Alle Klarheiten beseitigt

Ortstermin am abgerissenen Denkmal

Ortstermin Planufer

Ortstermin Planufer

Nach den schweren Granitplatten sind inzwischen auch die Aushubhaufen, welche die Sauerstoffzufuhr hindern, von den Wurzeltellern der Bäume verschwunden. Ob eine Humusschicht aufgebracht und auch genug gewässert wurde, wie der Baumsachverständige, Dr. Barsig, anlässlich des Ortstermins vergangenen Montag (18.4.) empfahl, konnten wir nicht feststellen. Es sind bezirkseigene Bäume und für die Umsetzung der Empfehlungen Sorge zu tragen, liegt in der Pflicht des AUN Friedrichshain-Kreuzberg.

Riedel-Geschäftsführer Freise, der ohne jede Genehmigung im Urbanhafen Teile eines Denkmals, nämlich fünfzig Meter alte Ladestraße abgerissen hatte (und es sollen unter der alten Iskele-Terasse, auf der die Arbeitsgruppe „tagte“, knapp noch einmal so viel hinzukommen) −, Freise versuchte beim sogenannten Sofort-Vor-Ort-Termin als Verteidigungsstrategie erstmal den Angriff: Der Umgang miteinander behage ihm nicht, welche Beschwerde er an unserer Berichterstattung aufhing. Wir hätten bei Kritik oder Erklärungsbedarf doch einfach in sein Büro kommen oder anrufen können. Gleichzeitig räumte er ein, dass allerdings das Kind bereits in den Brunnen gefallen sei, und zeigte sich bereit, einen „Rüffel“ dafür zu akzeptieren. Vom Mediationsteam wie zum Personenschutz flankiert, mimte er nichtsdestoweniger den Erniedrigten und Beleidigten.

Wurzelschädigung

Wurzelschädigung

Neben Amtsleiter Scholz, weiteren WSA– sowie BürgervertreterInnen und dem Bauleiter Baumschutz, Dr. Barsig, hatte sich auch eine Mitarbeiterin der Unteren Denkmalbehörde eingefunden, der erst die Initialen WSA = Wasser- und Schifffahrtsamt entschlüsselt werden mussten. „Mir klingen die Ohren“, rief sie schon bald aus und meinte damit nicht das eigenmächtige Vorgehen des Reeders, sondern den Umgangston, der in dieser Ad-hoc-Arbeitsgruppe herrschte.

Woher sollte die Dame denn auch wissen, dass nach über dreieinhalb Jahren Mediationsverfahren „Zukunft LWK“, der Konstituierung einer eigenen WSA-AG LWK, bei der alles den Kanal Betreffende − zumindest in der Theorie − zusammenlaufen soll, ungezählter Kommunikationspannen und vielen Hundert Stunden − seitens der BürgervertreterInnen ehrenamtlichen − in Forum, thematischen Arbeitskreisen und -gruppen, wo es nicht zuletzt um Aufbau von Vertrauen unter den Beteiligten geht, solche unangekündigten Nacht- und Nebelaktionen schlechterdings nicht hinnehmbar sind?

Feinwurzeln

Verdorrende Feinwurzeln

Freise hatte seit Sommer letzten Jahres in dieser Angelegenheit offenbar nur mit dem Abz-Leiter Neukölln, Jörg Augsten, Kontakt, ihm allein die Planung seiner Architektin, Frau Thurley, anvertraut und die Sache dann, ohne noch irgendeine Genehmigung des einzig dazu befugten Amtsleiters abzuwarten oder gar weitere bei Stadtplanungsamt/ Denkmalbehörde oder Grünflächenamt einzuholen, von seinen Leuten in Angriff nehmen lassen. Als Frist für die Ausbesserung einiger Steine und Fugen hatte Augsten, wie berichtet, den 30.09. gesetzt, aber „der frühe Wintereinbruch“ habe eine fristgerechte Ausführung vereitelt. − So früh kam die Kälte aber nun doch nicht, dauerte bekanntlich auch nicht bis zum 2. April, wo die Riedel-Mannen schließlich kurzerhand selber ans Werk gingen, denn das Angebot der am LWK sehr erfahrenen Wasserbaufirma Horst Mette habe zu hoch gelegen. Womöglich hätten aber deren Mitarbeiter gewarnt, dass bei solchem Vorgehen Ärger zwangsläufig ist…

Die Frage, warum Riedel hier als Bauherr auftritt, während die Sanierung des havarierten Anlegers an Maybachufer / Kottbusser Brücke die SteuerzahlerInnen tragen, blieb für uns weiter ungeklärt, auch wenn Freise jeden Vergleich der beiden Maßnahmen zurückwies: hier am Planufer handele es sich um eine „reine Unterhaltungsmaßnahme“, zu der ihn der Abz Neukölln aufgefordert habe − als laufe nicht die gesamte Kanalsanierung unterm Rubrum „Unterhaltung“ −, und da er, Freise, nicht nur Abhilfe für zwei, drei Jahre habe schaffen wollen, nahm der Eingriff unversehens größere Dimensionen an.

Freigelegte Mauer

Freigelegte Mauer mit Platte

Und zur Erklärung des Reparaturbedarfs bemühte der Reeder allen Ernstes noch einmal die Mär vom „Mauerboxer“, also dass die Wurzeln der Uferbäume die Granitplatten „ins Wasser gestoßen“ hätten. Die Versammelten sahen freilich nur in der Sonne vertrocknendes Feinwurzelgeflecht aus der Abbruchkante der Böschung hängen.

Klaus Lingenauber vom LDA, der, wie auch die BaumschützerInnen, wenn auch aus andern Gründen, bei der Sanierung der Ufermauer so viel Wert auf in situ legt, war’s selber leider nicht, weil, wie auch sein Vertreter, terminlich verhindert; desgleichen hatte die Oberste Denkmalbehörde niemanden geschickt. So mussten die BürgervertreterInnen einmal mehr ein Stück weit auch Denkmalschutzinteressen wahrnehmen, denn die Vertreterin der UDB sah bei endlich noch nachgeholtem Antrag in einer nachträglichen Genehmigungserteilung überhaupt kein Problem. [Diese bemerkenswerte Genehmigungspraxis des Xhainer Bezirksamts ist uns ja schon in anderem Zusammenhang begegnet.] Was besagt eigentlich der § 172 BauGB? Aber wir sind weit davon entfernt, Staatsdienerinnen ihren Job erklären zu wollen, zumal schon öfter − vor paar Tagen erst! − mit bloßen Hinweisen auf die Rechtslage kläglich gescheitert.

Freigelegte Mauer 02

Freigelegte Backsteinmauer

Jörg Augsten wurde von seinem Chef als „Bote“ bezeichnet, erinnert dabei ein wenig an jenen in Kafkas „Die Botschaft des Kaisers“, wenn er die Kunde über das Bauvorhaben erst am 12.04.11 überbringt. Michael Scholz, der in diesem Zusammenhang auch nichts vom Sachbereich 3 (Vorhaben Dritter) und SB 2 (u.a. Wasserstraßen-Unterhaltung) wissen wollte, erklärte sich allein für zuständig und entschlossen, die Gründe für die neuerliche Kommunikationspanne in seiner Behörde aufzuklären. „Ich bin überhaupt nicht lieb und nett“, versicherte er, „habe nur meinen Emotionalquotienten unter Kontrolle…“

Unverständlich eigentlich, warum der erregten Schilderung der Bau- bzw. Abrisstätigkeit am Planufer seitens einer AnwohnervertreterIn in der Forumssitzung am 4. April, an der, wie erwähnt, auch Lutz Freise schweigend teilngenommen hat, nur wieder die BürgervertreterInnen nachgegangen sind. Unseres Wissens war noch kein solcher Alarm blind.

Van Loon, Baerwaldbrücke

Van Loon, eventueller Kompensationsbereich und Baerwaldbrücke

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