Wahlaufruf der Ini-Plattform Gleisdreieck

Erläuterungen zu Historie und aktuellem Stand

Wahlflyer der Initiativenplattform

Wahlaufruf der Ini-Plattform Gleisdreieck Zum Vergrößern bitte Anklicken!

Im Superwahljahr müssen natürlich auch die BürgervertreterInnen in der sogenannten Projektbeleitenden Arbeitsgruppe (PAG) beim Bau des Gleisdreieckparks neu gewählt werden −, selbstredend nur diese, nicht etwa die anderen PAG-Mitglieder als da sind: VertreterInnen von Senat und den Anrainer-Bezirken, von Grün Berlin und dem Atelier Loidl ganz zu schweigen, obschon es angesichts der bisher vor Ort geschaffenen Fakten hier wohl noch am ehesten Not täte.

Aber Scherz beiseite: Dass einstmals vereinbart wurde − zwischen wem und vor allem warum, ist uns noch immer nicht ganz klar geworden −, die Neuwahl der BürgervertreterInnen, welche sich doch schließlich in zeit- und kraftaufwendigem Einsatz inzwischen beträchtliche Kompetenz und Expertise erarbeitet haben, tatsächlich im Jahresrhythmus zu wiederholen, erinnert ans Rotationsprinzip, von dem sich die Grünen schnell verabschiedeten, weil es einfach nicht zweckdienlich ist. [Siehe auch Update vom 18.4.]

Kleiner Rückblick

Andererseits erinnern wir uns natürlich noch sehr gut, dass bereits zum Zeitpunkt der Grundstein- bzw. bedeutungsschweren Granitplattenlegung für den Parkbau im Herbst 2009 wenigstens nach Ansicht von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer die „mehrstufige“ Bürgerbeteiligung an der Umsetzung dieses Kompensationsprojekts für Eingriffe in Natur und Landschaft [sowie ins Stadtklima!] auf Potsdamer und Leipziger Platz nicht nur ein voller Erfolg, sondern auch schon abgeschlossen war. [Im Frühsommer 2010 sollte dann aber wirklich Schluss gewesen sein…]

Dem war, wie sich die Verwaltungsmenschen anlässlich jenes „Staatsakts“ unmittelbar überzeugen konnten, mitnichten so. Die buchstäblich seit Jahrzehnten für eine Grün- statt eine Westtangente, für Park statt Autobahn engagierten BürgerInnen mussten sich mit ihren Interessen, Ideen und Vorschlägen vielmehr auf unwürdige Weise marginalisiert und ausmanövriert fühlen angesichts einer brachialen Bagger-Beräumung des Ostpark-Geländes auf dem einstigen Areal des Anhalter Güterbahnhofs − Freiräumung eben nicht nur von Schutt und Müll, sondern auch eines Großteils des Baumbestands mitsamt einzigartig vielgestaltiger, fachkundig kartierter Ruderalvegetation nebst reichhaltiger Fauna, nicht zu reden von all den technikgeschichtlichen, in der Zeit politisch erzwungenen Innehaltens malerisch von der Natur überwucherten, peu à peu zurückeroberten Zeugnissen und Spuren, kurz: angesichts nachhaltiger Austilgung eines eigengesetzlich gewachsenen, unnachahmlich verwunschenen,von vielen geliebten und gerühmten Charakters.

Diese aus Kompensationsmitteln 24millionenschwer finanzierte Stadtnaturzerstörung und die tiefe Frustration der BürgervertreterInnen, die sich zeitweise unter Protest aus der PAG zurückzogen, um nicht länger das partizipatorische Feigenblatt zu geben, wurde publik, weckte Medieninteresse und alarmierte endlich auch die großen Naturschutzverbände der Stadt, welche solch natur- wie bürgerferne Planung empfindlich geißelten. Schließlich wurden auch die Bezirksverordeten des grün regierten Friedrichshain-Kreuzberg gewahr, dass da auf ihrem Territorium etwas gründlich missriet.

Lernschwaches System

Als dann die Beplanungskonkretisierung zum Westpark anstand, also des Geländes des ehemaligen Potsdamer Güterbahnhofs jenseits der Fernbahntrasse, leitete auf höhere Weisung nicht länger die Grün-Berlin-Projektleiterin Gleisdreieckpark, Regina Krokowski, gleich auch PAG-Sitzungen und BürgerInnenbeteiligung, sondern ein externer, im Rahmen seiner Möglichkeiten neutraler Moderator wurde damit betraut.

Am merkwürdigen Status besagten Gremiums, das einerseits lediglich beratenden Charakter haben soll, da ihm andererseits aber auch Entscheidungsbefugte angehören, die Beraterrolle lediglich für die gewählten BürgervertreterInnen reserviert −, an dieser mithin nicht gerade von Augenhöhe der in ihr Sitzenden geprägten Institution änderte sich freilich nichts. Die Ratschläge der BürgerInnen werden immer nur insoweit berücksichtigt, als sie nicht wesentliche Aspekte der Loidl-Planung hinterfragen, sondern sich lediglich auf Modifikation en detail und miniature beziehen, derweil die Entscheidungen andernorts und hinter verschlossenen Türen fallen. Die Beispiele mangelnder Transparenz sind Legion.

Dennoch erschien nach einhelliger Meinung und relativ gesehen die externe, an tragfähigen Kompromissen interessierte Moderation zumindest in punkto „Konkretisierung“ der Westparkplanung einigermaßen fruchtbar und konstruktiv. Im Sommer letzten Jahres konnte ein Ergebnisprotokoll samt Presseerklärung allerdings nur deshalb gemeinsam verabschiedet werden, weil die weiterhin strittigen Themen einer „vertiefenden Bearbeitung“ durch die PAG vorbehalten und gewissermaßen ausgelagert wurden. − Und was dann in praxi folgte, als es mal wieder ans Freiräumen ging, verwies viele Absichtserklärungen und Abreden ins Reich der Gute-Nacht-Geschichten und hat die entsprechenden Passagen im Wahlflyer schon wieder überholt: So zähflüssig sich die Beteiligung der Betroffenen jeweils anlässt, so geschwind geht’s bei der Umsetzung, so dass diese zumeist jene glatt überholt.

Minenfelder − erst teilweise geräumt

Umstritten ist nach wie vor die Ausgestaltung des Pilotprojekts „Gärten im Garten“, wodurch die − vorm zunächst auf ihrem Standort vorgesehenen wettkampfgerechten Fußballstadion errettete − multikulturelle Kleingartenkolonie POG sich für die ParkbesucherInnen öffnen soll, und zwar

  • die Loidlsche orthogonal-linear ausgreifende Wegeführung, die sich nur höchst widerwillig von ihrer Luftbild-Ästhetik trennen und den Fortbestand der Gartenkolonie mit ihren Pfaden und Wegrainen berücksichtigen mag;
  • der sog. Marktplatz im nördlichen Bereich, der den hier noch mehr oder minder vorhandenen zusammenhängenden Naturerfahrungs- und -erlebnisraum, welcher in einen Naturspielplatz münden, woran sich wiederum ein konventioneller anschließen soll, nicht etwa durch Versiegelung und breite Wegeeinfassung zerschneiden, sondern allenfalls ein kleiner Dorfplatz werden darf, fließend begrenzt und eingefasst von Vegetation;
  • eine neue Zuwegung aus Richtung Nelly-Sachs-Park, die zwischen den sog. Oefeleinbauten hindurchführen und genau dort aufs Gelände treffen würde, wo noch ein letztes kleines Birkenwäldchen steht, das weder Durch- noch Umwegung verträgt und vor allem auch nicht benötigt.

Wurden bei den ersten beiden Punkten schon einige Kompromisse erzielt, die es gegen Rückschläge zu verteidigen gilt, steht beim dritten, der Oefelein-Durchwegung, wofür sich außer Loidl/Grün Berlin befremdlicherweise gerade die BezirksvertreterInnen einsetzen, die angekündigte MieterInnen-Befragung nach wie vor aus.

Sodann gibt es sehr divergierende Vorstellungen hinsichtlich der südlich des U2-Viadukts liegenden zusammenhängenden ruderalen Restfläche, die, erst spät dem Planungsgebiet zugeschlagen, in den Augen derer von Loidl und Grün Berlin nur als Fortsetzung der sogenannten Schöneberger Wiese (bzw. des gleichnamigen Rasens) sowie als Standort eines Bolzkäfigs taugt − mit erneuter Zerstörung von Natur und Charakter auch noch des letzten Überbleibsels Brachlandschaft.

Strittig sind schließlich noch die Gestaltung der südlichen Zuwegung aus Richtung Bautzener Kiez sowie der Standort eines Hundeauslaufs.

Dass diese Themenfelder weiterhin von jenen BürgervertreterInnen beackert werden sollten, denen die Bewusstmachung dessen, was hier auf dem Spiel steht, überhaupt zu danken ist, steht für uns außer Frage.

Nichts gelernt

Weiterhin steht außer Frage, dass die Grün Berlin Park und Garten GmbH aus dem Desaster im Ostpark, über dessen Ausmaße sich die BezirksvertreterInnen des F’hain-Kreuzberger AUN in diesen Tagen gerade einen Überblick verschaffen und dabei allenthalben sogar Verstöße gegen basiale Vorschriften des Baumschutzes auf Baustellen konstatieren, die jede x-beliebige Baufirma beachten muss, wie viel mehr ein Unternehmen und von ihm beauftragte Firmen, die an die Vorgaben einer naturnahen Parkgestaltung unter weitestgehendem Erhalt des ursprünglichen Charakters der Fläche offiziell gebunden sind.

Kompensationsbeton

Kompensationsbeton

Beidem ist schon die Loidlsche Planung, die seinerzeit ja nur knapp und unter fragwürdigen Umständen den Wettbewerb gewonnen hat, kaum gerecht geworden, ihre Umsetzung durch die von Grün Berlin beauftragten Billigfirmen aber nicht im Entferntesten. Bei der Schaffung des sog. Aktivitätsparks, den die AnwohnerInnen mehrheitlich nicht wollen, erscheinen Klima-, Stadtnatur-, Biotop- und Artenschutz, grünvernetzte Stadtlandschaftsräume sowie echte BürgerInnenbeteiligung nicht als integrative Komponenten zukunftsfähiger Stadtentwicklung, sondern offenbar als Partikular- und Klientelinteresse oder schlicht als „Gedöns“…

Die bei jedem neuen Verstoß gegen die beauflagte bestandsschonende Behutsamkeit von Bürgervertreter- und NaturschützerInnen neu erhobene Forderung einer ökologischen Baubegleitung wurde bis dato beharrlich ignoriert, selbst wenn kürzlich der Senatsfirma mit dem irreführenden Namen vom Bezirk schon zu leistende „Strafpflanzungen“ angedroht werden mussten.

Durchs letzte Kleinod im Ostpark, das sog. Wäldchen, dem der höchste naturschutzfachliche Wert auf dem Gelände beigemessen wird, wurden bspw. entgegen allen vollmundigen Ankündigungen, zur Baumwurzelschonung lediglich fundamentlos Betonplatten zu verlegen, mit Baggern tiefe, breite, linealgerade Schneisen geschoben, als gehe es um Straßenbau für Holztransporte, und in der Tat wurden im Winter ja schon hohe Haufen von Baumschnitt und Unterholz abtransportiert. Vielerorts ragen Wurzeln großer Bäume nackt aus den Böschungen, Berge von Aushub und Baustoffen wurden auf Baumscheiben zwischengelagert, und überhaupt hat ein monatelanger reger Planierraupen- und Radladerverkehr kreuz und quer übers gesamte Areal den Boden bis in große Tiefe verdichtet.

Große Weite

Große Weite

Für unsere Stadtnatur: Grün Berlin braucht naturschutzfachliche Kontrolle und bürgerschaftliche Beteiligung!

All diese Hinweise haben insofern etwas mit den anstehenden Wahlen zu tun, als sich nämlich potentielle KandidatInnen/die neuen BürgervertreterInnen erstens nicht früh genug über die Dringlichkeit klar werden müssen, womit die Forderung nach einer ökologischen, baumsachverständigen Baubegleitung erneuert und endlich durchgesetzt werden muss. Grün Berlin hat sich ausreichend disqualifiziert − und hat nichtsdestoweniger und quasi automatisch nicht nur den Zuschlag für die Parkunterhaltung auf dem Tempelhofer Feld erhalten, sondern − im Auftrag des Nachbarbezirks Tempelhof-Schöneberg − auch für den südlich ans Gleisdreieck anschließenden sog. Flaschenhals (ja den Nord-Süd-Grünzug insgesamt!), den jedeR Interessierte dieses Jahr noch schnell besuchen sollte, auch um einen Eindruck dessen zu gewinnen, was auf dem Gleisdreieck planiert wurde und bevor das Atelier Loidl [und in der Schöneberger Schleife das kongeniale Planungsbüro TDB] im Verein mit Grün Berlin auch hier ihre Computer-Animationen von Abbruchfirmen ins Werk setzen lassen.

Status der PAG neu aushandeln!

Zweitens aber muss diese Neuwahl zum Anlass genommen werden, endlich eine Geschäftsordnung bzw. ein Arbeitsbündnis zwischen den PAG-Mitgliedern auszuhandeln und gemeinsam zu beschließen [bisher gibt’s, wir fassen’s nicht, nur mündliche Absprachen!], wonach dieses „beratende“ Gremium endlich in den Status eines Beteiligungsgremiums erhoben und echte Partizipation allererst möglich wird. − Hier sind, wie gesagt, Augenhöhe, Kommunikation aller relevanten Fakten, Informationen, Pläne, Gutachten etc., umfassende Transparenz über Verfahrens- und Entscheidungsabläufe, Leistungsbeschreibungen, Auftragsvergaben und nicht zuletzt die Verwendung der für Ausgleich und Ersatz zweckgebundenen Mittel unabdingbar und bei ernst gemeinter BürgerInnenbeteiligung unverhandelbarer Standard. Auch über die Verbindlichkeit der gemeinsam gefassten Beschlüsse sollten Abreden getroffen und schriftlich fixiert werden!

Wenn es unsere Stadtentwicklungssenatorin tatsächlich reizt, noch für eine weitere Legislatur anzutreten, wird es nicht zuletzt für sie allerhöchste Zeit, sich mit diesen, allenfalls für sie und ihre Verwaltung neuen Essentials echter zivilgesellschaftlicher Partizipation vertraut zu machen, denn in diesen bewegten Umbruchszeiten sind die BürgerInnen auch und gerade in der Hauptstadt nicht länger mehr gewillt, Zeit und Kraft für sinnentleerte Rituale, kostenintensive Hochglanz-, Ankündigungs- und Veranstaltungs-, kurz: für Symbolpolitik zu vergeuden, um am Ende doch nur jahrelang Trüffelschwein und Feigenblatt gespielt zu haben.

Alles Nähere, was auf potentielle KandidatInnen zukommt, welche Voraussetzungen zu erfüllen sind sowie Termine, Adressen etc. entnehmt bitte dem Flyer der Wahlkommission der Initiativenplattform Gleisdreieck. [Zum Vergrößern bitte anklicken und auch Seite 2 beachten!]

Wahlaufruf-Iniplattform 2011

Aufruf der Ini-Plattform Gleisdreieck zur AnwohnervertreterInnen-Wahl am 25.05.11

Und noch ein aktueller Hinweis zum Schluss: Das Tempelhof-Schöneberger MdA Lars Oberg (SPD) lädt am Mittwoch, 13. April, 16 Uhr zum Kiezspaziergang mit Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer (auch SPD) rund ums Gleisdreieck, um „sich vor Ort ein Bild zu machen über die Zugänge zum Gleisdreieck-Park von der Schöneberger Seite aus.“ Treff: Ecke Yorck-/Bautzener Straße. − Na, schön ist das Bild zwar noch nicht, aber schön ist ästhetisch eh out: Spazieren wir also einfach mal mit… [Update 10.4.: Siehe dazu auch hier.][Update 18.04.: Zum Ablauf des Kiezspaziergangs siehe auch hier − auch das Video − und den so lakonischen wie köstlichen Beitrag hier!]

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2 Kommentare

  1. Ullrich L said,

    16. April, 2011 um 20:29

    Na das soll wohl ein Witz sein? Wer ist denn so blöd und will jetzt in diese s. g. Projekt begleitende Arbeitsgruppe, wo so gut wie alles zerstört ist? Da will doch kein Bürger dran beteiligt sein, oder sehe ich da was falsch?

  2. 10. April, 2013 um 19:42

    […] 157. Exportabel (2761) 158. K&W Legal (2768) 159. club49 (2845) 160. Angelas Bastelwelt (2935) 161 Landwehrkanal-Blog (2943) 162. Chaussee der Enthusiasten (3029) 163. Digitale Leinwand (3031) 164. Die Welt ist gar […]


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