Nach Verpressungsproblemen kriegt Corneliusufer neue Spundwand

Erstmal bringt Kälteeinbruch alles zum Erliegen

Crush Piler an Kastanien

Crush Piler dicht an Kastanien

Das Fertigstellen der wasserseitigen Sicherung durchs Einbringen einer Spundwand entlang der Corneliusstraße in Mitte erweist sich im Wortsinn als harter Brocken. Nachdem die Firma Johann Bunte Mitte vergangener Woche die Arbeit mit dem Crush Piler aufgenommen hatte und auch der notwendig gewordene weitere Rückschnitt einer der seit dreieinhalb Jahren landseitig gesicherten, also angepflockten Rosskastanien erfolgt war *, gelang zwar in dem 35 Meter langen Abschnitt, der sozusagen nur halbe Stahlbohlen aufweist, das Aufständern, sprich Aufschweißen des zweiten Teilstücks perfekt −, doch dann schaffte auch der Crush Piler (CP) nicht, die Bohlen auf die statisch erforderliche Endtiefe in die Kanalsohle zu treiben. Nach zwei Metern war Schluss. Die auf der bereits eingebrachten Spundwand selber schreitende Presse mit integrierter Bohrschnecke konnte ihre immensen Kräfte allerdings auch gar nicht voll einsetzen, da die Bohlen, worauf sie „sitzt“, bislang nur drei Meter tief im Boden stecken − zu wenig, um das Gerät mit seinen über zwanzig Tonnen Eigengewicht auf volle Leistung zu fahren: statt die Bohle in den Untergrund zu bohren, würde es eher seinen „Sitzplatz“ wieder herausziehen, mit ihm um- und in den Kanal kippen. [Beachte auch die „kleine Richtigstellung“ des WSA am Ende dieses Postings…]

Mithin mussten die Arbeiten gestern (1.12.) unterbrochen werden, und Mitarbeiter von WSA und den Firmen Bunte, GIKEN sowie GuD hielten großes Palaver. Drei widrige Faktoren kristallisierten sich schließlich heraus:

  • der Reibungswiderstand der inzwischen bereits festgerosteten Schlösser, womit die Einzelbohlen ineinander greifen, ist mit sechzig Tonnen, die der CP messen konnte, immens und jedenfalls zu hoch;
  • bei den vergeblichen Press- und dann Rammversuchen der Firma Mette 2008/9 müssen sich die Bohlen verkantet haben, so dass sie im Boden keilförmig aufeinander zulaufen; und
  • drittens erweist sich die Mergelschicht aus Ton und Kalk in Mitte noch härter als an der Teststrecke am Paul-Lincke-Ufer.
Crush Piler an Kastanien

Crush Piler dicht an Kastanien

Der Ausweg, so kamen die Beteiligten überein, besteht nun darin, einfach eine zweite Spundwand dreißig Zentimeter in Richtung Fahrrinne parallel zur alten einzubringen, was auch ohne Startbohlen möglich ist, da der CP zunächst von den Bohlen der alten Wand aus agieren kann. Je nach den statischen Erfordernissen wird dann eine der beiden Spundwände überm Boden abgetrennt. Eine Hinterfüllung mit Kiessand und Schaffung eines „Strandes“ kann ebenfalls unterbleiben, weil der Gleitkreis allein schon durch die Spundwand ausreichend gesichert werde. Da der zusätzliche Raumbedarf der Trassenverschiebung insgesamt einen Meter ausmache, ist allerdings eine neuerlich Kampfmittelsondierung vonnöten, denn die damit betraute Firma Sea Terra will keine Garantie übernehmen, dass sich auf den 35 nachzuarbeitenden Metern in unmittelbarer Nähe des von ihr für unbedenklich erklärten Bereichs nicht doch noch Gefahrenquellen lauern. Schon gestern sollten deshalb an der Spree beschäftigte Taucher abgezogen und am Corneliusufer aktiv werden und wollten schon in zwei, drei Tagen durch sein, doch − zu aller Unbill gesellte sich nun auch noch der Kälteeinbruch, was das Tauchen und auch die sonstigen Wasserbauarbeiten zur Extremsportart machen würde. − Zunächst ruhen also alle Arbeiten entlang der Corneliusstraße.

Inzwischen hat übrigens der Bezirk Mitte das WSA Berlin wegen des Anbringens einer Infotafel am Bau- und Verkehrssicherungszaun wegen nicht genehmigter Sondernutzung zur Zahlung einer Ordnungswidrigkeitsbuße in Höhe von EUR 10.000 ersucht.

Morgen (2.12.) wird indessen der Göttinger Baumsachverständige, Prof. Weihs, der vor einigen Monaten zum Wurzelraum auch der Kastanien an der Corneliusstraße noninvasive geophysikalische und -radiologische Untersuchungen vorgenommen hat, bei einem nicht-öffentlichen Termin vor VertreterInnen von WSA und GuD seine Einschätzung u.a. zur Baumstatik auf diesen 35 Metern darlegen, und es besteht begründete Hoffnung, dass noch vor Weihnachten Betonklötze, Balken und Korsagen wenigstens von diesen Bäumen abgenommen werden, der Verkehrssicherungszaun als normaler Bauzaun zur Uferkante hin verlegt und damit die Promenade wenigstens in diesem Bereich wieder öffentlich zugänglich gemacht wird.

Und zur vorweihnachtlich-friedlichen Einstimmung aller Beteiligten hat das WSA schon mal einen Online-Adventskalender freigeschaltet. − Aber immer nur ein Fenster pro Tag öffnen! −

***

Update vom 2.12.10: Zu den beiden letzten Absätzen hat das WSA inzwischen Korrektur-Bedarf angemeldet, den wir  im Wortlaut und unkommentiert wie folgt veröffentlichen:

„Sehr geehrtes Redaktionsteam des Landwehrkanal-Blogs,

zu oben stehendem Abschnitt bedarf es einer kleinen Richtigstellung:

1. Das Treffen mit Professor Weihs, HAWK Göttingen dient dem Erfahrungsaustausch mit dem Ingenieurbüro GuD und dem WSA Berlin. Grund des Treffens ist der Erfahrungswert der HAWK Göttingen mit Bäumen im Stadtraum. Diese Erfahrung wollen wir in die aktuelle Aufgabenstellung für GuD: Standsicherheitnachweis für die Ufermauer (unterschiedliche Höhe der Regelbauweise) einfließen lassen. Wichtig ist uns die Annahmen der Verkehrslast durch Bäume aus 2007 zu verstehen und ggf. durch die neuen Erkenntnisse aus den geophysikalischen Untersuchungen an den Wurzeln der Bäume vom Landwehrkanal zu qualifizieren.

Der Termin ist also nicht auf die Baumstatik der 35 m Corneliusstraße ausgerichtet, sondern behandelt das Thema Lasteneinbringung auf Ufermauerwerke durch Baumbestand im Allgemeinen.

2. Wegnahme der Betonklötze, Balken und Korseletts, Rückbau des Versicherungszaunes und Aufbau eines Bauzaunes vor Weihnachten 2010. Die Bauplanung hat zu keiner Zeit den Rückbau der Klötzer vor Weihnachten vorgesehen gehabt, denn erst wenn die Spundwand mit Kiessand hinterfüllt ist, kann die wasserseitige Baumsicherung die Funktion der landseitigen Baumsicherung übernehmen. Trotz Wintereinbruch gehen wir davon aus, dass dies vor der neuen Vegetationsperiode abgeschlossen sein wird.

Gewundert haben wir uns, dass Sie trotz der Mail zum Adventskalender nichts zum winterbedingten Einstellen der Arbeiten geschrieben haben.

Wir haben mittlerweile Eisbildung auf dem Landwehrkanal. In den kommenden Tagen ist mit einer Sperrung des Kanals wegen geschlossener Eisdecke zu rechnen, vor diesem Hintergrund fand gestern und heute der Rückbau der Presse statt, das Baugerät wurde aus dem Kanal gefahren.

Für Rückfragen gerne einfach anrufen und morgen 03.12.2010 gibt es dann einen detaillierten Bericht zum Baugeschehen der letzten Tage,

Evelyn Maria Bodenmeier
Öffentlichkeitsarbeit Landwehrkanal
Telefon +49 (0)30 69532 – 324
Telefax +49 (0)30 69532 – 200
presse.wsa-berlin@wsv.bund.de

Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin
Mehringdamm 129
10965 Berlin
www.wsv.de“

Zu weiteren Details siehe auch den aktuellen WSA-Newsletter Nr. 75 vom 3.12.10


* Auf der anschließenden, neu zu verspundenden 82m-Strecke sind voraussichtlich geringere Probleme mit dem Uferbaumbestand zu befürchten, weil die Rosskastanien hier weniger ufernah stehen.

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