Verstümmelungen, Rodungen, Kahlschlag

In Kreuz-, Schöne-, Prenzlauer Berg, Mitte usw. sind zurzeit (Alt-)Bäume, Büsche und Sträucher fällig

Information der AnwohnerInnen unterbleibt routinemäßig

Schöneberg

Kahlschlag Flottwellstraße

Kahlschlag längs der Flottwellstraße

Nachdem der Schnee getaut, das Eis zurückgegangen ist, läuft die winterliche Fällsaison in Berlin auf Hochtouren. Im folgenden greifen wir mal paar wenige Einzelbeispiele heraus und finden es zunächst besonders schmerzlich und empörend, was letzte Woche an der Flottwellstraße in Schöneberg unmittelbar westlich des Gleisdreieck-Westparkbaus ohne jede Vorankündigung im Auftrag der Vivico bzw. der von ihr beauftragten Grundstücksverwaltung von Mitarbeitern der Berolina Baumpflege angerichtet worden ist [siehe hier und hier (und das obige Foto, das sich − wie auch alle andern und bei uns immer − durch Ruffklicken vergrößern lässt…].

Kreuzberg

Pappeln am Wassertorplatz

Verstümmelte Pappeln am Wassertorplatz

Sodann ist nachdrücklich zu kritisieren, was den Pyramiden-Pappeln am Wassertorplatz in Kreuzberg angetan wurde, obwohl doch nur drei Bäume als standunsicher auf der Fällliste aufgeführt waren [von der sie im Sommer auch mal vorübergehend verschwanden], welche Pappeln wir daraufhin jedenfalls fachkundig in Augenschein nehmen ließen, worauf wir die Standunsicherheit tatsächlich bestätigen mussten, dies allerdings mit dem Vorschlag verknüpften, mindestens den Hochstubben der Pappel Nr. 1 als Biotopholz und wichtigen Lebensraum für eine Vielzahl von Kleintieren zu erhalten, und wir mahnten erneut an, die Bäume vor der Fällung faunistisch untersuchen zu lassen und nicht wieder die Baumpflegefirma damit zu betrauen.

Pappeln am Wassertorplatz

Nisthöhle

Das mit dem Biotopholz-Stubben wurde vom Fachbereichsleiter durchaus wohlwollend aufgenommen, doch vor kurzem fielen dann nicht nur die drei Bäume dennoch restlos, sondern darüber hinaus wurden auch sämtliche weiteren Pappeln auf der Nordhälfte der Grünanlage hart an der vielbefahrenen Skalitzer Straße in fachlich äußerst fragwürdiger, wenn auch allzu vertrauter Manier verstümmelt, was, insofern nun zahlreiche Starkast-Wunden, die sich im Winter nur sehr langsam schließen und also im Frühjahr Baumpilzsporen exponiert sind und es höchstwahrscheinlich zu Pilzbefall kommen wird, als „erste Rate“ der Fällung betrachtet werden darf.

Fällung Heinrich-Heine-Str. 62

Fällung Heinrich-Heine-Str. 62: Braunfäule?

Sinnigerweise soll zur Instandsetzung und Qualifizierung des südlichen Abschnitts des ehemaligen Luisenstädtischen Kanals [der ELK von Skalitzer Straße bis Landwehrkanal] aus Mitteln des Förderprogramms „Städtebaulicher Denkmalschutz“ echte BürgerInnenbeteiligung organisiert werden (schließlich stehen Wahlen an − am 8.2. gibt’s übers Vorhaben eine erste Infoveranstaltung im Statthaus Böcklerpark, aber wir werden darüber noch näheres mitteilen −, und so wurden eben schnell noch Fakten geschaffen. − Vor allem ist davon auszugehen, dass eine gründlich fachkundige Untersuchung der riesigen Altbäume auf Brut- und Niststätten (Fledermäuse!) abermals unterblieben ist. Stichjahr für die Berliner Biodiversitätsstrategie ist doch erst 2020 und was da so alles dazu gehört, heute noch nicht ganz klar.

Mitte

Fällung Heinrich-Heine-Str. 62

Stubben Heinrich-Heine-Str. 62

Obwohl nach Angaben eines Grünamtsmitarbeiters der Bezirk Mitte bei der jetzigen Witterung Fällungen auf öffentlichem Straßenland und in Grünanlagen ausgesetzt hat, wurde auf Privatgrund in der Heinrich-Heine-Str. 62 eine mächtige Pappel von über vier Meter Stammumfang mit wechselnden Begründungen seitens der Pflegefirma gefällt (einmal sollte der Baum in der Krone Pilzbefall haben, das andere Mal Braunfäule in der Wurzel: das Schnittgut zumindest zeigt keinerlei derartige Anzeichen). Ganz in der Nähe in Höhe Hausnummer 59 wurde eine weitere Pappel gefällt, weil sie „zu dicht am Haus gestanden und das Fundament geschädigt“ habe.

Fällung Heinrich-Heine-Str. 59

Fällung Heinrich-Heine-Str. 59: Zu dicht am Haus!

Prenzlauer Berg
Aus Prenzlauer Berg erreicht uns die Nachricht, dass kommenden Montag (31.1.) auf  einem ehemaligen Fabrikgelände nahe Danziger Straße 6 eine riesige alte, aber völlig gesunde Pappel gefällt werden soll, die den − von diesen Absichten ebenfalls nicht in Kenntnis gesetzten − AnwohnerInnen im Sommer Kühle, Sauerstoff und Luftfeuchtigkeit spendet sowie einer Vielzahl von Tieren Nahrung und Lebensraum. Letzten Freitag sollte der Baum schon fallen, doch der herbeigerufenen Polizei konnten die Baumfäller keine Fällgenehmigung präsentieren.

Adaption an Stadtklimaeffekt nach wie vor kein Kriterium

Das wird am Montag sicher anders sein, und wieder ist hier zu monieren, dass Bäume, die viele Jahrzehnte einen vertrauten Platz im Lebensumfeld der HausbewohnerInnen einnehmen, ohne Ankündigung mal eben umgehauen werden, ohne dass eine transparente Abwägung zwischen allgemeinen und partikularen Schutzgütern vorgenommen würde. In der Kastanienallee bewahrte Baustadtrat Gothe im vergangenen Dezember zwei alte Kastanien vor ihrer Fällung im Interesse lukrativer Nachverdichtung −, doch für den Erhalt dieser Pappel wird sich im Amt für Umwelt und Naturschutz (AUN) sicher niemand stark machen.

Acht Mietparteien tun es indessen, und wir wünschen ihnen am Montag jeden Erfolg! Immerhin gibt’s in Pankow ein paritätisch besetztes Baumgremium, und der Umgang mit Bäumen auf Privatland sollte u. E. ebenfalls Gegenstand der Verhandlungen sein.

Pappeln am Wassertorplatz

Das war einmal: Die Pappeln am Wassertorplatz im Sommer 2010

Advertisements

2 Kommentare

  1. 18. Februar, 2011 um 9:11

    Hallo,
    ich möchte auch eine Baumfällung mitteilen. In der Neuen Blumenstraße 6-10 in MItte, hinter dem Cafe Moskau, ist auch eine ca. 35 Jahre alte Pappel gefällt worden. Ich bin gerade dabei den Protest einiger Anwohner zu organisieren und will eine BI zur Erhaltung des Grün in dem Wohngebiet, das durch Schillingstraße, Karl-Marx-Allee, Lichtenberger Str. und Holzmarktstr. begrenzt ist, gründen. Wir müssen uns wehren!
    Viele kämpferische Grüße
    Renate Danelius

    • BaL said,

      19. Februar, 2011 um 0:20

      Eine ganze Reihe von Initiativen und EinzelkämpferInnen, die der mählichen Entgrünung der Stadt was Wirkungsvolles entgegensetzen wollen, kommt jeden ersten Mittwoch im Monat um 18:30 Uhr in den Räumlichkeiten des BUND Berlin, 10827 Crellestr. 35, zum sogenannten Baumstamm-Tisch zusammen.

      JedeR BaumfreundIn ist ganz herzlich willkommen!


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s