1,5 Millionen für den Görlitzer Park

Asphalt − billig und barrierefrei

Eine Informationsveranstaltung

Obwohl auf der Infoveranstaltung am gestrigen Mittwoch (12.1.) zunächst nur die Planung zum Wegenetz des Görlitzer Parks vorgestellt werden sollte, folgte eine ansehnliche Zahl von Interessierten der Einladung des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg und fand den Veranstaltungsort überm Schwarzlicht-Indoor-Minigolf-Café Isa Mitz im Haus 1 auf dem Parkgelände.

Übergabe

Görli-Infoveranstaltung 01

Bürgermeister Schulz, techn. Leiter Klees, FB-Leiter Grünflächen Schädel

Bürgermeister Schulz kam mit dem kurz vorher offiziell zum neuen Baustadtrat gewählten früheren Bezirksverordneten, Hans Panhoff von den Grünen, der sich aber noch darauf beschränkte, abwechselnd mit BzV Günter Schumacher, besser bekannt als Schucci, und Grünamtsleiter Schädel den Plan des Görlis ins eher schummrig-intime Licht zu halten. Auch die ebenfalls anwesende glücklose Amtsvorgängerin, Jutta Kalepky, die sich nach anfänglichen Missgriffen redlich bemüht hatte, gerade bei dieser Parkgestaltung so etwas wie BürgerInnenbeteiligung zu ermöglichen, blieb schweigsam.

Görli-Infoveranstaltung 02

Klees, Schädel und der frischgebackene Stadtrat Panhoff

Nachdem Franz Schulz noch einmal betont hatte, dass der Senat aus dem Förderprogramm Stadtumbau West für die mittelfristige Investitionsplanung bis 2016 insgesamt 1,5 Mio. Euro zur Verfügung stellt, um in jährlichen Tranchen von 2 bis 300.000 Euro die infolge der starken Nutzung aufgetretenen erheblichen Substanzverluste des Görlitzer Parks endlich zu beheben − von Wiesenflächen über Spielplätze bis zum Wegenetz −, stellte der technische Leiter des Fachbereichs Grünflächen, Adalbert-Maria Klees, den Planungsvorschlag zum Hauptwegekreuz vor, also von der Falckenstein- zur Glogauer Straße, von der Treptower Brücke zum Rondell und ebenden Rundweg um die zentrale Senke.

Anbindung Neuköllns

Vorrangig geht es um die Sanierung des erstgenannten Wegs, der als Verbindung zwischen Kreuzberg und Neukölln auch noch in den Abend- und Nachtstunden sehr frequentiert ist und deshalb eine Beleuchtung erhalten soll. Das größte Problem aber ist die regelrechte Seenbildung zumal am Eingang zur Glogauer nach Regen- oder Tauwetter wie eben jetzt, der Tatkräftige schon veranlasst hat, mit Paletten und ähnlichem eine Überquerung trockenen Fußes zu ermöglichen. Auch ein Boot für den Fährverkehr soll schon zu Wasser gelassen worden sein.

Teerschwarz

Görli-Infoveranstaltung 03

Jutta Kalepky, KreuzbergerInnen

Als Wegebelag schlug Klees Asphalt vor, mit randseitigen Versickerungsmulden, so dass aller Regen auf dem Gelände versickert und nicht etwa Abwasserkosten verursacht. Der Asphalt soll aber − anders als es noch im Umweltausschuss hieß − nun doch nicht hell eingefärbt werden, um im Sommer eine Aufheizung und Beeinträchtigung des Kleinklimas zu vermeiden: das sei viel zu teuer und die Einfärbung überdies nicht dauerhaft. Ortbeton wurde gar nicht erst vorgeschlagen. Unter Nutzungs- wie Kostengesichtspunkt habe man etwa im Volkspark Friedrichshain mit Asphalt die besten Erfahrungen gemacht: für Rollstühle, Kinderwagen und den Radverkehr sei diese Lösung gleichermaßen optimal, und vor allem habe das Amt seit Jahren kein Geld mehr in die Hand nehmen müssen, was bei wassergebundener Decke immer wieder erforderlich sei, der Bezirkshaushalt aber bekanntlich nicht hergebe.

Das Großsteinpflaster auf dem Ost-West-Hauptweg werde von niemandem genutzt, sei vor allem nicht behindertengerecht und soll deshalb nur beidseitig als jeweils 50 cm breiter Schmuckrand des vier Meter breit geplanten Asphaltbands weiterverwendet werden. Diese Breite von insgesamt fünf Metern sollen die Hauptwege überall aufweisen (mit Ausnahme des Abschnitts Richtung Glogauer, wo die Platzverhältnisse nur drei Meter zulassen), und sie sei geringer als die jetzige, durch die Nutzung entstandene.

Probleme

Fußgänger- und JoggerInnen sind aber bekanntlich von Asphalt wenig begeistert und dürften auch diesen Weg Richtung Rasen wieder verbreitern. − An eine Entflechtung von langsamem Spazier- und zu erwartendem Schnellradverkehr wie bspw. im Gleisdreieckpark ist nicht gedacht, da dies nicht funktioniere und z. B. Kinder auch auf dem Schnellfahrstreifen spielen würden; Schnellfahren etwa durch Schwellen überhaupt zu unterbinden, würde wiederum die Barrierefreiheit beeinträchtigen. − So dürften spielende Kinder halt auf gesamter Breite vom Schnellradverkehr gefährdet werden.

Kosten- und insektenfreundlich

Die Beleuchtung, wofür der Senat aus dem Radwegeprogramm 99.000 Euro zur Verfügung stellt, bleibt auf die Hauptwege beschränkt und soll nur der Orientierung und nicht etwa der Ausleuchtung dienen. In 20- bis 25m-Abständen werden Masten mit insektenfreundlichen 30-Watt-LED-Leuchten errichtet. Sechzig Watt, wie aus dem Publikum gefordert, wurden − freilich weniger mit Rücksicht auf die Fauna als die Kosten − abgelehnt, desgleichen Bewegungmelder und eine ganznächtige Beleuchtung, was auch gefordert wurde. − Per Zeitschaltung werden die Leuchten um 22 Uhr verlöschen.

Das Vorhaben soll zügig im kommenden Mai/Juni, also bei laufendem Betrieb umgesetzt werden, aber so, dass die auf Initiative von Transition Town SO36 von AnwohnerInnen in Kürze geplanten Obstbaum-Pflanzungen keinen Schaden nehmen, wie Fachbereichsleiter Hilmar Schädel ausdrücklich versicherte.

Weitere Vorhaben

Görli-Infoveranstaltung 04

KreuzbergerInnen

Nächste Sanierungsmaßnahmen sollen die sog. Schnecke zu Beginn des Wasserlaufs betreffen; die Verbesserung der Park-Bewässerung durch Errichtung von mit dem Tiefbrunnen verbundenen Hydranten, an die dann Großregner mit jeweils dreißig Meter Reichweite angeschlossen werden können; die Optimierung der Sauerstoffversorgung im Teich zunächst durch einen sog. Blubber im Sommer und einer Eispumpe im Winter, um Fischsterben wie letztes Jahr im Lietzensee vorzubeugen; eine Entschlammung, die nach zwanzig Jahren fällig wäre, käme derzeit zu teuer (doch es steht zu hoffen, dass sie nicht dann in Angriff genommen wird, wenn die ebenfalls in Kürze geplanten Pflanzungen von Wasser- und Ufergewächsen sich entwickelt haben).

Einen geforderten Hundeauslauf wird es nicht geben, denn dafür sei die Fläche zu klein. Der östliche Spielbereich soll, auch gegen regelwidrig freilaufenden Hunde, achtzig Zentimeter hoch eingezäunt und mit Schwingtüren versehen werden.

Um dem gravierenden Müllproblem besonders im Sommer beizukommen − angesichts der anfallenden Mengen reicht die zweimalige Säuberung der Flächen und Leerung der Behälter bekanntlich nicht aus, während die Menschen im Amt eben den Dienstleister sähen und gar nicht dran dächten, ihren Abfall mitzunehmen − wird laut Fachbereichsleiter Schädel derzeit in einer Schule der Prototyp für einen Korbverschluss entwickelt. Zur Vermüllung der Wiesen tragen nicht unwesentlich Krähenvögel, Ratten und Waschbären bei, die all die Papp-, Alu- und Styroporverpackungen aus den ja einst nur für Laub gedachten Körben wieder rausbefördern und verteilen. Der Vorschlag,  große massive Behälter aus Knüppelhölzern mit ebensolchem schwerem Deckel aufzustellen, wie es sie in Naturparks gibt, stieß indessen auf keine Gegenliebe, schon weil sie für hineinkletternde Kinder zur Todesfalle werden könnten. − Nun ja, das Sicherheitsbedürfnis treibt schon seltsame Blüten…

Sodann wurden in naher Zukunft „sensible Strauchschnittmaßnahmen von oben her“ in Aussicht gestellt, auch um den von Knöterich überwachsenen Schmuckgarten wieder freizulegen (Schulz), ein abermaliges Vorkommen von Kappungen mit der Kettensäge eine Handbreit überm Boden jedoch definitiv ausgeschlossen.

Information und Beteiligung

Zu all diesen Maßnahmen sind weitere Informationsveranstaltungen geplant, und wir möchten an dieser Stelle zu bedenken geben, dass dieses Format jedenfalls nicht ausreicht. Da waren wir beim Thema Görli durchaus schon mal weiter.

Die Präsentation − nichts gegen den lebendigen Vortrag Klees! − ließ jedoch in der Visualisierung einigermaßen zu wünschen übrig: bspw hätte ein Diagramm des Wegequerschnitts sicher nicht geschadet und viele Nachfragen erspart bzw. konkretisiert. Die Ergebnisse der vorangegangenen drei Ideenwerkstätten zum Görli mit den Sammlungen der verschiedenen Interessen, Bedürfnisse und Vorschläge wurden nicht vergegenwärtigt, so dass man an den hier in Frage kommenden Details hätte anknüpfen können, mussten also erneut artikuliert werden oder blieben eben unberücksichtigt; die Resultate der aktuellen Veranstaltung aber wurden offiziell weder protokolliert noch dokumentiert usw.

Andererseits ging es am Mittwoch ja bloß ums Hauptwege-System, und Eile tat insofern not, als bis Monatsende die Gelder beantragt werden müssen −, aber was die weiteren Themen angeht, sollte der Eindruck vermieden werden, als fingen wir beim Thema Görli mit dem Üben von BürgerInnenbeteiligung immer wieder von vorne an.

Advertisements

5 Kommentare

  1. jürgen julius irmer said,

    14. Januar, 2011 um 0:25

    …der görlitzer park ist (seit ich ihn kenne;nachdem diepgens bebauungsplan scheiterte) eine restlos übernutzte „grünanlage“.

    so kann das leben eben sein.
    geht wohl auch nix dran vorbei.

    jedenfalls jogge ich dadurch je nach bodenlage und obendrein spazier` ich mit meinem hund (ohne leine!) mittenhinein.
    wie die meisten andern auch.

    warum kümmert man sich also nicht am besten nur um die mülleimer und die verdorrenden pflanzen im hochsommer und läßt ansonsten die „übernutzer“ einfach in ruhe?
    (im winter ist der park ja sowieso knochenbrecherisch sich selbst überlassen)

    • BaL said,

      14. Januar, 2011 um 1:57

      Na ja, an der „Mecklenburgischen Seenplatte“ vor dem Ausgang zur Glogauer (Schulz in der Abendschau, ab 19. min) stören sich gar viele schon länger, an der mangelhaften Bewässerung im Sommer dito, und wenn’s denn gelingt, die ÜbernutzerInnen durch bspw. Baumpatenschaften, Gemeinschaftsgärten und vielleicht sogar so etwas wie einen Naturerfahrungsraum für den Schutz ihres wohnungsnahen Grüns zu interessieren, zu sensibilisieren, an seiner Gestaltung und Pflege zu beteiligen, so dass sie sich – so zumindest die konkrete Utopie – mit ihrem Park identifizieren, lässt sich womöglich sogar das Müllmanagement verbessern, die Grillerei auf bestimmt Areale begrenzen, der Vandalismus von der Stadtnatur ablenken etc.

      Zunächst kleine Schritte und Versuche einer überschaubaren Menge Engagierter, zugegeben, aber evtl. mittelfristig doch besser für die Lebensqualität von Mensch und Mitwelt als alles in Ruhe weiter verkommen zu lassen. – Dass der Leinenzwang für Hunde insbesondere in Xberg nicht befolgt wird, ist wohl allen klar: ebendrum braucht’s keinen gesonderten Hundeauslaufplatz 😉

      • Blop said,

        28. Februar, 2011 um 15:06

        „so dass sie sich – so zumindest die konkrete Utopie – mit ihrem Park identifizieren“

        Erzähl das mal den ganzen Touris!
        Der Park reicht nich mal für die (leider immer mehr werdenden) 36er aus, schon mal garnich für die in den Kiez gepumpten Touri & Feierhorden, denen ihre Piss-, Scheiss- und Müllhaufen sowas von egal sind…

        P.S. Mit Touris mein ich auch die „Partypeople“ aus den anderen Stadtteilen…

  2. Green said,

    16. Januar, 2011 um 13:56

    Hier ist wohl mal wieder zuviel Geld vom Senat da (1,5 Milliionen Euro aus dem Förderprogramm Stadtumbau West), das unbedingt ausgegeben werden muß?

    Richtig: FußgängerInnen und JoggerInnen sind von Asphaltbelag nicht besonders begeistert (ist schlecht für die Gelenke !)

    Wo sollen die AnwohnerInnen denn laufen und spazieren gehen? So entstehen nur wieder Trampelpfade, weil die Leute die asphaltierten Hauptwege größtenteils nicht annehmen werden.

    Nicht umsonst joggen die Massen am Landwehrkanal entlang, weil hier größtenteils schöner, weicher Boden vorhanden ist. Wieso soll die Verwendung solch´ eines Bodenbelags im Görlitzer Park (u.a. Hauptwege) nicht möglich sein?

    Was sagen die Naturschutzverbände eigentlich dazu?
    Sie sind doch stets berechtigterweise gegen die zusätzliche Versiegelung von weiteren Flächen, da auf ihnen z.B. der zunehmende Starkregen nicht abfließen kann.

    Die Beleuchtung bis 22 Uhr scheint mir auch Geldverschwendung zu sein. Wer muß denn unbedingt abends durch den Park gehen/fahren, wenn nebenan beleuchtete Straßen nutzbar sind? Für die im Park lebenden Tiere ist die teure Beleuchtung auch nicht gut.

    Und : Wenn schon Asphalt, wieso wird er dann nicht aufgehellt, um dessen Aufheizen im Sommer wenigstens zu reduzieren? In den USA macht man das seit langem. Dafür ist dann bei insgesamt 1,5 Mio. Euro auf einmal kein Geld mehr da???

    Die Planung im Görlitzer Park mutet spätestens seit der unnötigen dortigen Biotopzerstörung für 400.000 Euro (auch Geld aus dem Förderprogramm Stadtumbau West) chaotisch an.

    Die BürgerInneninformation ist (siehe Bezirksamts-Webseite) immernoch unverschämt schlecht !

    Und die seltsamen BürgerInnen- Treffen, auf denen Verwaltung und Politik meist wenig anschaulich informieren, welche Gelder sie wofür ausgeben wollen, sind nur mit starken Nerven auszuhalten, was wohl gewollt ist.

    Der konkrete Einfluss der BürgerInnen auf die Planung von oben muß auch in Friedrichshain-Kreuzberg jedes Mal neu erkämpft werden. Und das, wo die Grünen sich stets selbst als Vorreiter in Sachen Bürgerbeteiligung darstellen (siehe Renate Künast).

    Unter großem, lobpreisenden Medienaufgebot pflanzen PolitikerInnen gern neue Bäume. Im Sommer verrecken dann allerdings unbeachtet jede Menge Bäume, weil das Geld für ihre Bewässerung eingespart wird. Auch im Görlitzer Park.

    Eine ökologische, Klimaschutz gerechte, zeitgemäße Parkplanung und Parkpflege aus einem Guß ist nicht zu erkennen. Nicht im Görlitzer Park und nicht im für 24 Millionen Euro (!) „gebauten“, öden Gleisdreieckpark.

  3. Binah Arsan said,

    1. Dezember, 2011 um 12:35

    es ist einfach entsetzlich was alles über unsere köpfe hinweg verbockt wird … ~ scheibenkleister !!!
    soviel geld …
    bin entsetzt ~ empöre und engagiere mich (in der wrangelkiez-ini) !


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s