Hellweg im Yorck-Dreieck

BürgerInnen als Lobby der Stadtnatur

BürgerInnenversammlung zur Vorhabensqualifizierung

Vergangenen Donnerstag (7.10.) befasste sich eine Bürgerversammlung im BVV-Saal des ehem. Rathauses Kreuzberg mit der geplanten Bebauung des Yorck-Dreiecks. Dort will die Firma Hellweg Profi-Baumärkte einen Bau- und Heimwerkermarkt nebst Garten- und Zoo-Center mit einer Bruttogrundfläche (BGF) von knapp 11.000 qm errichten und auf dem östlichen Dach des Gebäudes jenes wettkampftaugliche Fußballfeld angelegen, das es mit Rücksicht auf Park und Kleingartensiedlung POG auf dem Gleisdreieck-Gelände nicht geben kann.

Yorckdreieck-Panorama

Yorckdreieck-Panorama


Neben Bezirksverordneten der Bezirke F’hain-Kreuzberg und T’hof-Schöneberg, VertreterInnen der beiden Bezirksverwaltungen, inklusive Bürgermeister Schulz für Xhain, sowie des Investors nahmen an diesem Infoabend natürlich auch etliche Bürger- und AnwohnerInnen teil, darunter Mitglieder von AGG, AIF und POG.

Die bereits erworbene Fläche für das Bauvorhaben, derzeit von Autoschraubern, Gebrauchtwagenhändlern und einer Tanke genutzt, misst insgesamt rund 30.000 qm. Im Städtebaulichen Rahmenvertrag zwischen Senat, Bezirk und Vivico, der 2005 das gesamte Gleisdreieck in öffentliches Grün einerseits und vier Baufelder andererseits aufteilte, wurde für das Yorck-Dreieck die Festsetzung als Kerngebiet mit einer Grundflächenzahl (GRZ) von 1,0 (d. h. die gesamte Fläche darf überbaut werden) und einer wirklich stattlichen Geschossflächenzahl (GFZ) von 4,0 vereinbart.

Baurecht und Biotopverbund

Nach Auskunft von TeilnehmerInnen beanspruchten die Themen Sport, Verkehrsbelastung, Nahversorger (= Supermarkt) und Anbindung/Belastung der Bautzener Straße − allesamt zweifellos sehr wichtige Fragen − innerhalb der Diskussion den größten Raum, und es blieb Vertreterinnen von AGG und AIF vorbehalten, das Baufeld als integralen Bestandteil der Biotopverbindung, also des geplanten Grüngürtels vom Potsdamer Platz über Gleisdreieck- und Flaschenhalspark, Schöneberger Schleife bis zum Südgelände in Erinnerung zu rufen.

Um in dieser Biotopverbindung nicht nur als neue Barriere und störender Fremdkörper zu wirken, bedürfe es einer überzeugenden baulichen Gestaltung, die den Erhalt von Stadtnatur und − im Sinne der allenthalben beschworenen Notwendigkeit einer Adaption der Stadtentwicklung an die Auswirkungen des Klimawandels − die nachteiligen Auswirkungen großflächiger Versiegelung zureichend berücksichtigt. Dach- und Fassadenbegrünung wurde bspw. empfohlen, insbesondere aber angemahnt, sich bei Bäumen nicht immer nur auf solche zu kaprizieren, die der Baumschutzverordnung unterliegen [80cm StU in 1,30m Höhe], alle „untermaßigen“ indessen unberücksichtigt zu lassen.

Während der Hellweg-Vertreter zwar einen Ausgleich für vernichtete Vegetation in Aussicht stellte − man könne ja einen Spielplatz umgestalten −, aber ansonsten eben behauptete, es gäbe doch kaum Bäume auf dem Gelände, wies ein Anwohner aus der Bautzener Straße darauf hin, dass es nahe der Yorckbrücke 5, die gerade denkmalgerecht restauriert wird, sehr wohl Baumbestand gibt. − Im Übrigen wurden fünf Kleingarten-Parzellen auf dem Gelände mitsamt ihres Baumbestands unlängst bereits beräumt und insofern schon mal vollendete Tatsachen geschaffen. (Vor Ort machte  ein Kfz-Mechaniker darauf aufmerksam, dass erst vor kurzem in der Nähe der S1-Trasse sieben bis acht Bäume gefällt worden seien, von wem, konnte er nicht sagen. Die Stubben sind immerhin noch zu sehen. [Siehe auch das vorletzte Foto unserer Galerie.]) − In der Vergangenheit, so eine Bürgervertreterin, seien auch schon mehrere geschützte Bäume zur Goebenstraße hin, dem zukünftigen Aufgang, sowie am S-Bahnhof Yorckstraße gefallen. Und nicht zuletzt muss darauf hingewirkt werden, dass die Anlieferungszufahrt für den Baumarkt einen Abstand zur Böschungskante einhält, damit die dort noch übrigen Bäume erhalten bleiben können!

Derweil sich die gewählten VolksvertreterInnen in der Denatte solcher Fragen auffallend zurückhielten, betonte Franz Schulz, dass ihm die Aspekte Stadtnatur und Biotopverbindung sehr am Herzen lägen. Der von Hellweg präsentierte Plan zeigte nur östlich entlang der S1 einen Grünstreifen mit Bäumen, sonst nur vereinzelte zwischen den Parkplätzen: Diese Krüppelbäume, so Franz Schulz, reichten nicht aus! Was sich sonst noch auf dem Gelände an Aufwuchs findet, wurde schon gar nicht mehr eigens dargestellt. Nun hat der Investor allerdings zugesichert, vor Beginn der Baumaßnahmen eine genaue Kartierung des Vegetationsbestands zu veranlassen. [Wir möchten auch diese Gelegenheit nicht auslassen und noch mal daran erinnern, dass dem zwar durch DIN-Vorschriften penibel geregelten Baumschutz auf unsern Baustellen allenfalls in Ausnahmefällen tatsächlich auch eingehalten wird, nicht zuletzt weil es dem Grünflächenamt an Personal gebricht. Angesichts des Kostenvolumens derartiger Baumaßnahmen wäre die Privatisierung solcher Aufgaben, also etwa die Bestellung eines nach Stundensatz zu entlohnenden sachverständigen „Baumaufsehers“ aus der Portokasse zu bestreiten, während der erzielte Gemeinnutzen zu diesen Aufwendungen in keinem Verhältnis stünde.]

Und wenn die Anbindung des Geländes über die sanierte Brücke 5 erstmal realisiert sei, will Hellweg für eine technische Lösung zur Über- und Weiterführung aufs Gelände des Gleisdreieckparks schon Sorge tragen. – Wir dürfen gespannt sein, haben uns vorderhand aber wohl aufs Verhindern ungenehmigter Fällungen zu konzentieren…


Siehe auch die Berichte auf  BI Eylauer Str. und Gleisdreieck-Blog [Update 23.10.10 sowie die Nachricht von einem  gemeinsamen Antrag von SPD- und Grünen-Fraktion in der Tempelhof-Schöneberger BVV hier und die Erläuterungen  hier.]

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