Gefühlter Konsens

Über achtzig Prozent der Grobplanung einig

Präsentation der Zielvariante des Mediationsforums

Erstmals seit Frühjahr tagte am Montag (5.11.) wieder mal das Mediationsforum Zukunft Landwehrkanal, und VertreterInnen fast aller 25 Interessengruppen kamen zusammen. Manche hatten sich länger nicht gesehen, denn die reichlich mühsame Arbeit an der Komposition der Zielvariante für die Kanalsanierung, die sich aus zahlreichen Abschnitten jeweils unterschiedlicher Realisierungsvarianten (RV) zusammensetzt, geschah in insgesamt 17 Sitzungen der AG Lösungssondierung mit zuletzt wöchentlicher Schlagzahl! Mediatorin Voskamp dankte dem „harten Kern“ der Gruppenmitglieder für ihr ausdauerndes Engagement.

Diese 37. Forumssitzung war nicht zuletzt dank einer zusätzlichen sechsstündigen „Sonderschicht“ eines Mitglieds der WSA-AG LWK und einer Bürgervertreterin wirklich exzellent vorbereitet worden. Der auf Wunsch der Analog-Fraktion auf viele Blätter ausgedruckte, an Stelltafeln geheftete Plan des Kanalverlaufs mit der eingezeichneten WSV-Aufschlagsvariante war von semitransparentem Papier überdeckt, auf dem der Vorschlag des Mediationsforums (bzw. zunächst nur der Lösungsgruppe) von Hand eingezeichnet war und während der Präsentation fortgeschrieben oder modifiziert wurde.

37. Forum in Aktion

37. Forum in Aktion

Während sie die Forumsmitglieder im Halbrund umstanden, begründete die erwähnte Bürgervertreterin, unterstützt von der WSA-Angestellten, die jeweilige Methodenwahl, die öfter mal vom WSV-Vorschlag abweicht, meist zugunsten von loser Steinschüttung statt Stahl (RV 17 statt 12). − Auf eine vergleichbare Herleitung ihrer jeweiligen Entscheidungen durch die Planer aus dem WNA warten wir nun schon einige Wochen vergeblich. Leider nahm auch am Montag wieder niemand von ihnen teil.

Nur nebenbei: Ganz unabhängig davon, ob sie mit den Vorschlägen der Lösungsgruppe nun konform gingen oder nicht, dankten die Forumsmitglieder für diese minutiöse Aufbereitung, doch wenn sie auch in jüngster Vergangenheit den WSV-MitarbeiterInnen unter ihnen für ihren Einsatz wiederholt ebenfalls Lob und Anerkennung gezollt haben, warteten bspw. die BürgervertreterInnen auf Entsprechendes aus Richtung WSV vergeblich.

Konfliktbearbeitung

Dispute gab es vorwiegend über die Wahl loser Steinschüttung (Realisierungsvariante 17) an Stelle stählerner Verspundung (RV 12 mit ihren Subvarianten), manchmal aber u. E. auch nur auf Grund von Missverständnissen darüber, dass die Sanierung der tragenden Bauwerkskonstruktion unabhängig von Verspundungs- und Schüttungsvariante gesehen und so oder so adäquat ausgeführt werden muss.

Dazu graust es den VertreterInnen der Denkmalpflege vor einem „Flickenteppich“ sich auf kurzer Distanz abwechselnder Varianten mit entsprechendem Signalisierungsaufwand. Sodann forderten sie, auch wenn entsprechende Kosten lt. WSA schon in die Schätzung eingerechnet worden seien, angesichts vergangener Erfahrungen und alarmierender aktueller Befunde die Aufstockung von Pflege- und Unterhaltungsmitteln im Forumsbeschluss festzuschreiben.

Ordnungsgemäße Unterwasser-Verfüllung bleibt Fragezeichen

Skepsis ist vor allem dort berechtigt, wo sie die Sanierung der maroden Ziegelflachschicht unter Wasser betrifft, was eben nur bei der Steinschüttung, nicht aber bei einer Spundwandlösung nötig wird, die es im (halbwegs) Trockenen erlaubt. Zu jener Variante aber gibt’s, wie berichtet, keine wirklich vergleichbaren Erfahrungen − vielleicht wird unterdessen noch jemand fündig − und würde sich demnach, wenn nur die Mittel bereitstünden, die Einrichtung einer weiteren Test- oder Pilotstrecke geradezu aufdrängen.

Aber jetzt geht’s erstmal um den Entwurf Haushaltsunterlage (E-HU), logischerweise mit geschätzten Kosten, d.h. man muss sich festlegen, obwohl ein Teil der Fragezeichen, die nun als Hinweise für notwendige weitere, detailliertere Prüfung den ersten Wurf des Mediationsforums säumen, gegenwärtig unbeantwortet bleiben muss. Qualitätssicherung bei Steinschüttungsvarianten muss jedenfalls fester Vertragsbestandteil werden!

Die WSA-AG LWK und das WNA wollen nun ihrerseits den Forumsaufschlag prüfen und bis ca. Monatsmitte berichten. WSA-Leiter Scholz bekräftigte noch einmal, dass nur ein einziger Vorschlag, nämlich der gemeinsame des Mediationsverfahrens, zur Genehmigung eingereicht werden wird.

Dem Eindruck, über fast 90 Prozent der Sanierungsgrobplanung Konsens erzielt zu haben, den die MediatorInnen artikulierten, widersprach niemand. Für eine frohe Weile durchzog Erleichterung den Konferenzraum im Columbiagebäude: „Die Lösung scheint greifbar nah!“ frohlockte Mediator Kessen.

Stadtökologische Nachhaltigkeit

Zum Komplex Ökologische Maßnahmen, seien sie nun reaktiv als Kompensation − „da müssen wir ja erst wissen, was gemacht wird!“ lautete die schon hundert Mal zurückgewiesene These (insofern besonders dort, wo sich nach entsprechenden Untersuchungen, die es leider erst zu geringem Teil gegeben hat, ökologisch wertvollere Abschnitte vorfinden, das Vermeidungsgebot bestmöglich einzuhalten versucht und wenn irgend möglich die verträglichste Variante, also RV 17 gewählt werden sollte)  −; oder seien sie aktiv im Sinn einer Ausschöpfung der Potentiale zur ökologischen Aufwertung des Kanals, wofür Fachleute ja bereits eine Anzahl von Vorschlägen gemacht haben, wurde entlang des Kanalverlaufs ein halb Dutzend Stellen entsprechend markiert.

Dies deckt sich mit der Trittstein- oder Perlenschnur-Metaphorik der gewässer– und fischökologischen Inputs aus der Frühzeit des Verfahrens, d.h. es kommt nicht auf flächendeckende, durchgängige Schaffung besserer Habitatqualitäten für Fisch, Krebs und Muschel an, sondern die Anlage von ökologisch höherwertigen Strukturen in bestimmten Intervallen ist hinreichend. Ob jedoch die vier oft bezeichneten Stellen

  • Flutgraben
  • Studentenbad
  • Urbanhafen und
  • Esplanade-Liegestelle

schon ausreichen, wenn jetzt noch einige Rückzugsgebiete mit loser Schüttung im Baumschatten hinzukommen, muss in jenem nunmehr für den 10.12. anberaumten besonderen „Öko-Termin“ der AG Lösungssondierung fachkundig erörtert werden.

Durchgängigkeit später

Vom Festhalten an der Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit als maßgeblicher Beitrag zur Umsetzung der WRRL auch am LWK zeigen sich die Vertreter der WSD Ost, Hildebrandt und Bärthel, zunehmend genervt, repetieren immer wieder die Sprachregelung von der längst beschlossenen Priorisierung, wonach der LWK noch lange „nicht dran“ sei und die Wiederherstellung einer barrierefreien Wanderroute über die Spree durch entsprechende Anlagen an der Mühlendammschleuse absoluten Vorrang habe.

Für so was kein Geld?

Dem folgt leider auch der Senat −, allein was kann man erwarten, wenn das hoch verschuldete Berlin durch Übernahme der Planungs- und vieler weiterer Folgekosten den Bau von 3,2 km Autobahn für eine halbe Milliarde Euro mit allem Nachdruck fördern muss? Es passt in ein politisches Absurdistan, wo Umwelt- und Klimaschutzpredigten politischer Mainstream sind und zugleich mit kaum vermindertem Tempo (100 ha/Tag) asphaltiert und betoniert wird und wo der jüngste Koalitionsgipfel mal eben weitere 750 Mio. für den Straßen- und Autobahnbau springen ließ. [Update: „Wie der Minister berichtet, sind 570 Millionen Euro für Straße geplant, davon 10 Millionen Euro für Radwege; die Schiene soll 40 Millionen Euro für ein Lärmschutzprogramm erhalten und die Wasserstraße 140 Millionen Euro. Die Projektlisten werden derzeit im Haus erarbeitet.“ (aus Ramsauer-Gespräch: „Man darf sich nicht kaputtsparen“, faz.net 11.11.12]

Wenn andererseits gerade infolge zivilgesellschaftlicher Partizipation und vermöge einer ökologisch höherwertigen Lösung ein Projekt ganz erheblich preiswerter wird, kann dennoch auch kein Bruchteil der eingesparten Steuermittel für weitere ökologische Maßnahmen an Ort und Stelle in Interesse von Natur- und Artenschutz verausgabt werden, ob wir nun einschlägige Programme und Handlungsanweisungen haben oder nicht: das sei eben Kameralistik.

Dass ein langwieriges, sehr viel Kraft kostendes Beteiligungsverfahren sich insbesondere für ehrenamtlich Engagierte durch die Güte seines Resultats „lohnen“ muss; dass der innovative Charakter des Formats Mediation mit seinem eindrucksvollen Aufwand auch wirklich innovative, nämlich zukunftsweisende Lösungen zeitigen sollte, schon um die von der schieren Verfahrenslänge eingeschüchterten und abgeschreckten BürgerInnen wieder zu versöhnen und nicht zuletzt auch die Überzeugungskraft derer, die sich der Mühe des partizipativen Planungsprozesses unterziehen, gegenüber skeptischen Stimmen zu befördern, erscheint aus dieser Sicht verzichtbar bzw. hoffnungslos idealistische oder bloß naive Denk- und Herangehensweise. Viel sind der Verwaltung animierende Außenwirkung und Strahlkraft dieses Verfahrens nun doch nicht wert.

Immerhin fand die Idee einer kombinierten Fischaufstiegshilfe und Bootstreppe im Bereich des Wehrgrabens in Charlottenburg gewissen Anklang. Die Anbindung der Tiergartengewässer wird als Option „mitgenommen“, wenngleich in ihrer gewässerökologischen Sinnhaftigkeit bezweifelt: Es frage sich doch, ob die Mischwässer aus dem Landwehrkanal den stehenden Tiergartengewässern gut tun oder nicht gerade dort O2-zehrender Eutrophie weitere Nahrung liefern. − Ob tatsächlich ein solcher Stofftransport stattfände, können wir nicht beurteilen, aber davon abgesehen sei wiederholt, dass es auch um Laichmöglichkeiten, Nahrungs- und Winterhabitate für die gestressten Fische aus der künstlichen, strukturarmen, vielbefahrenen Wasserstraße LWK geht und damit um Diversifizierung des Arteninventars. − Diese und andere Aspekte sollen nun im Rahmen eines Masterplans Tiergartengewässer auf wissenschaftlicher Basis abgewogen werden, und Ergebnisse seien frühestens in anderthalb Jahren zu erwarten. Aber wir haben ja Zeit (s.u.).

Lange und kurze Zeitschiene

Lebhaft problematisiert wurde mal wieder die aus Gründen der Finanzierung und Tranchierung auf fünfzehn Jahre terminierte Dauer der Sanierung − „bei vielleicht siebzig Millionen Euro Gesamtkosten macht das kapp fünf Millionen jährlich: das ist doch ein Witz!“ ließ sich die Denkmalpflege vernehmen und verwies ihrerseits auf die gerade erfolgte 750Mio.-Zuteilung für bundesweiten Autobahnbau. Bei Gesamtkosten von sechzig bis siebzig Millionen und 10Mio.€-Tranchen sei es vielmehr in sechs bis sieben Jahren zu schaffen. − Auch Senatsvertreter Rehfeld-Klein forderte vom Bund die Vorlage eines nicht nur budgetgetriebenen Bauzeitenplans: „Hier müssen wir eine Beschleunigung reinbringen“, während auch die WSV-Leute von den fünfzehn Jahren abrückten: „Das war doch nur eine erste Idee.“

Zum zweiten erregte ein voraussichtlicher Baubeginn erst 2017 die Gemüter, weil, wie berichtet, plötzlich auch wegen Reduzierung der Fahrrinne, ja bloß wegen dauerhafter Einführung von Einrichtungsverkehr für große Fahrgastschiffe, was doch seit mindestens vier Jahren informell Konsens ist, ein − Planfeststellungsverfahren notwendig sei.

Planfeststellungsverfahren?

Nun wird von WSD-Vertretern gar behauptet, dies alles habe Frau Swieter von der Planfeststellungsbehörde bei der WSD Ost in Magdeburg zu Beginn des Verfahrens dargelegt. Und im BMVBS wurde uns bedeutet, es sei kontraproduktiv, die Planung so auszurichten, dass eine Planfeststellung vermieden werden könne.

Nach unserer Erinnerung kostete es jedoch noch vor nicht allzu langer Zeit ganz im Gegenteil einige Anstrengung, im Interesse einer ökologisch nachhaltigen Sanierung eine Umweltverträglichkeitsstudie bzw. -untersuchung in Analogie zu jener erstellen zu lassen, die der Umweltverträglichkeitsprüfung in einem regulären PFV zugrunde liegt. Ohnehin blieb es bei ersten Schritten, der Sichtung und Auswertung der bestehenden Datenlage, der Benennung der Lücken und Aktualisierungsbedarfe sowie einer mehr oder minder groben Einschätzung unter Vorbehalt, wie es vor Ort tatsächlich mit der naturschutzfachlichen Wertigkeit aussieht. Die Frage Scoping-Termin/Unterlage: ja oder nein? avancierte für einige Wochen zum Streitpunkt und wurde schließlich großzügig doch noch bejaht. Vorboten eines PFV, wie sich jetzt herausstellt.

Auch wenn es wegen der immensen Vorarbeiten der Mediation relativ schneller gehen mag, auch wenn die erwähnten Untersuchungen zu Umweltbelangen nun zwingend vorgeschrieben sind und auch wenn Rechtssicherheit ein hohes Gut ist: das Prozedere verlängert den Baubeginn mindestens um weitere zwei Jahre, und vorher war, wenn’s „realistisch betrachtet“ wurde, immer schon von frühestens 2015 die Rede.

Drittens und mehr grundsätzlich sind Planfeststellungsverfahren eine Beteiligungsform, die sich zigfach als völlig unzureichend für wirkliche Partizipation, Mitplanung und Mitentscheidung erwiesen hat, insofern die BürgerInnen zwar ihre Einwände gegen ausformulierte Planungen erheben können und irgendwann anschließend ermüdende Erörterungstermine weitestgehend passiv erdulden müssen, ohne doch letztlich Einfluss auf den Abwägungsprozess zu haben und immer wieder erleben zu müssen, wie sämtliche ihrer Einwendungen „weggewogen“ werden.

Hätten also die BürgerInnen von Anbeginn gewusst, dass sie nichts als ein solches Verfahren vorbereiten helfen sollen, wäre es zum Mediationsverfahren vielleicht gar nicht gekommen.

Die Versicherung Tjark Hildebrandts von der WSD, dass doch mit nichts anderem als der Mediationsvariante als Favorisierungsvariante in ein mögliches PFV gegangen werde, vermag da nicht zu trösten. Nach Meinung von Matthias Rehfeld-Klein müsse die enorme Vorarbeit des Mediationsverfahrens in die Beurteilung, ob es tatsächlich noch einer PF bedürfe, einfließen, während Klaus Lingenauber vom LDA angesichts der offensichtlichen Furcht vor zeitraubenden Klagen Dritter die Interessengruppe Reederschaft zu einem Letter of Intent, einer Absichtserklärung aufforderte, bei Erreichen einer konsensualen Lösung aufs Einlegen von Rechtsmitteln zu verzichten.

Teilplanfeststellung?

Da sah WSD-Vertreter Hans Bärthel wohl ein Unwetter heraufziehen, denn er sprach erstmal allen genannten Jahreszahlen jeden Wirklichkeitsgehalt ab und führte sodann die Möglichkeit von Teilplanfeststellungsverfahren für bestimmte Abschnitte ein, während dessen an anderen, deren Planung nur eines einfachen Genehmigungsverfahrens bedürfe, schon gebaut werden könne: im Rahmen der Unterhaltung vielleicht schon ab 2014.

Und viertens geht es um den so kurzen wie konkreten Zeitplan bis zur Einreichung des E-HU in kaum mehr sieben Wochen! Die BürgvertreterInnen und sicher auch der übergroße Teil des Forums wollen alles daran gesetzt sehen, dass der Termin diesmal eingehalten wird. In punkto Zeitschiene hält sich die WSA-AG LWK auffallend zurück, doch für „die nächsten Tage“ stellte LWK-AG-Leiter Dohns in Aussicht, etwas rumzuschicken. Bislang ist er noch nicht eingetroffen.

Der E-HU wird nur ein, wenn auch der wichtigste Gegenstand der zu unterzeichnenden Mediationsvereinbarung sein – ohne gibt’s kein Geld -, die bis dahin ausformuliert und vor allem auch fürs weitere Vorgehen bis zur Erstellung der Ausführungsplanung (AU), insbesondere aber deren Umsetzung in wer weiß wie vielen Jahren Beteiligung und Mitsprache verbindlich regeln muss. − Die nächste Runde Lösungssondierung folgt am 26.11.

Epilog zur flachen Lernkurve des Bezirkamts Xhain

Zum Ausklang dieser Forumssitzung kamen die VertreterInnen des Friedrichshain-Kreuzberger Bezirksamts endlich dem nach, was BaL-VertreterInnen nun schon seit Wochen anmahnen, nämlich die bezirklichen Planungsabsichten für einen zentralen Uferabschnitt des LWK, und zwar dem zwischen Admiral- und Baerwaldbrücke entlang des rechten (nördlichen) Ufers des Urbanhafens, im Mediationsforum „Zukunft LWK“ vorzustellen.

In aller Stille war ein Wettbewerbsverfahren veranstaltet worden, das bereits am 14. September endete und wovon wir nur zufällig erfuhren, denn leider wurde versäumt, BürgerInnen oder das Forum auch nur zu informieren, geschweige VertreterInnen an der Formulierung von Wettbewerbskriterien und Aufgabenstellung zu beteiligen, obwohl AnwohnerInnen das Bezirksamt seit nunmehr fünf Jahren bspw. auf die von Rad- und Fußverkehr verursachten Wurzelschäden am alten Baumbestand hinweisen und obwohl BI/Verein BaL ebenso lange eine integrierte Planung von Uferbefestigung und -böschung fordern, von wasser- und landseitigem Bereich.

Bürgermeister Franz Schulz unterstützte 2008 bekanntlich als einziger der fünf Anrainerbezirksbürgermeister den Gedanken eines solchen „Masterplans LWK“ – und da sollte nach dem Willen der damaligen Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer (SPD) der grün regierte Bezirk gefälligst auch für die personellen und finanziellen Ressourcen aufkommen −, womit sich die Sache erledigt hatte, was wiederum einige BürgervertreterInnen zum Anlass nahmen, aus der Mediation auszusteigen.

Old School Top Down

Letzten Montag nun erfuhr das natürlich nur teilweise interessierte Forum von der Vertreterin des Fachbereichs Naturschutz und Grünflächen und neuem Forumsmitglied, Birgit Beyer, dass, nachdem das „Mehrstufige Beteiligungsverfahren zur Qualifizierung des Grünzugs ELK – Abschnitt zwischen Skalitzer Straße und LWK“ nach einer Infoveranstaltung Anfang 2011 und drei durchaus konstruktiv verlaufenen Werkstatt bzw. Ortsbegehungen wegen angeblich mangelnder Kompromissbereitschaft des Architekten Baller, der die Urheberrechte an der Bestandsgestaltung innehat, im Nichts endete. In einem Schreiben des Baustadtrats vom 20(!).09.12 [Datum der E-Mail], nach unverständlich langem Schweigen des Bezirksamts über den Beteiligungsprozess, findet sich keinerlei Hinweis darauf, dass die Mittel aus dem Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz [diesmal!] umgewidmet werden konnten, kein Hinweis aufs neue Vorhaben oder gar die Aufforderung, sich hier einzubrigen, obwohl die Bewerbungsfrist für Planungsbüros gerade zuende ging. [Die Ballersche Planung mit Stand Feb. 2012 war auf der Website der Stattbau Berlin GmbH einsehbar, wurde aber inzwischen womöglich wegen mangelnder Speicherkapazitäten😉 gelöscht.]

Städtebaulicher Denkmalschutz vom ELK an den LWK

Die Fördermittel stehen also nun, so führte Frau Beyer anhand einiger Folien aus, für eine „Überarbeitung der Wegeführung“ insbesondere an der „Einmündung“ des ELK in den LWK und vor dem Statthaus Böcklerpark sowie für eine „Optimierung der Erholungsmöglichkeiten am Wasser“ zur Verfügung. Am 17.12. soll eine Jury über die bis dahin eingereichten Entwürfe entscheiden und schon Ende Juni 2013 eine BPU vorliegen. Ein ambitionierter Zeitplan fürwahr, der natürlich nur untere Beteiligungsstufen zulässt.

Stadtrat Panhoff, der zwischenzeitlich eineR BürgervertreterIn einen Platz als nicht stimmberechtigter „Gast“ in dieser Jury angeboten hatte, was aber als inakzeptabel abgelehnt worden war, bot nun gar den eigenen an, doch kann das auch nicht Sinn der Sache sein.

Es war an Mediator Kessen, zum xten Mal zu erläutern, wie sich aus Sicht der Mediation eine wirkliche BürgerInnenbeteiligung darstellt, eben genau umgekehrt: erst die Sammlung der Interessen und Bedürfnisse der Planungsbetroffenen, dann die Ableitung der Kriterien und daran ausgerichtet und zu messen schließlich die Planungsentwürfe.

Warum behördliches Ignorieren von Mediationsergebnissen?

Die, wir müssen schon sagen, Ausrede des Bezirks, ein solch komplexes Mediationsverfahren aufgrund knapper Ressourcen nicht leisten zu können, geht reichlich fehl, indem die unterschiedlichen Interessen im und am LWK längst hinlänglich bekannt sind, ein daraus deduzierter Kriterienkatalog nun schon seit Jahren vorliegt und es für die Xhainer BezirksvertreterInnen ein leichtes gewesen wäre, auf dieser Grundlage die Aufgabenstellung für Planungsbüros zu entwickeln. Ganz im Gegenteil haben sie sich jedoch nicht einmal veranlasst gesehen, frühzeitig über das Vorhaben auch nur zu informieren. Beteiligung motivieren kann das nicht, zumal der Einsatz am ELK wohl für die Katz war.

4 Kommentare

  1. Kreuzhainer BürgerInnen said,

    11. November, 2012 um 19:50

    Ist also wieder mal nix mit der Bürgerbeteiligung in Friedrichshain-Kreuzberg ?!

    Das geht so nicht.

    Wieso muss man auch bei Umweltstadtrat Panhoff (B 90/Die Grünen) mit dem Aufklären über die von den BürgerInnen selbstverständlich erwartete Bürgerbeteiligung immer wieder bei Null anfangen???

    Für die ökologische Gestaltung Luisenstädtischen Grünzug hatten sich jahrelang die BI „Bäume für Kreuzberg“ und die BI „Bäume am Landwehrkanal“ engagiert. Das weiß auch Frau Beyer vom Bezirksamt.

    Dass die BürgerInnen u.a. bei einer von den AnwohnerInnen bereits vor Jahren initiierten Neugestaltung der Wege und einer Neubepflanzung des Landwehrkanalufers im Böcklerpark (Trampelpfad) bereits vor der Planung einbezogen werden müssen, ist doch klar!

    Zumal das zum Themengebiet des Mediationsverfahrens „Zukunft Landwehrkanal“ gehört.

  2. Kanal voll said,

    16. November, 2012 um 15:50

    Die Bürgervertreter A. und O. sind aus dem Mediationsverfahren ausgestiegen, weil das Bundesverkehrsministerium die Zuständigkeit für eine integrative Gesamtplanung der Landwehrkanalsanierung (MASTERPLAN) auf das Land Berlin und die fünf Bezirke abgeschoben hatte, durch die der Landwehrkanal fliesst.

    Andere BürgervertreterInnen sind ausgestiegen, weil sie sich immer wieder von Verwaltung und Politik verarscht gesehen haben. Oder weil sie einfach keine Zeit mehr für das stundenlange oft genug unproduktive Gelaber hatten.

    „Bürgermeister Franz Schulz unterstützte 2008 bekanntlich als einziger der fünf Anrainerbezirksbürgermeister den Gedanken eines solchen “Masterplans LWK” – und da sollte nach dem Willen der damaligen Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer (SPD) der grün regierte Bezirk gefälligst auch für die personellen und finanziellen Ressourcen aufkommen −, womit sich die Sache erledigt hatte, was wiederum einige BürgervertreterInnen zum Anlass nahmen, aus der Mediation auszusteigen.“

    • BaL said,

      16. November, 2012 um 17:03

      Ja ja, die Gechichte(n) oder mit Faulkner: „Die Vergangenheit ist nicht tot. Sie ist nicht einmal vergangen.“

      Im Übrigen kann dieses Blog hier auch als Archiv benutzt werden…

  3. 17. Dezember, 2012 um 20:42

    […] Immergut Festival (2541) 169. Französischer Film.de (2545) 170. Berliner Speisenmeisterei(2548) 171. Landwehrkanal-Blog (2605) 171. Rad-Spannerei blog (2623) 172. Stadtkind.tagesspiegel (2650) 173. Fräulein Julia(2685) […]


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