Obstruktion des Beteiligungsverfahrens

Grün-Massakrierung entlang der Bautzener Straße

Bautzener Rodungen 01

Bautzener Rodungen vom letzten Wnter

Wir können uns noch gut daran erinnern, mit welch großem Unmut die Mehrheit der zum Werkstattgespräch Schöneberger Schleife versammelten BürgerInnen die planerischen Visionen des Büros Thomanek Duquesnoy Boemans (TDB) vom Vegetationsstreifen entlang der Bautzener Straße quittierte. Wo jetzt noch ein artenreicher Bewuchs von Bäumen, Fliederbüschen und Philadelphus ein sommers lange blühendes Biotop bildet − Habitat, Rückzugsraum und Nahrungsquelle für eine Vielzahl von Vögeln, Insekten und Kleinsäugern, und nicht wenigen AnwoherInnen ein wesentliches Stück Lebensqualität ihres Wohnumfelds −, soll nach dem Willen von TDB ein monotoner Kurzrasenstreifen mit kleinkronigen Solitärbäumchen in ebenmäßigem Abstand für Transparenz, soziale Kontrolle, höhere Sicherheit und zu guter Letzt auch noch für weniger Müll sorgen.

Grüne Wand Mai '05

Grüne Wand der Bautzener Straße im Mai 2005

[Update vom 15.10.10: In Ergänzung der Antwort auf einen Kommentar zeigen wir hier einige Fotos von Baumfällungen, -kappungen und unfachgerechter -pflege entlang des Gehölzstreifens der Bautzener Straße im vergangenen Winter…] Diese wildgewachsene „Wand“ (wie sie zumindest den LandschaftsarchitektInnen erscheint), welche die Straße seit ehedem flankiert und, wie auf alten Luftaufnahmen zu erkennen, sogar den Krieg überstand, ist mit einer modernen rechnergenerierten Grünplanung offenbar inkompatibel.

Bautzener Rodungen 04

Rodungen Bautzener Straße

Das Publikum reagierte, wie gesagt, geschockt und bekundete scharfe Ablehnung, woraufhin sich sogar die anwesenden Bezirksvertreter von Planungsamtsleiter Kroll bis Umweltstadtrat Schworck, die sich unters Volk gemischt hatten, eilends distanzierten: eine solche Gestaltung [in deren Simulation, worauf ein Blogger hinwies, die „Nutzer“ gleich Geister längst Abgeschiedener nur mehr schemenhaft wesen] werde es keinesfalls geben.

Salamitaktik?

Bautzener Rodungen 05

Rodungen Bautzener Straße

Mit neuerlichem Entsetzen aber mussten AnwoherInnen eben der Bautzener Straße, die schon früher immer wieder Rodungs- und brachiale Schnittmaßnahmen an ihrem straßenbegleitenden Grün beobachteten und daraufhin, wenngleich vergeblich, ein Fällmoratorium anmahnten, vor einigen Tagen feststellen, dass erneut massiv, lotrecht und bis auf 2,5 Meter Tiefe in den fraglichen Vegetationsbestand eingegriffen und bspw. sogar eine bis dahin verdeckte hässliche Mauer freigelegt wurde [s.u. − und zum Vergrößern ein Klick].

 

Bautzener Rodungen 02

Bautzener Rodungen

Dass die Werkstattgespäche, wie schon etliche Beteiligte kritisierten, diesen Namen kaum verdienen, indem die Entscheidungen über die Vorschläge der BürgerInnen nach unbekannten Kriterien ganz woanders fallen, wird durch diese Vorgänge nun zusätzlich schlagend bewiesen: Während man sich in der Werkstatt versammelt, dort, seltsam genug, schon fertig ausgearbeitete „Entwürfe“ präsentiert bekommt und bisschen diskutieren darf, werden dieselben draußen schon mal ins Werk gesetzt und vor Ort vollendete Tatsachen geschaffen. − Gerade solche Verfahrensweisen aber lassen Partizipation zur Farce und purem Beteiligungszirkus verkommen, legen buchstäblich die Axt an jede Motivation der BürgerInnen, sich unter Opfern ihrer Freizeit ehrenamtlich zu engagieren, und sind denkbar ungeeignet, den wachsenden Überdruss an einer bürgerInnenfernen Politik einzudämmen.

Bautzener Rodungen 03

Bautzener Rodungen

Pikanterweise teilen der Vorsitzende des Umweltausschusses der Tempelhof-Schöneberger Bezirksverordnetenversammlung, Peter Rimmler (CDU) oder auch sein Parteifreund Olschewski die Auffassung, dass sich derlei während laufender „Werkstattgespräche“ eigentlich verbietet, wohingegen z. B. Ausschussmitglied Axel Seltz von der SPD nicht nur in der letzten Sitzung am gestrigen Mittwoch, 13.10., von Transparenz und Beseitigung von Angsträumen schwadroniert und notwendiger Erfüllung der Verkehrswegesicherungspflicht, während Baustadtrat Krömer von Bürgerbeschwerden wegen überhand nehmender Vermüllung zu berichten weiß.

Ausgeleierte Sprachregelungen

Bautzener Rodungen 05

Rodungen Bautzener Straße

Der seltsamen Behauptung, dass Büsche den Verkehr gefährden, begegnen wir auch in anderen Bezirken immer wieder, und dass Vermüllung durch Auslichtung von Strauchwerk im Gegenteil gerade befördert wird, was mensch doch allenthalben mit eigenen Augen beobachten kann, dringt aus dem ganz einfachen Grund nicht durch, weil die Beseitigung von viel Müll auf kahler Fläche (wenn’s denn hin und wieder erfolgt) billiger kommt, als die von relativ wenig auf bewachsenem Terrain. Das Friedrichshain-Kreuzberger Grünflächenamt z. B. ließ dazu vor paar Monaten lapidar wissen, es sei den Bediensteten schlechterdings nicht zuzumuten, Bierbüchsen und dergleichen unter Gebüsch hervorzuklauben…

Fäll- und Schnittmoratorium überfällig!

Bautzener Rodungen 06

Rodungen Bautzener Straße

Wie dem auch sei: dass in diesem konkreten Fall gegen den erklärten Willen der meisten AnwohnerInnen während laufender Verhandlungen über die Gestaltung ihrer Lebenswelt diese schon mal ratenweise vorweggenommen und verunstaltet wird, ist unannehmbar und muss ein Nachspiel haben! Zunächst: Wer war der Auftraggeber dieser Beräumungen? Aber vor allem bedarf es einer verbindlichen Erklärung seitens der Zuständigen, wonach derlei Fakten-Schaffen, noch dazu auf Kosten wertvoller Stadtnatur, künftig unterbleibt! − Nach langem Gewürge kaum recht in Gang gekommen, droht ansonsten der ganze Beteiligungsprozess schon wieder zu erliegen.

Mauer-Freilegung

Freigelegte Mauer

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11 Kommentare

  1. jürgen julius irmer said,

    14. Oktober, 2010 um 23:03

    …ein derartig brachiales und stumpfsinniges herangehen an die umgebung in der gelebt wird muß wohl tiefsitzend zwanghaft sein.
    als ausschließlich bürokratisch-verblödet kann man diesen furor wohl nicht erklären,oder?

    solche bedrückende ahnung befördert wohl auch neuartige bürgerliche aufstände wie in stuttgart.

    „angsträume“; wenn ich das nur höre!

    die behördenflure (in denen die kleinen und großen lebensabseitigkeiten entworfen werden) sind die wahren angsträume…

  2. 15. Oktober, 2010 um 9:10

    Der Beitrag bleibt unklar, wo genau und wann die Baumfällungen stattgefunden haben, Bin heute morgen dort vorbeigekommen und habe nichts derartiges gesehen.

    • BaL said,

      15. Oktober, 2010 um 15:45

      Dann war, mit Verlaub, Deine Lektüre zu flüchtig. Von aktuellen Baumfällungen ist in unserm Beitrag keine Rede. Solche erfolgen jedoch, zum Verdruss der AnwohnerInnen, die darüber im Amt oft Beschwerde führten, peu à peu schon seit 2007.

      Die Beantragung der Mittel aus dem Förderprogramm Stadtumbau West mit Einreichung entsprechender (und ohne BürgerInnenbeteiligung entwickelter) Projektbeschreibungen, die auch, was wir hier freilich nicht beweisen können, wohl schon den berühmten Stadtbalkon mit freier Sicht und Abgängen vorsahen, geschah bereits 2005/6. Und die, übrigens gut dokumentierten, Baumfällungen in den Folgejahren (jeweils ohne Vorankündigung!) wurden u.a. auch in genau diesem Bereich vorgenommen.

      In unserem Posting aber geht es uns einerseits um den Hinweis auf die Reduzierung der Strauchvegetation, die pünktlich mit Beginn der Fällperiode zum 1. Oktober begonnen wurde und von den Zuständigen mit den geschilderten Begründungen ja auch bestätigt worden ist, und andererseits um den nachdrücklichen, wenn an sich auch eher selbstverständlichen Hinweis, dass für eine gedeihliche Fortsetzung des Beteiligungsprozesses die weitere schleichende Ausdünnung dieses Vegetationsstreifens wie auch alles übrigen natürlichen Bestands auf dem Gelände der künftigen Grünanlage und -verbindung zu unterbleiben hat.

    • Holger Schnaars said,

      15. Oktober, 2010 um 20:50

      @Matthias
      Ich bin dort am letzten Freitag (08.10.2010) auch vorbeigekommen und sah sofort, dass sich in der Bautzener Straße – wie an vielen anderen Orten in der Stadt – mit gewohnter „Professionalität“ Bahn geschaffen wurde.
      Dem einen fällt’s auf. Dem anderen nicht.
      Nun war heute – im Gegensatz zum letzten Freitag – auch ein extrem grauer und zudem regnerischer Tag und wenn man vielleicht auch noch mit anderen Gedanken beschäftigt ist, fällt einem auch nichts auf.
      Vor einer Woche habe ich übrigens einige Fotos gemacht, die ich Dir für Dein Blog senden könnte.

      @jürgen julius irmer
      Das Wort „Angsträume“ steht auf meiner Hitliste der schönsten Wortschöpfungen zur Durchsetzung und Schaffung übersichtlichster „Grün“flächen seit einigen Jahren auf Platz 1.
      Die bzw. der das Wort in den Sprachkanon einführte, stammt wahrscheinlich aus der Marsch, wo acht Bäume schon als Wald gelten und zehn Bäume bedrohlich wirken ;-).
      Jedenfalls ist es der ‚Senatsverwaltung für Stadtentwicklung‘ und der ‚Grün Berlin GmbH‘ schon bisher toll gelungen, am Gleisdreieck (s. => Ostpark, folgend => Westpark) – unter recht sorgfältiger Vermeidung des Erhalts vorhandener Natur und stadtgeschichtlicher Spuren – Angsträume zu vermeiden und sehr übersichtliche Flächen zu schaffen.
      Sie kannten das Wort „Angsträume“ – alles können sie eben auch nicht wissen – vielleicht noch nicht und zogen sich auf die Schaffung der „großen Weite“ zurück:
      => http://gleisdreieck-blog.de/2009/09/19/wie-grun-berlin-werbung-macht/
      Werbung ist alles.
      Schön wäre es gewesen, wenn es über die Jahre eine Bürgerbeteiligung gegeben hätte, die ihren Namen verdient und deren Erfolge – abgesehen von einem Pseudo-Naturerfahrungsraum, auf der Fläche versprengten ‚Vegetationsinseln‘, einzelnen Sport-/Bolzplätzen – im Sinne dessen nachprüfbar wäre, was verschiedentlich – leider erfolglos – gefordert wurde: Den weitgehenden Erhalt der vorhandenen Natur und der stadtgeschichtlichen Spuren.
      Der ‚NABU‘ äusserte sich hierzu am 24.04.09 unter der Überschrift „Chance vertan“
      => http://berlin.nabu.de/presse/pressemitteilungen/index.php?popup=true&show=441&db=presseservice_berlin
      und der ‚BUND Berlin‘ am 16.04.2010 unter der Überschrift „24 Millionen Euro für Naturzerstörung auf dem Berliner Gleisdreieck“
      => http://www.bund-berlin.de/nc/bund_berlinde/presse/pressemitteilungen/detail/artikel/24-millionen-euro-fuer-naturzerstoerung-auf-dem-berliner-gleisdreieck

      Vielleicht sollte man sich doch an dieser Aussage orientieren, die im ‚Tagesspiegel‘ (05.09.2010) zitiert wird:
      „… ‚Das meiste, was man in einem Park baut, passiert unter der Erde‘, sagt Regina Krokowski von der Firma Grün Berlin GmbH, die im Auftrag des Senats die Grünanlage baut. …“
      => http://www.tagesspiegel.de/berlin/gleisdreieck-kaefer-sammeln-erlaubt/1919302.html
      Das ist eine Aussage.

      Störende (in Zeiten des Klimawandels angepasste [!]) Natur wurde beseitigt. Ebenso damit vermutlich verbundene „Angsträume“.
      Schöne Erfolge.
      Sie passen in die Zeit.

    • 18. Oktober, 2010 um 11:26

      Nachdem das Wann nun also zumindest „ungefähr“ geklärt ist, fehlt noch die Antwort auf das Wo. Allein dass Holger Schnarrs es sofort gesehen hat, ist sicherlich kein Beleg oder Qualitätssiegel.
      Was ich gar nicht verstehe an dem Artikel ist, dass weit zurückliegende Fällaktionen, deren Zeit und Ort nicht genau angegeben werden, als „Obstruktion“ des aktuell laufenden Planungsverfahren herangezogen werden. Ist das nicht ein bisschen viel Verschwörungstheorie?
      Wichtige fände ich, wenn an Lösungen gearbeitet würde, Lösungen für das Hauptproblem bei der Zugänglichkeit dieses schmalen Streifens westlich der Bahn zwischen Yorckstraße und Südkreuz. Jede neue Rampe, jeder neue Zugang in diesen Streifen bedeutet einen Eingriff. Wir brauchen aber diese Zugänge, wir wollen ja dass die Menschen dort hineinkommen als Fußgänger und als Fahrradfahrer. Also wo und wie sollen diese notwendigen Eingänge gebaut werden, ohne dass dabei all zuviel von dem vorhandenem Grün plattgemacht wird?

      • Holger Schnaars said,

        18. Oktober, 2010 um 13:00

        @Matthias

        Hallo Matthias,
        die Frage nach dem „Wo“ beantwortest Du Dir selber.
        Die Frage nach dem „Wann“ ist insofern unerheblich, als dass sich das aus dem Beitrag, als auch den Kommentaren – wenn auch nicht auf den Tag genau – ergibt: Aktuell geschah es.
        Die „professionell“ ausgeführten „Pflegemaßnahmen“ sollten schon deutlich erwähnt werden dürfen.

        Die von einigen Leidfiguren gern gewählte Nummer „Verschwörungstheorie“ ist mir zu schlicht, als dass ich darauf eingehen möchte. Vielleicht verstehst Du das.

        Ich gebe Dir an dem Punkt Recht, als dass an Lösungen gearbeitet werden sollte, die eine möglichst gute und sehr naturschonende Zugänglichkeit und weitestgehenden Erhalt des Geländes ermöglichen.

        Aber auch Dir ist bekannt, dass selbst größtes Entgegenkommen der Bürger/-innen bzw. einiger Bürgerbeteiligten keine Garantie dafür ist, dass deren Meinung, deren Vorstellungen, deren Kritik an gewissen Planungen über deren reine Kenntnisnahme hinaus bei einigen Verantwortlichen in der Verwaltung eine Rolle spielen.

        Sie wurden und werden seitens der Verwaltung allzuoft vor vollendente Tatsachen gestellt und um im Spiel bzw. Gespräch zu bleiben bzw. bleiben zu dürfen, haben sie diese Tatsachen zu akzeptieren.

        Wenn Dir aus Deinem langjährigem Engagement für das Gleisdreieck (Ost- wie Westpark) positive Beispiele einfallen, die das Gegenteil belegen und/oder z. B. auch die o. g. Kritik des NABU bzw. des BUND an der Art und Weise der Umgestaltung des Gleisdreiecks bzw. der in Teilen praktizierten Bürgerbeteiligung entkräften, dann solltest Du sie hier oder in Deinem Blog konkret nennen.

        Das würde sicherlich helfen, auch das Verfahren zum Flaschenhals etc. etwas realistischer einzuschätzen.

        Auf das weitere Verfahren seitens der beteiligten Verwaltungen im Umgang mit dem Flaschenhals, den angrenzenden Flächen und den Bürgerinnen und Bürgern bin ich natürlich gespannt.

        Auf einen konstruktiven Dialog mit allen Beteiligten hoffend
        schöne Grüße
        Holger

      • BaL said,

        18. Oktober, 2010 um 13:14

        @Matthias
        Dann also mal sachlich: Unser Hinweis auf vorangegange Baumfällungen war, wie ausdrücklich vermerkt, eine Ergänzung, um Außenstehenden den Kontext zu verdeutlichen.

        Aktuell geht es uns um die Verhinderung der sukzessiven Herstellung einer Gestaltung entlang des Bautzener Vegetationsstreifens, deren ohne BürgerInnenbeteiligung entwickelte Konzeption von den AnwohnerInnen – genauso wie das Freiholzen des „Stadtbalkons“ zur Erfahrung von Geländesprüngen – mehrheitlich abgelehnt wird. (Von Zugängen war bislang gar keine Rede:)

        Da die Büsche nicht kartiert und nummeriert, wohl aber seit Beginn der diesjährigen Fällperiode dezimiert worden sind, haben wir in der hergebrachten Annahme, dass Bilder mehr sagen als 1000 Worte, Fotos veröffentlicht, die das nach unserer Meinung hinreichend verdeutlichen können sollten, waren da aber offensichtlich allzu naiv.

        Im Übrigen geht’s uns weniger ums Aufdecken etwelcher Verschwörungen, als ums Wehren der Fortsetzung dessen, was in diesem Bereich seit Jahren passiert; ums Verhindern unangekündigten, geschweige vereinbarten Tatsachenschaffens; vor allem aber ums Gewährleisten echter BürgerInnenbeteiligung, echter Werkstattgespräche usf.

        Allerdings finden wir’s – bspw. vor dem Hintergrund unserer Erfahrungen mit dem Parkbau auf dem Gleisdreieck – einigermaßen befremdlich, ausgerechnet von einem Bürgervertreter gleich als Verschwörungstheoretiker und (an anderer Stelle) Feindbildpfleger apostrophiert zu werden, wenn wir Vorgehensweisen der (hier ja noch übenden + hoffentlich demnächst lernenden) Verwaltung, welche sich mit echter Partizipation nun mal nicht vereinbaren lassen, mit gehörigem Nachdruck kritisieren.

  3. 18. Oktober, 2010 um 13:59

    Mit dem Bau der Schönberger Schleife wird die alte Vision der BI Westtangente umgesetzt: Grüntangente statt Westtangente. Ist das kein Erfolg?
    Bei der Realisierung wird es darauf ankommen, dass die Zugänge und Verknüpfungen mit den benachbarten Stadtteilen möglichst schonend gemacht werden. Ganz ohne Eingriffe in die vorhandene Vegetation wird das nicht gehen können. Kommen wir hier vernünftigen Lösungen näher, indem wir der Verwaltung mit dürftigen Argumenten „Obstruktion“ vorwerfen? Wäre es nicht besser, sich selbst Gedanken zu machen über das Wie und das Wo der Eingänge? Ich finde, der Stadtbalkon an der Bautzener Straße ist eine gute Idee, die Zugänglichkeit der Grüntangente für Fahrradfahrer und Fußgänger ebenso.

    • M. Funk said,

      19. Oktober, 2010 um 21:52

      Leider wird in den Beiträgen von Matthias Bauer an dem eigentlichen Thema haarscharf vorbei diskutiert und auf vermeintliche Sachlichkeit beharrt.

      Es geht nicht um ein Ablehnen von Wegeverbindungen oder das Infragestellen der alten Idee Grüntangente. Im Gegenteil! Die tatsächlich relevante Frage ist das WIE!
      Bevor man Kritik übt an Engagierten, sollte man sich erst sachkundig machen und nicht Dinge in Frage stellen, die offenkundig oder durchaus als bekanntes Wissen verfügbar sind.

      1. Bekanntlich hat es zweimal, 2004 und 2008, auf Veranlassung von Anwohnern ausgearbeitete Angebote von Studenten der BTU Cottbus an den Bezirk gegeben. In diesen studentischen Arbeiten waren jeweils die Wegeführung/ Verbindungen/ Zugänge nach Norden zum Westpark/ Gleisdreieck und nach Süden als Essentials eingearbeitet worden.
      2. Bekanntlich hat es an Hand dieser Vorschläge keine weiterführende Diskussion seitens des Amtes gegeben.
      3. Bekanntlich finden erst jetzt die 2007 in der BVV beantragten Werkstattgespräche statt, nachdem bereits das Projekt „Schöneberger Schleife“ vermutlich schon 2005/6 im Programm „StadtUmbau West“ beantragt wurde.
      3. Seit 2007 sind massive Eingriffe in die vorhandene Vegetation erfolgt, ohne dass erkennbar war, welchem Zweck diese dienen sollten noch, wer beauftragt hatte.
      4. Bekanntlich haben sich mehrfach Anwohner der Bautzener Straße bei verschiedensten Institutionen über diese massiven Eingriffe beschwert.
      5. Wenn im Bereich der Böschung, die wahrscheinlich 50 Jahre (mindestens 21 Jahre) nicht berührt wurde, massive Fällungen (Foto 1) ausgerechnet zum Zeitpunkt des Eigentumsübergangs an den Bezirk erfolgten und nunmehr nach Vorstellung des Amtes und der Planer genau dort ein sogenannter Bautzener Stadtbalkon (Bautzener Platz) mit freier Sicht entstehen soll, ist es erlaubt zu fragen, ob es sich hier nicht um mehr als um Zufälligkeiten handelt.
      Wenn im Bereich der bewaldeten Böschung zwischen Monumenten- und Kolonnenstrasse ebenfalls große Lücken in ebensolchen schützenswerten Bestand (s. B-Plan 7-1) geholzt wurden, zufällig dort, wo die geplante doppelte Rampenführung kreuzen würde, dann darf auch hier nach Zufälligkeiten gefragt werden! Ebenso, wenn in diesem Bereich Bäume stark aufgeastet wurden.

      Tatsächlich stellen sich viele Fragen, die bisher unbeantwortet geblieben sind. Diese alle aufzuzählen, würde hier allerdings den Rahmen sprengen.
      Deswegen seien stellvertretend nur drei der wichtigsten Themen aufgeführt :

      Eingänge/Stadtbalkon:
      Sind drei Eingänge im Abstand von ca. 100 Metern, zwischen Großgörschen- und Monumentenstrasse tatsächlich notwendig? Ist eine unsinnige, kostenträchtige, der Größe und Art des Platzes nicht angemessene Geste wie ein Stadtbalkon nicht verschwendetes Geld? Werden nicht die Mehrzahl der Passanten, aller Wahrscheinlichkeit nach, die zwei Eingänge an der Großgörschen- und der Monumentenstrasse nutzen und nicht einen Abgang am Bautzener Platz? Sind die Anwohner des Platzes befragt worden, denn es bedeutet einen wesentliche Einschnitt in ihr direktes Umfeld? Kann nicht das Geld besser verwendet werden, z. B. für einen Lärmschutz? Ist der eigentlich große Panoramablick nicht der Blick von der Monumentenbrücke, nicht der von einem potentiellen Bautzener Balkon? etc.

      Ortsprägender Charakter:
      Wie ist die Äußerung der Planerin des Büros TDB „Es wurde versucht, den Charakter des Vorhandenen nicht zu verändern“ mit der so offensichtlich anderen Darstellung in ihren Plänen vereinbar? Wie wird beurteilt und berücksichtigt, dass der Bereich Yorckstrasse bis Südkreuz einen Landschaftsraum darstellt und nach LaPro (Landschaftsprogramm) einen „gesamtstädtischen Berliner Ausgleichsraum 1. Priorität“ darstellt? etc.

      Bürgerbeteiligung/ Werkstattgespräch:
      Wie und wo finden das Wissen, die Anregungen und die Meinungen der Bürger ihren Niederschlag? Die sehr deutlichen Meinungs(unmut)äußerungen im Verlauf des Werkstattgesprächs vom 23.9.2010, beispielsweise zur dargestellten Ansicht der Bautzener Straße, des Spielplatzes, der in keiner Weise vegetationsschonenden doppelten Rampenführung zwischen Monumenten- und Kolonnenstrasse? Ist nicht eine auf der Böschung mittig mehrfach gewendelte Rampe vegetationsschonender, kostengünstiger, Sportplatz erschließend, schöner? etc.

      Bisher fehlt eine Entwicklung von Alternativen und eine echte Auseinandersetzung mit gegebenene Bedingungen. Es werden die zukünftigen Eingriffe einen starken Einfluss auf die Lebensqualität aller An- und Bewohner des Lebens- und Landschaftsraums Flaschenhals haben.

    • Benni Blume said,

      20. Oktober, 2010 um 0:38

      @Matthias Bauer

      Huch – da weht er wieder im fahlen Sonnenlichte:
      Der staubige Mantel der Geschichte.

      „Grüntangente statt Westtangente“ hört sich auch heute noch gut an, auch wenn ‚das‘ eine Ewigkeit her ist.
      Der zustimmungsfähige Satz sollte aber schon mit Inhalten gefüllt werden können.
      Ihn nun bei jeder sich bietenden Gelegenheit herunterzubeten, um notfalls noch der sterilsten Grünplanung – weil ja statt der West- nun die Grüntangente kommt – nach einem bisschen Schaulaufen die stillschweigende Zustimmung zu geben, ist etwas wenig.

      Beste Grüsse
      Benni Blume

  4. M. Bauer said,

    20. Oktober, 2010 um 12:22

    „Bisher fehlt eine Entwicklung von Alternativen und eine echte Auseinandersetzung mit gegebenene Bedingungen.“ schreibt Marlies Funk. Genau das meinte ich auch. Haben Marlies F. und Benny B. aber wohl überlesen. Statt zu Jammern und mit schlechten Argumenten der Verwaltung Obstruktion vorzuwerfen, solten die Bügerinitiativen Verantwortung übernehmen und eigene Konzepte für die Zugänglichkeit des Grünstreifens an der Bahn entwickeln.
    PS: Welcher verstaubte Dichter versteckt sich eigentlich hinter dem Pseudonym Benni Blume?


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