Ein Bauschild macht unnötig Ärger

Zum amtsseitigen Kommunizieren der Landwehrkanal-Sanierung

Gerätepark

Gerätepark an der Corneliusstraße

Die Verpressung der Spundwand in den außergewöhnlich harten Untergrund vor der maroden LWK-Ufermauer entlang der Corneliusstraße in Mitte konnte die Firma Johann Bunte heute ohne weitere Beeinträchtigung des Crush-Piler-Systems durch ins Geschiebemergel eingeschlosses Granitgeröll fortsetzen. Die Stahlbohlen konnten auf die statisch erforderliche Endtiefe von rund fünf Metern eingebracht werden, und wir drücken die Daumen, dass der Fortgang nicht wieder durch Granit gehemmt wird. Wie heißt es in der Broschüre einer Grundbaufirma doch so schön: „Voraussetzung für das Pressverfahren sind sehr gute Kenntnisse des Baugrundes, da etwaige Hindernisse nicht überwunden werden können.“

Bauschild Corneliusstraße

Missverständliches Bauschild Corneliusstraße

Was uns allerdings ebenfalls Bauchschmerzen bereitet, ist die Tatsache, dass der zugegebenermaßen seit 2008 im WSA und Mediationsverfahren „Zukunft LWK“ gebräuchliche Terminus technicus für die Maßnahme „Wasserseitige Baumsicherung“ nun auch riesengroß auf dem Bauschild prangt und Vorübergehende darob schon mal in helle Wut geraten: Ein High-Tech-Maschinenpark, auf ihre Steuerkosten eingesetzt, um zehn mehr oder minder alte Kastanien zu retten?! Und ihre Anbindung an die berüchtigten Brockelmannschen Betonquader hat doch schon ein Heidengeld verschlungen − und soll, wenn’s nach dem Bundesrechnungshof geht, wie berichtet, auch noch vom Bezirk Mitte aufgebracht werden! Muss der jetzt dazu noch für die Spundwand zahlen?

Ob die nunmehr an der Corneliusstraße in die vierte Vegetationsperiode gehende Baum-Korsettierung je notwendig war, darüber streiten bekanntlich die Gelehrten seit Anbeginn. Dennoch müssen wir uns immer wieder selbst von GrünpflegerInnen und Baumsachverständigen in Behördendiensten anhören, für das schöne Geld hätte sich doch fast ein kleiner Stadtwald pflanzen lassen. Nachrichten, dass die Lastannahmen auf die kaputte Ufermauer auf Basis näherer Untersuchungen zum Wurzelverlauf von den Statikern inzwischen deutlich nach unten korrigiert werden mussten; dass Durchwurzelung ein wackliges Ufer eher stabilisiert als zu gefährden und dass sich die Schadensereignisse gerade an baumlosen, aber von intensivem Schiffsverkehr beanspruchten Uferstellen abspielten, dringt nur sehr zögerlich durch den Mergel der Vorurteile.

Verspundung zur Ufer- und nicht zur Baumsicherung!

Dass jedoch die Verspundung der am meisten gefährdeten 370 Meter LWK-Ufer allein der wasserseitigen Baumsicherung dient, damit die landseitige endlich verschwinden kann, wie es nicht nur das Bauschild, sondern auch die Infotafel suggeriert, ist schlicht falsch. (Das erhellt für Informierte natürlich schon aus der Wahl der Crush-Piler-Teststrecke am Paul-Lincke-Ufer.) Der einvernehmliche Beschluss des Mediationsforums von 2009 lautete, „dass für die 370 m des Landwehrkanals, an denen zur Zeit Betonklötze zur Sicherung der Bäume stehen, die temporäre Maßnahme − Einbau einer Arbeitsspundwand als Fußsicherung − im Sinne eines Pilotprojekts zu einer endgültigen Lösung wird, wobei nach Sanierung der Ufermauer die Arbeitsspundwand in noch zu klärender Höhe unterhalb der Niedrigwasserlinie abgeschnitten wird und im Landwehrkanal verbleibt.“ Zwischenzeitlich ist noch die erwähnte 50m-Teststrecke hinzugekommen (→ 370+50m).

Sprich: mit der dauerhaften und endgültigen Sanierung der infolge jahrzehntelang versäumter Unterhaltungsmaßnahmen bei gleichzeitig ungebremst wachsender Beanspruchung vom Sunk und Schwall immer größerer Ausflugsdampfer schließlich unterspülten, ausgewaschenen und einsturzgefährdeten Ufermauer wurde dort begonnen, wo von ufernahem Baumbestand angeblich eine zusätzliche Gefahr drohte, dessen Fällung der Widerstand engagierter BürgerInnen, PolitikerInnen und Naturschutzverbände seinerzeit gerade noch verhindern konnte.

Klarstellung vonnöten

Crush Piler

Crush Piler im Einsatz

Aber die Ufermauer muss auch dort, wo keine Bäume stehen, saniert werden und dem dient der Einsatz der aufwendigen Geräte an der Corneliusstraße primär und wie vorher bereits am benachbarten Herkulesufer und am Tempelhofer Ufer in Kreuzberg! Und der wirklich große Vorteil des Crush Pilers für die AnwohnerInnen besteht eben im leisen und erschütterungsfreien Einbringen der Bohlen − das wurde von vielen bewundert. (Dass die Verspundung auch ohne Baumbestand hätte erfolgen müssen, geht leider auch nicht aus der WSA-Infopost an die AnwohnerInnen in der Corneliusstraße vom letzten Herbst hervor, aber immerhin ist darin von wasserseitiger Ufersicherung die Rede.) Die Bäume aber brauchen weder Betonklötzer noch Stahlbohlen und blieben, wenn wahrscheinlich auch reichlich schief, auch dann stehen, wenn die Ufermauer, was der Himmel verhüten möge, tatsächlich abrutschen würde. Sie sind nämlich lebendige Wesen, ausgestattet mit einem noch nicht annähernd ausreichend erforschten Sensorium für ihre Statik und Balance, das sie bspw. bei Wahrnehmung allmählich nachgebenden, sich verschiebenden Untergrunds veranlasst, nach der entgegengesetzten Richtung hin in beachtlicher Geschwindigkeit vorhandene Zugwurzeln massiv zu verstärken und neu zu bilden.

Kurz: wir möchten das WSA dringend auffordern, die Maßnahme gemäß Beschlusslage des Mediationsforums zu kommunizieren und nicht nach hausinternem Sprachgebrauch oder Ausschreibungsformulierungen, und zwar, dass es sich hier um eine dauerhafte wasserseitige (Fuß-)Sicherung der Ufermauer handelt, um diese im Rahmen eines Pilotprojekts endgültig, also anschließend auch oberhalb der Wasserlinie zu sanieren − und eben nicht um eine „wasserseitige Baumsicherung“ im Sinn eines Tauschs von Betonklötzer gegen Stahlspundwand. AnwohnerInnen und Öffentlichkeit muss hinreichend deutlich werden, dass die denkmalgeschützte Uferwand auch ohne Bäume gesichert werden müsste, um sie, wie es notwendig ist, in situ komplett zu sanieren. So haben es die im Forum vertretenen Amts-, Interessen- und BürgervertreterInnen einmütig beschlossen! Wenn die Beschilderung jedoch zu solchen Missverständnissen Anlass gibt, wirkt sich das nicht nur nachteilig auf die Akzeptanz von Uferbaumbestand, stadtökologischen Erfordernissen, BürgerInnenbeteiligung und Mediationsverfahren aus, sondern schadet auch mal wieder der öffentlichen Wahrnehmung des Agierens des WSA bzw. der WSV.

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