Gehölzumbau auf den Bunkerbergen

Zwischenbericht aus der Konzeptionsphase

Auf Antrag der Linksfraktion in der Friedrichshain-Kreuzberger BVV kam ein Sachstandsbericht des Bezirksamts zur Schutz-, Pflege- und Entwicklungskonzeption des Gehölzbestands auf den Bunkerbergen im Volkspark Friedrichshain gleich in der ersten Umweltausschusssitzung nach der Sommerpause auf die Tagesordnung.

Für das vom Bezirk mit einer Studie beauftragte Büro Ökologie & Planung gab das GutachterInnenteam, Dr. Barbara Markstein und Nicolas Klöhn, das in einer UMV-Sitzung im Mai ohnehin eine öffentliche Begleitung der Planung des Gehölzumbaus in Aussicht gestellt hatte, am Dienstag letzter Woche (23.8.) einen weiteren Zwischenbericht über ihre bisherigen Erkenntnisse.

Landschaftsarchitektin Markstein resümierte noch einmal die Bestätigung aller positiven Erwartungen, was die Bodenqualität besonders im nördlichen Bereich im Hinblick auf Ermöglichung einer waldähnlichen Vegetation betrifft. Sie seien derzeit mit der Auswertung der Artenzusammensetzung und Einzelbaumbetrachtung beschäftigt, während es durchs Warten aufs Bodengutachten zu einer gewissen Verzögerung gekommen sei.

Mit vergleichsweise geringem Aufwand − etwas Auslichtung und behutsamer Kronenarbeit ab Oktober − könne aus dem Bestand heraus gearbeitet und Feldahorn, Esche und auch Haselnuss nachgepflanzt werden. Hier sei Forstware (StU12 bis 14 cm) Baumschulware unbedingt vorzuziehen, schon weil deren notwendige kontinuierliche Wässerung vom NGA personell nicht zu leisten sei.

Der technische Leiter des Fachbereichs Naturschutz und Grünflächen, Adalbert-Maria Klees, bestätigte, dass Pflanzungen von Forstware auch schon früher auf den Bunkerbergen erfolgreich vorgenommen worden seien.

Das artenschutzfachlich und für die Biotopfunktion wichtige Belassen von Totholz und Hochstubben, so Frau Markstein weiter, müsse wie überall im Stadtgebiet mit den Verkehrssicherungserfordernissen abgewogen werden. In Wege- und Spielplatznähe sind aber anderen Sicherheitserwartungen Rechnung zu tragen als etwa innerhalb eines Gehölzbestands.  − Gerade hier, so möchten wir bekräftigen, müssen die für den Schutz der biologischen Vielfalt von Fledermäusen und Höhlenbrütern bis Insekten, Käfern,  Baumpilzen, Moose und Flechten eminent wichtigen abgestorbenen  „Biotopbäume“ oder wenigstens Hochstubben, wenn irgend möglich, erhalten werden, denn es gibt, abgesehen von den Naturschutzgebieten außerhalb der Siedlungsbereiche, eben nur in städtischen Parkanlagen, Friedhöfen und auf Brachflächen noch letzte Refugien.

Die Graupappeln die, auf den Bunkerbergen zu eng gepflanzt, in ihrem Kampf ums Licht hoch aufgeschossen sind, konnten für ihre langen, dünnen Stämme nur zu kleine Kronen, also eine zu geringe Assimilationsfläche und infolgedessen auch nicht ausreichend starke Haltewurzeln ausbilden, weshalb bei Starkwinden die hohe Hebelwirkung zu einem Herausbrechen des gesamten Wurzeltellers und kompletten Umstürzen solcher Bäume führen kann und bekanntlich auch geführt hat. − Aber auch abgesehen davon sollen diese Pioniergehölze sukzessive in einem Zeitraum von zehn, zwanzig Jahren zurückgedrängt werden, während zunächst nur einige besonders verkehrsgefährdende Exemplare sowohl innerhalb als auch außerhalb des umzäunten Bereichs gefällt werden müssten. Hier sollte wie überall mit Augenmaß vorgegangen werden, da Neupflanzungen naturgemäß erst in Jahrzehnten hinreichenden Ersatz für die verloren gegangene Biomasse bieten.

Gr. Bunkerberg 01

Zu kleine Kronen

Anhand einer Reihe aussagekräftiger Fotos [wir bitten die infolge der Lichtverhältnisse schlechte Bildqualität  zu entschuldigen!] demonstrierte Baumgutachter Klöhn, wie die Konkurrenzsituation der Bäume zu gefährlichem Schrägstand, Stammrissen, Höhlungen etc. oder durch Reibung in den Kronen zu Verschleißstellen mit Parasitenbefall und Absterben geführt hat, was nicht zuletzt auch auf Pflegerückstände zurückzuführen sei.

Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne) sprach von insgesamt guten Voraussetzungen für eine sukzessive Umgestaltung. Nur bei Menschen gefährdenden „Einzelschicksalen“ von Bäumen und Gefahr im Verzug müsse sofort eingegriffen werden.

Gr. Bunkerberg 02

Gefährliche Neigung

SPD-Vertreter John Dahl fragte nach der Zahl dieser Einzelschicksale, wie schnell gehandelt werden müsse, konstatierte ein „Pflegeversagen“ und erkundigte sich grundsätzlich, wieso es überhaupt dieser gutachterlichen Begleitung bedürfe.

An dieser Stelle sind die MitarbeiterInnen des Grünflächenamts denn doch in Schutz zu nehmen, die auch nach den Ausführungen Klöhns auf Grund des in den vergangenen Jahren dramatisch reduzierten Personalbestands solche eingehenden Einzelfallprüfungen überhaupt nicht mehr vornehmen können. Bei einem Straßenbaumbestand in Xhain von (noch) rd. 40.000 Stück gebe das Zeitbudget für die Kontrolle eines Baums gerade mal drei Minuten her.

Der technische Leiter Klees wies überdies darauf hin, dass – ganz abgesehen von der in diesem Fall ja forstkundlichen Aufgabenstellung − aus Gründen der Partizipation der sich für den bezirklichen Baumbestand lebhaft interessierenden Öffentlichkeit und vor allem der Konfliktvermeidung diesen Weg zu gehen nicht nur von der Verwaltung, sondern auch der BVV beschlossen worden sei.

Auch der umweltpolitische Sprecher der Linksfraktion, Mirko Assatzk, bekundete seine Zufriedenheit, dass vor einem halben Jahr „nicht einfach alles weggehauen“ worden sei, sprach sich aber ebenfalls für die unverzügliche Herstellung der Verkehrssicherheit aus, auch damit die immer wieder umgeworfene Umzäunung bald entfernt werden könne.

Gutachterlicher Dissens?

Gr. Bunkerberg 03

Verschleiß durch Reibung

Während Gutachter Klöhn aus Kostengründen gegen Einzelmaßnahmen votierte, bekräftigte Frau Markstein noch einmal ihr Plädoyer, den Umbau in einem Zeitraum von zwei Jahrzehnten vorzunehmen, wodurch auch die Kosten, in Jahresscheiben aufgeteilt, aufzubringen seien.

Der anwesende BUND-Baumreferent Christian Hönig erkundigte sich, ob es nicht möglich sei, auf dem Nordhang des Großen Bunkerbergs, wo die unteren Bäume vom Schattenwurf der über ihnen stehenden vom Licht abgeschnitten und deshalb zu ihrem extremen heliotrophen Höhenwachstum getrieben würden, durch Öffnung des Kronenschirms mehr Sonnenlicht auf den zu kleinkronigen, aber eben auch sehr regenerationsfähigen Pappelaufwuchs fallen zu lassen, ohne durch die dafür nötigen Fällungen das obere Baumgefüge so aufzulösen, dass dann Sturmböen dort eine bessere Angriffsfläche fänden und es zu Windwürfen kommen könne −, doch er erhielt keine zufrieden stellende Antwort.

Gr. Bunkerberg 04

Großer Bunkerberg Volkspark Friedrichshain

Abschließend erinnerte Stadtrat Panhoff daran, dass es sich bei dem waldartigen Baumbestand auf dem Bunkerberg um etwas Besonderes für den Bezirk handele und deshalb notwendige Maßnahmen im Dialog mit den engagierten BürgerInnen und Naturschutzverbänden, und zwar in einem Sachlichkeit anstrebenden „baumpolitischen Diskurs“, geplant werden sollen.

Nach Auskunft von Grünamtsmitarbeiterin Annette Rähm müssen in Kürze vier Bäume gefällt und zwei zu Hochstubben abgesetzt werden; bei drei weiteren Bäumen seien größere Kronenarbeiten notwendig. Anfang Oktober sei dann ein öffentlicher Ortstermin geplant.

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