Verspundung an Corneliusstr. mit Problemen

Crush Piler erzwingt mehr Kronenrückschnitt

Alles hat seine Vor- und Nachteile

Crush Piler am Corneliusufer

Crush Piler am Corneliusufer

Der vom japanischen Gerätehersteller GIKEN entwickelte Crush Piler, der eine integrierte Bohrschnecke hat, um auch in die härtesten Böden dringen und anschließend die Stahlspundbohle einbringen zu können −, dieses innovative Gerät ist bei überhängenden Baumkronen selbst dann ungeeignet, wenn sie im Vorfeld prophylaktisch schon beträchtlich zurückgeschnitten worden sind. Sein Bedarf an Baufreiheit bzw. Lichtraum ist durch den Kran, der die Spundbohlen zureicht, weit größer als z. B. beim Silent Piler (ebenfalls von GIKEN, aber ohne Bohrhilfe), den die Firma Mette Wasserbau am Tempelhofer und Schöneberger Ufer − und besonders im Hinblick auf den Baumschutz! − in stilbildender Kooperation mit dem Baumsachverständigen und einer Baumpflegefirma so erfolgreich einsetzen konnte. [Siehe auch das Update im Rest des Beitrags!]

Harte Untergründe

Als Mette jedoch im Herbst 2008 auch das Corneliusufer verspunden wollte, widerstand die Kanalsohle selbst der Schnellschlagender Luftbär genannten hydraulischen Ramme: die Stahlbohlen, die ja aus statischen Gründen über vier Meter tief in den Boden eingebracht werden müssen, verbogen und dazu sollen sich in den Wänden einer der umliegenden Wohnungen Risse aufgetan haben. [Siehe auch hier.]

Rammen ist im innerstädtischen Bereich einfach nicht machbar. Die Arbeiten wurden abgebrochen. Fast ein Jahr lang ragten seitdem entlang der Corneliusstraße − zum Verdruss des Denkmalschutzes und nicht zuletzt der betuchten AnwohnerInnen, welche die Anlage der Uferpromenade einst aus eigener Tasche finanziert haben −, wie das ruinöse Gebiss eines Riesen-Krokodils aus dem Kanalwasser. Das verrohrte Bohren mit Bodenaustausch wurde, auch weil es den Crush Piler gibt, als zu aufwendig verworfen, zumal die Angebote, den die Wasserbaufirmen machten, durch die Bank jeden vernünftigen Kostenrahmen sprengten und damit auch die beschränkte Ausschreibung… So blieb das Ufer abgesperrt, die Kastanien korsettiert, das „Brockelmänner“-Ensemble eine ganz besondere Form von Land Art, und das WSA schrieb europaweit aus.

Beschnittene Kastanien bedürfen weiterer Rasur

Am Dienstag dieser Woche (23.11.10) begann nach zwei Bauanlauf- und Initialisierungsgesprächen (das zweite nicht nur mit dem Baumsachverständigen des Forums, sondern auch dem des Bezirks Mitte), die Fa. Johann Bunte, die, wie berichtet, den Zuschlag erhalten hat, früher als geplant mit der Fortsetzung der Verspundung unter Einsatz des Crush Pilers. Zunächst stockten die Arbeiten wegen der Auffindung eines gebrochenen Schlosses, der Verbindung zwischen zwei Spundbohlen, die − ums noch mal kurz zu erklären, als Wand vors Ufer gesetzt werden, um es durch Auffüllung des Zwischenraums vom Wasser her vorm Abrutschen zu sichern und damit die, u.E. bekanntlich völlig überflüssige, landseitige Sicherung der dortigen Kastanien mit Betonklötzen, Balken und Manschetten nach vier Wachstumsperioden endlich abbauen zu können.

Als die Hürde mit dem kaputten Schloss genommen war, zeigte sich jedoch, dass trotz starken Rückschnitts noch immer Starkäste der Kastanien ins benötigte Lichtraumprofil ragten und, da sie sich anders als bspw. bei Linden, weniger gut wegbiegen oder -binden lassen, leider gleichfalls noch abgesägt werden müssen. Glücklicherweise befand sich der im Mediationsverfahren durchgesetzte „Bauleiter Baumschutz“, Dr. Barsig, gerade vor Ort und veranlasste die Einschaltung einer kompetenten Baumpflegefirma, so dass nicht etwa die Wasserbauer zur Säge griffen.

[Update: Ums noch mal detaillierter darzustellen: Dr. Barsig wurde rechtzeitig vom WSA und der Fa. Bunte über die Problematik, die übrigens nicht nur durch den Raumbedarf des Krans, sondern auch der zum Ufer hin orientierten Plattform des CP entsteht, unterrichtet, befand sich, wie es sein in Reaktion auf den Bürgerinnen-Einwand in der letzten Forumssitzung (s.u.) modifizierter Vertrag mit dem WSA auch vorsieht, vor Ort, und es war im Vorfeld mit dem WSA und dem Vertreter des Grünflächenamts Mitte natürlich vereinbart, dass nur eine Baumpflegefirma die Rosskastanien beschneiden darf! − Bisher musste nur die Nr.17 weiter rückgeschnitten werden und dies noch in verträglichem Ausmaß (fünf Grobäste bis acht cm Durchmesser); hier bleibt abzuwarten, ob in der nächsten Woche weitere Rückschnitte notwendig werden.]

„Bauleiter Baumschutz“ gleichberechtigt!

Cornelius-Kastanien

Cornelius-Kastanien

Damit stellte sich heraus, dass die Forderung einer Bürgervertreterin anlässlich der 25. Forumssitzung, wonach der „Bauleiter Baumschutz“ − genau wie sein wasserbauliches Pendant − jederzeit eigeninitiativ und unangemeldet auf der Baustelle erscheinen und nach dem Rechten sehen kann und soll − und halt nicht erst nur im baumbezogenen Schadensfall herbeigerufen wird, wie es das WSA gerne gehabt hätte −, überaus weitsichtig war.

Zum Glück ist die neuralgische Strecke nicht sehr lang und ca. hundert Meter Corneliusufer können ohne weitere Behinderung von Bäumen fertiggestellt werden, aber, wie gesagt, nur, weil die Kronen schon präventiv beschnitten wurden.

Auch für harte Kanalsohle unter überhängenden Kronen gibt’s technische Lösung

Es ist nun keine Neuigkeit, dass der Crush Piler unter überhängenden Baumkronen keinesfalls eingesetzt werden kann. Doch wenn die Kanalsohle an solchen Stellen für den Silent Piler zu hart ist? In solchem Fall, für Najib Al Arja von GIKEN kein Problem, hat seine Firma doch mit dem sog. Gyro Piler ein weiteres avanciertes Gerät im Sortiment, das nur etwa 4,50 Meter Arbeitshöhe braucht. Leider gibt’s von diesem System kein Exemplar in Europa. Es müsste im Bedarfsfall von Japan hierher verschifft werden, was für einen Test wie im Fall des Crush Pilers zu kostspielig wäre.

Um noch auf ein viertes System, die GIKEN Reaction Base (GRB), einzugehen, das ein Verspunden während laufenden Schiffsverkehrs und damit auch außerhalb der winterlichen Sperrzeit des LWK erlauben soll und wodurch sich somit die Bauzeit erheblich verkürzen lässt, sei hier noch mal klargestellt, dass die BürgerverteterInnen selbstverständlich für eine schnellere Durchführung der Sanierung sind als die von WSD und WSA angedachten zwei Jahrzehnte −, doch darf die höhere Effizienz dabei keinesfalls auf Kosten von bestmöglichem Baum- und Naturschutz gehen und also während der Brut- und Vegetationsperiode nur dort verspundet werden, wo sich keine Bäume (deren Beschneidung in der Zeit vom 30. März bis 30. Oktober ohnehin qua Natur- und Artenschutzrecht sowie dem BfGLeitfaden Baumkontrolle generell untersagt ist), brütenden Vögel und laichenden Fische befinden.

Über die Lärmemission des GRB-Systems ist uns Genaueres nicht bekannt [auch auf die Ergebnisse der Evaluierung der Crush-Piler-Tests am Paul-Lincke-Ufer in diesem Frühjahr durch die Fa. Obermeyer warten wir seither vergeblich], aber auch wenn es so leise arbeitet wie wir es beim Crush Piler selber haben hören können, ist es natürlich illusorisch zu glauben, das Remmidemmi einer Baustelle (womöglich noch mit Schweißarbeiten beim Ausständern) ließe Vögel ungestört ihr Brutgeschäft verrichten. Und auch das prophylaktische Kroneneinkürzen im Winter, das dann im Sommer womöglich noch nachgeschnitten werden muss, ist strikt abzulehnen, wenn die Zusicherung „bestmöglichen Baumschutzes“ sich nicht nur als Phrase entpuppen soll. Dieser − und selbstredend der Naturschutz − hat für uns gegenüber der Beschleunigung des Baufortschritts eindeutig Priorität!

links die Corneliusstraße

Baustelle an der Corneliusstraße am 25.11.10

Weitere Details siehe den 74. WSA-Newsletter vom 26.11.10

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