Ungenehmigte Nachtarbeit

Verstöße gegen Baum-, Denkmalschutz & Mediation

Neuer Lärm an der Admiralbrücke

Denkmalplatten

Steinplatten auf Wurzeltellern

Wieder einmal fühlten sich AnwohnerInnen nahe Admiralbrücke in Kreuzberg nach Einbruch der Dunkelheit durch Lärm gestört und riefen die Polizei. Doch ausnahmsweise ging die Belästigung diesmal nicht von lärmenden Gästen auf der berühmten Partybrücke aus − die Witterung war am Donnerstagabend (14.4.) noch nicht danach −, sondern ein Bagger stand auf dem nur zu einer Seite hin abgesperrten Uferweg der Grünanlage nahe Riedel-Anleger und ehemaliger Iskele-Liegestelle und bugsierte die schweren, rot durchnummerierten Granitplatten der denkmalgeschützten, von Mitarbeitern der Reederei, wie berichtet, inzwischen abgerissenen Uferbefestigung in den geschlossenen Laderaum eines großen weißen Lkw ohne Firmenlogo oder dgl. − Mehrere Tage waren die massiven Platten vorschriftswidrig auf den Wurzeltellern der Uferbäume zwischengelagert worden.

Nachtarbeit 01

Aufnehmen

AnwohnervertreterInnen im Mediationsverfahren − nein, nicht zur Admiralbrücke, sondern zur „Zukunft LWK“ − und ebenfalls alarmiert, fragten die Riedel-Leute, warum sie solche Arbeiten um diese Stunde verrichteten und erhielten vom einen die knappe Antwort, tagsüber habe man eben anderes zu tun, und vom anderen, da gehe es nicht wegen der Spaziergänger. Diese sowie RadfahrerInnen gab’s allerdings auch jetzt, und da, wie gesagt, der Grünanlagen-Weg nur nach der östlichen Seite hin abgesperrt war, quetschten sich auch etliche aus Richtung Krankenhaus kommend an Laster und ausschwenkendem Bagger vorbei.

Nachtarbeit 02

Ablegen

Ebenso wenig wie es von der Obersten oder Unteren Denkmalbehörde, also von Senat und Bezirk, eine Genehmigung für den Denkmalrückbau gibt − dieser Bereich der ehemaligen Ladestraße des Urbanhafens unterliegt vielmehr nach der Erhaltungsverordnung gemäß § 172 Baugesetzbuch für das Gebiet „Urbanhafen-Südstern“ einem strikten Veränderungsverbot, und alle der Erhaltung dienenden Eingriffe müssen sorgfältig geplant, mit dem LDA abgestimmt, von mindestens drei Behörden genehmigt und dann von kompetenten Fachkräften ausgeführt werden − hat auch das WSA als Eigner der Liegestelle eine erteilt. Nicht mal eine Genehmigung vom Ordnungsamt lag vor, diese lärmige Verladung nach 20 Uhr vorzunehmen. – Welcher plausible Grund hätte auch angeführt werden können?

Offensichtlich ging’s ums Spuren verwischen, denn dass − neben allen anderen Verstößen − der Baumschutz am Bau missachtet wurde und das Thema Bäume am Landwehrkanal ein heikles ist, weiß Riedel-Geschäftsführer Freise seit gestern bzw. knapp vier Jahren sehr genau.

Behutsamkeit der Polizei

Nachtarbeit 03

Verstauen

Ein Polizeiauto fuhr jedenfalls in etwa einstündigem Abstand zweimal langsam das Planufer entlang, ohne zu stoppen, so dass die Riedel-Leute bis ungefähr halb zehn weitermachen konnten. Die Reederei ist offensichtlich gut vernetzt. Die Männer wollten ja, wie sie sagten, noch in dieser Nacht alle Platten abfahren, packten sie auch, ohne Latten dazwischen zu legen, einfach aufeinander, telefonierten aber hin und wieder (auch im Riedel-Büro vis-à-vis wurde noch gearbeitet, wie laut Anwohnerinnen sonst nie um diese Zeit), brachen dann jedoch, als erst kaum die Hälfte geschafft war, plötzlich ab. Der weiße Lkw, ein Lieferwagen mit Riedel-Aufschrift „Spreeprinzessin“ und der Bagger rollten vom Schauplatz, wobei der Schaufelarm auch noch paar Schwachäste der Bäume mitnahm − und als nur noch ein Arbeiter übrig war, hielt das zum dritten Mal passierende Polizeifahrzeug schließlich an. Zwei Beamte kamen zum Anleger herab, befragten den Mann und forderten ihn auf, sich ebenfalls zu entfernen. Sie waren mit ihm per Du, ermahnten ihn, erst anderntags weiterzumachen, „aber nicht wieder bis nach 20 Uhr“.

Kein Interesse an Baum- oder Denkmalschutz

Nachtarbeit 05

Die nächste

Der Hinweis der anwesenden BürgerInnen, dass es sich bei der Lagerung der Platten um einen Verstoß gegen Vorschriften zum Baumschutz am Bau und bei ihrer ungenehmigten Entfernung um einen gegen das Denkmalgesetz handele, interessierte die Beamten herzlich und ausdrücklich wenig; sie mochten auch keine Anzeige dieser Ordnungswidrigkeit aufnehmen, forderten dafür aber den Ausweis − nicht etwa des Riedel-Angestellten, sondern eines Bürgervertreters, der sie auf den Verstoß, den sie bezeugen sollten, hinzuweisen versuchte, denn morgen bzw. heute werden die Spuren zu Ende beseitigt. Allein die Vorschrift, dass Baumaterialien nicht auf Baumscheiben gelagert werden dürfen (DIN 18920) war ihnen ebenso unbekannt oder besser gesagt: schnuppe wie die Tatsache, dass eben durch solch unsachgemäßes Vorgehen auf Baustellen die meisten der 11.000 Bäume, die Berlin jährlich verliert, abgängig werden: „Dann werden eben neue gepflanzt.“ Dass dem leider nicht so ist und die Baumbilanz negativ, veranlasste sie zu allem Überfluss zu einigermaßen geistfreien Sprüchen.

Ein neuer Tiefpunkt

Nun soll es also kommenden Montag − was kann bis dahin nicht noch alles verdunkelt werden! − einen „Sofort-vor-Ort“-Termin geben, wo es laut Einladung des Mediationsteams darum gehen soll, „auf den unterschiedlichen Ebenen des Wie und des Was, d.h. der Vorgehensweise (des Wie) und der durchzuführenden Maßnahme (des Was), Transparenz herzustellen.“

Nachtarbeit 04

Nachtarbeit am Riedel-Anleger Urbanhafen

Da sind wir aber wirklich gespannt, nicht zum wenigsten darauf, ob wir neben VertreterInnen des Denkmalschutzes auch Lutz Freise begrüßen dürfen und wie er über sein selbstherrlich-eigenmächtiges Tun, als gäbe es nicht Bund, Land, Bezirk noch Bürger und auch kein jahrelanges Mediationsverfahren −, wie er also nach vollendeten Tatsachen ins Wie, Was und Warum post festum noch Transparenz bringt.

Und noch was: Am 30.09.2010 sollte nicht, wie im vorigen Posting irrtümlich behauptet, die Ausführungsplanung vorgelegt, sondern die vom Abz Neukölln bemängelte Abweichung des Anlegers vom SOLL-Zustand, also die schadhaften Stellen und Fugen in der Uferbefestigung ausgebessert werden. − Da  fragen wir uns doch, was hat der Leiter des Abz nach Überschreiten der Frist eigentlich bis heute in dieser Angelegenheit unternommen? [Update: Siehe auch die Darstellung im aktuellen WSA-Newsletter.]

Riedelanleger Urbanhafen 03

Riedel-Anleger Urbanhafen am Sonntag, 3. April

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3 Kommentare

  1. Manuel Keucht said,

    15. April, 2011 um 18:30

    Nach dem Baumarkt „Hellweg“ bei seinen Bauvorhaben in Köpenick und dem Yorckdreieck, nun also die nächste Klitsche, die durch kriminelles Verhalten auffällt. Ist doch komisch:
    Läuft mein Waldi frei im Park rum, kostet mich das 25 € – wenn ich ungenehmigt am Ufer des Landwehrkanals bei Nacht und Nebel Arbeiten vornehme, weist mich die Polizei freundlich darauf hin, das doch bitte am Tage zu verrichten.
    Vielleicht sollten wir diesem Trend etwas positives abgewinnen und unser Denken und Handeln kreativer gestalten?

    • jürgen julius irmer said,

      17. April, 2011 um 22:27

      …das unsere „waldis“ und andere kinkerlitzchen unter dem größten verfolgungsdruck stehen ist ja nichts neues,oder?
      alles andere geht durch.
      bißchen geld,bißchen kumpanei:kein problem.
      je weiter nach oben,um so problemloser…

      ich denke auch sehr, daß wir unser denken und handeln „kreativer“ gestalten müßen,gewissermaßen in richtung „tahrirplatz“…

  2. xonra said,

    21. April, 2011 um 3:08

    Seit letzter Woche gibt es übrigens einen Uferabbruch auf ca. 20 mtr. Länge an der Spree, auf dem Zapf Gelände. Sichtbar von der Brommybrücke. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung für die Schifffahrt auf der Oberspree ist eigentlich fällig. Die Zerstörungen durch Wellenschlag werden auch an anderen Stellen deutlich sichtbar. So ist am Maria ein großes Stück Beton abgebrochen, was auf extreme Spannungen durch mögliche Unterspülungen hinweist. Bei den Arbeiten mit langen Spundwänden, z.B. an der ehemaligen Bar25 sind, wie auch am May Aydin Ufer, skrupellos Bäume gekürzt worden.


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