Unter Volldampf

Enges Zeitkorsett für Mitteleinwerbung geschnürt

Hoffentlich hat es keine symbolische Bedeutung, dass der frischgebackene Leiter der WSA-Arbeitsgruppe Landwehrkanal, Andreas Dohms, aus „personalrechtlichen Gründen“ noch immer wie ein Handlungsreisender im Hotel wohnen muss. Zwar konnte er in der 31. Sitzung des Mediationsforums „Zukunft Landwehrkanal“ am vergangenen Montag (26.9.) berichten, er sei gut in WSA B und AG aufgenommen worden, habe alle Infos bekommen, die er brauche, und sich auch schon intensiv mit dem Interessen- und Kriterienkatalog des Forums, woran sich alle Maßnahmen und Lösungen im Zuge der Kanalsanierung messen lassen müssen, auseinandergesetzt −, doch dann ließ eine Nachricht die Stimmung mancher der Versammelten und namentlich der BürgervertreterInnen jählings kippen.

WSA-Praesentation zum 31. Mediationsforum

WSA-Präsentation zum 31. Mediationsforum | PDF 6,7 MB

Abwicklung von WSA-AG Landwehrkanal und Mediation im März 2012?

Was eine Anwohnervertreterin zunächst nur vom Hörensagen wusste, dass nämlich nach Einreichen der Konzeption Entwurf-Haushaltsunterlage (E-HU) zum 15. März 2012 die AG LWK aufgelöst und die Durchführung der Sanierung in die Obhut des WNA gestellt werden, nannte nach einigen Windungen, dass man Gerüchte nicht diskutieren wolle, Hans Bärthel von der WSD Ost plötzlich eine der Optionen.

Und Amtsleiter Scholz sekundierte, dass man zwar noch immer nichts Genaueres wisse, es aber durchaus nicht unüblich sei, dass  größere Unterhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen ein Neubauamt durchführe. Gleichwohl gab Scholz zu, dass die WSV „kabbelige Zeiten“ durchlebe und er in seiner über dreißigjährigen Laufbahn in der WSV eine derart „hohe Schlagzahl-Frequenz bei Reformmaßnahmen“ noch nicht erlebt habe. Sehr viel habe sich in den vier Jahren Mediation geändert und auch mit Blick auf die Ökologie-Erlasse bei der Unterhaltung der Bundeswasserstraßen müsse sich die WSD einfach umorientieren. − Macht die Ökologie also doch  Planung zu kompliziert? Bspw. seien für eine ordnungsgemäße Unterhaltung aller Bundeswasserstraßen ein Etat von 1,3 Mrd. Euro jährlich erforderlich, doch zugewiesen würden zurzeit lediglich  500 Mio., weniger als die Hälfte. Was das bedeute, könne man sich unschwer vorstellen. 6 bis 7000 Menschen seien bereits „abgebaut“ worden und weiteres in dieser Hinsicht zu gewärtigen. (In WSA B und WNA arbeiten zurzeit allerdings noch 200 Personen, was es auch unmöglich mache, das Durchsickern von Gerüchten zu unterbinden.)

Systematische Verunsicherung

Die BürgervertreterInnen, mit diesen Szenarien inzwischen wohlvertraut, äußerten dagegen nachdrücklich ihre Befürchtung, dass nunmehr alles, was in vier ehrenamtlich-arbeitsreichen Jahren entwickelt wurde, jederzeit zur Disposition gestellt werden könne, doch gerade Partizipation lebt von Vertrauen und braucht dafür nicht zuletzt Verlässlichkeit auf mittel- und langfristige Sicht.

Die AG LWK war nach einigen gescheiterten Anläufen mit viel Mühe eben nicht nur für die Erstellung der Konzeption E-HU, sondern für die Durchführung einer ökologisch nachhaltigen Sanierung geschaffen worden, weil der Sachbereich 2 seinerzeit mit einer ökologisch nachhaltigen Sanierungsplanung unter öffentlicher Beteiligung neben seinen anderen Obliegenheiten eingermaßen überfordert schien.

Und nun soll zum Abschluss der Konzeption E-HU, die ja noch nicht schon der eigentliche E-HU ist, die WSA-AG aufgelöst und zugleich eine Mediationsvereinbarung unterzeichnet werden, die mal eben den weiteren Fortgang regelt?! Noch ist doch völlig ungeklärt, in welcher Form die BürgerInnenbeteiligung nach dem 15. März, also in der Phase der Planung der Ausführung und vor allem dieser selbst weitergehen könnte, denn dass sie es muss, steht nach vielen leidvollen Erfahrungen zumindest für die BürgerInnen außer Frage, sollen nicht all die mühevoll erreichten Errungenschaften − und nicht zum wenigsten auch die Lernerfolge der WSV in punkto partizipativer, ökologisch verträglicher Planung und deren längst auch erfolgreich praktizierten Umsetzung (→ Pilotstrecken, Teststrecke, Riedel-Anleger: also auf einem halben Kilometer)  − leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.

Angesichts der Aufregung  konstatierte  das Mediationsteam ein wenig gönnerhaft den Wunsch nach Kontinuität unter den Forumsmitgliedern − welche Kontinuität? lässt sich fragen −, aber Hauptsache sei doch, man habe konkrete Ansprechpartner, wie auch immer sie heißen mögen… − Nun ja.

Michael Scholz gelobte indessen, dass am bestmöglichen Baum- und Denkmalschutz unbeirrbar festgehalten werde, ebenso wie an der Berücksichtigung des Interessen- und Kriterien-Katalogs. − Zudem sei es gar nicht ungewöhnlich, dass ein  WNA nach erfolgreicher Durchführung einer größeren Baumaßnahme ganz geschlossen werde.

Downgrading befürchtet

Die Umstrukturierung der WSV, so Forumsmitglieder, sei das eine, die Kategorisierung der Wasserstraßen, Bündelung und Priorisierung der Aufgaben das andere. Hier besteht trotz anders lautender Zusicherungen bei Gelegenheit des Gesprächs im BMVBS am 7. Februar d.J. die Befürchtung, dass nicht nur die sogenannten Restwasserstraßen, wozu womöglich bald auch die Elbe zählt, sondern auch alle nur von der Weißen Flotte, also touristischer und Freizeitschifffahrt befahrenen angesichts leerer Kassen in der Priorität herabgestuft würden. (Schon fragen sich Deutschlands Wassersportler, ob sie dem bis dato noch weltbesten Wasserstraßennetz schon mal adé sagen sollen. [siehe Segeln 10/2011, S.13])

Es sei einfach nicht erkennbar, dass dem Umstand, wonach Flüsse und Kanäle für Städte und urbane Zentren eine ganz andere Bedeutung gewonnen haben − Schutz von Stadtnatur, Artenvielfalt und vor den Auswirkungen des Klimawandels − und dass es hier neue gesellschaftliche Bedürfnisse gebe, zumal nach echter Beteiligung, in irgendeiner über Fensterreden und Absichtserklärung hinaus gehenden Form Rechnung getragen würde! Inspiriert wohl auch von den Inputs während unserer AGORA-Veranstaltung zur Zukunft des LWK am 15.9. wurden in einer Art Reprise verschiedene Ideen noch mal durchgespielt, doch der WSA-Leiter erinnerte, dass z. B.

  • eine Eigentumsübertragung auch bei vorheriger Sanierung und 100jähriger Übernahme der Betriebs- und Verwaltungskosten mit vierprozentiger Verzinsung die 2008 angeschriebenen Länderverwaltungen zu 99% abgelehnt haben
  • eine Entwidmung des LWK als Bundeswasserstraße bei unveränderten Eigentumsverhältnissen alles in hohem Maße verkomplizieren würde, wenn der Bund, dann nicht mehr hoheitlicher Unterhaltungsträger, jede Einzelmaßnahme bei den zuständigen Landes- oder Bezirksbehörden beantragen müsste.

Bliebe noch die Idee der Gründung einer gemeinnützigen Stiftung, die einen in der AGORA geäußerten Vorschlag aufgriff: Die Fahrgastschiffer als mit Abstand Hauptnutznießer des Kanals, die aber derzeit ganze 500 Euro pro Anleger und Jahr entrichten, sollten eine Art Maut in den Stiftungstopf zahlen, woraus dann die Unterhaltung bestritten würde. − Aber auch gegen solche Konstruktionen gibt’s erfahrungsgesättigte Einwände gerade von Naturschutzverbänden. Erkleckliche Summen versickern in der Verwaltung und kommen dem Stiftungszweck nicht zugute.

Senatsverwaltung für Standortentwicklung?

Nach diesem Brainstorming-Intermezzo trotz berstender Tagesordnung äußerten nicht nur die beteiligten BürgerInnen einmal mehr Unbehagen und wachsende Ungeduld, dass die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, deren VertreterInnen übrigens zum soundsovielten Mal unentschuldigt fehlten, sich durch die Hintertür aus der Mediation verabschiedet haben. (Dass in der Person Sigrid Kaysers von der Obersten Denkmalschutzbehörde, SenStadt, also z. B. auch Oberste Naturschutzbehörde, Freiraum- und Stadtplanung mit am Forumstisch säßen, war natürlich so auch wieder nicht gemeint.)

Gerade unter der sich abzeichnenden neuen Koalition muss sich der Stadtentwicklungssenat endlich wieder ins Verfahren integrieren und in Kooperation mit dem Bund an der Gestaltung einer Lebensader des eigenen Zuständigkeitsbereichs mitwirken! Dass hier ein entsprechender gemeinsamer Forumsappell gerade in Zeiten laufender Koalitionsverhandlungen und des Gezerres um eines der teuersten und unsinnigsten Verkehrsprojekte, des Weiterbaus der A 100, von vornherein am Veto der anwesenden SenatsvertreterInnen gescheitert wäre, vermochte die Frustration der BürgervertreterInnen nicht zu lindern. – Hier erweist sich das Mediationsforum als zahnloser Tiger und einflussloser Pappkamerad!

In einer Pressemitteilung vom 28.9. kritisierte z. B. auch der Geschäftsführer des BUND Berlin, Tilmann Heuser: „[…] nicht abgesichert seien zudem andere Berliner Infrastrukturprojekte, für die der Bund zahlen müsse: so z. B. der mindestens 420 Mio. Euro teure Bau der Schienenanbindung des Flughafens BBI über die Dresdner Bahn oder die überfällige stadtverträgliche Sanierung des Landwehrkanals mit Kosten von mindestens 100 Mio. Euro“, wobei die Sanierungskosten für den LWK sicher etwas zu niedrig veranschlagt werden.

Michael Scholz rekurrierte aufs Engagement der WSV anno 2008 und auf die Stipp-Visite des moderationsbereiten Senatsabteilungsleiters Reiner Nagel, doch das Delegieren eines gesamtstädtischen Projekts an die Bezirke konnte erwartungsgemäß nicht funktionieren. (Hier fragen wir mal ganz nebenbei und naiv, wieso SenStadt im Fall Gleisdreieckparkbau den Vorhabenträger gibt und F’hain-Kreuzberg auf lange Strecken förmlich an die Wand hat spielen können − von den BürgerInnen und Naturschutzverbänden ganz zu schweigen…)

Referenzprojekt Landwehrkanal

Die Berliner Strategien zu Stadtlandschaft und Schutz der natürlichen Vielfalt sprechen u. a. von Renaturierung der Parkanlagen und Weiterentwicklung des Stadtgrüns. In diesem Kontext können übrigens gerade die Bezirke Mittel bis zu einer Mio. Euro aus dem mit 15 Mio. ausgestatteten Bundesförderprogramm zur Biologischen Vielfalt für Modellprojekte beantragen, wobei allerdings 10 bis 15% Eigenleistung beizutragen sind. Hier muss der LWK endlich eins der Referenzprojekte im ökologischen Umbau werden, insofern sich in seinem Fall die Ziele von StEP Klima, StEP Verkehr und die genannten Strategien zu Stadtlandschaft und Biodiversitätsschutz überschneiden und bündeln lassen!

[Unbedingt sollten sich die Bezirke in der Frage konkreter Maßnahmen noch einbringen, denn sonst bekommen sie fertige Programme serviert, auf die sie kaum mehr Einfluss haben! Doch obwohl Mitglieder z. B. des Naturschutzbeirats dabei ihre Hilfe angeboten haben, heißt es in der Verwaltung bedauernd, es gebe keine personellen Kapazitäten, die erforderlichen umfangreichen Anträge auszufüllen und hinterher, was noch viel aufwendiger sei, die Projektmittel abzurechnen…]

Allein es wird ohnehin mit jedem Tag zweifelhafter, ob ein rot-grüner Senat überhaupt ein Projekt ökologischer Stadterneuerung zu formulieren willens und umzusetzen in der Lage ist.

Zurück zu den Meilensteinen:

Kritisches beim Abhaken des IST

Im lang erwarteten WSA-Erläuterungsbericht zum 1. Meilenstein, nämlich der IST-Erfassung, steht: „Ziel ist es, konsensual eine als nachhaltig angesehene Sanierungsweise des Landwehrkanals zu finden, die technisch realisierbar ist.“ − Dieser Bericht hat zwischenzeitlich längst seine Runde in der WSD gedreht, bevor er dem Forum überhaupt zur Kenntnis gebracht wurde. − Für uns ist jedenfalls Ziel, konsensual eine stadtökologisch und ökonomisch nachhaltige sowie sozialverträgliche Sanierungsweise des LWK zu finden, die nicht bloß dafür „angesehen“ wird, sondern es nach Stand von Wissenschaft und Technik tatsächlich auch ist!

Sozialverträglich übrigens deshalb, weil das Thema Naturschutz unterm Stichwort „Umweltgerechtigkeit“ auch ein großes soziales Thema ist: Hier braucht es zur Bestandserfassung ebenfalls einen Sozialdatenatlas bzw. beide sind miteinander zu verschneiden, um die „Hotspots“ rauszufiltern und etwa nach einer Wertigkeitsskala von 1 bis 5 beurteilen zu können, wo im Einzugsbereich des Kanals Gruppen seiner 400.000 direkten AnwohnerInnen mit der Möglichkeit von naturnaher Erholung und Naturerleben akut unterversorgt sind.

Nichts von Funktion der Grünvernetzung

Die Aspekte Grün- und Biotopvernetzung, wassernahes Naturerleben und Umweltbildung fehlen pikanterweise völlig. − Wenn man bedenkt, dass der LWK von Lenné schon vor 160 Jahren als Schmuckkanal, soziale Begegnungsstätte und naturnahe Verkehrsader geplant und angelegt war, ist das ein Armutszeugnis!

Im Detail wurde bei dieser Gelegenheit auch der Verkauf des Anlegers des Hotels Esplanade in Tiergarten an die Reederei Stern & Kreis kritisch vermerkt, wie es zwar aus einer WSA-Tabelle sämtlicher Anlegestellen, die allerdings im Erläuterungsbericht fehlt, hervorgeht, doch ohne dass dieser Besitzerwechsel im Forum je thematisiert worden wäre. Dieser Anleger kann nun anders als vorher von Wassertaxis nicht mehr genutzt werden. Und genau dieser Uferabschnitt wäre auch für einen ökologischen Trittstein prädestiniert. Der Anleger ist mithin unter Missachtung des Interessen- und Kriterienkatalogs unter rein privat-ökonomischen Einzelinteressen weitergereicht worden.

Zeit-, Ziel- und Maßnahmenplan

Ziel- und Maßnahmenplan

Zeit-, Ziel- und Maßnahmenplan Zum Vergrößern bitte anklicken!

Für den weiteren Fortgang bis zum 15. März präsentierte Andreas Dohms eine Zeitschiene, die ambitioniert zu nennen, ein Understatement wäre. Doch wie Mediatorin Voskamp ganz richtig bemerkte, blieb dem Forum gar keine Wahl als zuzustimmen, denn ohne bewilligte Mittel ist alles nichts, und da gilt der 15.3.12. als absolute Deadline.

Auch beim SOLL, dem 3. Meilenstein, fehlen erneut die Aspekte von Grün- und Biotopvernetzung, wassernahem Naturerleben und Umweltbildung. An dieser Stelle sei auch mal ans WSV-Handbuch „Umweltbelange an Bundeswasserstraßen“ erinnert.

Festschreiben des Status quo?

Der WSD hingegen geht es beim SOLL bspw. um die Aufrechterhaltung des Schiffsverkehrs in seiner bisherigen Form: die Fortuna, das derzeit größte dieselbetriebene Schiff der Reederei Bruno Winkler mit einer Länge von 47,60 m und einer Breite von 7,0 m soll nach Umsetzung der Zielvariante noch fahren können. Eine konzeptionelle Förderung emissionsarmer Mobilität, die gerade im Interesse der Umweltbelange (Klimaschutz) liegt, bleibt hingegen gänzlich außen vor.

Der LWK wird in 190 Abschnitte unterschiedlicher Bauart oder sonstiger Beschaffenheit unterteilt. Als 4. Meilenstein figuriert nun eine abschnittsweise (!) Abstimmung von „Realisierungsvarianten“ [womit die aus dem in der AG Lösungssondierung entwickelten „Fächer der technischen Möglichkeiten“ jeweils zusammengestellten Sanierungsmethoden gemeint sind], und zwar im kommenden November, mit Vorstellung einer Empfehlung zur „Zielvariante“ bis Mitte Dezember.

Gegen diesen Sauseschritt protestierte zunächst der Denkmalschutz (dessen fortgeschriebenes GgG erst für Anfang Dezember avisiert ist), insofern als, wenn es auch keine WSA-spezifischen Kriterien geben sollte, die Realisierungsvarianten in dieser Zeit gemeinsam nicht seriös zu entwickeln sind. Die Zielvariante müsse die Zielkonflikte abgewogen und auch die Ergebnisse dessen enthalten, was in der AG Lösungssondierung ausdiskutiert wurde. − Auch wurde zum wiederholten Mal die Aufnahme der Forderung nach einem Denkmalarchitketen in den Kriterienkatalog angemahnt, wie es vorher eine Bürgervertreterin im Fall des „Bauleiter Baumschutz“ noch nachgeholt hatte.

Und auch aus Sicht des Naturschutzes muss protestiert werden (die Studie zu Bestandserfassung und Bewertung liegt ebenfalls erst im Dezember vor, [Nachtrag: der für den 17.10. vereinbarte Termin zum Zwischenstand fällt aus!]):

Der komplexe Kriterienkatalog muss ja nicht erst hier in der 33. Forumssitzung, die einen Konsens über die Zielvariante herstellen soll, sondern natürlich schon bei der abschnittsweisen Auswahl der einzelnen Realisierungsvariante jeweils angelegt werden. Ist das sowohl zeitlich als auch − ohne die genannten Studien/Gutachten − inhaltlich zu schaffen?! − Laut den Erfahrungen des Mediationsteams ist es das in zwei Monaten sehr wohl, wobei freilich über die nötige Sitzungsfrequenz noch keine Festlegungen getroffen wurden.

Ökologische Schrittsteine müssen konkretisiert werden!

In diesem Zusammenhang müssen vor allem auch die ökologischen Belange des SOLL, nämlich die „ökologischen Schrittsteine“ (inkl. der Anbindung des LWK an die Tiergartengewässer) abschnittsweise und nicht erst in der Zielvariante konkretisiert und mit Kosten unterlegt werden, wenn die ganzen (wie gesagt, noch laufenden!) ökologischen Untersuchungen nicht tatsächlich nur „Kür“ gewesen sein sollen, als welche sie Amtsleiter Scholz früher zu bezeichnen pflegte.

Zwischen der Mitte Dezember unter Berücksichtigung des Kriterienkatalogs erarbeiteten Forumszielvariante und der (WSV-) Minimalvariante soll dann bis Ende Januar die Kostendifferenz dargestellt und anschließend in weiteren sechs Wochen bis zum 15. Februar ein Konsens über eine Mediationsvereinbarung zur Konzeption E-HU hergestellt und beschlossen werden.

Vereinbarung über Konzeption oder den Entwurf selbst?

BürgervertreterInnen kritisierten die Tatsache, dass eine Mediationsvereinbarung über die Konzeption, also den Vorentwurf, der üblicherweise nur 30% einer Bauplanung ausmacht, abgeschlossen werden soll und nicht vielmehr über den E-HU selbst, der ja noch erheblich modifiziert werden kann, wobei sich immer fragt, von wem und wie transparent.

Hans Bärthel zufolge muss indessen die Konzeption schon eine hohe Detailschärfe aufweisen, damit dann Frau Dr. Rettemeier, Referentin Wasserstraßen-Management, und andere im BMVBS sie zu einem E-HU „auffüllen“ können. Ansonsten werde auch durchaus mit den Zahlen aus der Konzeption in die Haushaltsberatungen gegangen. − Bei unserm Ministeriumstermin im Februar hatte es ja noch geheißen, dass Katja Rettemeier uns blutigen Verwaltungslaien mal in einer Forumssitzung die Begrifflichkeiten und Abläufe näher bringt, aber dazu ist es bislang leider auch nicht gekommen.

Die Konzeption sei wesentlicher Bestandteil der haushaltsbegründenden Unterlage, und eine Vereinbarung zur Konzeption bzw. eine konsensuelle Zielvereinbarung zum Einreichen der Unterlage und als Sicherung für den Fortgang sei unabdingbar.

Angesichts dessen sprachen sich mehrere Forumsmitglieder dafür aus, in die Vereinbarung eine Klausel aufzunehmen, die im Fall dramatischer Abweichungen des Entwurfs von der Konzeption den Konsens wieder aufkündigt.

Verbindlichkeit

Laut Mediator Kessen überragt die (soziale) Verbindlichkeit der Mediationsvereinbarung u. U. sogar die rechtliche, was er gern mit dem Beispiel eines österreichischen Gerichts illustriert, das eine Klage gegen die Mediationsvereinbarung zum Bau einer dritten Startbahn des Wiener Flughafens mit der Begründung gar nicht erst annahm, das entsprechende Mediationsverfahren habe ausreichend Gelegenheit geboten, weitere Interessen und Bedürfnisse geltend zu machen.

Hoffen wir mal, dass sich dies auf deutsche Verhältnisse übertragen lässt und die Zeiten vergangen sind, wo ein Gerhard Schröder, weiland niedersächsischer Ministerpräsident, die Vereinbarungen eines Runden Tischs zum Standort einer Sondermülldeponie mit der Ansage runterwischte, er habe inzwischen einen geeigneten Standort gefunden.

Erfreuliches zur Böschungsstatik

Abschließend noch eine Notiz zum Abstimmungstreffen mit der BAW zur Statik baumbestandener Uferbereiche am Beispiel Corneliusufer vom 6. September.

Künftig geht die BAW davon aus, dass die Uferbefestigung weniger als dreiteiliges Bauwerk (Schwergewichtskörper unter Wasser, Ziegelflachschicht und aufgehende Böschung über Wasser), sondern das Mauerwerk als Uferabdeckung und damit das Gesamte als Böschung betrachtet werden kann, weshalb ein Kipp- und Gleitsicherheitsnachweis zur Berechnung ihrer Standsicherheit inadäquat sei.

Vielmehr geht es jetzt in einem iterativen Prozess um den Nachweis der Böschungsbruchsicherheit, die wiederum von den jeweils zu ermittelnden maßgeblichen Bodenkennwerten abhängt. Vor Anfang 2012 ist mit dieser Nachweisführung nicht zu rechnen, aber es wurde schon mal die Hypothese gewagt, dass im Bereich über Wasser möglicherweise viel weniger Sanierungsbedarf besteht als angenommen.

Der Uferbaumbestand spielt, so wie wir es verstanden haben, bei diesem Herangehen nur eine untergeordnete Rolle; die Baumlast wird bei einem durchschnittlichen Prototypen als ständige Last mit 5kN/m2 auf fünf Meter Breite angenommen und dass eine Durchwurzelung den Scherwiderstand des Bodens und damit die Böschungsstabilität erhöht, sei keine wirklich neue Erkenntnis.

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2 Kommentare

  1. niemand said,

    1. Oktober, 2011 um 18:47

    Politiktheater, was sonst!

  2. Anwohner said,

    2. Oktober, 2011 um 15:45

    Entscheidend ist, dass wenn die Baumfällerei am Landwehrkanal wieder anfangen sollte, der Protest der AnwohnerInnen sehr stark wird !

    Eine Mediationsvereinbarung – wie auch immer geartet sie sein wird – ist rechtlich sowieso so gut wie nichts wert.

    An der Herangehensweise der Ämter/der Politik ist auch im 4. Jahr des Mediationsverfahrens unübersehbar, dass der ökologische Aspekt bei der Sanierung des LWK´s in deren Betrachtung kaum eine Rolle spielt.


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