Zielvariante nimmt Gestalt an

In Erwartung einer spannenden Forumssitzung

Arbeitskonflikte

Die Haupt-Realis.varianten

Die Haupt-Realisierungvarianten Bitte anklicken!

Die mit Blick auf die 37. Sitzung des Mediationsforums Zukunft Landwehrkanal am nächsten Montag (5.11.) wichtige 17. Sitzung der AG Lösungssondierung vor gut einer Woche (24.10.), in der die bisherigen Vorschläge zur Verortung von Realisierungsvarianten für die alles umfassende Zielvariante kritisch begutachtet werden sollten, drohte geraume Zeit, sich in Konfrontationen zu verhaken, doch dann erwies sich mal wieder das meiste nur als Missverständnis und vor allem dem divergierenden Kenntnisstand übers planerisch bislang schon Geleistete geschuldet.

Update für Denkmalpflege

Die Denkmalpflege, die in der vorigen Sitzung gar nicht, jetzt aber zu dritt vertreten war, kannte noch nicht die erhellenden Ausführungen zu den Steinschüttungsvarianten, die der auf Initiative einer Bürgervertreterin hinzugezogene Professor für Wasserbau an der Beuth Hochschule, Stefan Heimann, gerne beigesteuert hatte, und stieß sich auch vor allem an einem neuen WSA-Ranking der verschiedenen Variantentypen, worin sie ihre Interessen nicht berücksichtigt fand. Im Einzelnen fürchteten die DenkmalschützerInnen Aufwuchs, erhöhten und nicht leistbaren Unterhaltungs- und Pflegebedarf und eine unter Wasser qualitativ schlechter mögliche Sanierung der Uferbefestigung, in erster Linie natürlich der berühmten Ziegelflachschicht.

Während man sich über die anderen Punkte schließlich doch zusammenraufen konnte − keine erhöhte Gefahr aufwuchernden, das Denkmal verdeckenden Grünzeugs (zumal die mit Abstand am meisten vorgeschlagene Spundwandvariante ja ebenfalls ein Deckwerk aus Wasserbausteinen auf ihrer Kiessandhinterfüllung tragen wird), ein handhabbarer Pflegeaufwand − hier wurde sogar analog zum Natur- und Artenschutz ein Unterhaltungsplan fürs Baudenkmal angeregt −, und zuletzt das WSA-Ranking ganz zurückgezogen wurde, war die Frage nach der Möglichkeit fachgerechter Sanierung der Ziegelflachschicht unterhalb des Wasserspiegels, wenn es z. B. nicht nur um Form- sondern auch Materialtreue gehe. Doch bezweifelte Denkmal-Experte und Mitautor des GgG, Theseus Bappert, selber, ob Ziegeln heute noch state of the art seien, und statt ihrer, die ohnehin nicht sichtbar sind, nicht besser aufquellender Mörtel verwendet werden sollte, um den unerlässlichen kraftschlüssigen Verbund zu schaffen.

Sanierung unter Wasser?

Auch aus Sicht vieler anderer Forumsmitglieder ist die Frage, ob die Sanierung der Aquillesferse im Nassen und Trockenen gleichwertig gelingt, notwendigerweise nicht abschließend zu beantworten, denn es gibt zumindest in Deutschland keine einschlägigen Erfahrungen. Skepsis überwiegt. In Holland oder Venedig hofft man fündig zu werden (bzw. hat sich letztgenanntes schon etwas relativiert, ist aber in Hinsicht auf die Schadensursachen bezeichnend…). – Letztlich wurde vereinbart, dass jedeR sich nach entsprechender Expertise umtun sollte, und dazu kam von BürgerInnenseite der Vorschlag, am besten für ein Teilstück auch eine Ausführungsunterlage zu konzipieren, ganz einfach um die Praxistauglichkeit der Modelle zu überprüfen. Eine Teststrecke wäre natürlich die beste Lösung.

Beantwortung widerstrebend angenommener Prüfaufträge

Die lose und und die teilverklammerte Steinschüttung (Realisierungsvarianten 17 und 18) sind laut WSA-AG LWK in Sachen Standsicherheit und Gebrauchstauglichkeit als gleichwertig anzusehen, unterscheiden sich aber insofern als 18 (Gefälle 1:2) nur bis zu einer Geländehöhe von 34,60 m ü.NN, 17 (Gefälle 1:3) aber für alle Geländehöhen geeignet ist, die Teilverklammerung laut AG-Leiter Dohns jedoch einen geringeren Material- und Zeitaufwand erfordert. Dies wurde von Bürgervertreterinnen umgehend in Zweifel gezogen, zumal sich 18 wegen Sauerstoff zehrendem Verguss unter Wasser nur in den Wintermonaten einbringen lässt, also die Bauzeit insgesamt verlängert.

Bei schwerer Rammbarkeit (Klasse 3 – 5) unter überhängendem Baumbestand, wo der WSV-Vorschlag dennoch verrohrtes Bohren vorgesehen hatte, das jedoch aus statischen Gründen (Drohung eines Geländebruchs bei Bodenaustausch) seinerzeit am Corneliusufer von der BAW  abgelehnt worden war, und andererseits wegen der Höhe des einzusetzenden Geräts bestmöglichen Baumschutz verunmöglichen würde, wird jetzt statt RV 12 vermehrt RV 17 oder 18 vorgeschlagen. Wo es keinen Kronenüberhang gibt, soll nach Aussage von Amtsleiter Scholz durchaus wieder der Crush Piler zum Einsatz kommen, mit dem an der Teststrecke Paul-Lincke-Ufer so gute Erfahrungen gemacht wurden. Insofern das Patent der japanischen Herstellerfirma GIKEN in drei Jahren abläuft, sind auch wettbewerbskonforme Preise zu erwarten.

Wo sich hingegen eine Spundwand als notwendig erweist (Brückenanschluss/ Navigation in Engstellen) wird nun wieder ein Stückeln der Bohlen wie bspw. am Tempelhofer Ufer bzw. ein Splitten der Strecken in RV 12 und RV 17 oder 18 vorgeschlagen.

Senatsverlautbarungen

Seitens der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz (SenStadtUm) ist bereits im September ein vom Leiter der Abteilung Integrativer Umweltschutz und Forumsmitglied, Matthias Rehfeld-Klein, unterzeichnetes Schreiben eingegangen, das für alle der vorgeschlagenen fünf Hauptvarianten (zweimal Spundwand, dreimal Schüttung) das wasserwirtschaftliche Einvernehmen erklärt, für den Fall einer Teilverklammung und damit des Einsatzes von Unterwasserbeton allerdings eine neuerliche Einvernehmensherstellung für nötig befindet.

Stein oder Stahl – ökologisch egal?

LWK-Präsentation Rehfeld-Klein 1.7.2008, S. 10

LWK-Präsentation Rehfeld-Klein 1.7.08, S. 10

Es erstaunt, dass Stahl oder strukturreiche Schüttung in einer anderen Stellungnahme Rehfeld-Kleins als ökologisch mehr oder minder gleichwertig beurteilt werden. „Die maßgeblichen Varianten − Unterwasserspundwand mit 40 cm Absenkung und Steinschüttung − unterscheiden sich aus unserer Sicht gewässerökologisch nicht signifikant. Das von der BfG vorgenommene Ranking − Steinschüttung vor Unterwasserspundwand − wird von uns so in dieser Reinform nicht geteilt.“ Wir erinnern uns an andere Aussagen in der Frühphase des Verfahrens [siehe hier]. Bezüglich der  Spundwandvariante 12 betont Rehfeld-Klein: “An dieser Stelle ist unmissverständlich festzuhalten, dass die gestalterischen Forderungen des Denkmalschutzes: kein Bewuchs und weitere Absenkung auf 40 cm [= Abtrennung der Spundwand unterm Wasserspiegel] die ökologischen Vorteile dieser Variante nahezu aufzehrt. Wir haben uns seinerzeit dieser grundsätzlichen(!) Einigung aus Sicht des Denkmalschutzes mit Rücksicht auf das Verfahren nicht verweigert. Dieser Grundsatz sollte auch weiter verfolgt werden. Dennoch ist festzuhalten, dass an ausgewählten Stellen für die Ökologie von diesem Grundsatz abgewichen werden muss; diesen Kompromiss hat dann der Denkmalschutz zu akzeptieren. Nunmehr geht es im weiteren Verfahren und in der Feinplanung darum, Kanalabschnitte (ca. 10%) in den Sanierungsstrecken zu finden, in denen man Gestaltungspotenziale bzw. Raumpotenzial für ökologisch höherwertige Bauausführungen der Unterwasserspundwand hat.“ So weit der Senatsvertreter.

Winfried Lücking, Gewässerexperte des BUND, erklärt demgegenüber: „Unserer Einschätzung nach führt die Steinschüttung zu mehr Strukturvielfalt und damit zu einer ökologischen Aufwertung des Gewässers, wozu die ausführende Verwaltung laut WRRL verpflichtet ist.“

Ökologische Aufwertung

Darüber, vor allem aber über ökologisch reaktive (ausgleichende) und aktive (optimierende) Maßnahmetypen und Szenarien muss, wie schon öfter betont, endlich detailliert und sachkundig gesprochen werden, weshalb eine Bürgervertreterin auch einen eigenen Termin vorgeschlagen hatte. Leider wird es dazu nun erst nach dem Forum kommen.

Wir brauchen an dieser Stelle nicht erneut auf die Anbindung der Tiergartengewässer als beachtliche gewässerökologische Aufwertung einzugehen, aber wenigstens sprach sich auch Amtsleiter Scholz schon mal dafür aus, dieses Projekt unabhängig von der Frage der Kostenübernahme in der Mediationsvereinbarung festzuschreiben.

Steht zu hoffen, dass der Berliner „Masterplan Tiergartengewässer“ sich für diese keineswegs neuen Überlegung als aufgeschlossen erweist, vor allem aber nicht ohne Partizipation von Planungsbetroffenen und Naturschutzverbänden! Und da die WSV einerseits zu renaturierende Maßnahmen bei der Unterhaltung von Bundeswasserstraßen ausdrücklich verpflichtet ist, andererseits aber die Sanierung vermöge einer ökologischeren Lösung erheblich kostengünstiger werden dürfte als lange angenommen, ist es nur billig, dass der Bund die finanzielle Hauptlast trägt. Und wenn schon EU-Förder-, also Steuermittel mit den Kürzeln GRZ oder EFRE zur weiteren Versiegelung der schrumpfenden Reste Berliner Stadtnatur missbraucht werden, sollte man sie mal in einem Sinn für die „Förderung der regionalen Wirtschaftsstruktur“, hier: den sanften Tourismus ge- oder missbrauchen, der endlich nicht mehr nur bedacht und erörtert, sondern praktisch angegangen gehört: nämlich dem des sozial-ökologischen Umbaus!

Querschnitt bei Spundwand

Querschnitt bei Spundwand

Sanfte Mobilität

Ein weiteres gewichtiges Thema ist die Auswirkung der beiden Variantenfamilien auf die Kleinschifffahrt und den Bootsverkehr, denn hier soll es ebenfalls um Aufwertung und Zukunftsfähigkeit gehen, sollen die Potentiale für sanfte Mobilität gefördert und nach Möglichkeit die richtigen Weichenstellungen vorgenommen werden. Immerhin wurde klargemacht, dass es in der aus 112 Fahrzeugen bestehenden Fahrgastflotte in Berlin und naher Brandenburger Umgebung nur fünf Schiffe mit rund sieben Metern Breite gibt sowie zwei mit ca. 6,50 m; dann gibt’s einen gewissen Sprung auf Breiten von 5,80 m und darunter.

Eingeschränkter Begegnungsverkehr

Wenn es allerdings, wie Mediator Kessen interpretierte, vor allem um intelligente kreative Lösungen für den Begegnungsverkehr und weniger den „Kampf um jeden Zentimeter nutzbarer Breite“ gehe, gilt das, ums dick zu unterstreichen, nur für die Kleinschifffahrt bis ca. vier Meter Breite, keinesfalls aber für die Fahrgastschifffahrt. Da hat sich auch das WSA längst festgelegt, nicht zuletzt aus Gründen der Beachtung des Denkmalschutzes und Schonung des Bauwerks.

Querschnitt bei RV 17 Lose Schüttung

Querschnitt bei RV 17 Lose Schüttung

Es wäre zudem auch ökologisch abträglich infolge der dann (wieder) höheren hydrodynamischen Belastungen für die Gewässerfauna. WSA-Chef beendete das Thema mit dem Hinweis, für die großen Schiffe hätte Begegnungsverkehr niemals zugelassen werden dürfen.

Zielvariante in Sichtweite, Umsetzung noch nicht

Es scheint jedenfalls möglich, bis Jahresende eine gemeinsame Zielvariante zu entwickeln, über die dann alle Forumsmitglieder eine „Abschlussvereinbarung“ unterschreiben. Eminent wichtig wird sein, das sich das Forum als solches nicht formell auflöst, bevor Strukturen geschaffen und beschlossen wurden, etwa eine ausführungsbegleitende Arbeitsgruppe, an die es seine Beteiligung in der immer kritischen Umsetzungsphase delegieren kann.

Die Mitglieder dieser die Ausführung begleitenden Arbeitsgruppe müssten nach einer in Analogie zur Routine bei kurzfristigen, Bäume betreffenden Maßnahmen oder jener zu Sofort-vor-Ort bei technischen Problemen, noch zu vereinbarenden „Geschäftsordnung“ für den Fall unvorhergesehener Probleme welcher Art auch immer zeitnah einberufen werden können, wenn Änderungen der Ausführungsplanung und/ oder Modifikationen von Beschlüssen notwendig werden, andererseits aber auch in regelmäßigem Turnus zusammenkommen, um den Sanierungsfortschritt zu begutachten.

Querschnitt bei RV 17 Lose Schüttung

Querschnitt bei RV 17 Lose Schüttung

Zumal mit Blick aufs (und zwar wegen der Einengung der Fahrrinne) immer wahrscheinlicher werdende Planfeststellungsverfahren und deshalb möglichen Baubeginns erst 2017 − oder bei Klagen am Ende noch später! − verschwimmt nämlich die Gestaltung der Zukunft des LWK mählich wieder im Ungefähren, mit welcher Aussicht, wenig überraschend, auch die Denkmalpflege höchst unzufrieden ist.

Überdies bieten aktuelle Erfahrungen mit der Umsetzung von vermeintlich gemeinsam und konsensual getroffenen Vereinbarungen etwa im Zuge des Gleisdreieck- oder Flaschenhalspark-„Baus“ immer neue schmerzliche Lehrbeispiele für die Binse, dass der Teufel im Detail steckt, nicht unbedingt nur im technischen Sinn und auch eher als Geist der Trägheit und Beharrung mit oft sehr partikularen Interessen.

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