen gestaltet und mit 7€/m2 kalt noch erschwinglich. − Gelächter und Hinweise, dass die meisten Wohnungen zum Kauf angeboten werden sollen und dass mit den gleichen Sprüchen auch das Wohnen am Lokdepot in der Eylauer Straße beworben worden sei, wo statt dessen Apartments für gehobene Ansprüche entstünden. Das sei gerade nicht der dringend nötige bezahlbare Wohnraum! Und das Gelächter schwoll an, als Götz versicherte, man werde in den zu schließenden städtebaulichen Vertrag soziale Instrumente einbauen, die ein Kontingent solchen Wohnraums garantieren könnten.

Matthias Steuckardt von der CDU relativierte von vornherein seinen Standpunkt, da seine Fraktion ja derzeit in der Opposition sei, SPD und Grüne also beschließen könnten, was sie wollten, sprach sich aber ebenfalls für den Wohnriegel aus, da er eine Lücke schließe und hier besser aufgehoben sei als bspw. am Tempelhofer Damm. − Die Lücke konnte zur allgemeinen Erheiterung offenbar nur Steuckardt erkennen, und wir erinnern dagegen an eine Äußerung seines Parteikollegen Ralf Olschewski im Stadtentwicklungsausschuss, wonach angesichts der geeigneten Wohnungsbau-Flächen, die ein aktuelles Gutachten im Bezirk nachgewiesen hat, nicht nur das Tempelhofer Feld, sondern eben auch die Bautzener Brache zurückzustellen sei.

BzV Steuckardt (CDU)

BzV Matthias Steuckardt (CDU), stehend

Harald Gindra von der Linken wies noch einmal darauf hin, dass die Brache einst öffentliches Eigentum gewesen, dann privatisiert worden sei und nun durch einen entsprechenden BVV-Beschluss für den Privateigentümer tüchtig aufgewertet würde −, locker ums zehn- bis fünfzehnfache, wie eine Anwohnerin ergänzte.

Michael Ickes von den Piraten plädierte dafür, sich an Recht und Gesetz zu halten, das Gelände als Außenbereich nach § 35 BauGB zu behandeln und entweder für urbane Landwirtschaft oder nach dem Konzept der AIF für einen Themenpark zu nutzen. Es ginge nicht an, dass der Investor schon mit dem Entwurf eines vorhabenbezogenen B-Plans aufwarte und die BVV-Entscheidung offen von privaten Verwertungsinteressen getrieben werde. Demgegenüber gelte es, die BürgerInnen zu aktivieren und ihre Beteiligung auf eine viel breitere Grundlage zu stellen.

Michael Ickes (Piraten)

BzV Michael Ickes (Piraten), stehend

Stimmen der Zivilgesellschaft

Auf die vergewissernde Nachfrage aus dem Publikum, dass es also keine Verpflichtung für die BVV gäbe, hier Baurecht einzuräumen, es sich vielmehr um eine rein politische Entscheidung handele, bestätigte Andreas Baldow vom Stadtplanungsamt: „Die Planungshoheit liegt bei der Gemeinde!“

Eine Bürgerin plädierte dafür, Wohnungsleerstand aus Spekulationsgründen endlich spürbar zu sanktionieren und empfahl dasselbe auch im Hinblick auf die grassierenden Zweckentfremdung (Stichwort Ferienwohnungen). Unablässig werde im Bezirk und vor allem in Parknähe gebaut wie z. B. in der Flottwellstraße entlang dem Gleisdreieckwestpark, zur Straße hin fugenlos dicht und auf Kosten des gesamten Straßenbaumbestands. Ihr energisches Votum für den Verzicht auf jede weitere Bebauung der Innenstadt sprach vielen der Anwesenden aus dem Herzen.

Als könne man die Mietpreisexplosion durch Neubau lösen im Kinderglauben, dass Investoren investieren, damit die Preise sinken, oder als könne man ernsthaft von Privathand sozialen Wohnungsbau erwarten! Vielmehr sei derzeit zu beobachten, wie ein Filetstück nach dem anderen mit ausschließlich hoch zu bezahlendem Wohnraum zubetoniert werde.

Giselle Orlowski, Mitglied der Grünen und glücklicherweise zugleich Anwohnerin, verwies auf den Kongress der Grünen vom vergangenen Wochenende (24.11.) „Soziale Stadt im Klimawandel“, zu dessen Empfehlung gehöre, wenn schon öffentliche Flächen als Bauland veräußert würden, dies nicht an irgendwelche Großinvestoren und Investmentfirmen, sondern wenigstens an gemeinnutzorientierte Genossenschaften zu tun, lehnte das konkrete Vorhaben aber aus stadtklimatischen wie Natur- und Artenschutzgründen gleichermaßen strikt ab.

Giselle Orlowski (Grüne)

Anwohnerin Giselle Orlowski (Grüne)

Wertvolle Stadtbrachen

Landschaftsarchitekt und BUND-Mitglied Detlev Dahlmann erläuterte neben der ökologischen eindringlich die naturschutzfachliche Wertigkeit von innerstädtischen Brachflächen, ob es sich um das Vorkommen schon ausgestorben geglaubter Moose und Kräuter handele oder um wertvollen Altbaumbestand, fand den Begriff „Brache“ in der Alltagssprache auch so negativ besetzt, dass ein anderer Not täte und belegte mit eindrucksvollen Bildern, wie wichtig es sei, solche Flächen im Stadtgebiet im Sinne einer doppelten Innenentwicklung zu sichern, die sie also einerseits menschlicher Nutzung wieder zugänglich macht, sie andererseits als auch fürs Überleben nichtmenschlicher Lebensformen notwendigen innerstädtischen Freiraum erhält.

Als behutsame Nutzung einer solchen Fläche nannte Dahlmann den Garten hinter dem schmalen Haus an der Yorckstraße, das Karl-Heinz Mühlenhaupt seit 1990 gemietet hat und das anders als die Yorckbrücke 7, in deren Nachbarschaft es aufragt − kaum zu glauben − nicht unter Denkmalschutz steht. Sein rückwärtiger idyllischer Naturgarten mit Teich und vielen Blühpflanzen lässt vergessen, dass einige Dutzend Meter entfernt der Verkehr auf der Yorckstraße vorübertost.

Mühlhaupt-Gebäude

Vom Abriss bedroht: Gebäude am S-Bhf. Yorckstraße

Mühlenhaupt wurde nun von der offiziellen Besitzerin der Bautzener Brache, der Dr. Wolfgang Schroeder GmbH & Co. KG, mit dreimonatiger Frist zum Jahresende gekündigt, als wohne er zur Untermiete. Eine Vertreterin des sozial eingestellten Neueigners soll gar schon gedroht haben, das Haus mit dem Bagger auch dann einzureißen, wenn es bis 1.1.2013 noch nicht geräumt sei.

Mühlhaupt-Kündigung durch Schröder

Schroeders Kündigungsschreiben

Nun dürfen wir also gespannt sein, wie die BVV entscheidet. Uli Hauschild, stellvertretender Fraktionsvorsitzener der Grünen, versuchte erstmal, die Ängste vor höherer Verlärmung zu zerstreuen: da gäbe es doch ein neues Verkehrslenkungskonzept. Doch auch er bestätigte, dass die Sache mit dem Baurecht „noch nicht endgültig gegessen“ sei, dass aber die Grünen oder die BVV nicht der BUND plus die sich in seinem Sinn engagierenden BürgerInnen seien. Bekanntlich würden wir in einer repräsentativen Demokratie leben, wo es gelte, auch die Interessen anderer Gruppen zu berücksichtigen. − Soll im Klartext heißen: die Interessen der InvestorInnen und der sozial Starken? Die Herausforderungen von Stadtnatur- und -klimaschutz scheinen bei den Grünen nur noch als erbauliche Kongress-Themen zu taugen.

Hoffentlich gerät also nicht das große Ganze samt seiner verkehrlichen Infrastruktur aus dem Blick: Matthias Bauer von der AG Gleisdreieck erinnert an die Vorhalteflächen für die S 21, die, wenn sie dereinst gebaut wird, was zu wünschen wäre, die Bahn zum Rückkauf der von ihr vorschnell aus der privilegierten Nutzung entlassenen und inzwischen bebauten Fläche zwänge, denn die Trasse würde hart an Gebäuden vorbeiführen. Auch wenn sich in diesen wahrscheinlich die erschwinglichen Wohnungen befänden, würde der Wiedererwerb für Bahnzwecke ein teurer Spaß!

Ein Kiez sagt NEIN!

Die AnwohnerInnen der Bautzener Straße sammeln also fleißig weiter Unterschriften, und da die Grüntangente, in die hier eine Schneise betoniert werden soll, von überregionaler Bedeutung ist, sind durchaus auch nicht unmittelbar Ortsansässige zum Unterschreiben (und evtl. Mitsammeln) aufgerufen.

Der BUND und natürlich die neue AnwohnerInnen-Initiative mit ihrer Aktion „Ein Kiez sagt Nein!“, die BI St. Matthäus, die AGG, die BI Eylauer Straße und die BaL werden sich weiterhin diesem Projekt entgegenstellen, das jedem sozial-ökologischen Umbau zuwiderläuft und obendrein ein schönes Symbol abgibt, was wir uns mit der Verschleuderung öffentlichen Grund und Bodens an den Hals holen, wie wichtig also eine Neuausrichtung der Liegenschaftspolitik ist und last not least − eine Mietpreisdeckelung. Wir können nicht infolge einer vermieter- und investorenfreundlichen Gesetzgebung die Versiegelung und Verwertung auch noch der letzten Lücke unserer Innenstädte dulden, bis all jene, deren Zustrom man damit angeblich glaubte bewältigen zu müssen, das Weite suchen.

BUND-Veranstaltung 28.12.12

Im Kiez plakatiertes Veranstaltungsergebnis

Vor allem gilt es immer wieder den Finger darauf zu legen, wie sehr die geltende Rechtslage, aber mehr noch die politischen Entscheidungen auch und gerade auf kommunaler Ebene den auf Landesebene beschlossenen Planwerken und Strategien für eine überfällige Wende und Transformation unserer Stadtentwicklung und Lebensweise konterkarieren; wie trotz allem bereits angerichteten, sich immer höher türmenden Schaden die zutiefst asoziale Ideologie der Verwertung von alles und jedem für kurzfristigen Profit herrschendes Leitbild bleibt.

Bautzener Brache, Herbst 2012

Bautzener Brache, Herbst 2012

Und hier die BUND-Präsentation als PDF

BUND-Präsentation

BUND-Präsentation

7 Kommentare

  1. 3. Dezember, 2012 um 0:36

    Der Termin war ungünstig gewählt, Stadträtin Klotz hatte schon Wochen vorher zugesagt beim Präventionsrat Schöneberg Nord und was dort besprochen wird, ist nicht einfach Routine. Sehr schade, dass die Veranstalter ihren Termin nicht abgestimmt haben mit den anderen Terminen im Kiez. Bitte beim nächsten Mal besser machen! Ansonsten Kompliment an die Veranstalter und besonders für den Vortrag von Andreas Faensen-Thiebes.

  2. Die Grünen sind wie die Schwarzen said,

    3. Dezember, 2012 um 20:50

    „Kongress der Grünen vom vergangenen Wochenende (24.11.) Soziale Stadt im Klimawandel“.

    Ja, Kongresse können sie machen, Die Grünen.

    Aber eine echte grüne Politik, unter anderem im Sinne des Erhalts der Stadtnatur, die machen sie weder in Tempelhof-Schöneberg (Frau „Umweltstadträtin“ Klotz), noch in Friedrichshain-Kreuzberg („Umweltstadtrat“ Panhoff, Bezirksbürgermeister Schulz).

    Die Grünen sind die neuen Schwarzen (CDU). Und die quatschen auch nur von der „Bewahrung der Schöpfung“ und machen gleichzeitig das Lebensumfeld der Menschen kaputt. – Bei gleichzeitiger simulierter BürgerInnenbeteiligung, versteht sich.

    • jürgen julius irmer said,

      4. Dezember, 2012 um 0:17

      …besser kann man es nicht ausdrücken!

      heute früh wurde wieder (in alter „grüner“ gewohnheit) ein baumriese auf dem mariannenplatz umgelegt.
      vermutlich um langsam aber sicher das umfeld für den geschmack des neugrünenSUVsichtschneisen-geradeausgucker-klientels zu gestalten…

      • BaL said,

        4. Dezember, 2012 um 13:44

        Tja, wir haben leider kein SEK, keine 24/7-Bereitschaft etc., können also nur immer wieder auf die von uns seinerzeit durchgesetzten Baumfälllisten verweisen und die AnwohnerInnen bei Bedenken, ob eine der stereotypen Fällbegründungen bei „ihrem“ Baum auch wirklich zutrifft, dringend auffordern, sich VORHER im Fachbereich Grünflächen 90298-8024 zu erkundigen, ob und wenn ja welche diagnostischen Verfahren eingesetzt wurden, um die sog. Restwandstärke zu ermitteln und eine mangelnde Stand- und Verkehrssicherheit tatsächlich nachzuweisen.

        [Als Versagenskriterium gilt die 30%-Regel, die im allg. durch Bohrwiderstandsmessung mittels Resistograph an mehreren um den Stamm verteilten Messpunkten ermittelt werden muss. – F’hain-Kreuzberg verfügt weder über ein solches Gerät noch, was schwerer wiegt, die nötige Expertise seiner Anwendung und fachkundigen Messkurvenauswertung. – Insbesondere bei wertvollen Altbäumen ist deshalb eine externe Begutachtung unbedingt erforderlich!]

        F’hain-Kreuzberg ist lt. BUND-Baumreport einer der beiden einzigen Bezirke, die in Berlin zumindst 2011 eine leicht positive Straßenbaumbilanz aufwiesen, also mehr Pflanzungen als Fällungen. Wir wollen nicht hoffen, dass vor diesem Hintergrund nun noch „großzügiger“ gefällt wird. Andererseits ist Xhain von den nämlichen Personal- und Ressourceneinsparungen betroffen, so dass tendentiell Neupflanzung aufwändiger Baumpflege vorgezogen wird. – Kurz: hier ist unser aller Engagement gefragt und Delegieren oft nicht ausreichend😉

  3. ProBaumpflege said,

    4. Dezember, 2012 um 21:58

    Auch bei der 30% Regel muss der Baum noch nicht gefällt werden, er kann auch mit einer Kroneneinkürzung stehen bleiben wenn die Krone habitusgerecht eingekürzt werden kann.

    • BaL said,

      4. Dezember, 2012 um 22:26

      Ganz klar! Dennoch setzt sich in solchem Fall leider überwiegend die zuletzt benannte Tendenz durch.

  4. jürgen julius irmer said,

    6. Dezember, 2012 um 0:22

    …die sägen „singen“ im morgengrauen und die baumfällliste ist offenbar nicht relevant.wie können wir „unsere“ bäume dann schützen?
    gar nicht! wie gehabt.
    so reibt man sich also auch in zukunft bei der hunderunde die augen und wird von entsetzten mitbürgern auf das elend angesprochen+weiß nichts+kann nichts machen+der hartleibige apparat sägt sich weiter durch..


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