Harte Brocken entlang Corneliusstraße

Dennoch keine Alternative zum Crush Piler

Da sich das Einbringen der „aufgeständerten“ Spundbohlen auf Endtiefe im rund dreißig Meter langen Bereich an der Corneliusstraße in Mitte, wo die Bohlen nur teilweise hatten eingebracht werden können, wie berichtet, ausnehmend schwierig gestaltete, wurde in der vergangenen Woche die achtzig Meter lange Neubaustrecke von der Corneliusbrücke her in Angriff genommen, um im Anschluss von dort auf den halbfertigen Teil überzugehen. Wider Erwarten erweist sich jedoch auch die Neuverpressung keineswegs als Spaziergang. Gegenüber 15 Doppelbohlen täglich im Fall Teststrecke, werden an der Corneliusstraße durchschnittlich bloß sechs pro Tag geschafft. Bislang ist noch nicht die Hälfte der Neubaustrecke geschafft, doch gleichwohl hofft WSA-Ingenieur Heier, bis Ende dieser Woche die Strecke zu bewältigen, so dass der Zeitplan nicht gesprengt wird.

Granitbrocken lädieren Bohrkopf

Die Bodenverhältnisse der Kanalsohle längs der Corneliusstraße in Mitte sind verglichen mit jenen der Crush-Piler-Teststrecke am Kreuzberger Paul-Lincke-Ufer ungleich schwieriger, obwohl seinerzeit für die Erprobung des GIKEN-Geräts natürlich ein besonders harter Abschnitt ausgesucht worden war. Doch zu den „Linsen“ von sog. Geschiebemergel, die sich ab drei Meter Tiefe allenthalben in der Kanalsohle finden, gesellt sich an der Corneliusstraße das Problem, dass in diese Sedimentschichten auch noch große Gesteinsbrocken aus rotem Granit eingelagert sind, die der Bohrkopf des CP nicht zu durchstoßen oder zu zerkleinern („crushen“) vermag; vielmehr werden sie von der rotierenden Bohrschnecke im Leitrohr umhergeschleudert und beschädigen dieses und insbesondere den Bohrkopf.

AG Meilensteine

WSA-AG LWK präsentiert am 14. März der Forums-AG "Meilensteine" Zwischenstände

[Zum konventionellen Verfahren des verrohrten Bohrens s.u. die Ergänzung.*]

Der musste bereits einmal ausgewechselt, kann jedoch wieder repariert, d. h. mit einem neuen Zahnkranz versehen werden, und heute (23.3.) wird er gegen den zwischenzeitlich eingesetzten, nunmehr ebenfalls „abgenutzten“ wieder ausgetauscht. In einigen Tagen soll noch ein anderer Typ erprobt werden, doch die zunächst erwogene Verwendung eines größeren Bohrkopfs verbietet sich im Hinblick auf die vorgeschädigte Regelbauweise der Uferbefestigung . Da nämlich der Abstand zur Spundwandtrasse an ihrem Fuß nur 0,50 m beträgt, könnte ein größerer Durchmesser der Vorbohrung gravierende Folgen haben. Außerdem ist die statisch erforderliche Wiederverdichtung des verfüllten Materials in der Bohrung  zwischen Trasse und Uferwand nach Einbringung der Spundbohle nur schwer oder gar nicht machbar.

Konventionelle Technik scheidet nach wie vor aus

Für etwaige Schadenfreude auf Seiten der heimischen Bauindustrie ist indessen ganz und gar kein Anlass: Auch der 2008 noch vorgesehene Einsatz des konventionellen Verfahrens mit verrohrtem Bohrens und Erdaustausch wäre mit den gleichen Problemen konfrontiert und zudem zwei* Durchgänge: Vorbohren und Einbringen der Stahlbohlen erforderlich, würde also noch viel länger dauern. − Bliebe noch der Einsatz des Dieselbären („Schnellschlagender Luftbär“), um sie einzurammen, doch dabei ist nicht nur eine Verformung der Teile zu gewärtigen, so dass ihre Schlösser nicht mehr ineinander greifen, sondern die enormen Erschütterungen wären nicht nur dem Bauwerk abträglich, sondern zusammen mit der Lärmentwicklung nicht zuletzt für die AnwohnerInnen unzumutbar. Wenn man nicht zur Steinvorschüttung und damit erheblichen Verengung der Fahrrinne Zuflucht nehmen will, gibt es also nach einhelliger Auffassung zum Crush Piler keine Alternative. Die besonderen Randbedingungen lassen die volle Ausschöpfung seines Potentials nur leider nicht zu.

Konsequenzen für künftige Bauvorbereitung und Konzeption E-HU

Künftig müssen engmaschigere Bodenaufschlüsse der Baumaßnahme vorhergehen, damit zum einen der Aspekt außergewöhnlich schwerer Bodenverhältnisse auch in der Leistungsbeschreibung erscheint und vor immer neuen Nachträgen seitens der beauftragten Firmen schützt und zum anderen, um  dort, wo Granitbrocken im Untergrund detektiert werden, die Trasse evtl. zur Fahrrinne hin zu verschwenken, um schließlich doch noch mit größerem Bohrkopf arbeiten zu können. − In der Konzeption des Entwurf Haushaltsunterlage (E-HU) sind diese Kostenfaktoren ebenfalls darzustellen.

Erster Meilenstein zur Konzeption E-HU zurückgelegt

Für diese bis Ende September vorzulegende Konzeption wurde zwischenzeitlich der erste Meilenstein, nämlich die IST-Erfassung nicht nur der Regelbauweise, sondern der gesamten 22 km Ufermauer mit ihren sage & schreibe 175 unterschiedlichen Abschnitten in elf Hauptbauweisen [siehe Galerie], inklusive Zustandsbeschreibung der Anleger, Schleusen, Wehre, Düker und Brücken, erreicht, von Mitgliedern der WSA-AG LWK akribisch in vielspaltigen Tabellen dokumentiert und auch Einvernehmen mit der Wasserwirtschaft (SenGUV) zunächst hinsichtlich der hydraulischen Fragestellungen erzielt. Für drei Primärsanierungsmethoden wurde das Oberflächenwasserabflussmodell durchgespielt und zeigte bspw. nur eine minimale Erhöhung der Fließgeschwindigkeit. (Wäre SenGUV-Vertreter Rehfeld-Klein nicht Forumsmitglied, hätte diese Abstimmung zweifelsfrei länger gedauert!) Nun muss bloß noch die neu hinzugekommene Variante Steinschüttung durchgerechnet werden, was aber bis August/September zu leisten sein wird.

Fragestellungen zur Hydrologie, Gewässerökologie und -güte, zu Makrozoobenthos etc. wurden noch nicht untersucht; zu Letztgenanntem gibt es nur Daten für den unmittelbaren Uferbereich. Bis Mitte Mai werden hier von der BfG bzw. der für die ökologische Bestandserfassung beauftragten Firmengruppe DHI/Wasy Angaben vor allem darüber erwartet, welche Untersuchungen, etwa zur Hydrobiologie der Gewässersohle, noch ausstehen und in welcher Untersuchungstiefe sie anzustellen sind.

Im Folgenden Bilder vom Zwischenbericht anlässlich der ersten Sitzung der AG Meilensteine [Fotos zum Vergrößern bitte anklicken!]:


*Ergänzung: Das Bodenaustauschverfahren umfasst sogar mehr als zwei Arbeitsgänge. Zunächst müssten im Wasser Rohre von mindestens einem Meter Durchmesser in den Baugrund eingebracht werden; der Boden in den Rohren wird ausgebohrt und herausgenommen − mit der Gefahr des Grundbruchs durch die unterschiedlichen Druckverhältnisse. Dann wird neuer Sand eingefüllt und anschließend das Rohr wieder herausgezogen. Das Bohren kann nur im komplizierten sog. Pilgerschrittverfahren erfolgen. Erst nach dem Bodenaustausch können die Stahlbohlen eingepresst werden. Bevor dies geschehen ist, besteht infolge des aufgelockerten Bodens wiederum Grundbruchgefahr. Im Gegensatz zum Verdichten während des Rausdrehens der Bohrerschnecke beim CP-Verfahren kann der neu eingebrachte Sand beim Bodenaustausch nur locker verfüllt werden und muss sich sozusagen selbst verdichten, was eine erhebliche Störung des Bodengefüges bedeutet.

Nähere Details und aussagekräftige Fotos finden sich im 85. WSA-Newsletter.

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