Erst Fakten, dann Alternativen?

Altbaum-Allee in Nacht- und Nebelaktion gefällt

Umstrittenes Bauvorhaben wird durchgepeitscht

Auf der proppenvollen Bürgerinformationsveranstaltung am Dienstag (21.2.) tönte Investor Bethges von UTB: „Wir [sc. die Privatunternehmer] sind doch die einzigen, die noch Wohnungen bauen!“ Zuvor hatte die neue Baustadträtin von Tempelhof-Schöneberg, Dr. Sibyll Klotz (B’90/Grüne), gegenüber der mehrheitlich mit den fertigen Planungsentwürfen absolut unzufriedenen „Bestandsbevölkerung“ bedauert, dass es von Seiten des Landes und der öffentlichen Hand keinerlei Wohnungsbau mehr gebe, auch keinerlei Instrumente, für bezahlbaren Neubau zu sorgen, und dass nun ihr Bezirk keine weiteren baurechtlichen Möglichkeiten hinsichtlich Ausführung der Kopfbauten des Projekts „Wohnen am Lokdepot“ mehr habe.

Zerstört

Zerstört

Laut Andreas Baldow vom Stadtentwicklungsamt fügt es sich nämlich nach Art und Maß in die Umgebung ein, wie es § 34 BauGB vorschreibe. (Bezeichnenderweise wird dieser Paragraf jedoch immer nur halb zitiert und seine weiteren Vorgaben: „Die Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse müssen gewahrt bleiben; das Ortsbild darf nicht beeinträchtigt werden“ bleiben oft unerwähnt.)

Am Lokdepot

"Wohnen am Lokdepot"

Ortsbild nachhaltig verschandelt

Das mit dem Einfügen sehen die allermeisten AnwohnerInnen und nicht zuletzt auch die Naturschutzverbände hingegen ganz anders, und es ist überdies höchst strittig, ob auf dem entwidmeten Bahngelände überhaupt § 34 und nicht vielmehr § 35 BauGB „Bauen im Außenbereich“ angewandt werden muss − wie bspw. schräg gegenüber, jenseits der Fernbahn an der sogenannten Bautzener Brache, wo dies die Verwaltung, die auch hier viele Jahre lang anderes behauptete, inzwischen konzedieren musste. Die Möglichkeit einer Analogisierung mit dem ehemaligen Bahngelände nahe Eylauer Str. wurde jedoch kategorisch, wenngleich  mit wenig überzeugenden Argumenten zurückgewiesen.

Egal: die Baugenehmigungen für die zwei Gebäude an der Monumenten- und dem Eckgebäude an der Dudenstraße mussten, wie berichtet, wegen einer speziellen Berliner Fristenregelung zur Verfahrensbeschleunigung hastig ausgereicht werden. Und das, obwohl die bisherige BürgerInnenbeteiligung, wie die Baustadträtin zugibt, suboptimal gelaufen sei, die Ortsansässigen in keiner Weise an der Planung partizipieren konnten und auch keinerlei Alternativen vorgestellt wurden [siehe „Keine Wertigkeit für die lokale Population“ im Gleisdreieck-Blog], wie die historische, stadtbildprägende, baumgesäumte Pflasterstraße erhalten werden könnte.

"Beteiligungsveranstaltung" am 21.02.12

"Beteiligungsveranstaltung" am 21.02.12

Fällungen im Flutlicht

Ohne jede Ankündigung wurde heute Morgen ab 5:30 Uhr mit Baggereinsatz eine ganze Allee alten Baumbestands aus dem Boden gerissen. Kleinklima und Ortsbild sind nun ganz erheblich beeinträchtigt, Wohn- und Lebensqualität sowie wohnungsnahe Erholungsmöglichkeit der AnwohnerInnen drastisch vermindert, Brut- und Rückzugsmöglichkeiten für die Vogelwelt brachial zerstört.

Die AnwohnerInnen, die sich in der BI Eylauer Straße im Viktoriakiez organisierten, sind geschockt und entsetzt.

Schon klar: „Baurecht bricht Baumrecht“, lautet eine überkommene Spruchweisheit der Verwaltung, aber wie es anlässlich Stuttgart 21 ein aufrechter Sozialdemokrat formulierte: „Das juristisch Korrekte muss nicht politisch richtig sein“ (Erh. Eppler), und dieses handstreichartige Vorgehen ist es mitnichten!

Weitere Bilddokumentation der Wohnumfeldzerstörung auf dem Blog der Eylauer…

und dem können wir uns nur anließen.

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