Riedel baut, wann und wie er es für richtig hält

Grobe Verstöße gegen Baumschutz am Landwehrkanal

Schon im Verlauf der letzten Mediationsforumssitzung hatte sich eine AnwohnervertreterIn nach der Bautätigkeit erkundigt, die sie nahe dem Liegeplatz des 2008 ausgebrannten Restaurantschiffs Iskele auf der Südseite der Einfahrt in den Urbanhafen in Kreuzberg beobachtet habe. Hier unterhält die Reederei Riedel einen Anleger und obschon das WSA eine Veränderungssperre aufrechterhält, bevor nicht ein Gesamtkonzept für den Kanal entwickelt und beschlossen worden ist, und bei Anträgen auf Umgestaltung/Erweiterung bestehender Anlagen seine Entscheidung von einer Forumsempfehlung abhängig macht, war über die Maßnahme am genannten Anleger unter der Rubrik „Vorhaben Dritter“ weder am 4. April noch vorher berichtet worden. Riedel-Geschäftsführer Lutz Freise, der die jüngste Forumssitzung früher verließ, schwieg sich jedenfalls aus.

Riedelanleger Urbanhafen

Verstoß gegen Baumschutz am Bau auch am Landwehrkanal

An dieser Anlegestelle, so die Anwohnervertreterin, seien Abdeckplatten der Mauerkrone wie auch die Granitquader der bekanntlich denkmalgeschützten Uferbefestigung aufgenommen und nach ihrer Beobachtung Materialien teilweise abtransportiert worden. − Die Arbeitsgruppe LWK war zu diesem Zeitpunkt nicht informiert und konnte zur Aufklärung nichts beitragen.

Inzwischen wurde die Baustelle von mehreren BürgervertreterInnen inspiziert und fotografiert. Die Aufnahmen sind einigermaßen schockierend! Schwere Granitplatten und Baustoffe wurden auf Wurzeltellern deponiert, bei Abgrabungen an der Böschungskante die Wurzeln der Bäume freigelegt und offenkundig verletzt, mithin gegen sämtliche Normen zum Baum- und Wurzelschutz bei Baumaßnahmen verstoßen, insbesondere gegen die Berliner Baumschutzverordnung, die DIN 18920, RAS-LP 4, ZTV Baumpflege.

Es ist eine Unverfrorenheit sondergleichen, dass ausgerechnet die Reederei Riedel, deren havarierter Anleger an der Kottbusser Brücke mittelbar das ganze Mediationsverfahren 2007 in Gang setzte und deren Geschäftsführer Forumsmitglied ist, z. B. den im Verfahren installierten „Bauleiter Baumschutz“, Dr. Barsig, nicht bereits von sich aus zu konsultieren vorgeschlagen hat und zeigt, was die Bekenntnisse Freises zum Baumschutz und die Teilnahme am Netzwerk für Corparte Social Responsibilty wert sind, wenn’s ums Geschäft geht.

Die WSA-Sachbereiche 2 und 3 wissen mehr

Doch wie detaillierte Nachfragen von BürgervertreterInnen zwischenzeitlich ergeben haben, wurde das WSA bzw. die AG LWK, in der ja sämtliche Belange und Vorhaben zum Landwehrkanal zusammenlaufen sollen, zwar vom Ausmaß der Baustelle völlig überrascht, doch handelte Riedel ursprünglich auf Grund einer Aufforderung des WSA-Außenbezirk Neukölln, dessen Mitarbeiter im Sommer letzten Jahres Reparaturbedarf („Abweichungen vom Sollzustand“) an der Mauer im Bereich des Anlegers festgestellt hatten. Im Einzelnen sollten einige heraus gebrochene Steinquader fachgerecht instand gesetzt und offene Fugen geschlossen werden. Die Instandsetzungsarbeiten seien technisch und terminlich vor Beginn mit dem Abz bis 30.09.2010 abzustimmen.

Über Nutzungsverträge und deren Inhalte weiß allein der Sachbereich 3 des WSA bescheid, der für die sog. Vorhaben Dritter zuständig ist und von der früheren Leiterin des SB 2, Gerrit Riemer, geführt wird. Unterhaltungsmaßnahmen obliegen hingegen dem SB 2 (Leiter Lars Doering), dem der Abz Neukölln zugehört. Hier ist immerhin bekannt, dass die Baustelle 55 Meter misst; die Arbeit von der Otto Mette Wasserbau GmbH ausgeführt und von der Wasserbauingenieurin Frau Thurley von Kirschkowsky/Thurley betreut wird. Bauherr ist Riedel, der hier auch die Rechnungen zahlt und nicht die SteuerzahlerInnen wie die Sanierung am Maybachufer/Kottbusser Brücke. Dem Abz wurde eine kleine Ausführungsplanung vorgelegt –, doch leider halt nicht dem Mediationsforum. − Wie und von wem wurde die Planung genehmigt? Was war noch gleich der Sinn der Konstituierung der Arbeitsgruppe Landwehrkanal? Und des Mediationsverfahrens?

Sollten die Erörterungen der Neuerrichtung eines neunzig Meter langen Schiffsterminals Kottbusser Brücke mit behindertengerechter Rampenanlage in einer Forums-AG, der vom gleichen Ingenieurbüro geplant wurde, zu kompliziert, schwierig oder langwierig geraten sein? (Schon hier hatte verwundert, dass ohne ausreichende Rücksprache mit Denkmalamt oder gar Forum plötzlich ein nicht eben denkmalgerechtes Geländer angebracht worden war, das wahrscheinlich wieder zurückgebaut werden muss.) Und nun sind wir gespannt, ob die Planung für die Instandsetzung des Anlegers im Urbanhafen mit der Denkmalpflege abgestimmt ist. Der Eingriff geschah nämlich nicht gerade behutsam: Vielmehr wurde die niedrige Uferbefestigung aus Sand- und Granitsteinquadern über, wie gesagt, 55 Meter fast ab Wasserlinie vollständig abgerissen, und zwar von Mitarbeitern der Reederei Riedel, und Abbruchmaterial zur Entsorgung weggekarrt.

Bei der Lagerung der Materialien zwischen den Bäumen handelt es sich ganz klar um eine Ordnungswidrigkeit, die der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg durch Einleitung eines Bußgeldverfahrens ahnden muss. Und in diesem Zusammenhang fragen sich die BürgervertreterInnen natürlich auch, ob das Xhainer Bezirksamt: Stadtplanung, Untere Denkmalschutzbehörde und/oder AUN überhaupt ins Bild gesetzt wurden.

Vor allem müssen jetzt die vorschriftswidrig gelagerten Materialien umgehend von den Baumscheiben entfernt werden, um gerade zu Beginn der Wachstumsperiode die Bäume nicht noch weiter zu schädigen! Sodann muss das Mediationsteam einen schnellstmöglichen sog. SofortVorOrt-Termin anberaumen. − Es wird nicht langweilig in der LWK-Mediation, aber das Zwei Schritte vor, anderthalbe zurück zerrt doch an den Nerven.

Riedelanleger Urbanhafen 02

Riedelanleger Urbanhafen

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