Mahnwache für Japan und den Ausstieg vorm Kanzlerinnenamt

Opposition, DGB und NGOs fordern einträchtig Ausstieg

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Mahnwache für Ausstieg, 14. März

Über Hunderttausend sollen gestern Abend landesweit in vierhundert Städten an Mahnwachen im Gedenken an die Opfer von Japans dreifacher Heimsuchung teilgenommen haben, und allein in Berlin folgten den Aufrufen von Campact, BUND, Anti-Atom-Bündnis Berlin, Parteien und Gewerkschaften rund 2500 Menschen und versammelten sich vorm Kanzlerinnenamt − angesichts der Kürze der Mobilisierungszeit eine beachtliche Menge, freute sich Christoph Bautz vom Kampagnen-Netzwerk Campact [falls noch nicht geschehen, Online-Petition mitzeichnen!].

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Mahnwache für Ausstieg, 14. März

Ex-Umweltminister Gabriel nannte das Merkel-Moratorium in keiner Weise ausreichend und forderte den sofortigen Ausstieg, den durchzusetzen ihm in seiner Amtszeit ja nicht gelungen ist. − DGB-Chef Michael Sommer erinnerte sich seiner Beteiligung an einer Mahnwache anlässlich der Katastrophe von Tschernobyl vor einem Vierteljahrhundert, wo bereits genau dieselben Forderungen erhoben wurden − „abschalten und sofortiger Ausstieg aus der Atomernergie!“ − und bekanntlich von den Verantwortlichen ungehört verhallten. Alle, die anschließend zur Tagesordnung übergingen, trügen nun Mitverantwortung für die eskalierende Katastrophe.

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Mahnwache für Ausstieg, 14.3.

Claudia Roth von den Grünen sprach von ihrer Trauer und Empathie für die Opfer in Japan, die nach den schrecklichen Naturkatastrophen nun, fast exakt 25 Jahre nach Tschernobyl, noch eine völlig unkalkulierbare menschengemachte bedrohe. Der Super-GAU in der Ukraine, damals zum singulären Unfall eines sowjetischen Schrottreaktors bagatellisiert, ereigne sich nun im Hightech-Land Japan und mache die Menschen kollektiv zu Opfern menschlicher Hybris gegenüber einer prinzipiell unbeherrschbaren Technologie. Deshalb müsse sich jetzt Trauer in Wut und Wut in Widerstand wandeln gegen die von Schwarz-Gelb ausgeklüngelte unverantwortliche Atompolitik.

Nicht acht, sondern ALLE abschalten!

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Mahnwache für Ausstieg, 14. März

Auch die Kernaussage Thorben Beckers vom BUND kongruierte mit der seiner VorrednerInnen und dem, was die Menschen immer wieder skandierten: „Abschalten!“ Den 60.000, die ausgerechnet am vergangenen Schwarzen Freitag eine lange geplante Menschenkette von Stuttgart zum Uralt-Reaktor Neckarwestheim gebildet hatten, seien vorübergehend Zweifel gekommen, ob diese Aktionsform gegenüber der schicksalhaften Koinzidenz angemessen sei, doch dann hätten sie gerade daran festgehalten und skandiert: „Wir wollten nicht Recht behalten!“ Doch jetzt gäbe es zum Ausstieg keine Alternative.

Das Merkel-Moratorium und ihre weichgespülten Erklärungen seien ein Hohn, pure Wahlkampf-Taktik und nähmen die Sicherheitsinteressen der Bevölkerung nicht ernst.

Fukushima ist überall!

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Mahnwache für Ausstieg, 14.3.

Wenn SPD und Grüne nun unisono die Abschaltung der acht ältesten Meiler fordern − von denen zwei ohnehin still liegen und die restlichen Strom für den Export produzieren, also für den heimischen Energiemarkt gar nicht gebraucht würden −, müsse man sie nach den Wahlen, wenn sie womöglich wieder Regierungsverantwortung tragen, daran erinnern. 2002 hätte es schon einmal die Chance gegeben, doch sei sie bekanntlich nicht ergriffen worden. Vor allem Neckarwestheim und Philippsburg (gleicher Siedewasserreaktortyp wie die in Fukushima havarierten!) gehörten sofort stillgelegt, und schnellstmöglich sechs weitere Altmeiler, doch die Menge unterbrach Becker mit dem Ruf „Alle! Alle!“

Mit der Versicherung „Wir kämpfen gegen jeden Reaktor!“ schloss Christoph Bautz die Mahnwache. Jetzt kommt es drauf an, nicht locker zu lassen und nicht zu ruhen, und er lud für heute 9.30 Uhr, wenn sich die Kanzlerin, Bundesumweltminister Röttgen und Wirtschaftsminister Brüderle mit den Ministerpräsidenten der Atomländer treffen, um das weitere Vorgehen zu beraten, zu einer weiteren Aktion vors Kanzlerinnenamt.

„Kommen Sie morgen [also heute!] früh zum Bundeskanzleramt und fordern Sie mit uns das endgültige Aus für die Atomenergie!“ − Die Menschheit hat die Pflicht, diesen schmutzigsten aller Wege der Energieproduktion jetzt endgültig zu verlassen, wenn sie dem Leid der gegenwärtigen und künftigen, wer weiß wie lange möglichen Opfer noch irgendeinen Sinn geben will.

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Mahnwache für Ausstieg, 14. März, vorm KanzlerInnenamt

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1 Kommentar

  1. Rahel said,

    15. März, 2011 um 10:03

    Vielen Dank für eure immer wieder tolle Berichterstattung und für eure Flexibilität, wichtige Themen abseits eures eigentlichen Fokus aufzunehmen!


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