HELLWEG ließ ohne Genehmigung fällen!

Vernichtung ökologisch bedeutsamer Böschungsvegetation

[Update, 7. März: Erst hieß es, das ganze Gelände samt Baum und Strauch sei „wegen Erdarbeiten freigegeben“, am Freitag dann, die Erdbaufirma Seifert, welche das Gehölz einfach mit dem großen Bagger gezogen hat,  habe ohne Genehmigung gehandelt, und heute, sie habe nun doch eine gehabt: alles von ein und derselben Sachbearbeiterin, die über diesem Hin & Her auch glatt vergaß, ihre Vorgesetzten zu informieren, ebenso wenig die gewählten BürgervertreterInnen, geschweige die interessierte Öffentlichkeit. − Im Bezirk Mitte bspw. sollen bei größeren Maßnahmen (siehe auch die Bilder vom „Vorher“ in unserer Slideshow!) Baustadtrat und jeweilige/r BVV-Ausschussvorsitzende unter Nutzung der Neuen Medien (!) routinemäßig informiert werden. Auch Xhain hätte − Intranet mal außen vor gelassen −  für so was Platz auf seiner öffentlich zugänglichen Website. − Von dieser Sache mal abgesehen, hat die betreffende Sachbearbeiterin in der Vergangenheit, jedenfalls soweit wir das beurteilen können, oft sehr gute baum- und stadtnaturfreundliche Arbeit geleistet, und die Verwaltung kann auch mal einen Fehler einräumen. Wie wäre auch sonst die Auflage an den Investor, als Ausgleich vierzig Bäume zu pflanzen, zu erklären? Hatte denn nun das Landschaftsplanungsbüro den Baumbestand zufriedenstellend eingemessen oder nicht? Akteneinsicht nach IFG wird den BürgerInnen, die Anzeige erstattet haben, mit Hinweis aufs Schweben des Verfahrens verweigert. − Nun soll, nachdem sich der Stadtplanungsausschuss für unzuständig erklärte, versucht werden, obschon das Kind im Brunnen liegt, die Angelegenheit in der nächsten Umweltausschusssitzung am Dienstag, 15.3., auf die Tagesordnung zu bringen…]

Böschungsrodung für Baumarkt 03

Böschungsrodung für Baumarkt

Über den rücksichtslosen Kahlschlag der Bahndamm-Vegetation auf dem Kreuzberger Yorckdreieck im Zusammenhang mit dem Bau noch eines HELLWEG-Großbaumarkts sowie noch eines Discounters haben wir schon berichtet [siehe hier den Nachtrag]: Die Rodungen begannen Mitte letzter Woche (23.2.); anlässlich einer Ortsbegehung der Projektbegleitenden Arbeitsgruppe Gleisdreieckpark (PAG) am Nachmittag desselben Tags hatte ein Mitglied dieser Arbeitsgruppe die anderen, darunter auch eine Vertreterin des F’hain-Kreuzberger Bezirksamts, mit mäßigem Erfolg zu alarmieren versucht, aber am darauf folgenden Tag von einer Mitarbeiterin des Fachbereichs Natur und Grünflächen im Xhainer Bezirksamt am Telefon erfahren, dass der gesamte Baum- und Gehölzbestand auf dem Gelände, aber auch auf der ihm zugewandten westlichen und östlichen Böschung (S1 bzw. S2 und S25), die auf den 3D-Animationen immer schön grün und Baum bestanden dargestellt sind, wegen notwendiger Erdbewegungen „freigegeben“ worden sei. Die Heimwerker-Kette müsse dafür ortsnah vierzig Ersatzpflanzungen vornehmen…

Böschungsrodung für Baumarkt 04

Böschungsrodung für HELLWEG

Die Bürgervertreterin hatte sich noch darüber gewundert, dass dies vor Abschluss des Baugenehmigungsverfahrens geschehen konnte, nicht zu reden von einer in Aussicht gestellten weiteren Bürgerversammlung zum Bauvorhaben und den Zusagen über eine Untersuchung der Bestandsvegetation, um ökologischen Ausgleich zu leisten. Davon, dass beidseitig die gesamte Böschungsvegetation dem Projekt weichen müsse, war indessen nie die Rede. Vierzig Ersatzbäume, also bspw. Kleinkroniges zwischen den anzulegenden 200 Kfz-Stellplätzen, sind dafür ein läppischer, nicht im Entferntesten die ökologische Funktion des gerodeten Bewuchses kompensierender Ersatz!

Ökologische Funktion nach wie vor ohne Belang

Das gesamte Gleisdreieck unter Einschluss des Yorckdreiecks, zumal was die Böschungsbereiche der Bahntrassen betrifft, sind Bestandteil jenes Landschaftsraums, der sich gemäß LaPro selig sogar vom Potsdamer Platz bis zum Südgelände erstrecken sollte −, doch nun, auch wenn wir uns der umstrittenen Planungen zu Flaschenhals und Schöneberger Schleife erinnern, peu à peu in einen, mit Repräsentationsgrün dekorierten, durch eine dichte Abfolge überdimensionierter, natürliche Biotope verbrauchende Rampenbauwerke „erschlossenen“ Stadtraum umgemodelt werden soll.

Böschungsrodung für Baumarkt

S-Bahndamm-Rodung für HELLWEG

Aus Sicht der Berliner Biodiversitätsstrategie springt dieses willkürlich-brachiale, von keinem Gedanken an Natur- und Artenschutz angekränkelte, die vitale Notwendigkeit einer Vernetzung verinselter Lebensräume von Flora und Fauna missachtende, altlastengemäße  Entsorgung eigendynamisch gewachsener Stadtnatur ins Auge. Und nicht zuletzt legt bspw. auch Bürgermeister Schulz immer wieder den Akzent auf „Vegetation mit städtebaulicher Wirkung“. − Die jetzt geschaffene Situation dürfte auch in punkto Stadtlandschaftsbild zumindest für einige Jahrzehnte verheerend sein.

Zur Abfolge

Böschungsrodung

Böschungsrodung auf dem Yorckdreieck

Da die nächste Sitzung des Umweltausschusses noch allzu fern lag, versuchten BürgervertreterInnen aus der PAG, in der letzten Sitzung des BVV-Ausschusses für Stadtplanung und Bauen am 1. März, über die schlimmen Entwicklungen zu informieren, allein ebenso wenig wie sich die Bezirksverordneten mit jenen, selbst von den Verantwortlichen von SenStadt eingeräumten Fehlleitungen im Zusammenhang mit der Beräumung des Naturerfahrungsraums (NER) im sog. Pilotprojekt „Gärten im Garten“ im nördlichen Teil der Kleingartenkolonie POG unter offenkundigem Bruch von Absprachen und Vereinbarungen, kurz: einer wieder zunehmend schief laufenden Bürgerbeteiligung beim Gleisdreieckpark-Bau auseinandersetzen mochten, wollten sie ihre Zuständigkeit im Fall Yorckdreieck-Freiräumung erkennen −, doch immerhin versprachen Bürgermeister Schulz und Baustadtrat Panhoff, die an der Sitzung teilnahmen, sich sachkundig zu machen.

Fällungsgenehmigung stand noch aus

Am gestrigen Freitag hakte eine Bürgervertreterin noch mal im NGA nach und erfuhr nun zu ihrer Verblüffung von der zuständigen Mitarbeiterin, dass die Rodungsarbeiten auf dem Yorckdreieck ohne Genehmigung erfolgt seien. Diese sei zwar in Aussicht gestellt worden, aber wegen unzureichender Einmessung des vorhandenen Baumbestands durchs beauftragte Planungsbüro eben noch nicht erteilt worden.

Die Leiterin des AUN, Anke Woite, brachte die Möglichkeit ins Spiel, dass eventuell, und zufällig zeitgleich, die Bahn für die Böschungsrodung verantwortlich sei und hierüber ja die Untere Naturschutzbehörde nicht mal ins Benehmen zu setzen habe, räumte aber zugleich interne Kommunikationsdefizite zwischen den beiden Fachbereichen für Natur- und Umweltschutz ein, was Schlimmes erahnen lässt, wenn beide im Herbst endgültig institutionell getrennt werden.

Kommunikationsdefizite auch verwaltungsintern

Große Weite 02

Große Weite Ostpark

Festzuhalten bleibt, dass der Baustadtrat gestern noch immer nicht informiert worden war. Gleichermaßen stand es ja mit den Bezirksverordneten im Stadtplanungsausschuss, welche hier allein den Umweltausschuss zuständig sehen: als ginge es bei Umwelt- und Naturschutz nicht zugleich auch um Stadtplanung und Stadtentwicklung. Der SPL-Ausschuss hat einerseits die Berücksichtigung der Strategien zu Stadtlandschaft und Biodiversität und andererseits die Einhaltung der vorgeschriebenen echten Bürgerbeteiligung zu kontrollieren. Die Verteilung der hiefür aufzuwendenden finanziellen Mittel fällt jedenfalls in seine Zuständigkeit.

Aus Nachbarbezirken hören wir jedenfalls, dass bspw. die zuständigen MitarbeiterInnen der Grünflächenämter zumindest bei größeren Maßnahmen eigeninitiativ sowohl die Stadträte als auch die BVV-Ausschüsse auf dem Laufenden halten und − sogar unter Einsatz der Neuen Medien − darüber zeitnah Informationen ins Intranet stellen.

Große Weite

Pflaster mit Betonschüssel vor Großer Weite

Wenn wir uns unterm Aspekt von Stadtnaturschutz wie Beteiligungsprozess den zügig fortschreitenden Parkbau im Ostteil des Gleisdreiecks ansehen, der nicht nur die den Planern von Grün Berlin und Atelier Loidl von NaturschützerInnen mit Mühe abgerungenen „Vegetationsinseln“ als Relikte der dort vernichteten, einzigartig vielgestaltigen Ruderalvegetation nunmehr teilweise durch massive Betoneinfassungen gewissermaßen musealisiert, dazu, und natürlich immer aus Ausgleichsmitteln, ausgedehnt mit Großstein pflastert, sondern auch im „Wäldchen“, das doch weitestgehend unangetastet bleiben sollte, beim Bau des acht Meter breiten, dann aber als Sackgasse jäh an der ICE-Trasse endenden Generalszugs in skrupelloser Missachtung sogar einschlägiger Normen (DIN 18920 zum Vegetationsschutz bei Baumaßnahmen) Berge von Baustoffen auf Baumscheiben abkippt, ist die Gefahr des Missbrauchs von Bürgerbeteiligung als Feigenblatt zur Akzeptanzbeschaffung längst getroffener Entscheidungen mal wieder mit Händen zu greifen.

Generalszug 02

Generalszug brachial

Die sich für Naturschutz engagierenden BürgervertreterInnen erwägen nun, zunächst Akteneinsicht zu fordern und dann gegen die ungenehmigten Fällungen und Rodungen auf dem Yorckdreieck juristisch vorzugehen, auch wenn sich die Geldbußen für solche „Sachbeschädigungen“ relativ zu den Baukosten im Promillebereich bewegen und oftmals im Vorfeld schon einkalkuliert werden. − Dessen ungeachtet aber sollte sich der Investor doch fragen, ob er in einem Umfeld, das nicht gerade auf sein Engagement gewartet hat, ein solcher Einstand sich unbedingt image- und verkaufsfördernd auswirken wird.

Eine künstliche Wiederherstellung der für die ökologische Durchgängigkeit unabdingbaren Böschungsvegetation, insbesondere Neupflanzung von Bäumen, ist im Übrigen ein sehr schwieriges und kostenintensives Unterfangen, wie in den letzten Jahres das Beipiel einer Böschung am Südgelände zeigt, wo die Bahn mittlerweile zum dritten Mal die eingegangenen Neupflanzungen ersetzen musste.

Einer ökologischen Baubegleitung aber bedürfe es nicht, äußerte Projektleiterin Regina Krokowski von Grün Berlin bekanntlich im Fall der Freiräumung dessen, was zumindest mal ein Naturerfahrungsraum gewesen ist, und eines „Bauleiters Baumschutz“ − im Fall der Landwehrkanalsanierung beispielhaft bewährt − beim Bauen im Bestand selbstredend noch viel weniger, eben weil es im Grunde darum noch nie gegangen ist.

Generalszug 01

Waldschädigener Straßenbau

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1 Kommentar

  1. ManoloB said,

    9. März, 2011 um 22:50

    die gestreifte Landschaft, demnächst mit Eintritt – Disney lässt grüßen ) 😦


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