Sanierung des Wegesystems im Görlitzer Park

BI Bäume für Kreuzberg

Informationsveranstaltung am Mittwoch, 12.01.11

Die Hauptwege im Görlitzer Park sollen saniert werden. Dazu hat das Grünflächenamt sich bereits Gedanken gemacht und von dessen technischem Leiter Klees auf der letzten Sitzung des Umweltausschusses der BVV Xhain am 7.12.10 vorab vorstellen lassen. Viele Missstände gibt es zu beseitigen, zuvorderst natürlich der Wegebelag an sich, der auf weite Strecken, zumal nach regnerischer Wetterlage, kaum benutzbar ist. Die wassergebundenen Decken neigen zu starker Pfützenbildung, selbst dort, wo sie erst vor kurzem angelegt wurden, wie auf dem Hauptweg im Bereich vor der Brücke nach Treptow. Der hohe Sanierungsaufwand sei auf Dauer nicht zu finanzieren. Das Großkopfpflaster ist sowieso kaum zu betreten, bzw. zu befahren.

Görli-Infoveranstaltung

(Versteckte) Ankündigung auf der Bezirksamtsseite | Zum Vergrößern anklicken!

Eine Folge davon ist, dass die Wege sehr viel breiter ausgetreten sind als ursprünglich vorgesehen. Hier soll eine neue Wegedecke dafür sorgen, dass die ursprünglichen Wegebreiten wieder eingehalten werden können. Anforderungen an den Belag:

  • leicht berollbar für Kinderwagen, Rollatoren und Rollstühle,
  • auch bei/nach schlechtem Wetter benutzbar,
  • bedingt wasserdurchlässig,
  • finanzierbar in Herstellung und Unterhalt

Ein Schelm, wer sich „Asphalt“ dabei denkt. Und doch erfülle neben Beton allein Asphalt alle diese Eigenschaften auf befriedigende Art und Weise, so Klees. Hell eingefärbt habe er kaum im Hochsommer aufheizende Auswirkung, und eine gewisse Menge Niederschlag könne auch durch ihn hindurch versickern. Schließlich ließe auch eine wassergebundene Decke nur einen kleinen Teil versickern, sonst gäbe es ja keine Pfützen, und viel fließe auch über den Rand ab. Ohnehin müsse aller Niederschlag weiterhin komplett auf dem Parkgelände versickern. Und es gehe ja auch nicht um das gesamte Wegenetz, sondern allein um die Hauptwege, die besonders beansprucht und auch benötigt würden.

Dennoch waren sich alle noch verbliebenen Ausschussmitglieder bis hin zum Bürgermeister Schulz, der die zurückgetretene Baustadträtin Kalepky kommissarisch vertrat, einig, dass das Thema Asphalt durchaus „reizvoll“ für Anwohner_innen und Nutzer_innen sein dürfte und auch deswegen eine Beteiligung der Öffentlichkeit offensiv und selbstbewusst anzugehen sei.

Leider ist der Ort der Versammlung am 12.1. nicht ganz leicht für jene zu finden, die in die Örtlichkeiten nicht tief eingeweiht sind. Es hätte sich angeboten, auf dem Einladungsplan (s.o.) diesen Ort kenntlich zu machen, was wieder einmal zeigt, dass unsere Bezirksverwaltung ein sehr langsam lernendes System ist und wieder einmal die Frage aufwirft:

Wann gibt es endlich die erste PISA-Studie für Verwaltungshandeln?

Wie also gelangt mensch dorthin? Es handelt sich um eines der Gebäude auf dem Gelände, zu sehen als helle Rechtecke im linken oberen Viertel des Einladungsplans. Von der Görlitzer Strasse aus ist ein Durchgang zu den Gebäuden, und dort hängen ggf. wir einen Hinweis auf, wenn die Verwaltung es nicht machen sollte.

Der Name „Isa Mitz“ ist übrigens nirgends am Gebäude zu finden; es lohnt also nicht, danach zu suchen. [Update: Die Lage besagten Cafés  ist jetzt auf obigem Plan gekennzeichnet.]

Und sonst?

Der Zipfel im östlichen Bereich, ursprünglich als ökologischer Rückzugsraum gedacht, wurde in dieser Funktion durch seine rabiate Anbindung an die Lohmühleninsel bekanntlich empfindlich gestört. Unsere leider sehr späten Interventionen haben immerhin dazu geführt, dass es einen gewissen Ausgleich gibt, der im wesentlichen aus Pflanzungen besteht, die sowohl im Uferbereich als auch sehr großzügig auf einer der beiden in den Teich hereinragenden „Landzungen“ am südlichen Ufer eingebracht wurden. Damit sollen zum einen Hunde vom Wasser abgehalten als auch der Rückzugsraum ausgeweitet werden. [Lage- und Pflanzplan von Rehwaldt Landschaftsarchitekten.]

Görli-Bauzaun

Bauzaun mit DIN-A4-Infozettel am Südufer; dahinter liegend der sogenannte Kniezaun

Leider musste aus Verkehrssicherheitsgründen die kleine, bei gutem Wetter sonnenbeschienene Liegewiese am nördlichen Ufer durch einen kniehohen Zaun aus Robinienholz vom Wasser optisch getrennt werden: Bei einem extra anberaumten Termin mit dem „Hausjuristen“ des Bezirksamtes wurde uns detailliert auseinandergesetzt, dass es ansonsten zu dem Missverständnis kommen könnte, es handele sich um einen Badeteich. Sollten sich Kinder ins Wasser begeben und ertrinken, wären die entsprechenden Verwaltungsmitarbeiterinnen wegen grober Fahrlässigkeit in die Verantwortung zu nehmen. Das Aufstellen entsprechender Badeverbotsschilder sei zwar ebenfalls notwendig, aber eben nicht ausreichend. Wir ersparen uns an dieser Stelle einen Kommentar! (Wir wollen aber nicht verschweigen, dass es tatsächlich vor einigen Jahren in eben diesem Teich einen tödlichen Badeunfall eines Kindes gegeben hat…und fragen uns andererseits, in welchem Verhältnis die Verwaltungsverantwortung zur elterlichen Aufsichtspflicht steht.)

BA-Infozettel

A4-Infozettel des Bezirksamts am Zaun

Was einige Nutzer_innen von den Maßnahmen in diesem Teil des Parks halten, zeigte sich schon während der Pflanzarbeiten: Die ausführenden Kräfte erzählten von Beschimpfungen und auch der von ihnen angelegte Zaun, der die Pflanzungen während der Gewährleistungszeit der Ausführungsfirma vor Zerstörungen schützen sollte, stand nur kurze Zeit. Eigentlich auch wenig erstaunlich, denn erst nach dieser Erfahrung hielt es das Amt für notwendig, durch kleine Zettel die Nutzer_innen auf den Sinn der Arbeiten hinzuweisen. Anstatt des Holzzaunes schützt nun ein Bauzaun die Pflanzen, da dieser weniger vandalismusanfällig ist.

Und es kann nicht oft genug betont werden:
Dieser Zaun steht nur ein halbes Jahr lang, bis die Pflanzen angewachsen sind und die ausführende Firma aus der Gewährleistung raus ist.
Es ist auch geplant, Hinweistafeln aufzustellen, die auf die ökologische Bedeutsamkeit des östlichen Bereiches verweisen.

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4 Kommentare

  1. A. K. said,

    11. Januar, 2011 um 16:21

    Es ist auch geplant, Hinweistafeln aufzustellen, die auf die ökologische Bedeutsamkeit des östlichen Bereiches verweisen.

    Au ja, bitte gebt uns Hinweistafeln, damit wir potentiell naturnahen Pflanzenwuchs auch als solchen erkennen können!

    • BaL said,

      11. Januar, 2011 um 17:16

      Klaro: Du hast was gegen Tafeln -, aber Du darfst, auch wenn der Mainstream wieder Ungleichheit propagiert, nicht elitär werden: Es ist tatsächlich so, dass naturferne und -entfremdete Stadtmenschen, insbesondere Jugendliche, seltene, aber unscheinbare Pflanzen, wovon unsere Zivilisation pro Tag paar Dutzend auf immer ausrottet, nach wie vor als „Unkraut“ ansehen, und insbesondere Ältere Wildniszonen für ungepflegt verwahrloste Angstlöcher und potentielle Rückzugsräume für die Drogenszenen halten. – „Man schützt nur, was man kennt“, sagt z.B. Attenborough.

      Kannst Du Dich bspw. noch an die künstlerisch handgemalten Tafeln auf dem östlichen Gleisdreieck (ehem. Anhalter Güterbahnhof) erinnern, welche die seinerzeit dort ganz von selber gewachsene artenreiche Kräuterflora beschrieben? (Du wusstest natürlich auch ohne solche liebevoll gestalteten botanischen Hinweise bescheid 😉 , aber viele wohl eher nicht.)

      Doch Du hast insofern wiederum recht, als solche Infos natürlich nur ein bescheidenes, bei weitem nicht hinreichendes Mittel zur Sensibilisierung sind: Die senatseigene Grün Berlin GmbH ließ die beauftragte Baufirma 2009 besagte Tafeln einfach rausreißen und auf einen Haufen schmeißen, bevor sie die wertvolle Ruderalvegetation mit Baggern planierte. Am Haufen dieser Tafeln, der noch monatelang dort liegen blieb, ließ sich eine Weile der unwiederbringliche Verlust ganz plastisch ermessen.

      Zurzeit ist bekanntlich der Westteil des Parks unter Ketten & Schaufeln, und naturschützerisch Engagierte verteidigen zäh die Ruderalfläche südlich der U2, wo halt viele sagen: „Da gibt’s doch nichts!“, weil Trockenrasenbiotope mit ihrer hochspezialisierten Insektenfauna für den flüchtigen Blick wenig spektakulär sind. – Und nächstens geht’s dann an den „Flaschenhals“…

  2. Dirk F. said,

    14. Januar, 2011 um 20:28

    Ich hab leider nicht zur Bürgerversammlung gehen können.

    Schade, dass der Charakter des Parks durch die Entfernung der Pflasterung / ungebunden Decken verloren gehen soll; die durchgehend natürlich verbesserte Funktionalität durch Asphalt ändert nichts am damit verbundenen „atmosphärischen Verlust“.

    Bereits die Teilung der Kuhle durch den Asphaltweg ist ein starker Verlust.

    Mein Vorschlag dazu wäre gewesen: Fortführung einer glatten Pflasterung in der Verbindung Falckenstein / Glogauer Str. und zusätzlich ein komplett neuer Bodenaufbau für das übrige Wegesystem mit Beibehaltung der ungebundenen Decken, denn selbstverständlich sind ungebundene Decken, wenn sie fachgerecht aufgebaut (zB. gemischte Körnigkeit..), bei Weitem nicht derart „pfützenanfällig“ wie im Görlitzer Park.

    Alle diesbezgl. Reparaturversuche der Wegequerung an der Falckenstein-/Glogauer Str. waren in diesem Sinne doch eher halbherzig ausgeführt, klar dass das nicht funktioniert hat.

    Schade, dass jetzt zu einer „technokratisch-funktionalen“ Lösung gegriffen werden soll. Falls da noch jemand Einflussmöglichkeiten sieht, bitte dranbleiben!!

    Dirk F. (langjähriger Anwohner)

    • BaL said,

      17. Januar, 2011 um 1:48

      Es sind bislang − zumindest offiziell − nur Vorschläge; die Hast erklärt sich wie gesagt daraus, dass mal wieder ’ne Antragsfrist zu verstreichen droht, bevor das Bezirksamt aus den Puschen kommt −, aber davon abgesehen, ist es noch nicht zu spät, sich einzuklinken, zumal sich einige von den Asphaltbändern überfahren fühlen.

      Und es sollen noch weitere Veranstaltungen folgen, zumal zum übrigen Wegenetz, das definitiv nicht geteert werden soll, und für die wir schon mal ein professionelleres Format fordern.

      Bei Deinem Vorschlag einer glatten Aphaltierung des Durchgangswegs nach Neukölln ist an den neu gepflasterten Weg im nordöstlichen Feuchtbiotop zu erinnern, der, in dieser Umgebung natürlich völlig deplaziert, aber doch gerade unterm Gesichtspunkt „barrierefreie Anbindung des Görlitzer Parks an die Lohmühleninsel“ ebenfalls aus Stadtumbau-West-Mitteln saniert worden ist. − Konsequenz dürfen wir offenbar nicht erwarten… − Das Gegenargument aber wird natürlich sein, dass dort, wo Ausweichmöglichkeit ist, das Pflaster gemieden und durch die Nutzung der Weg auf Kosten des Rasens halt bis auf sechs, sieben Meter verbreitert wird.


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