2012 muss Jahr des Möglichkeitssinns werden!

Die Zeit ist reif

Die Bäume am Landwehrkanal wünschen allen,
insbesondere allen für den Schutz von Stadtnatur und Biodiv,
für zukunftsfähige, sozial-ökologisch gerechte Stadtentwicklung
oder anderweitig zivilgesellschaftlich Engagierten
ein gesundes, erfolgreiches und,
grad weil die Zeichen so dawider sind,
friedliches, kreatives, katastrophenarmes 2012er Jahr!

Wenn Krisen, Unsicherheiten und Defizite zugleich kreative Chancen bergen, müsste 2012 das Jahr schier unbegrenzter Möglichkeiten werden. Allein die Verlautbarungen von Seiten der aktuellen bundes- wie landespolitischen Konstellationen offerieren unverdrossen nur ein kümmerliches Angebot. Das kann und darf es nicht sein.

Etablierte Politik am Ende

Während es diese unsägliche schwarz-gelbe Regierung unterm Slogan der marktkonformen Demokratie, mit Erpressung und uckermärkischem Starrsinn vermochte, getrieben von den Anlegern fast ganz Europa deutsche Schuldenbremse, Agenda 2010 und das schon allzu oft gescheiterte Rezept eisernen Kaputtsparens aufzunötigen, hat das den Wählerwillen in einen rot-schwarzen Senat verkehrende Endresultat der Berliner Abgeordnetenhauswahl in kürzester Frist den erwarteten Flashback von Filz und Sumpf gezeitigt.

Das, was der Koalitionsvertrag an vollmundigen Absichtserklärungen für ein „pulsierendes“ und „nachhaltiges Berlin zum Mitmachen“, für eine „Qualifizierung des öffentlichen Raums“ und eine „ökologische Stadtentwicklung“ enthält, scheint nun gleich doppelt eingeklammert. − Gleichwohl müssen wir uns fürs erste mal dran halten und natürlich reiben.

Paar Forderungen von Umwelt- und Naturschutz schafften’s ins Papier

Die vom BUND Berlin initiierte Kampagne 10.000 neue Straßenbäume, für die der BaumStammTisch, ein Bündnis Berliner Baum- und Stadtnaturschutzinitiativen, darunter auch die BaL, medienwirksame Aktionen durchführte und ca. 13.000 Unterschriften sammelte, konnte tatsächlich ihre Forderung als „Stadtbaumoffensive“ im Koalitionsvertrag unterbringen (S. 28) −, doch dass es einigermaßen gelingt, den gravierenden Grünverlust allein im Lauf der letzten Dekade nachhaltig zu kompensieren, ist nicht nur eine Geldfrage − „Um effektiver handeln zu können, müssen die Bezirke finanziell besser ausgestattet werden. Die seit vielen Jahren gedeckelte Gesamtzuweisung zur Unterhaltung der städtischen Grünflächen wird evaluiert und ggf. angemessen [Hervorh. Verf.] erhöht…“ −, sondern bedarf auch einer Qualifizierungsoffensive und des Muts zum Paradigmenwechsel vom „ordentlich gepflegten Bestandsgrün“ nach dem Bild der heimischen Wohnstube hin zu seiner naturnahen Pflege und Unterhaltung, die, wie vielfach belegt, keineswegs kostenintensiver ist, dafür aber im Interesse von Stadtnatur- und Artenschutz, Anpassung an die Klimawandelfolgen und der notwendigen Bereitstellung fußläufig erreichbarer naturnaher Erholung und schließlich eines Naturerlebens für alle. Und wenn keine „ggf. angemessen[e]“ Mittelerhöhung kommt, dann behalten die GrünamtsmitarbeiterInnen eben recht, die spontan sagten, 5000 Bäume und der Rest des Geldes für die Pflege, sei die bessere Option.

Beim Wort nehmen!

Dafür muss der teilweise restlos überalterte Personalbestand der AUN und Fachbereiche für Naturschutz und Grünflächenpflege aufgestockt und verjüngt und die Grünpflege wieder rekommunalisiert werden, nachdem Privatisieren und Outscourcing auch in diesem Bereich auf ganzer Linie versagt und viel Schaden gestiftet haben −, doch da sind auch die Bezirksverwaltungen in der Pflicht!

„Im Bereich Stadtentwicklung“, so heißt es in der Vereinbarung, „werden kooperative und kosteneffiziente Prozesse … zur Qualitätssicherung der öffentlichen Räume …, zur Ergänzung von Straßenbäumen und zur Bürgerbeteiligung bei Planungsprozessen angeboten.“ − In der Tat hat die Stadt noch sehr wenig Belastbares vorzuweisen.

In der Formulierung „Kooperationen zwischen öffentlicher Hand und privaten Akteuren wollen wir unterstützen“ sollten bspw., um Missverständnisse, weitere Fehlentwicklungen und Fiaskos zu verhindern, u. E. zunächst mal die „privaten“ durch „zivilgesellschaftliche Akteure“ ersetzt werden.

Immerhin lassen sich schon zahlreiche gelungene Beispiele an Patenschaften für Bäume, Baumscheiben und ganze Grünanlagen anführen, die sich über die drei- bis fünfjährige Anwachspflege hinaus für eine grün durchwirkte Gestaltung des Lebensumfelds in Quartier und Kiez verantwortlich fühlen und ideenreich engagieren… erste Schritte halt.

Flächenverbrauch eindämmen

Zwar heißt es: „Unsere ökologische Zielsetzung ist es, den ‚Flächenverbrauch‘ und die Versiegelung zu reduzieren. Dazu gehören v. a. die Vermeidung überdimensionierter Oberflächenversiegelung bei neuen Bauvorhaben sowie ein sukzessiver Rückbau versiegelter Flächen im Bestand“ −, doch ob diese litaneiartig repetierte Absicht nun gerade unter dieser Koalition endlich das Haupthindernis ökologisch verträglicher Stadtentwicklung, eben den unverminderten Flächenverbrauch, die fortschreitende Versiegelung selbst innerhalb von Freiflächen und Grünanlagen, die Verdichtung jeder Brachfläche und Baulücke… Einhalt geboten wird, darf getrost bezweifelt werden, es sei denn, die zivilgesellschaftlichen Akteure positionieren sich öffentlich entschieden dagegen und setzen sich notfalls energisch zur Wehr.

Hier muss der innerhalb des S-Bahnrings allenthalben zu beobachtende Trend gestoppt werden, wonach die jeweils zulässige Grundflächenanzahl (GRZ) entweder bis zum Anschlag ausgereizt, auf Grund irgendwelcher tönender Zusicherungen ausnahmsweise erhöht oder aber dergestalt getrickst wird, dass Baufelder zunächst restlos entbaumt werden, um sie komplett mit Tiefgagragen zu unterkellern, so dass die GRZ vielleicht nur bei 0,6 liegen mag und dennoch auf den wenigen Zentimetern Mutterboden der unüberbauten restlichen vierzig Prozent nur Rasen und allenfalls Ziersträucher gedeihen können −, und die Ersatzpflanzungen sind mickrig, anderwärts oder werden schlicht nicht überprüft. − Dies lässt sich gut auf den Flächen beobachten, deren Bebauung demnächst den „City-Park“ am Gleisdreieck einriegeln wird, nicht nur an der zu Friedrichshain-Kreuzberg gehörenden Flottwellpromenade, sondern auch an der zum Bezirk Mitte zählenden Pohlstraße. Wir warten, wie’s am Möckernkiez weitergeht, wo die Tiefgarage ja im Senkel stehen soll.

Evaluierung und finanz. Offenlegung von Kompensationsmaßnahmen

„Wir werden den Park am Gleisdreieck mit dem westlichen Parkgelände vollenden und nach Süden eine durchgehende Verbindung über den Nord-Süd-Grünzug bis zum Natur-Park Schöneberger Südgelände möglich machen…“, gelobt der Koalitionsvertrag und an anderer Stelle „Wir werden die Praxis der Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen evaluieren und die Verwendung der Mittel konsequent auf naturschutzfachliche Ziele ausrichten.“

Diese Evaluierung sollte tunlichst noch vor Vollendung des Westparks erfolgen und bei der Gelegenheit endlich für die lange geforderte Transparenz über Art und Weise der Verwendung der A&E-Millionen [= Ausgleich und Ersatz] auf dem Ostpark sorgen, unbedingt noch ehe dieselben Firmen „eine durchgehende Verbindung…bis zum…Südgelände möglich machen“ − die Pläne sind nach wohlbegründeten Einwänden einfach nicht entsprechend modifiziert, das Beteiliungsverfahren durch Verwaltungsentscheid ist für beendet erklärt worden − und damit die in ihrem naturschutzfachlichen Wert als Biotopverbindung gar nicht hoch genug einzuschätzenden, und − wo die Nutzung eingestellt − von artenreicher Ruderalvegetation gesäumten und überwucherten Gleisanlagen und baumbestandenen Böschungen durch monströse Rampenanlagen und fünf Meter breit asphaltierte, betonierte und nächtens ausgeleuchtete sog. Fernradwege, die in Grünanlagen schlechterdings nichts zu suchen haben, wenn nicht völlig zerstört, so doch weitgehend dequalifiziert worden sind.

Künstliche Wasserläufe Fehlanzeige

„Die Ufergrünzüge an Havel und Spree sind zu ergänzen“, dekretiert die Vereinbarung. Über die vielen Kanäle im Stadtgebiet und ihre eminente Bedeutung für Erholung wie Ausbreitung und Wanderung von Flora und Fauna und Vernetzung ihrer verinselten Habitate (Biotopverbund) fällt leider kein Wort. Beim Berlin-Spandauer Schifffahrts-(ehem. Hohenzollern-), Teltow- oder eben Landwehrkanal ist nämlich der Bund zuständig, und folgerichtig sehen die Koalitionäre auch nur Nord-Süd-Verbindungen, nie welche zwischen Ost und West. Die Ufer begleitenden Grünzüge dieser Kanäle gehören jedoch ebenfalls ergänzt und qualifiziert, und was ihre Eignung für CO2-neutrale Mobilität quer durch die City (Fahrrad-, Solarbootverkehr) betrifft, versuchen dies Engagierte seit Jahren mit mehr oder minder kreativen Mitteln, doch vergeblich bei den Zuständigen in Erinnerung zu rufen.

Nachtrag zum Mediationsverfahren Warten am Landwehrkanal

Auch um das Frustrationspotential nicht noch unnötig aufzublähen, halten wir uns also im Folgenden an den Bund, nämlich an die dem BMVBS unterstehende WSV.

Natürlich ist der Stillstand am Landwehrkanal auch Ausdruck der politisch gewollten öffentlichen Verarmung, doch gleichwohl sind die Prioritätensetzung bei den doch noch getätigten öffentlichen Investitionen in die Infrastruktur höchst fragwürdig, sei es was die mangelnde Verbesserung der Attraktivität der Schiene gegenüber der Straße, sei es, was Ausbau und Unterhaltung des Wasserstraßennetzes betrifft.

Die Verabfolgung der bitteren Wahrheit in homöopathischer Dosen mag in der Vorweihnachtszeit taktvoll gemeint gewesen sein, aber nüchtern-pragmatisch betrachtet, bleibt neben der skandalösen Tatsache, dass ein denkmalgeschütztes Bauwerk jahrzehntelang auf Verschleiß gefahren und dem Verfall überlassen wird; neben der grotesk groben Fahrlässigkeit, quasi neue Schadensfälle (und wer sagt nicht Havarien?), womöglich mit Personenschäden abzuwarten, um dann wenigstens in den Topf für sicherheitsrelevante Maßnahmen langen zu dürfen −, abgesehen von dieser materiellen Ebene gibt’s da noch die der Beteiligung aller sog. Stakeholder oder Planungsbetroffener. Sie können angesichts dieses albernstmöglichen Hinweises auf eine ausstehende Statik, welcher Umstand das große Werk mindestens ein weiteres Jahr aufschieben soll, sicher nicht von transparenten Entscheidungsabläufen ausgehen, denen sie eh nur als Objekte ausgeliefert werden.

Aussprache im Ministerium überfällig!

Das BMVBS ist nach unserer Meinung in dieser völlig veränderten Situation gut beraten, den bereits für den Herbst in Aussicht gestellten, jedoch stillschweigend wieder fallen gelassenen weiteren Termin mit dem Mediationsforum zeitnah noch nachzuholen. Dieses hat ein Recht darauf, nicht zuletzt über die Frage, wie die Finanzierung einer nachhaltigen LWK-Sanierung in der Verwaltung aktuell gesehen wird, und auch was den möglichen Spagat der unteren und mittleren Behördenebene auf der einen und der ministeriellen Leitungsebene auf der anderen angeht, umfassend aufgeklärt zu werden. Die mangelnde Transparenz des Verfahrens ist mal wieder augenfällig geworden.

Wir brauchen Ergebnisse!

Eine über vierjährige ehrenamtliche Partizipation, deren als obligates Feedback in die Zivilgesellschaft begriffene, deshalb schon lange überfällige Darstellung  in einer von den BürgervertreterInnen notgedrungen (obwohl seinerzeit ganz anders vereinbart) abermals in Eigenregie veranstalteten , von der WSV dann aber regelrecht boykottierten sog. Agora nun über der aufwendigen Beschäftigung mit dem Hergang, wie das Amt den Zeitplan zur Makulatur befördert hat, nicht einmal dem Mediationsforum präsentiert werden konnte −, eine solche sich oft in Kräfte zehrendem Schattenboxen aufreibende BürgerInnenbeteiligung muss schon aus Seriositätsgründen endlich belastbare Ergebnisse zeitigen, die den Mehrwert von Beteiligung − wie am LWK schon einige Male beispielhaft vorexerziert − erneut und in größerem Umfang auch für die interessierte Öffentlichkeit faktisch belegen, indem beispiels- und ausnahmsweise

  • gemäß den stadtökologischen Erfordernissen instand gesetzt und saniert wird, also unter Berücksichtigung
    • der Dynamik von (Stadt-)Klima, Mobilität und Verkehr,
    • von Natur- und Artenschutz,
    • wassernahen Erholens und Naturerlebens
  • die für die Zukunftstauglichkeit komplexer Planungen unabdingbare Partizipation der Betroffenen modellhaft ermöglicht und organisiert wird, hier im Format eines umfangreichen und langwierigen Mediationsverfahrens.

Wenn ein solcher beteiligungsorientierter Planungsprozess nach langen Jahren entweder steuerfinanzierter oder eben ehrenamtlich verausgabter Arbeitskraft keine vorzeigbaren Resultate liefern kann, dann müssen die Idee und das ganze Format Schaden nehmen! Auch die Mittel für Gutachten, Studien und Stellungnahmen, die schließlich eine bestimmte Halbwertzeit haben, dürfen doch nicht für nichts aufgewendet worden sein, wenn nun Aktionsfelder und -radien unversehens rigoros gekappt werden. Vielleicht auch wieder ein Fall für den BRH oder den Bund der Steuerzahler?

Occupy WSA?

In den bisherigen, von der WSV verfassten Papieren für den Konzeptionsentwurf einer haushaltsbegründenden Unterlage fehlt nach wie vor jeder Hinweis auf den praktischen, für Haushälter durchaus in Euro und Cent berechenbaren Mehrwert von Mediationsverfahren und BürgerInnenbeteiligung, etwa

  • Baumerhalt
  • Reduktion vom Emissionen
  • Zeitersparnis, also Kostenminimierung dank
    • Einsatzes innovativer Technik
    • Institutionalisierung einer ökologischen Begleitung der [Wasser-] Bautätigkeit vor Ort im Interesse von Baum-, Natur- und Stadtklimaschutz
  • usw.

Andernfalls nämlich müssen wir besorgen, dass sich die Mediation als Luftschiff und Zeppelin erweist, der plötzlich eine Bruchlandung hinlegt und uns damit relativ deutlich vor die Frage stellt, ob wir uns nicht demnächst besser für ein Occupy WSA stark machen sollten, auch wenn in unserm Fall nicht Banken, sondern der staatliche Verwaltungsapparat das Geld der SteuerzahlerInnen und die Früchte ehrenamtlicher BürgerInnenarbeit aufsaugt und veruntreut. Insofern unsere staatlichen Institutionen nur das Diktat der „Märkte“ exekutieren, sind wir schon an der richtigen Adresse.

Eine solche Eskalation kann schwerlich im Interesse der beteiligten Behörden liegen, zumal ja mehrere hierarchisch übereinander gestapelte Ebenen zuständig sind. Wie stellt sich denn der Senat zum Verfall eines Baudenkmals auf seinem Territorium, der Ruinierung seiner touristischen Attraktivität? Was sagt z. B. das Berliner Baukollegium?

Wenn freilich zutrifft, was ein Kommentator behauptet hat, dass die dem Gemeinwohl verpflichtete Verwaltung zunehmend taktiert und ihre eigenen Interessen verfolgt, dann muss eben durch energische öffentliche und politische Nachhilfe dafür gesorgt werden, dass die Lernkurve wieder ansteigt und ein nachhaltigeres Niveau erreicht als es in der Vergangenheit − ungeachtet ganz unstrittiger Erfolge − letztlich und herb enttäuschenderweise der Fall war.

Einige Anmerkungen zu IST und SOLL am Landwehrkanal

Um abschließend noch näher auf die Konzeptionierung von IST und SOLL einzugehen, die WSA und WSD vorgelegt haben, so sei aus Gründen der Fairness vorausgeschickt, dass inzwischen durchaus versucht wurde, die zu Teilen harsche Kritik an den vorgelegten Beta- oder eher Alpha-Versionen, die ja keineswegs nur von BürgerInnenseite gekommen ist, aufzunehmen, sei es auch nur, indem verschiedene Punkte wortwörtlich reinkopiert wurden. Überdies deutet die Versionsnummerierung darauf hin, dass noch weitere „Korrekturschleifen“ eingeplant sind, zumal wir ja jetzt Zeit haben und einander beschäftigen müssen.

Der SOLL-Entwurf der WSV , so hieß es, reflektiere den Spagat, dass einerseits das Mediationsverfahren die rechtlichen Rahmenbedingungen für die WSV nicht auszuhebeln vermöge, diese sich jedoch andererseits zu Inhalt und Ziel des Verfahrens bekenne [bzw. bekennen müsse].

Öffentliches Interesse, Forumsinteressen, WSV-Interesse

Die WSV braucht sich nur zur Interessensammlung in ihrer Gesamtheit zu bekennten, dann aber vor allem dazu, den aus ihr entwickelten Kriterienkatalog jeweils an die vielen Realisierungsvarianten und die eine umfassende Zielvariante anzulegen, um im Fall konfligierender Interessen transparent und nachvollziehbar abzuwägen.

Die Kriterien des Mediationsforums sind [idealiter] Randbedingungen für allgemein akzeptable Lösungen bzw. ihre Berücksichtigung ist die notwendige Bedingung für gesellschaftliche Akzeptanz. Die „Kriterien der WSV“, die sie aus ihrem gesetzlichen Auftrag ableitet, sind nicht besondere, sondern die generalisierte Formulierung dessen, was sich u. a. in den ökologischen konkretisiert.

Der Interessenkatalog in seiner Gesamtheit repräsentiert das bzgl. dieses Vorhabens gewissermaßen konkretisierte öffentliche Interesse, in dessen Dienst die Arbeit der Verwaltung (zumindest de jure) ja steht. Die „Interessen der WSV“ − als Vorhabenträgerin gewissermaßen prima inter pares − sind in diesem Betracht vom öffentlichen Interesse nur schwer zu sondern.

Entscheidend aber wäre das Bekenntnis der WSV zu einem modellhaft partizipativen Planungs- und Umsetzungsprozess, zum erwähnten qualitativen Mehrwert dieses (allein was das Spektrum der beteiligten Interessensgruppen und natürlich auch, was seine Länge und die Verausgabung unbezahlter Arbeitskraft betrifft) recht außergewöhnlichen Mediationsverfahrens. Das scheint uns mit dem gesetzlichen Auftrag sehr wohl vereinbar.

Auch fehlt noch die Zusicherung, möglichst nach avanciertestem Stand von Wissenschaft und Technik zu sanieren − was keinesfalls unbedingt teurer sein muss, eher im Gegenteil.

Angesichts der Kritik an Formulierungen, wonach z. B. bei Kompensationslösungen eine bloße Benehmensherstellung mit der Unteren Naturschutzbehörde das Konsensprinzip des Mediationsverfahren unterlaufe, stellten die WSV-Vertreter klar, dass das Benehmen nur die Mindestanforderung sei, aber nichts gegen ein Einvernehmen spräche. Gleichwohl beinhaltet für unsere Begriffe ein Bekenntnis zum Mediationsverfahren das Erstreben von Einvernehmen!

Die sich nur an einer einzigen Stelle des SOLL-Entwurfs findende Anspielung auf die von der Rechtslage geforderten aktiven ökologischen Maßnahmen bzw. die ins WHG aufgenommenen WRRL-Bewirtschaftungsziele u. a. der Herstellung des guten ökologischen Potentials auch bei künstlichen Gewässern, nämlich „dass der ökologische Zustand des Gewässers sowie des Umfeldes so weit wie möglich erhalten bleibt oder wenn möglich verbessert wird“  muss explizit und an prominenter Stelle aufgeführt werden. Denn wenn eine solche Möglichkeit tatsächlich besteht − wir interpretieren (und irren hoffentlich nicht als juristische Laien) das Oder im Text als ausschließendes −, dann besteht für die WSV eine Handlungsverpflichtung, solche zur ökologischen Qualifizierung in die Unterhaltungsmaße zu integrieren bzw. diese gleich im Sinn „ganzheitlichen Herangehens“ von Anbeginn auch als ökologisch aufwertend zu konzipieren, ganz abgesehen davon, dass die Sanierung für einen langen Zeitraum dauerhaft sein und „vorhalten“, also das Bauwerk fürs erste möglichst „nicht mehr angefasst“ werden soll. − Anders würde die gesetzliche Vorgabe jedenfalls gar keinen Sinn machen.

Das ins SOLL aufgenommene Kooperationsangebot ans Land Berlin nebst Anführung von Fördermöglichkeiten (die nur bei Eigenbeteiligung des Fördernehmers gegeben sind) ist sehr zu begrüßen, darf aber nicht dazu führen, dass, wenn, wie es doch sehr den Anschein hat, auch unter der neuen rot-schwarzen Koalition Mischfinanzierungen nicht zustande kommen, weil der Kanal bei den MitarbeiterInnen von SenStadt und Senatskanzlei nach wie vor unbekannt sein und bleiben dürfte, sich die WSV von solchen Maßnahmen entbunden glaubt.

Es trifft jedenfalls nicht zu, wie der SOLL-Entwurf in diesem Zusammenhang suggeriert, dass für das aktive Verfolgen ökologischer Ziele der WSV im Rahmen und am Beispiel der LWK-Sanierung die rechtliche Grundlage fehlt, ganz im Gegenteil!

Zur Komplettierung der IST-Erfassung

gehört nicht zuletzt die Aufnahme der Bestandserfassung und Bewertung des ökologischen Zustands des LWK und seiner Ufer, den die Bietergemeinschaft DHI-WASY und JWP bereits im Frühjahr vorgelegt hat; sodann das verkehrstechnische Gutachten zur Fahrbandtrassierung, von der Fortschreibung des GgG ganz zu schweigen. Auch ein Nachtrag zur Bearbeitung bestimmter Daten des digitalen Baumkatasters sollte baldmöglichst beauftragt werden…

So weit erstmal.

Die Bäume am Landwehrkanal wünschen allen,
insbesondere allen für den Schutz von Stadtnatur und Biodiv,
für zukunftsfähige, sozial-ökologisch gerechte Stadtentwicklung
oder anderweitig zivilgesellschaftlich Engagierten
ein gesundes, erfolgreiches und,
grad weil die Zeichen so dawider sind,
friedliches, kreatives, katastrophenarmes 2012er Jahr!

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2 Kommentare

  1. Jens Mander said,

    29. Dezember, 2011 um 17:21

    WOW!
    Wie man deutlich sehen kann, seid ihr mental gut vorbereitet auf 2012!

    Weiter so und viiiiieeel Erfolg in 2012!
    Der liebe Gott sieht alles 😉
    nette Grüße vom 28c3.

  2. Kehraus said,

    30. Dezember, 2011 um 14:30

    Engagement für 2012 ist immer zu begrüssen. Sei es für Umweltschutz oder Demokratie.


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