Trauer und Wut

4 Stunden nach Aufruf zogen 1000 vors Kanzleramt!

Während im Gefolge des stärksten Seebebens seit Menschen Gedenken und einem verheerenden Tsunami die Situation in Japans Norden immer weiter eskaliert und mindestens zwei der sechs Reaktoren im AKW Fukushima-Daiichi außer Kontrolle geraten sind, zogen in Berlin in einem spontan für Samstag, 18 Uhr, organisierten Trauermarsch rund 1000 Menschen vom Alexanderplatz zum KanzlerInnenamt, wo das Kabinett gerade Krisensitzung abhielt.

Initiator

Offenes Mikro unter der Weltzeituhr

Update: @ausgestrahlt #Fukushima ist überall: Für Montag, 14. März, sind deutschlandweit mehr als 100 Mahnwachen angekündigt. Alle AKW abschalten! Das Anti-Atom-Bündnis Berlin ruft Euch alle auf zur 
Mahnwache morgen von 17 bis 19 Uhr vorm Kanzlerinnenamt
!
Kommt massenhaft und helft, die Epoche einer menschen- und naturverachtend schmutzigen Höchstrisiko-Technologie so schnell wie möglich zu beenden! Keine Laufzeitverlängerung für das Lügenpack aus Atommafia und korrupter Politik! #Fukushima ist überall!

Hatten sich zunächst nur einige Dutzend Menschen am symbolträchtigen Treffpunkt unter der Weltzeituhr versammelt, schwoll der Zug unterwegs rasch immer weiter an. Zum Auftakt war ein Offenes Mikro geschaltet worden, so dass etliche ihre Betroffenheit, Angst und Wut angesichts der beklemmenden Bilder und Berichte laut artikulieren konnten. Alle RednerInnen drückten ihr tiefes Mitgefühl mit den vielen tausend Opfern und ihren Angehörigen aus und machten ihrer Empörung über die allzu bekannten unwürdigen PR-Strategien der Verharmlosung seitens der Atomlobby Luft, entrüsteten sich vor allem über die hohlen Phrasen und Beschwichtigungsformeln der ihre Profitinteressen willfährig bedienenden Regierenden, die in höchstem Maße unverantwortlich gegenüber Leben und Gesundheit gegenwärtiger und künftigen Generationer mit verlogenen Argumenten den Atomkonsens aufgekündigt und gegen den Willen der großen Mehrheit der Bevölkerung Laufzeitverlängerungen auch für die ältesten Meiler beschlossen haben, nur um der Partikularinteressen einer winzigen, aber mächtigen gesellschaftlichen Minorität willen.

Trauermarsch 01

Offenes Mikro

Eine Mutter, ihren kleinen Sohn an der Seite, erinnerte sich an die Tschernobyl-Katatstrophe von 1986, als sie selber noch ein Kind gewesen sei, und nun, 25 Jahre später, da sie ihrerseits einen Jungen in genau diesem habe, werde das Leben in weiten Teilen der Erde abermals von einem Super-GAU bedroht: nichts hätten die Verantwortlichen gelernt, sagte die Frau und konnte nur mühsam die Tränen zurückhalten. − Mit Empörung wurde das Zitat des „Umwelt“-Ministers Röttgen quittiert, von einem Super-GAU in Japan drohe Deutschland und den Deutschen keine Gefahr.

Ein Mann rief in Erinnerung, dass die japanischen Reaktoren − mit Siemens-Technik ausgerüstet − als die sichersten der Welt gälten, auch und gerade was Erdbebenschutz beträfe, aber man habe halt nur eine Stärke von 8.0 einkalkuliert. − In Neckarwestheim aber steht ein deutsches AKW im Erdbebengebiet Rheingraben, ist auch gegen leichte Beben nach Meinung eines Teils der Fachleute nicht hinreichend gesichert. Wer aber will ausschließen, dass es dort auch mal ein stärkeres geben kann?

Trauermarsch 02

Trauermarsch für die gegenwärtigen und künftigen Opfer von Japans Schwarzem Freiag

Für diesen Trauerzug war vereinbart, den Wahlkampf vorübergehend auszusetzen, also auf Parteipropaganda und entsprechende Transparente und Fahnen zu verzichten, was allerdings nicht ganz befolgt wurde, doch vereinte alle − Grüne, Linke, Piraten und andere – die Losung des Anti-Atom-Bündnisses: „Abschalten und zwar sofort!“ Für die als Lügenpack titulierte Regierung Merkel dürfe es keine Laufzeitverlängerung geben und nach diesem neuerlichen schrecklichen Desaster − wofür die Kanzlerin auch noch in infamer Weise die Verantwortung höheren Mächten zuzuschieben sucht* − nicht einfach zur Tagesordnung übergegangen werden nach dem Muster bspw. eines von der BBC befragten „Wirtschaftsexperten“, der dank der Katastrophe mittelfristig der gebeutelten japanischen Wirtschaft hohe Wachstumsraten prophezeit…

Trauermarsch 03

Mahnwache

Nach einer Schweigeminute gelobten die Trauernden, ab Montag den Kampf gegen die lebenverachtende Atommafia und ihre politischen Helfershelfer verschärft wieder aufzunehmen.


* Der neue GAU sei ein Zeichen, „dass es Kräfte der Natur gibt, vor denen wir machtlos stehen und die von uns immer wieder ein Stück Demut erfordern. […] Wir wissen, dass wir auch ein Stück weit in Gottes Hand sind.“

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