In der Schöneberger Schleife

3. Werkstattgespräch zum Nord-Süd-Grünzug

Nachdem sich das zweite in der Reihe der sog. Werkstattgespräche zum Stadtumbaugebiet Südkreuz am 24.6., wie berichtet, auf die Planungen des Atelier Loidl zum Flaschenhalspark konzentriert hatte, behandelte das dritte am vergangenen Donnerstag (23.9.) die Planungen des Büros Thomanek Duquesnoy Boemans zum „Schlüsselprojekt Schöneberger Schleife“, dem Teilstück zwischen Großgörschenstraße und Ost-West-Grünzug bzw. Bhf. Südkreuz entlang der Dresdener Bahn.

Wachsendes Interesse

Nahezu bis auf den letzten Platz war die Bestuhlung des Goldenen Saals im Rathaus Schöneberg ausgelastet: Das Interesse von AnwohnerInnen und Engagierten, sich zu beteiligen − welche Möglichkeit fast ebenso lange eingefordert werden musste wie das Vorhaben, in diesen hochverdichteten Innenstadtquartieren Grünanlagen und -verbindungen zu gestalten, alt ist −, wächst jetzt, wo aus dem Fördertopf Stadtumbau West endlich Geld fließt und es konkret wird, offenbar mit jeder weiteren Runde.

Zum Flaschenhals nichts Neues

Ein Einblick in den Planungsstand zum Flaschenhals-Park wurde aus Zeitgründen und mit Hinweis auf die geplante „Abschlussveranstaltung“ zu den Prüfaufträgen am 18. November [siehe auch die offizielle Dokumentation] nicht gewährt. Man dürfe aber versichert sein, so Sigmund Kroll, Amtsleiter Planung und Denkmalschutz im Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, dass man in dieser Richtung nicht untätig (gewesen) sei. Die Kritik von TeilnehmerInnen der letzten „Werkstatt“, an der Entscheidung zwischen bspw. den beiden Eingangsoptionen beteiligt bzw. wenigstens über die Kriterien, wonach sie gefällt wird, informiert zu werden, blieb weiterhin unberücksichtigt.

Schöneberger Schleife

In seiner Einführung betonte Manfred Sperling vom Fachbereich Planen des Bezirksamts T-S erneut, wie zentral die Gestaltung der Wegeverbindungen vom Potsdamer Platz bis zum Südgelände für Fahrrad, Skating u. dgl. im zu entwickelnden Nord-Süd-Grünzug sei, nicht zu vergessen der Radfernweg Berlin-Leipzig. − Der Anschluss an den Gleisdreieck-Westpark von der Bautzener Straße aus über die Yorkbrücke 5 sei gesichert, und diese älteste der noch erhaltenen Yorckbrücken werde in der Regie von Grün Berlin gerade nach denkmalpflegerischen Maßstäben saniert.

Unklarheiten

Hier kam aus dem Auditorium die Anmerkung, dass diese Brücke doch nur dann einen barrierefreien Zugang zum Gleisdreieckpark bieten könne, wenn das entsprechende Gelände auf dem Yorkdreieck nicht abgeschoben oder überbaut werde. In der Tat gibt es dazu, so die BA-Vertreter, sowie auch über weitere Wegeverbindungen mit dem Investor Hellweg, der dort bekanntlich einen Baumarkt mit Dachfußball errichten will [siehe auch hier] noch Verhandlungsbedarf. Einerseits wurde hier kein Hehl daraus gemacht, dass sich T-S von Seiten des Nachbarbezirks F’hain-Kreuzberg in punkto Flächenerwerb mehr Engagement gewünscht hätte*, andererseits gilt das Gelände wegen möglicher, wenn auch vielleicht erst in Jahrzehnten kommender Bahnerweiterungen (Stammbahn und S 21) als höchst „planungsbefangen“, was den Einsatz investiver Mittel aus dem Förderprogramm nicht gestatte, denn der müsse schließlich nachhaltig sein. Deshalb sei die Aushandlung öffentlich nutzbarer Wege über Privatflächen hier alternativlos.

Bautzener Brache

Auch hinsichtlich der Bautzener Brache, wo der Selfstorage-Klotz nur durch Mobilisierung der Öffentlichkeit im letzten Moment abgewehrt werden konnte und das Gelände, eigentlich integraler Bestandteil der Grünfläche, inzwischen [angeblich] an einen Investor namens Schröder verkauft worden ist, sei über die Art von dessen Nutzungsinteresses nichts bekannt. Wie man hier verhindern zu können glaubt, dass der neue Eigner bspw. an der Kante zur Grünfläche und ausgerechnet vor dem Bautzener Balkon [s.u.] ein Gebäude hochzieht, bleibt allerdings unklar. (Die Verwaltung dankte indessen für den Hinweis.)

Die Übergabe von knapp 1000 Unterschriften an Baustadtrat Krömer zu Veranstaltungsbeginn und die Ansprache eines Mitglieds der Initiativgruppe, die sich für die Integration der sog. Bautzener Brache  in den Grünzug einsetzt,  haben wir leider verpasst. − Siehe aber hier.

Hier hat die Politik einfach versäumt, Flagge zu zeigen [Zusatz vom 28.9.: bzw. muss es umgehend noch nachholen!], und der Bezirk, seine Planungshoheit auszuüben, denn das entwidmete Bahngelände war nach § 35 Baugesetzbuch Außenbereich, d. h. dürfte eigentlich nur in privilegierter Nutzung bebaut werden, wenn dem kein öffentliches Interesse entgegensteht (Abs. 2). Und das tut es nach Meinung sehr vieler durchaus. − Kroll verwies dagegen auf den Flächennutzungsplan und die Bereichsentwicklungsplanung, die hier tatsächlich Wohnbebauung vorsähen, und zweitens, so fügte Bernd Krömer noch hinzu, befinde sich die Fläche nun mal in Privatbesitz: ein Bebauungsverbot wäre da eine Quasi-Enteignung. Dagegen könne die Grünverbindungsfunktion doch durch eine Fifty/fifty-Regelung gewährleistet werden. Andernfalls wären für den Bezirk nachteilige Rechtsfolgen zu befürchten bis hin zur Möglichkeit, dass die Senatsverwaltung die Sache an sich zöge −, welches Argument nicht so leicht von der Hand zu weisen ist… </irony mode>

Yorckbrücken

Auf Nachfrage zu den Yorckbrücken erläuterte Sigmund Kroll, dass überhaupt nur fünf „angefasst“ würden und die übrigen (insgesamt 13), also jene mit Vegetationsbestand, als Grünbrücken weiterhin der Biotopverbindung dienen sollen. Die erst 1995 gebauten Brücken Nr. 1 und 2 dienen Radwegen in den Gleisdreieck-Westpark einerseits, dem Einstieg in die Schöneberger Schleife andererseits. − Vom Flaschenhalspark aus nach Süden bleibt die Monumentenbrücke für den Radverkehr die Hauptverbindung, aber es sollen auch noch weitere Einstiegsmöglichkeiten geschaffen werden.

Zugänge und Wege

Eingänge

Eingänge | Fotos zum Vergrößern bitte anklicken!

Landschaftsarchitektin Eva-Maria Boemans oblag die Präsentation der Planung. Von Westen her soll es insgesamt sieben Eingänge aufs bislang ja schier unzugängliche „Niemandsland“ geben sowie einen vom Bhf. Südkreuz her, also insgesamt acht, davon die Hälfte mit barrierefreien Rampen und vier über Treppen, um damit funktionale Verbindungen und optische Bezüge zwischen den Bezirken herzustellen.

Die Wegeverbindungen sollen, neben der Anbindung ans vorhandene Wegenetz und der Weiterführung besagten Fernradwegs, der Erschließung der Grünfläche dienen und die Wegeführung, zumindest nach den Versicherungen des Planungsbüros TDB, Biotope und vorhandene Vegetation berücksichtigen, die Versiegelung auf ein Minimum begrenzen und überflüssige Erschließungsflächen vermeiden.

Massive Überformung der Böschung

Rad- und Skaterweg

Rad- und Skaterweg

Neben dem vier Meter breit asphaltierten überregionalen Radweg − dem sicher wichtigsten Teil − und dem gleichfalls geteerten, nicht minder breiten Hauptrad- und -fußweg [für Power-Walking] soll östlich noch eine 1,80 m breite Kriechspur mit wassergebundener Decke Wanderern und Flaneuren vorbehalten bleiben. Außerdem aber soll es zwischen Monumenten- und Kolonnenbrücke noch ein ca. 40.000 m2 großes „Grünes Wohnzimmer“ geben, dessen Charakter mit seiner artenreichen Spontanvegetation und dem Wechsel zwischen geschlossenen und Offenbereichen gemäß den Festsetzungen im Bebauungsplan 7-26 weitestgehend erhalten werden solle, auch wenn er einen Spielplatz und zwei „sportbetonte Spielflächen“ aufnehmen müsse. − Doch dazu später mehr.

[Hier aber der Hinweis, dass die B-Pläne 7-21 und 7-26 noch bis zum einschließlich 5. Oktober ausliegen und bis dahin auch eventuelle Widersprüche formuliert werden müssen!]

Obschon die Landschaftsarchitektin beteuerte, dass alles Erdenkliche getan werde, um durch sog. Berliner Verbau möglichst wenig in die Böschung einzugreifen und möglichst viel vom Baum- und Vegetationsbestand zu erhalten, wenn der vier Meter tiefe Radweg in den dicht bewachsenen Hang gefräst werde, stieß der Anblick der Folien mit den entsprechenden Schnitten besonders bei den anwesenden VertreterInnen des (Stadt-)Naturschutzes auf große Vorbehalte.

Ganz grundsätzlich fragten sie, inwiefern hier denn überhaupt Interessen des Naturschutzes und der Biotopverbindungskonzeption Berücksichtigung fänden, woraufhin Kroll allen Ernstes erwiderte, Bahnflächen könnten jederzeit gerodet, sollten aber hier zur Grünanlage werden und zwar, wie im genannten B-Plan fixiert, unter Wahrung des naturnahen Charakters, womit offenbar nach Auffassung des Planungsamtsleiters dem Naturschutz schon Genüge getan ist.

Es ist nun aber leider so, dass durch das Asphaltband mit einer halben Meter hohen Betonstützmauer zur einen und einer knapp zwei Meter hohen zur anderen Seite für Kleinsäuger, Laufkäfer u. dgl. die horizontale Barriere noch durch zwei vertikale komplettiert wird, „was es schon einem Karnickel unmöglich macht, diese Hürden zu überwinden“, wie ein Mitglied des BUND-Arbeitskreises Stadtnatur formulierte. Entgegen des behaupteten behutsamen Eingriffs werde die Böschung völlig überformt.

Rampe mit Panoramablick

Rampe mit Panoramablick

Im Bereich der Rampen wird es für die Fauna noch katastrophaler, aber dies ist sicher unumgänglich, wenn neben RadlerInnen vor allem behinderten Menschen der Zugang ermöglicht werden soll −, doch warum ausgerechnet der Fernradweg durch die hangbegleitende, ökologisch und nicht zuletzt mikroklimatisch wertvolle Vorwaldvegetation geschlagen werden soll, anstatt ihn mit dem „Hauptweg“ entlang der Geländesohle zu verschmelzen, um zugunsten von Naturnähe, Charakter und Biotopverbindung auf eins der Asphaltbänder zu verzichten, ist uns unerfindlich.

Sicherheit und soziale Kontrolle

Bautzener Straße

Bautzener mit "Grüner Wand"

Was die Sichtbeziehungen angeht, so stießen Frau Boemans‘ Ausführungen wie Grafiken auf Ablehnung eines Großteils des Publikums. Entlang der Bautzener Straße erstrecke sich eine undurchdringliche „grüne Wand“, verberge das dahinter Liegende und veranlasse zumal Passantinnen, die Straßenseite zu wechseln − eine Behauptung, die einigen Protest hervorrief.

Bautzener Straße

Bautzener Straße gesichert

Im Gegenteil, so eine Vertreterin der AIF, viele AnwohnerInnen seien gerade wegen dieses malerischen Anblicks einer Vegetation, die vom ersten Frühjahr bis tief in den Sommer hinein farbenprächtig blühe, in die Bautzener Straße gezogen, und sie persönlich fühle sich erst unsicher, seitdem schon einiges an Vorwald ausgelichtet worden sei und das Gelände nunmehr betreten werden könne, von der wachsenden Vermüllung ganz zu schweigen. Allein die Planerin beharrte darauf, dass eine „Durchsicht von oben nach unten“ hergestellt werden müsse, gehe es doch schließlich auch um soziale Kontrolle.

Und dass am Bautzener Platz, wo ein sog. Stadtbalkon entstehen soll, alle Bäume der Sichtbeziehung nach Tempelhof geopfert werden sollen, verteidigte Sigmund Kroll vor allem mit der Erfahrbarkeit des Geländesprungs zwischen Teltower Platte und Spreegraben, was erst auf diese Weise ermöglicht würde und dann im weiteren Umfeld ihresgleichen suche.

Bautzener Stadtbalkon

Bautzener Stadtbalkon mit Geländesprung

Baumbilanz

À propos Bäume: FugmannJanotta haben 2008 eine Biotopkartierung des Areals vorgenommen, seinen Biotopbestand erfasst und auch die Bäume kartiert. Von den 958 Bäumen stünden 212 unter Schutz [d. h. erreichen nach der aktuellen Ausgabe der Berliner Baumschutzverordnung einen Stammumfang von 80 cm in 1,30 m Höhe]. Von diesen 212 Bäumen soll ein gutes Fünftel, nämlich 45 gefällt werden. Dafür soll es dann 75 Neupflanzungen geben.

Vegetationsziele

Ziele bzgl. der Vegetation

Wie viele von den untermaßigen Bäumen fallen müssen, lässt sich laut Planerin nicht angeben, denn da ginge es um Vitalität, Lebenserwartung, Standsicherheit u.v.m. − Und wenn wir dann noch an die Verkehrssicherungspflicht entlang der Wege denken oder an die Ausführungen Martin Janottas, dass Trockenrasenbiotope, um ihren naturschutzfachlichen Wert zum Beispiel für Laufkäfer zu behalten, nicht von Aufwuchs verschattet und verschlossen werden dürfen −, ja, dann prognostizieren wir mal, dass wenigstens ein Drittel des Baumbestands dran glauben muss, von Strauchvegetation und auf Grund ästhetischer wie Sicherheitserwägungen auszulichtendem Unterwuchs ganz zu schweigen. Biotopstrukturen und zahllose Habitate werden auf diese Weise vernichtet, und nicht nur auf dem Gleisdreieck, auch hier werden Heckenbrüter wie die allseits beliebte Nachtigall abwandern müssen. − Auch mit dem Charaktererhalt wird’s schwierig.

Als sollten gleich der Ruderalflur auch noch die letzten Zweifel darüber ausgeräumt werden, zeigte Frau Boemans blauäugigerweise ein Image des „Grünen Wohnzimmers“, das wahre Proteststürme hervorrief und allgemein als Provokation empfunden wurde, aber treffend die Vorstellungswelt einer noch fest in der Neuen Sachlichkeit verwurzelten sog. Landschaftsarchitektur charakterisiert, die in steriler Orthogonalität das non plus ultra sieht. Wir fragen uns, ob und wann in dieser Branche vielleicht doch noch die Zeichen der Zeit erkannt werden oder einfach als Grundsatz akzeptiert wird, vom lebendigen Bestand auszugehen und das gewachsene Vorhandene in die Planungen zu integrieren. − Auch Sigmund Kroll distanzierte sich übrigens eilig und beteuerte, das sei vorher nicht abgesprochen gewesen und keinesfalls geeignet, die Zielvorstellung zu illustrieren. Ein Gleiches tat Umweltstadtrat Oliver Schworck, der schon als Kind auf dem Gelände gespielt hat, mit den Worten: „So etwas wird es hier bestimmt nicht geben…“

Imago

Triumph des orthogonalen Willens

Sport und Spiel

Einen Spielplatz und zwei „sportbetonte Spielflächen“ soll, wie gesagt, das „Wohnzimmer“ noch aufnehmen, wobei der Spielplatz immerhin zur Hälfte auf schon versiegeltem Gelände entstehen soll, während bei der südlichen Fläche nicht zuletzt Martin Janotta kritisierte, dass sie ausgerechnet in einem ökologisch sehr wertvollen Bereich und deshalb falsch platziert worden sei.

Über die Art der Ausstattung der Spielplätze ist noch nichts entschieden, aber darüber, dass die Eltern die Entfernung des umstehenden Buschwerks wünschen, um ihre Kinder jederzeit im Auge zu behalten, wusste ein anwesendes Mitglied der T’hof-Schöneberger Spielplatzkommission Bescheid − und sorgte mit derlei Kenntnissen für einigen Unmut.

Sicherheitshysterie

Sport- und Spielflächen

Sport- und Spielflächen

Mit dieser grassierenden Sicherheitshysterie müsse es endlich ein Ende haben, forderte ein AGG-Mitglied: es sei allgemein bekannt, dass die allermeisten Fälle von Kindesmissbrauch im engsten Familienkreis und nicht im Freiland hinter Büschen geschähen, dass aber der schönste Spielplatz für Kinder der Wald sei [s.u.]. Dringend sei nötig, die Designer-Spielplätze mit ihren teuren Spielgeräten aus blitzendem Edelstahl, die in letzter Zeit so en vogue sind, mal einer Evaluierung zu unterziehen, etwa indem man an verschiedenen Tagen zu unterschiedlichen Zeiten die Nutzungsfrequenz erfasst.

Das hat in bestimmten Gemeinden schon zur Stilllegung von Spielflächen geführt, und solche Untersuchungen sollten unbedingt auch mal in der Hauptstadt durchgeführt werden, bspw. am jüngst eröffneten „Spiel- und Sportband“ auf der Lomühleninsel oder auch im Böcklerpark in Kreuzberg. Da steht z. B. eine Halfpipe fürs Profiskaten bereit, in der, wie eine Lehrerin berichtet, nachdem sie das Gerät lange immer nur verwaist vor sich hin glänzen sah, kürzlich unvermutet ein paar Kinder mit ihren Schuhen auf der Metallfläche umherrutschten…

Erfreulicherweise hat sich nämlich auch ein Kind im Werkstattgespräch zu Wort gemeldet und nach Skaterflächen auf den einzurichtenden Spielarealen gefragt −, worauf der Vertreter der SPK eilfertig versprach, diesen Vorschlag mitzunehmen. Vielleicht glaubt er ja, Kinder und Jugendliche zu überfordern, wenn er mit ihnen die Problematik erörtert, Voraussetzungen für trendige Asphaltsportarten ausgerechnet auf Ruderalflächen zu schaffen und besser zu fragen, ob nicht vielmehr bereits versiegelte Areale für solche Freizeitnutzungen, denen nur eine schrumpfende kleine Minderheit der Jugendlichen frönt, zurückerobert werden sollten, anstatt bislang offene Flächen auch dafür noch zu versiegeln?

Günter Belzig, ein international anerkannter Spielplatz-Designer, sagt, der beste Spielplatz sei der, dem man es am wenigsten ansieht, und der allerbeste für Kinder immer noch der Wald…

Viel wohlfeile Rhetorik

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In seinem Schlusswort suchte Sigmund Kroll gewissermaßen alle auf gelben Karten an Stellwände gepinnten Vorschläge, Anregungen und Kritikpunkte irgendwie zu umgreifen und aufzunehmen, was manche arg an Coaching für Konfliktbearbeitung und Moderation erinnerte: Grundsätzlich würden Grünanlage und  Spielflächen auf dem Bahngelände von allen begrüßt, die Wegeverbindungen allgemein gewünscht, nur das Wie sei strittig; der Bewuchs der Böschungskante dürfe nicht so radikal weggeputzt, sondern allenfalls punktuell gelichtet werden, wolle man doch ein „Kleinod“ mit vielen komfortablen Zugängen schaffen usw. −, doch man darf einfach nicht so tun, als könne man immer zwischen allen, als gleichrangig hingestellten Interessen und Zielen irgendwie paritätisch vermitteln. Das klappt schon nicht bei Konflikten von Natur- und Klimaschutz selber, wenn bspw. mikroklimatisch erwünschter Schattenwurf von Baum und Strauch seltene Trockenrasenbiotope mit ihren hochspezialisierten und deshalb gefährdeten Flechten-, Kräuter- und Insekten-Arten beeinträchtigt und konkurrenzschwache Spezies erdrückt, will sagen, derlei Zielkonflikte können nicht vom Rechner aus oder per Abstimmung, sondern müssen fachkundig und konkret vor Ort abgewogen und entschieden werden. Dafür sind wiederum Begehungen mit engagierten BürgerInnen und kompetenten Sachverständigen unerlässlich, auch um die vollmundig angekündigte Berliner Strategie zum Schutz der Biodiversität gerade auf so sensiblem Gelände mal in der Praxis zu erden.

Den Grünfraß endlich stoppen!

Aber davon ganz abgesehen: Wollen wir es uns in einer Zeit, wo der Kampf gegen das grassierende Artensterben auch im urbanen Raum entschieden (und auch hier zusehends verloren) wird, denn wirklich noch leisten, ausgerechnet auf den letzten Restbeständen unserer Bahnbrachen, die zu den artenreichsten innerstädtischen Lebensräumen überhaupt gehören und womit aus historischen Gründen gerade Berlin (noch) gesegnet ist, den Konflikt zwischen Freizeitnutzung auf der einen, Natur- und Artenschutz auf der anderen Seite zugunsten von Frisby, Fuß- und Federball zu entscheiden? − Zwischen Biotopfunktion, Erholungsnutzung und Spiel braucht es jedoch erfreulicherweise keineswegs jenen Zielkonflikt und Kompromissbedarf zu geben, von dem der Planungsamtsleiter in seinem Schlusswort sprach!

Was not tut

Nach der Präsentation des TDB-Entwurfs, dem nur eine Minderheit der Anwesenden Anerkennung zollen mochte, sollte nun eine gründliche Überarbeitung aus stadtökologischer Perspektive Vorrang haben. Und um das − mit der allgegenwärtigen Grün Berlin GmbH an den Schalthebeln − gleichwohl schon deutlich sich abzeichnende Desaster im Vorfeld wenigstens noch einzugrenzen, muss, wenn sich schon BürgerInnenbeteiligung weiterhin in solchen Pseudo-Werkstätten erschöpft, eine sachkundige und ambitionierte naturschutzfachliche Begleitung z. B. seitens VertreterInnen anerkannter Naturschutzverbände sowohl in der Modifizierung der Planung als auch bei ihrer Umsetzung sichergestellt werden −, und eben nicht nur in der Schöneberger Schleife, sondern auch beim „Parkbau“ auf dem Flaschenhals und Gleisdreieck.

Ein weiterer Werkstattbericht findet sich hier.


* und in diesem Zusammenhang auf eine Veranstaltung am 7. Oktober im ehem. Rathaus Kreuzberg verwiesen

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2 Kommentare

  1. Etienne said,

    27. September, 2010 um 14:25

    herzlichen dank für den ausführlichen bericht.

  2. 5. November, 2010 um 15:43

    […] wieder thematisiert. Hier das Protokoll des dritten Werkstattgesprächs vom Amt. Und eine deutlich kritischere Darstellung des Werkstattgesprächs, samt Fotos der provokantesten Planungsdarstellungen von Grün Berlin […]


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